Nachhaltigkeit und Förderpreise Die German Datacenter Association stellt sich neu auf

Redakteur: Ulrike Ostler

Eigentlich gibt es die German Datacenter Association bereits seit August 2017, doch im Vergleich zur Datacenter Expert Group des Eco Verband der Internetwirtschaft e.V., gegründet 2007 und seit März unter der Leitung von Béla Waldhauser, war es dort still. Seit November 2020 gehört der internationale Immobilien-Dienstleister CBRE zur GDA und dessen „Business Developer“ Anna Klaft ist seit April 2021 die Vorstandsvorsitzende. Jetzt geht die Post ab.

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Der neue GDA-Vorstand (v.l.): Peter Pohlschröder, Managing Director der NDC-Garbe Data Centres Europe, Anna Klaft, CBRE, Professor Peter Radgen, Uni Stuttgart, Bernhard Benz, bei Colt Data Centre Services als Country Operations Manager für Süd-Deutschland, Schweiz und Österreich zuständig, Oliver Schiebel, Managing Director Frankfurt bei Global Switch, ,Jens Peter Müller, Country Manager Germany bei Iron Mountain Data Centre, und Klaus Schindling, Bürgermeister Hattersheim.
Der neue GDA-Vorstand (v.l.): Peter Pohlschröder, Managing Director der NDC-Garbe Data Centres Europe, Anna Klaft, CBRE, Professor Peter Radgen, Uni Stuttgart, Bernhard Benz, bei Colt Data Centre Services als Country Operations Manager für Süd-Deutschland, Schweiz und Österreich zuständig, Oliver Schiebel, Managing Director Frankfurt bei Global Switch, ,Jens Peter Müller, Country Manager Germany bei Iron Mountain Data Centre, und Klaus Schindling, Bürgermeister Hattersheim.
(Bild: German Datacenter Association)

Bei ihrem Antritt hat Klaft formuliert, wie sie ihre Rolle versteht: „Mein Ziel ist, die Wahrnehmung unserer Branche in Politik und Gesellschaft weiter zu stärken“, so damals die neue Vorsitzende. „Rechenzentren sind der Motor der Digitalisierung und bilden die Basis-Infrastruktur in unserem Land. Gute Rahmenbedingungen für Rechenzentren sind deshalb von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Deshalb wollen wir unsere Branche auch in der Politik mit einer starken Stimme vertreten!“ In ihrer Eigenschaft ist die Powerfrau zuständig für Finanzen, Mitglieder, Events, Sponsoring, Kooperationen Öffentlichkeitsarbeit und Social Media.

Mittlerweile ist Peter Pohlschröder, Managing Director von NDC Garbe Data Centers Europe, ihr Stellvertreter. Er hat nicht nur die stellvertretende Geschäftsführung inne, sondern kümmert sich auch insbesondere um die Bereiche Mitglieder, Events und Real Estate.

Ergänzt wird Bernhard Benz, der bei Colt Data Centre Services als Country Operations Manager für Süd-Deutschland, Schweiz und Österreich zuständig ist, und Jens Peter Müller, der Country Manager Germany bei Iron Mountain Data Centre ist und seinen Schwerpunkt im deutschen Markt für Co-Lokation sieht. Zudem fehlt es an wissenschaftlicher Begleitung nicht: Professor Dr. Peter Radgen ist Inhaber des Lehrstuhls für Energie-Effizienz am Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energie-Anwendung (IER) an der Universität Stuttgart und Leiter der Graduierten Effizienten Energienutzung. Sein aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich mit „nachhaltigen Rechenzentren“.

Handverlesen: Vorstände und Mitglieder

Oliver Schiebel wiederum ist Managing Director Frankfurt bei Global Switch. Nach eigenen Angaben der GDA haben die Mitglieder in ihm einen kompetenten Ansprechpartner bei allgemeinen Fragen zum Energie-effizienten Rechenzentrumsbetrieb und zur Marktsituation in Deutschland gefunden. Er selbst sieht sein Ziel darin, junge Menschen für ein spannendes Arbeitsumfeld in einer stark wachsenden, internationalen Branche zu begeistern und erfahrene Fachkräfte aus anderen Regionen der Welt für deutsche Rechenzentren zu gewinnen.

Komplettiert wird der Vorstand durch den Bürgermeister von Hattersheim Klaus Schindling. Die Stadt ist Standort für Rechenzentren, somit kann Schindling mit den kommunalen Aspekten der Datacenter-Ansiedlung aufwarten. Er ist Experte darin, die Belange der Anwohner und der Unternehmen gleichermaßen zu berücksichtigen, Synergien zu nutzen und eine langfristige Win-Win-Situation für alle zu schaffen.

Auch die Mitgliederliste kann sich sehen lassen: Equinix, ICT Facilities, SIMS Lifecycle Services, Rosenberger OSI, DLA Piper UK LLP, Park Place, CBRE, wie erwähnt, Zauner Anlagentechnik, Workrate, SAB Standard Aggregatbau Evers, Schneider Electric, Colt Data Centre Services, Grass-Merkur, Datacenter One, NDC Garbe, Stadt Hattersheim, Keppel Data Centers, Global Switch, Wirtschaftsförderung Nordfriesland, Universität Stuttgart, NTT Data Centers und Ehrenmitglied ist Harry Schnabel, der die GDA ursprünglich initiiert hat.

Besonders stolz ist die Organisation darauf NTT Globa Data Centers EMEA GmbH gewonnen zu haben sowie die Stadt Hattersheim, wo der Co-Locator seinen Firmensitz hat, und, ganz neu, die Syna GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Süwag Energie AG mit Hauptsitz in Frankfurt-Höchst. Sie ist das erste GDA-Mitglied aus dem Energiesektor.

Die Netzbetreiberin für Strom- und Gasversorgung beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter:innen und verfügt über ein Stromnetz von rund 32.000 Kilometern und ein rund 3.700 Kilometer langes Gasnetz. Versorgt werden rund 1,8 Millionen Einwohner in vier Bundesländern. Derzeit bereitet die Syna GmbH, unter dem Dach der Süwag-Gruppe, den Einstieg in das Rechenzentrumsgeschäft vor.

Timm Dolezych, Geschäftsführer der Syna, sagt: „Um die Versorgungsinfrastruktur für das Wachstum im Rechenzentrumsgeschäft in der Rhein-Main-Region bereitzustellen, ist die Syna mit Hochdruck dabei, ihr 110-Kilovolt-Netz umfangreich auszubauen. Wir sehen uns hier mit in der Verantwortung, die Digitalisierung als Standortfaktor in der Region bestmöglich zu unterstützen. Gleichzeitig sieht die Süwag-Gruppe gute Chancen, die umfangreichen Erfahrungen im Betrieb kritischer Infrastrukturen zu nutzen und selbst in den Betrieb von Rechenzentren einzusteigen.“

Eine nachhaltige Kooperation

Im Juni dieses Jahres hat die GDA zudem die Sustainable Digital Infrastructure Alliance e.V. (SDIA) ins Boot geholt – als Partner. Das erklärte gemeinsame Ziel: „den Digitalsektor in Deutschland nachhaltiger zu gestalten“.

Die GDA und die SDIA einigen sich auf eine Partnerschaft. Nachhaltigkeit ist für den Digitalsektor, insbesondere Rechenzentren, zunehmend von Bedeutung. Mit der Roadmap für nachhaltige digitale Infrastruktur bis 2030 hat die SDIA einen konkreten Plan erarbeitet, um eine nachhaltige Digitalwirtschaft zu ermöglichen.

Dabei kommen Rechenzentren eine Schlüsselrolle zu. Sie sind der Mittelpunkt, in dem Energie, Kommunikationsnetze, IT Server und Software zusammentreffen. Betreiber der Rechenzentren bringen all diese Bereiche zusammen und geben zunehmend die Anstöße zur Veränderung von IT Infrastruktur.

Der Begriff „nachhaltig“ stützt sich dabei auf die Balance von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten. Die Umsetzung wird in Form von Arbeitsgruppen, Initiativen oder Forschungsvorhaben initiiert und realisiert.

Anna Klaft, GDA-Vorstandsvorsitzende.
Anna Klaft, GDA-Vorstandsvorsitzende.
(Bild: CBRE)

GDA-Frau Klaft erläutert: „Gerade durch die Corona-Krise ist die Digitalwirtschaft immer weiter in den Fokus gerückt. Dadurch wurden viele Investoren auf den Markt aufmerksam. Wichtig ist es, diese nun über den Markt zu informieren, die bestehenden Herausforderungen zu benennen und Lösungsansätze aufzuzeigen. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit und die Partnerschaft mit der SDIA, einem der einflussreichsten Verbände für eine nachhaltige Digitalwirtschaft.“

Das GDA-Programm

Zum GDA-Programm gehören Veranstaltungen, etwa Bildungsreisen wie die vom 24. und 25. September nach Norwegen oder am 4. und 5. Oktober nach Dänemark, die „Nettwork Lunches“, di als „High Level Networking Events“ klassifiziert sind sowie die „Nettwork Talks“, wovon es fünf in diesem Jahr geben soll. (Nummer drei, am 29. September, hat sich mit Nachhaltigkeit befasst - dazu der Bericht „Effizienz: gut, Nachhaltigkeit: verbesserungswürdig; Viele offene Fragen beim GDA-Sustainability-Event “ auf DataCenter-Insider, Nummer 4: siehe Kasten)

Ergänzendes zum Thema
Datacenter – Quo Vadis?

Welche Trends bestimmen die Marktentwicklung im deutschsprachigen Raum in den nächsten drei Jahren? Antworten auf diese Frage und Einblicke in die sich wandelnde Bedeutung von Rechenzentren im Zeitalter von Cloud, Edge und 5G liefern die vier Impulsvorträge des „GDA Nettwork Talk #4“. Die Moderation für die Veranstaltung am 29. Oktober hat Jens Peter Müller, Managing Director Germany Iron Mountain, übernommen.

Die Förderpreise

Ferner will die GDA einen Nachwuchsförderpreis zu „Rechenzentren und Digitalisierung“ ausloben. Den Startschuss für den ersten Wettbewerb hat die GDA-Vorstandsvorsitzende Klaft gestern in Frankfurt am Main gegeben.

Die German Datacenter Association (GDA) lobt erstmals einen Nachwuchsförderpreis aus, mit dem akademische Abschlussarbeiten zu Rechenzentren und Digitalisierung ausgezeichnet werden.
Die German Datacenter Association (GDA) lobt erstmals einen Nachwuchsförderpreis aus, mit dem akademische Abschlussarbeiten zu Rechenzentren und Digitalisierung ausgezeichnet werden.
(Bild: GDA)

Zur Begründung sagt sie: „Auch die Betreiber, Ausrüster und Planer von Rechenzentren sind zunehmend vom Nachwuchs- und Fachkräftemangel betroffen. Der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs werde durch das Rekordwachstum im Bereich Digitalisierung immer größer. „Mit unserem Nachwuchsförderpreis rücken wir die Nachwuchskräfte und unsere Branche ins richtige Rampenlicht und unterstützen die Preisträger auf dem Weg in ein erfolgreiches Berufsleben. Unsere Mitglieder erhalten wiederum umfassende Einblicke in Forschungsschwerpunkte und neue Erkenntnisse zu unterschiedlichen Themenbereichen.“

Ausgezeichnet werden Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen aus Themenfeldern rund um Rechenzentren und digitale Infrastrukturen. Da die Datacenter-Branche nach Plänen der EU-Kommission bereits im Jahr 2030 klimaneutral sein soll, wird zusätzlich der Sonderpreis „Nachhaltige Rechenzentren“ ausgelobt. Für diesen können sich auch Young Professionals und Start-up-Unternehmen bewerben.

Die eingereichten Arbeiten werden von einer unabhängigen Jury unter der Leitung von Professor Radgen bewertet. Er sagt, worauf es ankommt: „Für das Urteil der Jury ist insbesondere der Fortschritt relevant, der durch die Erkenntniswerte der Abschlussarbeiten im Bereich Rechenzentren erzielt werden kann“, und setzt hinzu: „Das Themenspektrum ist also so vielfältig wie die Branche selbst!“

Dotierung und Verleihung

Die Arbeiten sollen im Rahmen einer öffentlichen GDA-Veranstaltung im Frühjahr 2022 ausgezeichnet und vorgestellt werden. Der Gewinner in der Kategorie Bachelorarbeit wird mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro, die Gewinner in den drei anderen Kategorien mit Preisgeldern in Höhe von jeweils 2.500 Euro prämiert.

Die eingereichten Arbeiten müssen im Zeitraum zwischen dem 1. Februar 2021 und dem 31. Januar 2022 abgeschlossen sein. Bewerbungsschluss für die Ausschreibung ist der 28. Februar 2022.

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