Des Guten ein bisserl viel

Gute und schlechte Nachrichten zu Open-Source

| Autor / Redakteur: Mark Collier* / Ulrike Ostler

Freuen oder ächzen? Open-Source-Projekte schießen wie Pilze aus dem Boden. Was macht die OpenStack-Foundation?
Freuen oder ächzen? Open-Source-Projekte schießen wie Pilze aus dem Boden. Was macht die OpenStack-Foundation? (Bild: © enzozo - stock.adobe.com)

Die gute Nachricht ist, dass es mehr Open-Source-Software gibt als je zuvor. Die schlechte Nachricht ist, dass es mehr Open-Source-Software gibt als je zuvor.

Zunächst also mehr Informationen zur guten Nachricht. Open-Source ist heute die vorherrschende Methode zur Lösung schwieriger Probleme. Warum? Zum einen, weil kein einziges Unternehmen ein Monopol auf intelligente Ingenieure hat. Zum anderen, weil unterschiedliche Ideen aus verschiedenen Unternehmen und Ländern zu besseren Lösungen für schwierige Probleme führen.

Viele schwierigen Probleme der Menschheit können einfach nicht von einem einzigen Unternehmen gelöst werden. Außerdem, wo bliebe da der Spaß an der Sache?

Ein Beispiel: Ganz zu Anfang des Cloud-Computing ging es vor allem darum, eine virtuelle Maschine in wenigen Minuten mit einem einfachen API-Aufruf bereitzustellen. Herstellerspezifische Cloud-Anbieter führten die Entwicklung damals an. Aber als komplexere Probleme wie zum Beispiel Big Data, IPv6-Netzwerktechnologie, Container-Orchestrierung und Edge-Computing auftauchten, übernahm Open-Source die Führung.

Die Zünder

Hadoop hat die große Big-Data-Revolution eingeleitet. OpenStack bot IPv6-Unterstützung schon Jahre vor AWS. Und dann erwiesen sich Kubernetes und Tensorflow nicht als billige Nachahmer herstellerspezifischer Lösungen, sondern von Anfang an als Innovatoren in ihren jeweiligen Problembereichen, also der Container-Orchestrierung und des Maschinellen Lernens. Heute stehen Anbieter herstellerspezifischer Clouds im Wettbewerb darum, wer diese innovativen Open-Source-Werkzeuge am schnellsten in die Produktion bringen kann und dabei etwas weniger „herstellerspezifisch“ wird.

Was genau sind dann jetzt die schlechten Nachrichten? Es ist schwierig, all diese Komponenten zusammenzusetzen und sie 24x7x365 zu betreiben. Viel zu schwierig!

Außerdem bleiben die Verbindung und der Ops-Code, mit dem die jeweiligen Anbieter alle diese Werkzeuge zu Diensten zusammenfügen, weitgehend unsichtbar. Obwohl die Grenzen durch Initiativen wie AWS-Firecracker langsam verschwinden, ist die komplette Werkzeugkiste, die für all dies benötigt wird, schwer zu fassen.

Bei der OpenStack Foundation

Bei der OpenStack Foundation (OSF) investieren wir in die Lösung dieses Problems. Erstens, betreuen wir, wie der Name schon sagt, weiterhin das Open-Source-Projekt OpenStack, das heute Zig Millionen Rechenkerne verwaltet. Wir sind auf dem besten Weg, die Version 20 mit dem passenden Namen „Train“ pünktlich freizugeben. Wir sind also gut darin, unseren Zug (Train) immer pünktlich abfahren zu lassen.

Gleichzeitig haben wir aber erkannt, dass wir unsere Nutzer wirklich gut unterstützen können, wenn wir das Problem der „letzten Meile“ von Open-Source in der Cloud angehen: die Integration. Und dieses Problem geht über OpenStack hinaus.

Bei der Integration müssen wir das Gesamtbild der offenen Infrastruktur betrachten. Die offene Infrastruktur beginnt zwar mit OpenStack, aber sie endet sicherlich nicht damit. Viele der fehlenden Betriebs- und Sicherheitswerkzeuge, welche die „Big 3“ für sich behalten, können direkt von der OpenStack-Nutzergemeinde geschrieben werden – und das findet auch bereits statt.

Ausmisten und zusammenführen

Nach 9 Jahren haben wir aber auch etwas sehr Wichtiges gelernt: Nicht alles, was von unserer Community zur Lösung ihrer Probleme in der offenen Infrastruktur erstellt wurde, gehört wirklich zu OpenStack.

Mark Collier ist Chief Operation Officer der OpenStack Foundation und war im Jahr 2010 einer der Gründer.
Mark Collier ist Chief Operation Officer der OpenStack Foundation und war im Jahr 2010 einer der Gründer. (Bild: OpenStack Foundation)

Zu diesem Zweck haben wir in den letzten zwei Jahren vier neue Open-Source-Projekte mit aufgebaut: „Airship“, „Kata Containers“, „StarlingX“ und „Zuul“. Sie alle spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Vision zur offenen Infrastruktur und sie alle werden von den Nutzern vorangetrieben - mit klarem Blick auf die Betreiber und den Betrieb.

Airship ist eine Sammlung von lose verbundenen, aber interoperablen Open-Source-Werkzeugen, welche die Cloud-Bereitstellung deklarativ automatisieren. Airship ist ein robuster Bereitstellungsmechanismus für Unternehmen, die Container als die neue Basis für skalierbare Infrastrukturbereitstellung nutzen wollen. Ausgehend von einer unbearbeiteten „Bare-Metal“-Infrastruktur, verwaltet Airship den gesamten Lebenszyklus der Rechenzentrumsinfrastruktur und stellt einen produktionsreifen Kubernetes-Cluster mit Helm-implementierten Artefakten, wie „OpenStack Helm“, bereit.

Kata Containers ist eine Open-Source-Nutzergemeinde. Sie arbeitet an einer sicheren Container-Laufzeit mit leichten virtuellen Maschinen, die sich wie Container anfühlen und funktionieren, jedoch Arbeitslasten durch Hardware-Virtualisierungstechnologie als zweite Verteidigungsebene besser isolieren.

StarlingX ist ein vollständiger Cloud-Infrastruktursoftware-Stack für Edge-Computing. Er wird von den anspruchsvollsten Anwendungen in den Bereichen IoT, Telekommunikation, Videobereitstellung und anderen Anwendungsfällen mit extrem niedriger Latenzzeit genutzt. Der ganz neu und quelloffen entwickelte StarlingX-Code basiert auf ausgereifter Software, die für unternehmenskritische Anwendungen implementiert wird. Er ist die Grundlage für Edge-Implementierungen in skalierbaren Lösungen, die jetzt produktionsreif sind.

Zuul verwendet „Project Gating“, um die kontinuierliche Integration, Bereitstellung und Implementierung zusammenhängender Softwareprojekte auf sichere Weise zu automatisieren und gleichzeitig eine anspruchsvolle Projektsteuerung zu ermöglichen, insbesondere in Szenarien mit mehreren Ablageorten und integrierten Lieferleistungen. Zuul ist für eine Welt konzipiert, in der Entwicklung, Test und Implementierung von Anwendungen und ihren gegenseitigen Abhängigkeiten ein kontinuierlicher Prozess sind.

Außerhalb des Tellerrands

Bei der OSF wissen wir aber auch, dass es viele andere quelloffene Werkzeuge gibt, von Hadoop über Kubernetes bis Tensorflow und darüber hinaus - sie alle sind für die Lösung schwieriger Probleme genauso wichtig. Einige davon gehören zur Apache Software Foundation, zur Linux Foundation oder zu Google. Unsere Community-Mitglieder tragen in jeder dieser Nutzergemeinden aktiv dazu bei, projektübergreifende Tests durchzuführen.

Nehmen wir Kubernetes als Beispiel. Neue Versionen von Kubernetes werden sofort bei der Veröffentlichung durch eine Reihe von Tests mit OpenStack-Clouds „geschleust“. Das bedeutet, dass Kubernetes keine neue Version herausgibt, es sei denn, sie läuft auf OpenStack. Umgekehrt wird die OpenStack-Entwicklung mit Kubernetes getestet, um sicherzustellen, dass dieser wichtige Integrationspunkt bei den rasanten und unaufhörlichen Entwicklungen in jeder Community nicht verloren geht.

Mit Blick auf 2020 stellen wir fest, dass die Open-Source-Vision lebendig und wohlauf ist: Sie erzielt nach wie vor die größten Durchbrüche bei der Lösung von Softwareproblemen. Die abschließende Erfüllung des grundlegenden Versprechens von Open-Source, nämlich die Freiheit der Benutzer, alle diese Programme zusammen auszuführen, bleibt ein fortwährender Prozess. Wenn Unternehmen und Einzelpersonen über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, können wir sicher sein, dass wir quelloffene Anwendungen auch weiterhin entwickeln und nutzen können.

Kommende OpenStack-Veranstaltungen:

Deutsche OpenStack-Tage, Berlin, 24. bis 26. September

Zwei Tage randvoll mit Fachvorträgen rund um die Themen Kubernetes, Docker, Ceph und OpenStack erwarten Sie vom 25. bis 26. September in Berlin! IT-Profis aus den Bereichen Entwicklung, Administration, Anwendung und Management treffen sich. Unternehmen wie Audi, BMW, SAP, Telekom und Xing zeigen auf, wie sie Cloud- und Containerlösungen umsetzen.

• Mehr Informationen zur DOST 2019

• Hier geht es zur Registrierung.

• Mit dem Gutscheincode DOST-B1 gibt es 10 Prozent Rabatt auf den Ticketpreis!

● OpenInfra Days Nordics, Stockholm, Schweden, 2. bis 3. Oktober
● Open Infrastructure Summit Shanghai, 4. bis 6. November

* Mark Collier ist COO der OpenStack Foundation.

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Die Festlegung auf eine der Open Source Lösungen (bzw. oft ein ganzes Bündel) für eine bestimmte...  lesen
posted am 23.08.2019 um 07:50 von Unregistriert


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