Rechenzentrumsinfrastruktur im KI-Zeitalter Künstliche Intelligenz bringt Rechenzentren an ihre Grenzen

Ein Gastbeitrag von Rakesh Mukhija* 5 min Lesedauer

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Höhere Leistungsdichten, volatile Lasten und neue Kühlanforderungen: KI verändert die Anforderungen an Stromversorgung, Kühlung und Betrieb von Rechenzentren grundlegend. Was es zu beachten gilt.

KI-Workloads treiben die Leistungsdichte in Rechenzentren deutlich nach oben. Stromversorgung und Kühlung müssen deshalb auch mit hohen Lastspitzen und dicht gepackten GPU-Systemen umgehen können.(Bild:  Delta Electronics)
KI-Workloads treiben die Leistungsdichte in Rechenzentren deutlich nach oben. Stromversorgung und Kühlung müssen deshalb auch mit hohen Lastspitzen und dicht gepackten GPU-Systemen umgehen können.
(Bild: Delta Electronics)

Noch sind es nur Gedankenspiele. Doch sie wirken erschreckend plausibel: Ein KI-Training bringt die Server eines Rechenzentrums an der US-Westküste zum Kollaps – Überhitzung infolge plötzlicher Rechenlast, ein milliardenschweres Projekt steht auf der Kippe.

In Europa geraten GPU-Instanzen eines Cloud-Anbieters unter Druck, weil die Energieversorgung nicht mit der KI-Nachfrage Schritt hält. Und in Asien muss ein neu errichtetes Rechenzentrum überraschend nachgerüstet werden – die ursprünglich kalkulierte Kapazität reicht nicht für die hochdynamischen Lastprofile moderner KI-Anwendungen.

Solche Szenarien mögen überzeichnet erscheinen, doch sie sind technisch keineswegs abwegig. Vielmehr zeigen sie, wie schnell Rechenzentren heute an Grenzen stoßen können, wenn sie nicht an die neue Realität angepasst werden – eine Realität, die maßgeblich durch Künstliche Intelligenz geprägt wird. Denn KI ist nicht nur ein weiterer Digitalisierungsschub. Sie verändert die Spielregeln grundlegend – in Architektur, Energieversorgung, Kühlung und Betrieb von Rechenzentren.

KI-Systeme, wie sie heute im industriellen Umfeld, in der Forschung oder für LLMs (Large Language Models, große Sprachmodelle) zum Einsatz kommen, erzeugen Rechenlasten und Betriebsbedingungen, für die klassische Rechenzentren nicht ausgelegt sind. So kann ein einziger Trainingslauf von ChatGPT, bei dem tausende GPUs wochenlang ununterbrochen betrieben werden, mehrere Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen – klassische Rechenzentren stoßen dabei schnell an ihre physikalischen und strukturellen Grenzen.

Die Künstliche Intelligenz wird somit nicht nur zur Anwendung in Rechenzentren, sie wird zur Belastungsprobe für deren technische Infrastruktur.

Die neuen Anforderungen – warum KI die Data Center-Welt verändert

Künstliche Intelligenz unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von klassischen IT-Anwendungen. Die größten Herausforderungen ergeben sich insbesondere durch den enormen Leistungsbedarf und die damit verbundenen Anforderungen an Stromversorgung, Kühlung, Verfügbarkeit und Überwachung.

Während klassische Serveranwendungen eine relativ gleichmäßige Auslastung aufweisen, sind KI-Workloads durch stark schwankende und oftmals extrem hohe Leistungspeaks gekennzeichnet. Dies betrifft sowohl das Training komplexer Modelle als auch das Inferenzverhalten im operativen Betrieb. Die Leistungsdichte moderner KI-Systeme übersteigt dabei die bislang gewöhnlichen Rechenlasten deutlich.

Serverracks, die für klassische Anwendungen gebaut wurden und mit 5 bis 10 Kilowatt (kW) Leistung ausgelegt sind, müssen nun Belastungsspitzen von bis zu 30, 40 oder sogar 60 kW standhalten. Die Folge ist ein rasanter Anstieg des Energiebedarfs auf engstem Raum. Eine solche Verdichtung erfordert nicht nur neue Konzepte in der Stromversorgung, sondern insbesondere auch im Bereich des Wärmemanagements.

Denn mit steigender Leistungsdichte steigen auch die Anforderungen an die Kühlung. Luftbasierte Systeme, die lange Zeit den Goldstandard für die Kühlung von Rechenzentren darstellten, können die punktuell entstehende Hitze nicht mehr schnell genug abführen. Gerade GPUs erzeugen thermische Hotspots, die ohne gezielte Kühllösungen zur Gefahr für die Systemstabilität werden.

In diesem Zusammenhang gewinnt die direkte Flüssigkeitskühlung zunehmend an Bedeutung. Hinzu kommt, dass KI-Anwendungen oft in unregelmäßigen Zyklen betrieben werden. Diese Volatilität ist für klassische Energie- und Klimasysteme schwer zu handhaben, da sie auf konstante Auslastung ausgelegt sind. Es bedarf also flexibler, adaptiver Systeme, die schnell auf wechselnde Betriebsbedingungen reagieren können.

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Gleichzeitig nimmt die Bedeutung von Echtzeitanwendungen zu. Autonome Fahrzeuge, industrielle Bilderkennung oder Predictive-Maintenance-Systeme erfordern eine unmittelbare Datenverarbeitung, die klassische zentrale Rechenzentren aufgrund von Latenz und Bandbreitenbeschränkungen nicht leisten können.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, KI-Funktionalitäten zunehmend an den Netzwerkrand zu verlagern – Edge Data Center gewinnen in der Folge rasch an Bedeutung. Schließlich steigt mit der zunehmenden Komplexität auch der Bedarf an smarter Infrastrukturüberwachung. KI-Systeme benötigen ein intelligentes Management, das nicht nur reagiert, sondern proaktiv agiert, um Ausfälle, ineffizienten Betrieb und Überlastungen zu vermeiden.

Was es für KI-fähige Rechenzentren braucht

Um diesen spezifischen Anforderungen von KI-Anwendungen gerecht zu werden, braucht es ein neues Denken in der Planung und Ausstattung von Rechenzentren. Skalierbarkeit und Modularität sind für die Stromversorgung zentrale Aspekte – immerhin muss diese in der Lage sein sowohl hohe Spitzenlasten als auch niedrige Teillasten effizient zu bewältigen.

Genau hierzu eignen sich hochmoderne USV-Systeme, die nicht nur mit hoher Energieeffizienz arbeiten, sondern sich auch flexibel an unterschiedliche Lastanforderungen anpassen lassen. Eine nahtlose Integration in zentrale Steuerungssysteme ist entscheidend, um auf volatile Rechenprofile dynamisch reagieren zu können.

Gleichzeitig wird eine intelligente Stromverteilung auf Rack- und Komponentenebene immer wichtiger. Nur durch eine feingranulare Überwachung der Energieflüsse lassen sich Hotspots vermeiden und Betriebssicherheit wie Energieeffizienz gleichermaßen steigern. Auch bei der Kühlung sind neue Lösungen gefragt:

Hybridmodelle, die Luft- und Flüssigkeitskühlung kombinieren, sowie Direct-to-Chip-Systeme bieten die notwendige Präzision und Leistung, um thermisch anspruchsvolle Hardware wie GPUs dauerhaft stabil zu betreiben.

Besonders in Umgebungen mit hoher Packungsdichte kann nur so eine effektive Wärmeabfuhr und damit Systemzuverlässigkeit gewährleistet werden.

Für Anwendungen mit Echtzeitanforderungen, bei denen zentrale Rechenzentren an Latenzgrenzen stoßen, sind Edge-Lösungen unerlässlich. Diese sollten entsprechend ihres Einsatzgebietes kompakt, energieeffizient und modular aufgebaut sein und gleichzeitig alle Funktionen eines herkömmlichen Rechenzentrums inklusive Kühlung, Sicherheit und Notstromversorgung mitbringen.

Hinzu kommt die Notwendigkeit eines zentralen Infrastrukturmanagements, das alle fundamentalen Notwendigkeiten – von Strom über Klima bis zur Sicherheit – intelligent vernetzt und nicht nur überwacht, sondern auch vorausschauend steuert.

KI als Wegbereiter für smarte Data Center

Künstliche Intelligenz wird die Architektur und das Betriebsmodell von Rechenzentren nachhaltig verändern. Der Bedarf an höherer Leistungsdichte, effizienter Kühlung, smarter Energieverteilung und adaptivem Infrastrukturmanagement ist unübersehbar.

Über den Autor:
Rakesh Mukhija ist Head of Energy Infrastructure, Data Center & Service Solution Business EMEA.

Sein Fazit lautet: „Die massive Rechenlast von KI-Anwendungen kann durch die richtige Infrastruktur zur Chance werden. Rechenzentren können künftig nicht nur leistungsfähiger, sondern auch deutlich effizienter und intelligenter arbeiten.

KI ist damit nicht nur Treiber neuer Anforderungen, sondern zugleich Wegbereiter für eine neue Generation smarter Rechenzentren.“

Er leitet die Geschäftsbereiche Data Center und Energy Infrastructure in der EMEA-Region. Sein Fokus liegt auf der Entwicklung und Bereitstellung ganzheitlicher Lösungen und Serviceleistungen für Rechenzentren, Telekommunikationsunternehmen, den Gewerbe- und Industriesektor (Commercial & Industrial), Energieversorger sowie Betreiber von Ladeinfrastruktur (Charge Point Operators).

Bildquelle: Delta

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