Valantic identifiziert Zukunftstechnologien 2021 IT-Trends, die Unternehmen nicht verschlafen sollten

Autor Elke Witmer-Goßner

Die Technologie-Expertise deutscher Anwenderunternehmen ist trotz großer Fortschritte noch immer nicht ausreichend. Insbesondere in den Feldern Künstliche Intelligenz (KI), Prozessoptimierung und Automatisierung fehlt das Fachwissen.

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In vielen Technologiefeldern fehlen deutschen Unternehmen die Skills, um sie gewinnbringend zu nutzen – mit der Gefahr, den Anschluss an Digitalisierungstrends zu verpassen.
In vielen Technologiefeldern fehlen deutschen Unternehmen die Skills, um sie gewinnbringend zu nutzen – mit der Gefahr, den Anschluss an Digitalisierungstrends zu verpassen.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

So lautet zusammengefasst das wenig befriedigende Ergebnis einer Studie des Digitalisierungsspezialisten Valantic in Zusammenarbeit mit Lünendonk. Viele Anwenderunternehmen hätten zwar in der IT-Security weitgehend ihre Hausaufgaben gemacht. In anderen Bereichen fehle es jedoch stark an eigener Expertise. Dazu gehörten Künstliche Intelligenz, Process Mining, Data Analytics, Customer Relationship Management (CRM), Supply Chain Management (SRM) und Robotic Process Automation (RPA).

Ausgehend von den Studienergebnissen hat Valantic sieben Trends identifiziert und bewertet, die Unternehmen 2021 auf dem Radar haben sollten, weil sie im kommenden Jahr eine elementare Rolle bei der Digitalisierung spielen werden. Valantic appelliert zudem an die deutschen Unternehmen, im Tagesgeschäft die digitale Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren.

Die sieben wichtigsten Technologietrends für 2021

Trend 1: Hybride Multi-Cloud-Architekturen
Skalierbarkeit, Flexibilität und Kosteneffizienz seien nur drei von vielen Gründen, warum in den letzten Jahren immer mehr Unternehmen auf Lösungen aus der Cloud, darunter Enterprise Ressource Management (ERP)- oder CRM-Systeme, E-Commerce-Lösungen oder Online-Datenspeicher gesetzt hätten. Aktuelle Kundenprojekte und Expertengespräche zeigten, dass sich diese Dynamik im Jahr 2021 noch weiter verstärken und der Trend in den Unternehmen immer weiter zu hybriden Multi-Cloud-Architekturen gehen werde.
Bei diesem Ansatz werden unterschiedliche Cloud-Lösungen zu einer großen Anwendungs- und Datenwolke zusammengezogen. Hybride Multi-Cloud-Architekturen hätten zwar große Vorteile, stellen die Nutzer aber auch vor neue Herausforderungen, wie Thomas Latajka, Geschäftsführer im Valantic Competence Center ERP in Langenfeld, feststellt: „Die unterschiedlichen, auf verteilten Servern betriebenen Systeme und Datenbanken müssen nicht nur gegen unbefugte Zugriffe geschützt, sondern auch sicher miteinander vernetzt werden, damit sie für die Anwendenden wie ein homogenes System nutzbar sind. Diese Problematik wird im kommenden Jahr mit wachsender Komplexität und Vernetzung der Lösungen noch zunehmen.“

Trend 2: IT-Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeit durch IT
Nicht erst seit der „Fridays for Future“-Bewegung stünden Nachhaltigkeitsthemen ganz oben auf den Agenden der Unternehmen. Im Jahr 2021 sollten diese Themen daher auch von vielen IT-Leitenden und CIOs noch entschiedener vorangetrieben werden. Dabei spielten nicht nur Überlegungen eine Rolle, wie die IT im Sinne einer Green-IT selbst nachhaltiger werden könne, damit sie zum Beispiel strom- und ressourcensparender, länger haltbar oder recyclebarer werde.
Auch die Frage, welche Rolle der Einsatz neuer Software- und IT-Lösungen beim Thema Nachhaltigkeit spielen kann, werde im kommenden Jahr immer mehr Führungskräfte beschäftigen. So könnte intelligente Software etwa dabei helfen, den Materialeinsatz in produzierenden Unternehmen durch eine nachhaltigkeitsorientierte Produktions-Planung und -Steuerung zu reduzieren. Die Gestaltung von Produktions- und Liefernetzwerken werde spürbar mehr an Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtet, ist Martin Hofer, Geschäftsführer des Valantic Competence Centers Supply Chain Excellence in München, überzeugt.
Es gelte daher Lieferketten und Logistikprozesse effizienter zu machen und dadurch den Ressourcen-Einsatz für Produktion, Lagerung und Transport erheblich zu verringern. „Wir schätzen, dass Unternehmen ihren CO2-Ausstoß zwischen 10 und 35 Prozent alleine durch eine optimierte Logistik reduzieren können, was dann nebenbei auch noch den eigenen Geldbeutel entlasten kann“, sagt Hofer. Eine grüne IT sei dann die logische Konsequenz. In Summe reduziere eine „grüne“ Digitalisierung den ökologischen Fußabdruck der Unternehmen erheblich.

Nur 4 % der Unternehmen kennen sich sehr gut mit KI aus, nur 5 % mit Process Mining, bei Manufacturing Execution Systems (MES) sind es 6 %. Die Mehrzahl der Unternehmen fährt wie im Nebel auf Sicht oder stellt den Motor ganz ab.
Nur 4 % der Unternehmen kennen sich sehr gut mit KI aus, nur 5 % mit Process Mining, bei Manufacturing Execution Systems (MES) sind es 6 %. Die Mehrzahl der Unternehmen fährt wie im Nebel auf Sicht oder stellt den Motor ganz ab.
(Bild: Lünendonk/Valantic)

Trend 3: Multi-Experience Management
Das Thema User Experience – also die Art, wie Menschen Technologie- und Software-Systeme bedienen und mit ihnen interagieren – ist seit Jahren ein wichtiges Thema in der IT und Software-Entwicklung. Im kommenden Jahr aber, ist sich Reto Rutz, Geschäftsführer bei der auf Digital Commerce-Lösungen spezialisierten Valantic CEC in St. Gallen (Schweiz), sicher, werde sich durch den zunehmenden Einsatz neuer Erfahrungswelten wie Virtual und Augmented Reality, Sprach- und Gestensteuerung oder smarter KI-gestützter Assistenten, die Interaktion zwischen Menschen und digitalen Systemen noch mal verändern.
Sein Team entwickele gerade Prototypen, um Kunden durch Augmented Reality ein verändertes, erweitertes Einkaufserlebnis zu ermöglichen, etwa durch ergänzende Information wie Produktvarianten, Preisangebote oder Kundenbewertungen, die über Mobile Devices dem Kaufgegenstand virtuell hinzugefügt werden. Gleichzeitig, so Rutz, verschmelze das Online-Einkaufserlebnis auch offline – in Geschäften, die 24/7 Zugänge, Einkäufe, Instore-Navigation und Abholungen erlauben. „Und natürlich ist hier auch der Einsatz von Sprachassistenten, Künstlicher Intelligenz oder multisensorischen Schnittstellen wie Wearables angedacht“, ergänzt der Digital-Experience-Spezialist.

Trend 4: Hyperautomatisierung und Robotic Process Automation
Laut Gartner war die Hyperautomatisierung bereits in diesem Jahr eine der wichtigsten strategischen Technologietrends. Darunter versteht das Analystenhaus die Möglichkeit der vollständigen Automatisierung von Arbeitsschritten unter anderem durch den Einsatz von Machine Learning und KI.

„Von ‚echter‘ Künstlicher Intelligenz“, glaubt Rüdiger Hoffmann, Geschäftsführer und Digitalisierungsspezialist bei der Valantic-Tochter LINKIT, „werden wir auch im Jahr 2021 sicher noch ein paar Entwicklungsjahre entfernt sein.“ Viele Unternehmen setzten aber bereits auf Vorläufer der KI wie RPA, um einfache, derzeit noch manuelle Arbeitsabläufe auf Basis von Algorithmen und Regelwerken zu automatisieren. Mit der Hyperautomatisierung stehe womöglich aber bereits die nächste Entwicklung auf dem Plan vieler CIOs, so Hoffmann, um zukünftig die durchgängige Automatisierung komplexer Geschäftsprozesse umzusetzen.

Trend 5. Smart Workplaces mit Virtual Assistance und Conversational Artificial Intelligence
Eine Folge von Corona und dem Siegeszug des Arbeitens im Home-Office ist laut Valantic die Erkenntnis, dass die Arbeitsplätze smarter werden müssen. Der Zugang zur IT muss von überall aus möglich sein.
Mitarbeitende bekommen in ihrer täglichen Arbeit zunehmend Unterstützung von Technologien wie Virtual Assistance und Conversational Artificial Intelligence. Daher würden auch Smart Workplaces, über die alle Daten und Tools orts- und zeitungebunden sowie frei von Medienbrüchen zur Verfügung stehen, im kommenden Jahr zur zentralen digitalen Arbeitsplattform.
Sprachgesteuerte Hilfen könnten Unternehmen wertvolle Vorteile verschaffen, ist Andreas Winter, Business Unit Manager Enterprise Software Engineering und Experte für Conversational AI bei Valantic, überzeugt: „Conversational AI mit Voicebots, Chatbots und Virtual Assistants erledigt administrative Dienstleistungen, vereinfacht die Kommunikation und führt zu einer noch stärkeren Prozessautomatisierung.“

Trend 6: Data Literacy, Realtime Intelligence und Predictive Analytics
Laut Analysen des deutschen Internet-Betreibers DE-CIX stiegen die Datenmengen am größten deutschen Internet-Knoten in Frankfurt aufgrund der Corona-Pandemie zuletzt auf unglaubliche 10 Terabit pro Sekunde und haben sich damit in nur fünf Jahren nahezu verdoppelt. Für Unternehmen bedeute dieser gigantische Anstieg nicht nur, dass sie in den Ausbau ihrer Datennetze investieren müssten. Auch die Frage, welche Schlüsse und welches Wissen man aus den Daten ziehen könne, werde immer wichtiger.
Die Fähigkeit, Daten kompetent zu verwalten, zu interpretieren und anzuwenden – so genannte Data Literacy – werde bei seinen Kunden 2021 eine immer wichtiger werdenden Kernkompetenz werden, weiß Anastasios Christodoulou, Geschäftsführer beim Competence Center Valantic Business Analytics in Hamburg. „Realtime-Intelligence-Verfahren, die Daten in Echtzeit analysieren, sowie Predictive Analytics, die aus vorhandenen Daten vorausschauende Prognosen für die Zukunft ermöglichen, werden in 2021 zu wettbewerbs-entscheidenden Fähigkeiten“, ist der Business-Analytics-Experte überzeugt. Kunden aus der Versicherungs- und Krankenkassen-Welt setzten vermehrt auf diese Trend-Technologien, um ihr daten-basiertes Wissen über ihre Kunden auszubauen, so Christodoulou.

Trend 7: 5G ermöglicht Internet of Things und Industrie 4.0
Das Internet of Things (IoT) wird 2021 zum Standard im vernetzten Unternehmen, ist Valantic überzeugt. Der Mobilfunkstandard 5G ist dabei für die Industrie 4.0 eine wichtige Voraussetzung. Schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten und geringe Latenzzeiten versprechen neue Anwendungen, welche die Logistik revolutionieren könnten.
Die komplette Lieferkette lässt sich durch IoT-Sensoren in Echtzeit steuern und kontrollieren. Aber: Die 5G-Technologie ermögliche zwar Echtzeit-IT-Szenarien, in denen die Automatisierung und Verknüpfung komplexer Systeme realisiert werden, allerdings werde es auch im Neuen Jahr noch immer keine flächendeckende Versorgung mit 5G in Deutschland geben, betont Falk von Falkenhausen, Geschäftsführer beim Valantic Competence Center Supply Chain Excellence. Daher werde es noch eine Weile brauchen, bis es sich in den kommenden Jahren in der Industrie etabliert haben werde.

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