Rechenzentren im KI-Zeitalter KI zwingt Rechenzentren zu einer doppelten Transformation

Das Gespräch führte Carolina Heyder 5 min Lesedauer

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KI erhöht den Energiebedarf von Rechenzentren, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit. Im Interview spricht Alyson Freeman von Dell Technologies über Flüssigkühlung, Energieoptimierung und neue Standortfaktoren.

Das Interview wurde auf der „Dell Technologies World 2026“ in Las Vegas geführt.(Bild:  Carolina Heyder)
Das Interview wurde auf der „Dell Technologies World 2026“ in Las Vegas geführt.
(Bild: Carolina Heyder)

Frau Freeman, wo lässt die Rechenzentrumsbranche derzeit noch Potenzial ungenutzt?

Alyson Freeman, Lead Strategist Data Center Efficiency bei Dell Technologies: Die Branche macht bereits vieles richtig. Das größte Potenzial sehe ich aber darin, KI gezielt einzusetzen, um den Energieverbrauch zu optimieren. Wir könnten die heute eingesetzte Energie deutlich effizienter nutzen.

In Las Vegas sprach IT-Redakteurin Carolina Heyder mit Alyson Freeman, Lead Strategist Data Center Efficiency bei Dell Technologies, über ungenutztes Potenzial der Branche, Markttrends und die Notwendigkeit, zwei Transformationen gleichzeitig zu meistern.(Bild:  Carolina Heyder)
In Las Vegas sprach IT-Redakteurin Carolina Heyder mit Alyson Freeman, Lead Strategist Data Center Efficiency bei Dell Technologies, über ungenutztes Potenzial der Branche, Markttrends und die Notwendigkeit, zwei Transformationen gleichzeitig zu meistern.
(Bild: Carolina Heyder)

Können Sie das konkretisieren?

Ein klassisches Beispiel: Ein Workload läuft auf fünf Servern, die alle nur teilweise ausgelastet sind. Alle fünf verbrauchen trotzdem Strom. KI kann wunderbar analysieren, wie sich die Last konsolidieren lässt, auf beispielsweise zwei oder drei Systeme. Und weniger aktive Systeme bedeuten einfach weniger Energieverbrauch.

Ein weiteres Beispiel ist unser Projekt „Concept Astro“, ein Pilotprojekt mit der UC San Diego und der Scripps Institution of Oceanography. Dabei wurden Korallenriffe fotografiert und aus den Bildern 3D-Modelle erstellt. Eine Software entschied automatisch, wann diese rechenintensiven Modelle ausgeführt werden sollten, nämlich dann, wenn erneuerbare Energie verfügbar war. In diesem Jahr machen wir daraus sogar eine echte Produktfunktion, die Kunden über die „Dell Automation-Plattform“ erwerben können.

Dell hat dieses Jahr auf der Dell Technologies World mehrere Ankündigungen zu Effizienz und Nachhaltigkeit gemacht. Würden Sie eine hervorheben?

Wir verbinden unsere Server im Backend erstmals direkt mit dem Stromnetz und beziehen Echtzeit- sowie Prognosedaten zur Energieversorgung. Normalerweise verfügt ein Server über Software, die Leistungsgrenzen, Lüfterdrehzahlen und ähnliche Parameter verwaltet.

Bisher haben wir das nie mit der tatsächlichen Umgebung verbunden, in der sich der Server befindet. Jetzt berücksichtigen wir auch die realen Netzbedingungen: Wann ist gerade besonders viel erneuerbare Energie verfügbar?

Dafür arbeiten wir mit WattTime zusammen. Die Plattform liefert Informationen darüber, wann besonders viel erneuerbare Energie verfügbar ist. Ähnliche Technologien werden bereits genutzt, um Elektrofahrzeuge bevorzugt mit grünem Strom zu laden. Warum sollte das nicht auch für Rechenzentren funktionieren?

Doch gerade bei KI drängt sich die Frage auf: Wer trifft am Ende die Entscheidungen, Mensch oder Maschine?

Wir arbeiten immer mit einem „Human in the Loop“-Ansatz. Menschen setzen die Rahmenbedingungen und Prioritäten fest, KI optimiert innerhalb dieser Vorgaben. Beim Korallenriff-Projekt konnte der Nutzer beispielsweise festlegen, ob niedrige Kosten, geringe Emissionen oder ein ausgewogener Kompromiss priorisiert werden sollen.

KI treibt den Energieverbrauch in die Höhe. Wie schafft man den Spagat zwischen Effizienzzielen und dem Energiebedarf von KI-Workloads?

Die Antwort ist: Kühlung. Rechenzentren benötigen Energie nicht nur für die Berechnungen selbst, sondern auch für die Kühlung der Hardware. Traditionell geschieht das durch Luftkühlung, letztendlich und vereinfacht gesagt durch Ventilatoren. Wir beobachten, dass immer mehr Kunden auf Flüssigkühlung und geschlossene Kühlkreisläufe umsteigen. Einige Kunden wechseln sogar zur Immersionskühlung. Und genau hier sehe ich, dass Innovationen stattfinden.

Welche Methode ist die bessere?

Flüssigkühlung im geschlossenen Kreislauf. Wärme wird direkt mit Wasser abgeführt, anstatt Luft darüber zu blasen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass man diese Abwärme aus den Rechenzentren für praktischere Zwecke wiederverwenden kann, zum Heizen von Gebäuden oder Schwimmbädern beispielsweise. Wenn Rechenzentren von Anfang an intelligent geplant werden, kann sogar der Gesamtenergieverbrauch einer Stadt reduziert werden.

Ist eine vollständige Flüssigkühlung überall realisierbar?

Nicht immer. Für maximale Nachhaltigkeit wäre das ideal, in der Praxis ist es jedoch nicht überall umsetzbar. Deshalb bieten wir Lösungen entlang des gesamten Spektrums an, von klassischer Luftkühlung über luftgestützte Flüssigkühlung bis hin zu vollständig flüssiggekühlten Systemen.

Ist das eine Frage der Größe?

Weniger als man denkt. Entscheidend ist vor allem, ob ein Rechenzentrum neu gebaut oder ein bestehendes modernisiert wird. Es spielt eine Rolle, ob es sich um einen Neubau oder eine Modernisierung handelt, als ob die Anlage klein oder groß ist. Wenn Sie wirklich rechenintensive KI-Anwendungen mit den neuesten und leistungsstärksten Produkten betreiben wollen, sollten Sie beim Bau eines neuen Rechenzentrums auf Flüssigkühlung setzen, da Sie damit langfristig Energiekosten einsparen werden.

Fragen Kunden heute stärker nach Nachhaltigkeitskennzahlen?

Definitiv. Systemmetriken und Effizienz stehen zunehmend im Fokus. Angesichts des rasanten Wachstums von KI wird dieses Thema immer wichtiger.

Aber beim Thema Nachhaltigkeit gibt es viel Greenwashing. Welche Kennzahlen sollten Unternehmen berücksichtigen?

Kernindikatoren wie PUE (Power Usage Effectiveness) und WUE, also Water Usage Effectiveness. Dazu können Unternehmen die Emissionsbilanz betrachten: Scope 1, Scope 2 und Scope 3, sowie den Anteil erneuerbarer Energien. Entscheidend ist hier die Transparenz.

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Was steckt hinter Scopes 1, 2 und 3?

Scope 1, 2 und 3 dienen zur Kategorisierung von Treibhausgasemissionen. Verwendet werden sie etwa, um den Klimagas-Ausstoß ganzer Firmen (Corporate Carbon Footprint), einzelner Bereiche oder bestimmter Produkte und Services (Product Carbon Footprint) zu ermitteln:

  • Scope 1: Direkte Emissionen aus Quellen, die das Unternehmen selbst betreibt oder kontrolliert, etwa Heizungen oder firmeneigene Fahrzeuge.
  • Scope 2: Indirekte Emissionen durch eingekaufte Energie wie Strom, Wärme oder Kälte, die extern erzeugt und vom Unternehmen verbraucht wird.
  • Scope 3: Alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, vor- und nachgelagert – etwa durch Geschäftsreisen, Lieferanten oder Entsorgung.

Näheres hierzu im Artikel von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Was ist aktuell die größte Herausforderung für Rechenzentrumsbetreiber?

Wir benötigen deutlich mehr Energie und zwar schnell. Gleichzeitig müssen wir auf saubere Energiequellen umsteigen. Wir durchlaufen also zwei Transformationen gleichzeitig: Wir versuchen, unsere derzeitige Energiemenge zu steigern und gleichzeitig einen umweltfreundlichen Weg einzuschlagen.

Welche Trends beobachten Sie?

Flüssigkühlung wird breiter eingesetzt, das ist eindeutig. Die Standortwahl wird strategischer: Außentemperatur, Wasserverfügbarkeit und vor allem Energieverfügbarkeit gewinnen an Bedeutung. Große Betreiber errichten teilweise eigene Energieanlagen, um ihre Rechenzentren zu versorgen, während sie auf einen Netzanschluss warten. Das haben wir in diesem Umfang früher nicht gesehen. Dazu kommen mehr Colocation-Lösungen und eine intelligentere Platzierung von Rechenzentren in Verbindung mit Wärmerückgewinnung.

Gratulation. Sie wurden kürzlich in die Liste „100 Most Influential Sustainability and Impact Leaders“ aufgenommen. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Es ist eine große Ehre. Es gibt viele Menschen auf dieser Liste, die ich seit Jahren bewundere. Und es zeigt, dass unsere Arbeit Wirkung entfaltet. Ich bin überzeugt, dass der Übergang in das KI-Zeitalter nachhaltig gestaltet werden kann. Und dafür müssen wir klar vermitteln, welche Maßnahmen notwendig sind.

Sie setzen sich ebenso für Frauen in der Tech-Branche ein. Wie sieht dieses Engagement konkret aus?

Ich leite bei Dell die Initiative „Women in Action“. Wir fördern Frauen bei Patentanmeldungen, unterstützen Programme für Mädchen und junge Menschen im STEM-Bereich und arbeiten über verschiedene Mitarbeiternetzwerke daran, mehr Menschen für Technologie zu begeistern.

Frau Freeman, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview wurde auf der Dell Technologies World 2026 in Las Vegas geführt.

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