Nachgefragt

Die Multi Cloud benötigt Hilfe

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dietmar Müller

Die Verwaltung mehrerer Clouds mit verschiedenen Aufgaben ist alles andere als einfach.
Die Verwaltung mehrerer Clouds mit verschiedenen Aufgaben ist alles andere als einfach. (Bild: gemeinfrei, geralt/Pixabay / CC0)

Multi Cloud ist nicht nur in aller Munde sondern auch in allen Unternehmen. Jedenfalls fast. Aber die Umsetzung und Verwaltung gleich mehrerer Clouds mit verschiedenen Aufgaben ist alles andere als einfach, der Transfer von Daten zwischen verschiedenen Clouds aufwendig. Ziehen sich bereits erste Anwender wieder zurück?

Die Multi Cloud ist der Hype der Stunde, geschätzt nutzen mittlerweile rund drei Viertel aller deutschen Unternehmen gleich mehrere Clouds. Laut jüngsten Zahlen von Forrester aus der „Multicloud Arises from Changing Cloud Priorities“-Studie bezeichnen 86 Prozent der für die IT Verantwortlichen in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern ihre aktuelle Cloud-Strategie als Multi-Cloud-orientiert. 60 Prozent der Unternehmen verlagern mittlerweile unternehmenskritische Anwendungen in die Public Cloud oder haben sie bereits dort abgelegt.

Der Wertbeitrag, den Unternehmen in Deutschland und der Schweiz Cloud-Lösungen beimessen, ist laut einer Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) im Bereich der Kostensenkung und Effizienzsteigerung im IT-Betrieb am größten. Dies setzt natürlich voraus, dass entsprechende Cloud-Lösungen optimal gemanagt und genutzt werden.

„Dabei muss man aufpassen“, so der PAC-Analyst Wolfgang Schwab. „Der Einsatz von Salesforce einerseits und Office 365 andererseits bedeutet nicht, dass die Multi Cloud im Unternehmen angekommen ist.“

Definition der Cloud-Einsatzszenarien

Hier die Definitionen von Cloud-Betriebsmodellen nach PAC und CloudComputing-Insider :

  • Bei einer internen Private-Cloud handelt es sich um eine dedizierte Cloud-Umgebung im eigenen Server-Raum/ Rechenzentrum des jeweiligen Anwenderunternehmens.
  • Bei einer externen Private-Cloud handelt es sich um eine dedizierte Cloud-Umgebung in einem externen Rechenzentrum.
  • Eine Public-Cloud ist ebenfalls eine Cloud-Umgebung in einem externen Rechenzentrum, die sich jedoch mehrere Kunden teilen.
  • Hybrid Cloud ist eine Mischumgebung aus interner/externer Private Cloud und Public Cloud. Gegebenenfalls sind auch noch klassische IT-Komponenten entweder beim Kunden oder einem Dienstleister im Einsatz und in die Gesamtlösung integriert.
  • In einer Multi Cloud sind die Cloud-Dienste und Cloud-Plattformen unterschiedlicher Anbieter zu einer aus Anwendersicht einzigen großen Cloud vereint. Wie die Hybrid Cloud kann die Multi Cloud mehrere Cloud-Modelle wie die Private Cloud oder die Public Cloud integrieren. Mögliche Dienste der Multi Cloud sind die üblichen Services des Cloud Computings wie IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as a Service) und SaaS (Software as a Service).

OpenStack und Container für den Datentransfer

Für den Transfern von Daten zwischen verschiedenen Cloud-Typen und -Klassen kommen in der Regel entweder OpenStack oder Container zum Einsatz. Das ist aber bei weitem nicht so einfach, wie vielerorts dargestellt“, berichtet Schwab.

„Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit, Multi-Tenancy, Multi-Cloud und Portabilität – also die Vermeidung eines Vendor Lock-in - sind die Top-Themen mit denen sich CIOs, CTOs und IT- Architekten seit geraumer Zeit beschäftigen müssen, um die Erwartungen der Geschäftsseite zu erfüllen“, sagt der Analyst Björn Böttcher von Crisp Research. „Die Anforderungen, um Hochverfügbarkeit und insbesondere Portierbarkeit zu beherrschen, sind mannigfaltig und komplex.“

Zum einen fehlten Unternehmen noch ausreichend Erfahrungswerte, zum anderen das notwendige Wissen für die Umsetzung. Die Frage aller Fragen laute, wie sich eine Software über unterschiedliche Plattformen und Infrastrukturen „bewegen“ lasse, ohne dabei ständig an die jeweiligen Voraussetzungen für das Deployment und den Betrieb angepasst zu werden? Unterschiedliche Hardware- und Softwarekonfigurationen sowie Abhängigkeiten zu wechselnden Softwareversionen sorgten für eine stetig steigende Komplexität.

Der neue Heilsbringer

„Abhilfe können hier Container-Technologien leisten“, so Böttcher. „Denn die Voraussetzungen, um mit Containern in der Entwicklung zu starten sind sehr gering.“ Container ermöglichten das Verpacken von Anwendungen in ein einheitliches Format. Ein Container kapselt hierzu die eigentliche Anwendung und ihre notwendigen Abhängigkeiten wie Bibliotheken in einen virtuellen Container, der sich dann auf jedem beliebigen Linux und Windows System ausführen lässt. Dies erhöhe sowohl Portabilitätsgrad als auch Flexibilität.

„Daher haben viele Unternehmen Container als Mittel der Wahl für die Abstraktionsebene der unterschiedlichen IT-Infrastrukturplattformen ausgewählt. Einen zusätzlichen Aufschwung bekamen Container noch durch die Open Source Container Orchestrierungs- und Management-Lösung Kubernetes. Durch diese von Google initial bereitgestellte Software ist ein enormer Boom entstanden und die Entwicklung schreitet durch die vielen Projektbeteiligten sehr schnell voran“, sagt Böttcher.

Für Entscheider sollte damit längst klar sein, dass Container-Technologien mehr als nur ein Marketing-Hype sind und eine der entscheidenden Technologien in der Anwendungsentwicklung und dem Betrieb für die nächsten Jahre darstellen. Gerade als Grundlage für mehr Portabilität von Anwendungen und Systemen im Kontext des Hybrid- und Multi-Cloud-Betrieb sind Container nicht mehr wegzudenken.

IT von Komplexität erschlagen

OpenStack und Container sollen Komplexität reduzieren, trotzdem sind hauseigene IT-Teams mit dem Management der Multi Cloud oft überfordert. „Die Herausforderungen von Multi-Cloud-Ansätzen sind den befragten Unternehmen durchaus bewusst. Die technologische Komplexität wird ebenso wahrgenommen wie die kaufmännische. Auch die Datenintegration wird kritisch gesehen“, berichtet PAC-Analyst Schwab. „Die Komplexität der Integration, Verwaltung und Überwachung von multiplen Cloud-Lösungen wird immerhin noch von 60 Prozent der befragten Unternehmen als zumindest teilweises Hemmnis gesehen.“

Aufgrund der hohen Komplexität ihrer Multi-Cloud-Lösungen arbeiten bereits 45 Prozent der Befragten mit einem externen Dienstleister zusammen und 37 Prozent planen eine Zusammenarbeit innerhalb der nächsten zwei Jahre, so das Ergebnis der Trendstudie „Multi-Cloud und Cloud Managed Services im Manufacturing-Umfeld“.

Bei der Umsetzung einer Cloud-Strategie bevorzugen die meisten Unternehmen daher Best-of-Breed-Lösungen, bei der Wahl eines Cloud-Dienstleisters sind entsprechendes Branchen-Know-how, relevante Zertifizierungen und überprüfbare Erfahrungen bezüglich Cloud-Transformation und -Betrieb besonders wichtig.

Fehlt es den Anwendern an Strategie

„Die Cloud-Strategien der befragten Unternehmen sind durchaus differenziert. Im Vordergrund steht der Einsatz von Best-of-Breed-Lösungen, auch wenn dies den Management-Aufwand möglicherweise erhöht“, so Schwab. „Darüber hinaus zeigt sich eine Präferenz für Private Cloud, wobei jedoch auch Public-Cloud-Angebote stark genutzt werden. Entsprechend werden Multi-Cloud-Lösungen in Zukunft das Gros der Betriebsmodi ausmachen.“

Die Trendstudie ergab zudem, dass die Umsetzung von IoT- und Industrie 4.0-Initiativen und IT-Security insgesamt für Unternehmen die wichtigsten Herausforderungen darstellen. Da die von den Unternehmen angestrebten Multi-Cloud-Lösungen durchaus komplex sind und ihr Betrieb nicht trivial ist, planen oder diskutieren praktisch alle IT-Verantwortlichen in Deutschland die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister, der neben Branchen-Know-how und entsprechenden Zertifizierungen insbesondere auch nachprüfbare Erfahrung im Bereich Cloud-Transformation und -Betrieb mitbringen soll.

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