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VDI-Pakete sind zur Zeit der Renner Cisco stellt sich dem Trend zum IT-Konsum

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Julia Schmidt

Wie wirkt sich die Covid-19-Pandemie auf den IT-Markt aus? Was wollen Kunden jetzt besonders dringend? Und welche langfristigen Veränderungen ergeben sich daraus? Über diese Themen sprach DataCenter-Insider mit Uwe Müller, DC/Cloud Lead Deutschland bei Cisco.

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In Corona-Zeiten müssen oft sehr schnell VDI-Infrastrukturen errichtet oder erweitert werden.
In Corona-Zeiten müssen oft sehr schnell VDI-Infrastrukturen errichtet oder erweitert werden.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Frage: Herr Müller, sicher macht sich auch bei Ihren Kunden der Zwang zum Home Office bemerkbar. Wie reagieren Sie darauf?

Müller: Tatsächlich spielen die Collaboration- und Security-Spezialisten im Rechenzentrum und die Systeme, für die sie zuständig sind, derzeit eine besonders wichtige Rolle. Unsere Kunden wollen ihre VDI-Infrastrukturen komplettieren, denn plötzlich sollen nicht nur einige wenige, sondern möglichst alle von zu Hause arbeiten, und zwar wie vor Ort. Darauf stellen wir uns ein.

Frage: Was heißt das?

Müller: Die Leistungsanforderungen an solche Arbeitsplätze steigen gewaltig. Beispielsweise arbeiten Mitarbeiter im Schulamt mit speziellen und speziell gesicherten Applikationen, die nur auf ganz bestimmten Servern liegen und nicht in der Public Cloud, oder dass CAD-Konstrukteure die sehr umfangreichen Files plötzlich vom Home Office aus bearbeiten. Hier versuchen wir, Angebote zu machen.

Auf dem Land brauchen Home-Office-Worker VDI besonders dringend

Frage: Und wenn die Mitarbeiter irgendwo auf dem Land in einer digital nicht gut erschlossenen Gegend leben?

Müller: Genau dann wird ein VDI vollends unentbehrlich. Eine schmalbandige Last Mile lässt sich nur mit einem VDI überbrücken. Aber es gibt noch einen anderen Engpass: den zwischen Niederlassung und Zentrale. Oft müssen Remote-Mitarbeiter, weil hier Bandbreite fehlt, direkt auf die Zentrale zugreifen, obwohl sie eigentlich die Niederlassung brauchen. Hierfür bieten wir Hyperflex Edge an.

Frage: Was steckt in diesem Paket?

Müller: Das ist ein vorintegrierter Cluster aus drei Standalone-Knoten Cisco Hyperflex HX220c mit ein oder zwei Xeon Scalable für drei oder mehr Diskdrives pro Knoten und 128 GByte oder mehr RAM sowie integrierten Gbit-Ethernet. Das Edge-Paket wird an bestehende Gigabit-Switches angeschlossen und stellt die nötigen Kapazitäten in der Filiale bereit.

Ausbau von VDI-Kapazitäten in wenigen Wochen

Frage: Was ist, wenn ein Unternehmen schnell ausbauen muss oder noch gar kein VDI betreibt?

Müller: Die jetzige Phase ist zunächst mal der Realitätstest für bestehende Implementierungen: Für wie viele Mitarbeiter funktionieren sie gut, wo ist die Grenze, was braucht man zusätzlich? Wenn etwas zusätzlich gebraucht wird, muss es natürlich schnell gehen. Wir schaffen das in der Regel in vier bis acht Wochen längstens.

Frage: Gab es bei Ihnen Auswirkungen von Covid-19 auf die Lieferketten?

Müller: Natürlich mussten wir hier einiges umstrukturieren, aber wir haben unsere Lieferketten schon länger diversifiziert, so dass wir hier gut vorbereitet waren. Dennoch kann es zu Verzögerungen von ein bis zwei Wochen kommen. Erschwerend wirkt, dass auch die Provider jetzt mehr Bedarf an Compute-Leistung haben und insofern mit anderen Anwendern konkurrieren.

Ein bis zwei Wochen Verzug möglich

Frage: Wie wirkt sich das auf die privaten Kunden aus?

Müller: Es kann zu ein bis zwei Wochen Verzug kommen. Allerdings priorisieren wir besonders dringliche Kunden, etwa aus Medizin oder dem öffentlichen Bereich. So haben wir bei einer großen medizinischen Einrichtung die Zahl der VDI-Arbeitsplätze in kürzester Zeit um 30 Prozent erhöht.

Frage: Was bedeutet das in absoluten Zahlen?

Müller: Das ist mir nicht genau bekannt.

Cloud-Service versus eigene VDI-Infrastruktur

Frage: Und wenn ein Unternehmen überhaupt noch kein VDI hat? Ist es dann nicht sinnvoll, zunächst einmal auf einen Cloud-Dienst zu setzen und erst später eventuell ein eigenes VDI aufzusetzen?

Müller: Wenn man komplett auf der grünen Wiese anfängt und ein komplexeres VDI plant, kann das schon mal ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Das ist natürlich lang. Allerdings deutet sich an, dass viel Home-Office-Work auch nach Corona bleiben wird. Nicht zuletzt, weil Organisationen und Mitarbeiter die Vorteile erkennen. Wenn es schnell gehen muss, und bei einfachen Anwendungen, reicht da vielleicht schon mal ein Public Cloud Service. Aber für Anwendungen mit besonderem Sicherungsbedarf, wegen persönlicher Daten oder geistigem Eigentum etwa, ist die Nutzung entsprechender Services aus der Public Cloud nun mal sehr schwierig.

Mit Hyperflex Edge von Cisco lässt sich in der Niederlassung schnell eine VDI-Infrastruktur implementieren.
Mit Hyperflex Edge von Cisco lässt sich in der Niederlassung schnell eine VDI-Infrastruktur implementieren.
(Bild: Cisco)

Frage: Was also können Anwender dann tun, wenn sie ein VDI realisieren wollen?

Müller: Wir haben für diese Klientel ein hyperkonvergentes VDI-Bundle mit VMware oder Citrix-VDI auf Hyperflex-Basis für 500 Teilnehmer und intern mit 40 G vernetzt. Das lässt sich tatsächlich im oben angegebenen Zeitrahmen realisieren.

Frage: Und die Implementierung?

Müller: Die übernehmen unsere Partner.

VDI-Monitoring als KI-gestützter Service

Frage: Was ist, wenn das VDI nicht richtig funktioniert?

Müller: Dann muss es optimiert werden. Kunden kommen immer mehr darauf, Anwendungen zu verteilen und deren Leistung genau zu überwachen. Wir bieten dafür beispielsweise einen KI-gestützten Monitoring- und Software-Optimierungs-Service an. Der orientiert sich an den vordefinierten SLA des Kunden und gibt dann Ratschläge, was an der Infrastruktur getan werden müsste, um diese SLAs auch zu erreichen. Außerdem ermittelt das System Baselines, so dass sich Abweichungen feststellen lassen. Umgesetzt werden die vorgeschlagenen Änderungen von unseren Partnern. Wir folgen damit dem Trend, dass Anwender sich eigentlich nur um Apps kümmern wollen, aber nicht um die Infrastruktur darunter. Beispielsweise verwendet eine große Kommune diesen Dienst für das Monitoring seines VDI-Service für die Schulen.

„In drei Jahren soll es für Kunden mit Cisco-Ökosystem das gesamte Portfolio auch als Service vom Partner geben“: Uwe Müller, DC/Cloud Lead Deutschland bei Cisco.
„In drei Jahren soll es für Kunden mit Cisco-Ökosystem das gesamte Portfolio auch als Service vom Partner geben“: Uwe Müller, DC/Cloud Lead Deutschland bei Cisco.
(Bild: Cisco)

Frage: Service und Konsum statt Kauf und Wartung ist ja sowieso das große Thema derzeit.

Müller: So ist es. Die Kunden prüfen tendenziell sehr genau, ob sie wirklich selbst etwas kaufen, oder ob sie lieber konsumieren. Infrastrukturleistungen werden immer mehr konsumiert. Deshalb stellt Cisco ab 2020 sein Portfolio bei Kunden mit Cisco-Ökosystem im Rahmen des Projekts Athena stärker auf Serviceangebote um. In drei Jahren soll das gesamte Portfolio als Service verfügbar sein.

Frage: Auf diese Idee ist Ihr Konkurrent HPE mit GreenLake schon vor einem Jahr oder länger gekommen.

Cisco: Das ist richtig. Aber wir arbeiten dabei wie seit schon 25 Jahren ausschließlich über Partner, auch was den Service angeht. Direkt betreut werden bei uns tatsächlich nur große Telekom-Provider wie die Telekom oder Vodafone.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger