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Nicht nur am Rande IoT braucht Edge Computing - Fujitsu bietet eine Appliance

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Ulrike Ostler

Im Zuge der Digitalisierung und des Internet of Things (IoT) entstehen Daten in bislang nicht bekannten Mengen. Die Verarbeitung dieser Daten wirft gravierende Fragen auf, vor allem, wenn sie weitestgehend in Echtzeit erfolgen muss.

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Fujitsu hat sein Portfolio für das Industrial Internet of Things (IIoT) um die Appliance „Intelliedge“ erweitert. Die Plattform ist insbesondere für das Edge-Computing gedacht.
Fujitsu hat sein Portfolio für das Industrial Internet of Things (IIoT) um die Appliance „Intelliedge“ erweitert. Die Plattform ist insbesondere für das Edge-Computing gedacht.
(Bild: gemeinfrei, geralt, Pixabay / CC0 )

Galt bis vor kurzem die Cloud als Lösung für solche Szenarien, so machen Brancheninsider seit einigen Monaten eine gegenteilige Entwicklung aus: Kleine, kompakte Rechenzentren (RZ) direkt vor Ort – Edge-Datacenter genannt - boomen. Der Grund dafür liegt in der oft eingeschränkten Bandbreite der Verbindungen zwischen der Quelle von Daten im IoT-Umfeld und dem „großen“ zentralen RZ.

Edge-Datacenter punkten mit Geschwindigkeit

Der Weg der Daten von ihrer Quelle - üblicherweise Operation Technology (OT) genannt, was nichts anderes als Maschine beziehungsweise einen Sensor an der Maschine bedeutet – in ein RZ und dort gegebenenfalls eine Cloud ist lang. Es geht viel schneller, die Daten direkt vor Ort zu sortieren und auszuwerten und nur die Ergebnisse in ein zentrales Rechenzentrum zu übermitteln. Nur die vergleichsweise schmalen Resultate einer Analyse werden also an das Mutterhaus weitergeleitet. Dieses Konzept überzeugt immer mehr Anwender.

Edge-RZ sind damit die Antwort auf die neuste Entwicklung mit rund 50 Milliarden IoT-fähigen Endgeräte bis 2020, die Cisco unlängst prognostiziert hat. „Lokalisierte oder auch Mikrorechenzentren gehören einfach zum Geschäftsleben dazu und sind keine neue Erfindung, Aber mit solchen autarken, skalierbaren Einheiten, die sich remote verwalten lassen, können CIOs nun Kosten sparen und dennoch die Agilität, aber auch die Compliance- und Service-Verfügbarkeiten erhöhen“, so Gartner-Analyst David Cappuccio.

Speziell für das Industrial Internet of Things (IIoT)

In diese Lücke zwischen Operational Technology und On-Premise- sowie Cloud-basierter IT ist Fujitsu Anfang des Jahres gegrätscht und hat sein Lösungsportfolio für Industrial Internet of Things (IIoT) um die Intelliedge-Plattform erweitert. Die „Edge Computing Appliance Intelliedge A700“ stellt eine sichere Verbindung von Daten und Ressourcen zu Mitarbeitern und Anlagen her. Über eine Management-Konsole erhalten Unternehmen einen Überblick über alle Produktionsprozesse.

Die Lösung verwaltet die Erfassung und Steuerung von riesigen Datenmengen, die von Anlagen in OT-Umgebungen wie zum Beispiel in der Produktion, bei der Stromerzeugung oder in der Öl- und Gasindustrie generiert werden. Sie steuert den Datenfluss von lokalen Anlagen in die Cloud und ermöglicht einen Überblick über alle industriellen Prozesse – von der Bestandserfassung von Lieferketten über Bestellsysteme bis hin zu Produktionsabläufen. Neben der schnellen Auswertung von OT-Daten ist damit auch die Aufdeckung von Schwachstellen in den Produktionslinien und Lieferketten möglich.

„In Zeiten von Industrie 4.0 stoßen Unternehmen schnell an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Daten zu erfassen und gezielt einzusetzen, um Netzwerkrandsysteme in Echtzeit zu optimieren. Intelliedge schließt die Lücke zwischen Operational Technology in der Produktion und der IT, egal ob in der Cloud oder On-Premise“, so Andreas Rohnfelder, Head of the Fujitsu Industry 4.0 Competence Center. Die Lösung biete Transparenz sowie eine einfache Verwaltung ganzer, digitalisierter Produktionsketten. Zudem lasse sie sich nahtlos in Cloud-Plattformen integrieren.

Entwickelt im Fujitsu-Werk in Augsburg: A700 und G700

Die erstmals Ende 2017 in München vorgestellte Fujitsu Intelliedge Edge Computing Appliance Plattform wurde komplett im Fujitsu-Werk in Augsburg entwickelt. Wie es sich für ein Edge-Mini-RZ gehört, sammelt filtert, analysiert und verarbeitet das System Sensordaten von Maschinen direkt vor Ort, noch bevor sie in das Netzwerk beziehungsweise die Cloud geschickt werden.

Das reduziert das Datenaufkommen in den Netzen, da nur die tatsächlich relevanten und vorausgewerteten Daten versendet werden. Dies ist besonders wichtig, falls nur sehr „dünne“ und teure Verbindungen wie GSM/UMTS/LTE zur Verfügung stehen, wie das etwa bei Frachtschiffen auf dem Ozean der Fall ist.

IT made by Fujitsu Augsburg

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Die Intelliedge-Plattform Lösung besteht aus der A700-Appliance und dem „G700-Gateway“. Die A700-Appliance bietet eine skalierbare Plattform für eine breite Palette von Edge-Computing-Anwendungen von einfachen Gateway-Funktionalitäten bis hin zu komplexen Fog-Computing-Szenarien, die künstliche Intelligenz (KI) und Maschinenlernen (ML) einsetzen.

Sie verfügt zudem über Software für Device Management, Anwendungsbereitstellung und -Management, sichere Mandanten-Setups und Disaster Recovery. Letzteres ist in das System-BIOS integriert und sorgt für eine sichere Betriebssystem-Wiederherstellung für verschiedene Katastrophenszenarien.

Die Appliance nutzt einen hybriden Container- und Virtualisierungs-Ansatz, um eine vollständige Trennung zwischen den auf dem System ausgeführten Anwendungen und Datenströmen zu gewährleisten. Die Folge sind nahezu null Unterbrechungen und eine sichere und stabile Umgebung.

Integration in Mainboard-Fertigung

Das Gateway Intelliedge G700 kommt ganz ohne Software-Komponenten und stellt eine flexibel konfigurierbare Hardwarebasis für Edge Computing bereit. Anwender können damit nach Belieben eigene Lösung etwa auf Basis von „Windows 10 IoT“ implementieren.

Nils Wittler, Senior Manager bei Fujitsu Technology Solutions und Verantwortlich für die Entwicklung der Intelliedge-Plattform, fasst zusammen: „Die Intelliedge-Plattform von Fujitsu ist seit Mai für Kunden verfügbar. In unserer Smart Factory Augsburg sammelt sie Daten von unterschiedlichsten Maschinen einer Mainboard-Produktionslinie. Die Daten werden an der Edge vereinheitlicht, gefiltert und ausgewertet, nur relevante Informationen werden in die Analytics Cloud weitergegeben. “ Der nächste Schritt sei die Integration in weitere Produktionsabläufe mit dem Ziel weiterer Optimierung und um völlig neue Kooperationsmodelle mit Partnern und Zulieferern zu ermöglichen.

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Dr. Dietmar Müller

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