Wir sind zurück! Choice! Suse-Propheten und -Produkte kämpfen um Partner, Positionierung und Reputation

Von Ulrike Ostler 13 min Lesedauer

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Es ist die erste „Susecon“ gewesen, die Kundenkonferenz vom Linux-Pionier Suse, die seit April 2019 in den USA stattgefunden hat – nicht gerade der günstigste Zeitpunkt, zu dem weltweit die Fahnen für Souveränität gehisst werden, könnte man meinen. Doch Open Source ist nun einmal weltumspannend, oder?

Rachel Cassidy, Senior Vice President Global Partner Ecosystem bei Suse, eröffnet den Partner-Summit der „Susecon 2025“. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Rachel Cassidy, Senior Vice President Global Partner Ecosystem bei Suse, eröffnet den Partner-Summit der „Susecon 2025“.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Suse hat offensichtlich keine einfachen Zeiten hinter sich; offenbar hat die ehemalige Chefin Melissa Di Donato, die nun seit September 2023 Mitglied des Aufsichtsrats der Porsche AG ist, mehr Scherben hinterlassen, als auf den ersten Blick erkennbar war. Jedenfalls war Suse bis zum 13. November 2023 eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Luxemburg.

An diesem Tag verschmolz das Unternehmen mit der Marcel New Lux IV S.A. und wurde von der Frankfurter Wertpapierbörse dekotiert und ist seitdem nicht mehr börsennotiert. Damals hat das Transaktionsvehikel der EQT Private Equity, nach Abschluss des Kaufangebots 98,18 Prozent an der Suse S.A. erworben. Kein Wunder also, wenn einer der Partner öffentlich artikuliert, was seine Kunden ihn wissen lassen: „Wir dachten, mit Suse geht es dahin.“

Suse-CEO  Dirk-Peter van Leeuwen spricht über die Wahlmöglichkeiten, die Suse-Kunden und -Partner haben(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Suse-CEO Dirk-Peter van Leeuwen spricht über die Wahlmöglichkeiten, die Suse-Kunden und -Partner haben
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Es war also ein Auftritt aus der Defensive bei den jeweiligen Bereichsverantwortlichen, allem voran vom jetzigen Chef, Dirk-Peter van Leeuwen, der seit dem 1. Mai 2023 als CEO von Suse tätig ist, Wem er bekannt vorkommt, liegt vermutlich richtig; denn er war zuvor 18 Jahre bei Red Hat, zuletzt als General Manager für Nordamerika. Auch etwa Frank Feldmann, der seit August 2023 die Position des Chief Strategy Officer (CSO) bei Suse innehat, hatte einst leitende Positionen bei dem Open-Source-Konkurrenten inne. Abgeworben hat Suse die Altherrenriege wohl kaum, eher reaktiviert.

Das Beutel-Tier

Eigentlich gibt es kaum einen Grund, sich zu verstecken und schon gar nicht um Anerkennung zu buhlen. Suse hat eine Anhängerschaft, die sich sehen lassen kann - der Datacenter-Betreiber Switch, die Deutsche Bank, Microsoft, Orange, Automobilhersteller Rivian, Merck KG aA Darmstadt, Aussie Broadband Tata Consultancy Services, Fidelity Investments, Chield Rescue Coalition, IBM, Cona Services LLC (eine Cola-Company), Mitsubishi Power Aero, Philips Energy, Procter & Gamble waren bei der Susecon auf der Bühne. Doch Suse kommt aus einer Krise - 'mal wieder - immerhin so schlimm, dass Kunden der Partner annahmen, das Unternehmen gäbe es schon gar nicht mehr.

Das Hin- und Her

Ob hausgemacht oder nicht, durch Übernahmen gebeutelt oder inkompatible Unternehmenskulturen .... das Unternehmen hat es nicht leicht und erweist sich trotz allen erstaunlich überlebensfähig. Gegründet wurde die Open-Source-Company 1992 als deutsches Software-Unternehmen. Im Jahr 2003 folgte die erste Übernahme durch Novell, ein amerikanischer Softwarehersteller, der sich auf Netzwerk-Anwendungen spezialisiert hatte, für etwa 210 Millionen Dollar. Der Firmensitz wurde nach der Übernahme von Nürnberg nach Massachusetts in den USA verlagert. Im August 2005 fand der Launch des Open Suse-Community-Projekts statt.

Im Jahr 2011 wurde Novell, einschließlich Suse, dann von Attachmate für etwa 2,2 Milliarden Dollar gekauft. Im Zuge der Übernahme wurde der Firmensitz nach Nürnberg zurückverlegt und Suse als selbstständige Geschäftseinheit wieder ausgegründet. Die privat geführte Company Attachmate hatte sich auf die Verwaltung und Sicherheit von Unternehmenssoftware spezialisiert. Attachmate wurde aber 2014 von der britischen Softwarefirma Micro Focus für etwa 1,2 Milliarden Dollar erworben.

Im Juli 2018 kaufte dann das schwedische Private-Equity-Unternehmen EQT Partner AB Suse aus Micro Focus für etwa 2,5 Milliarden Dollar heraus. 2020 konnte Suse wiederum das Unternehmen Rancher Labs erwerben und ging im Mai 2021 an die Frankfurter Wertpapierbörse. Ende Oktober 2021 hat Suse dann das auf Container-Sicherheit spezialisierte Unternehmen Neuvector für 130 Millionen Dollar übernommen.

Ach herrjeh!

Allerdings war der Aktienkurs des Unternehmens seit IPO um 71 Prozent eingebrochen. Im August 2023 hatte EQT bekannt gegeben, die Suse-Aktien zurückzukaufen und ein Delisting der Aktie einzuleiten. Auf einer für den 13. November 2023 einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt, wurde dies am gleichen Tag vollzogen.

Und nun? Eigentlich hat Suse gute Voraussetzungen zum Durchstarten: Wie beobachtet und berichtet, gibt es einen loyalen Kundenstamm und die Open-Source Community argwöhnt, ob Hauptkonkurrent Red Hat bei IBM gut aufgehoben sei.

Die Maßgabe „Choice!“ allerdings, birgt Chancen aber auch Gefahren, nämlich dann wenn die Wahl zur Qual oder zur Beliebigkeit und schlimmstenfalls zur letzten Rettung wird. Da sei die Qualität der Entwickler und die des Suse-Support vor!

Der Blick nach vorne

Doch genug des Lästerns. Das Positive: Das jetzige Management und der Verkauf kennt sich im Open-Source-Markt aus, das Unternehmen wächst stärker als der Mitbewerb, die zahlreichen Kunden mit klangvollen Namen sind loyal und überzeugt von der Qualität der Unterstützung seitens ihres Infrastrukturanbieters, die Community ist rege und die Enterprise-Angebote gefragt – insbesondere „Suse Linux Enterprise“ (SLES), demnächst in der Version 15.7 verfügbar und im Herbst mit dem Release 16 sowie „Rancher“.

Am Ende des ersten Konferenztags der „SuseCon 2025“, die vom 10. bis zum 14. März in Orlando stattgefunden hat. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Am Ende des ersten Konferenztags der „SuseCon 2025“, die vom 10. bis zum 14. März in Orlando stattgefunden hat.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Als Motto der Veranstaltung und des Buhlens um Partner sowie Kunden, vor allem auf dem US-Markt, hatte das Suse-Management und das Marketing „Choice!“ gewählt. Der Begriff soll sowohl den Partnern als auch der Klientel Freiraum signalisieren, sich die technisch sinnvollen Rosinen herauspicken zu können, ohne eine verlässliche Infrastruktur in Frage stellen zu müssen – auf Wunsch rein Open Source, ohne ein kommerzielles IT-Angebot wie im Red-Hat-IBM-Konstrukt oder einen festen Produkt-Stack im Nacken.

Dr. T. , alias Thomas Di Giacomo, Chief Technology and Product Officer bei Suse, ordnet die Neuankündigungen den Aufgabenfeldern zu, die Unternehmen heute zu bewältigen haben. (Bild:  Vogel It-Medien GmbH)
Dr. T. , alias Thomas Di Giacomo, Chief Technology and Product Officer bei Suse, ordnet die Neuankündigungen den Aufgabenfeldern zu, die Unternehmen heute zu bewältigen haben.
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)

Eine solche Infrastruktur spare nicht nur Aufwand, sondern auch Geld, das sich somit in KI-, Edge- und Cloud-Native-Projekte investieren lasse, so die Argumentation. Für die Partner wichtig ist aber auch: „Wir als Suse bieten Infrastruktur, keine Services“. Für die Endkunden bedeute das Suse-Infrastruktur-Angebot letztlich auch eine Möglichkeit, im eigenen Tempo in neue IT-Welten eintauchen zu können.

(Suse-) Linux:

Das zeigt sich in dem Kernprodukt Suse Linux Enterprise (SLES), das erstmalig im Oktober 2000 veröffentlicht wurde, als „SLES 7“. „Wir planen SLES-Support für die nächsten 400 Jahre“, scherzt Rick Spencer, General Manager, zuständig für Business Critical Linux, in Anspielung auf den Suse mit 19 +-Jahren „längsten Support-Lifecycle der Branche“. Die aktuelle SLES-Version ist 15 und Suse sagt jährliche Service Packs zu.

Suse Linux Enterprise Server 15 Service Pack 7 (SLES 15 SP7) wird voraussichtlich im Juni 2025 veröffentlicht. Dieses Release wird als „Consolidation Service Pack" bezeichnet, was bedeutet, dass der Schwerpunkt auf Fehlerbehebungen, Sicherheits-Updates und Verbesserungen bestehender Funktionen liegt. Version 16 ist für November 2025 geplant. Das General Release soll im Juli zur Verfügung stehen.

Das Betriebssystem unterstützt die 64er-Prozessoren von AMD und von Intel, „IBM Power“, „IBM Z“ und „Linux One“ sowie ARM-CPUs, AArch64, also Server und IoT-Geräte, die auf den ARM-Chipsätzen basieren. Darüber hinaus unterstützt Open Suse eine Vielzahl von AArch64-Plattformen mit standardisierter UEFI-Umgebung. Beispiele hierfür sind Geräte mit Prozessoren von Actions Semi, Allwinner, AMD, Amlogic, Ampere, Applied Micro, Broadcom sowie „Graviton“ von Amazon Web Services.

Multi-Linux

Dass Suse „Cent OS“ nachbauen wollte, (siehe: „RHEL-Abspaltung mit einer Investition von über 10 Millionen Dollar; Suse plant Fork von Red Hat Enterprise Linux“, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass demnach eine gemeinsame Administration möglich sein sollte, ist seit der Einführung von „Suse Liberty Linux“ Realität.

Mithilfe des Service-Angebots konnten und können Unternehmen, ihre bestehenden CentOS-Installationen ohne Migration weiter nutzen. Dieses Angebot hat inzwischen die Bezeichnung geändert zu „Suse Multi-Linux Support“, um den serviceorientierten Charakter und die Unterstützung mehrerer Linux-Distributionen zu betonen.Auch Red Hat-Linux-Systeme lassen sich damit technisch warten und unterstützen.

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Suse gehört zu den Unternehmen, die am meisten zum Linux-Kernel 6.13 beigetragen haben. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Suse gehört zu den Unternehmen, die am meisten zum Linux-Kernel 6.13 beigetragen haben.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Das Angebot ermöglicht es Organisationen also, gemischte Linux-Umgebungen vergleichsweise effizient unter einem einheitlichen Support-Rahmenwerk zu verwalten. Kern ist ein leistungsstarkes Verwaltungswerkzeug, das IT-Administratoren die zentrale Verwaltung verschiedener Linux-Distributionen ermöglicht. Es erleichtert Aufgaben wie automatisiertes Patch-Management, Überwachung in Echtzeit und die Verwaltung des gesamten Lebenszyklus von Inhalten, wodurch die Sicherheit und Compliance in heterogenen Linux-Umgebungen gewährleistet werden.

Unterschiedliche Aussagen gibt es über die Distributionen Debian und Ubunu. Während in einer Keynote auch diese Linux-Varianten unter die Fittiche des Multi-Linux-Support genommen wurde, schließt der derzeitige Chief Technology Officer (CTO) Brent Schroeder im Zweiergespräch diese Linux-Derivate ausdrücklich aus.

Neben SLES bietet Suse weitere Betriebssysteme an:

  • „Linux Enterprise Server for SAP Applications“: Diese Version ist speziell für den Einsatz mit SAP-Lösungen wie „SAP HANA“, „SAP Netweaver“ und „SAP S/4 HANA“ optimiert.
  • „Linux Enterprise Desktop“: Das Betriebssystem ist ein für gemischte IT-Umgebungen entwickeltes Desktop-Betriebssystem, das laut Suse die Sicherheit, Verwaltbarkeit und Effizienz von Linux bietet.
  • „Open Suse“: Diese Community-getriebene Linux-Distribution ist in zwei Hauptversionen erhältlich:
    - Open Suse Leap: eine stabile Version mit regelmäßigen Veröffentlichungen, die sich gut für den Einsatz in Unternehmensumgebungen eignet, und
    - Open Suse Tumbleweed“: ein Rolling-Release-Modell, das kontinuierlich aktualisiert wird und stets die neuesten Softwareversionen bietet.
  • Linux Enterprise Micro (SLE Micro): Diese Bezeichnung steht für ein leichtgewichtiges, unternehmensbereites Linux-Betriebssystem, das speziell für containerisierte und virtualisierte Workloads entwickelt wurde. SLE Micro bietet eine sichere, zuverlässige und compliance-fähige Plattform für den Einsatz in verschiedenen Umgebungen, von eigenständigen Container-Hosts über Kubernetes-Cluster bis hin zu unternehmenskritischen Edge-Deployments und Cloud-Umgebungen. Die aktuelle Version von SLE Micro ist 6.1.
  • Open Suse MicroOS: Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein minimalistisch gestaltetes, selbstwartendes und transaktionales System, das sich primär als Container-Host eignet. Es aktualisiert sich selbst in einem transaktionalen Ansatz und nutzt ein schreibgeschütztes Dateisystem, um versehentliche Änderungen und Malware-Angriffe zu verhindern.

Suse gehört darüber hinaus zu den Firmen, die am meisten zur Weiterentwicklung des Linux-Kernel beitragen. Zum Vergleich: Intel hat der im Januar veröffentlichen Version 6.13 mit mehr als 40.000 Codezeilen 82.247 Lines of Code gespendet, Ericsson 76.347 und Suse hat 42.347 geliefert.

Observability mit Rancher Prime

„Sie müssen verstehen, dass wir Observability in einer Art Karte organisieren“, sagt Andreas Prins,VP Product Marketing bei Suse. Hier kommen alle Komponenten vor, sie werden automatisiert aufgenommen und in ihren Abhängigkeiten miteinander verknüpft.“ Das reicht von einzelnen Hardware-Komponenten wie GPUs und CPUs über Router und Switches bis zu komplexen Services und Drittanbieter-Software mitsamt der neuen Storage-Optionen durch Netapp, Oracle und Portworx by Pure Storage, aber auch Angebote von Dell und HPE sowie Temenos.

Und demnächst gibt es „Suse Cloud Observability“, eine Cloud-native, vollständig verwaltete Observability-Plattform, die speziell für Rancher-verwaltete Kubernetes-Cluster entwickelt wurde. Auch hier spielt die Maßgabe einer möglichst einfachen Handhabung für die Kunden die entscheidende Rolle; denn das Angebot soll ein All-in-One Observability-Tool sein, das auf die Rancher-Community zugeschnitten ist und den Einsatz separater Tools überflüssig macht.

Die Kunden sollen dabei sowohl die kritische Verfügbarkeit, das Kosten-Management und Sicherheit in nativen Cloud-Umgebungen im Blick behalten können. Traditionell jedoch benötigen Unternehmen mehrere Tools, um den gesamten Observability-Prozess von der Datenerfassung bis zur Dashboard-Erstellung zu verwalten - und die Integration dieser Observability-Tools kann sich als schwierig erweisen. Suse Cloud Observability soll diesen Prozess vereinfachen, indem es eine Komplettlösung für mit Rancher verwaltete Kubernetes-Cluster bereitstellt, die eine schnellere Problemlösung und ein effizienteres Ressourcen-Management ermöglicht.

Thomas De Giacomo stellt die Neuerungen bezüglich der so genannten validated designs vor: Unternehmen stoßen mit Hunderten von Entwicklungsteams, die Tausende von Services in hybriden Umgebungen implementieren, an die Grenzen der Cloud-Native-Innovation, was die Bewältigung von Standardisierungs-, Sicherheits- und Betriebseffizienzkomplexen erforderlich macht. „DevX Validated Designs by Suse“ adressiert die Probleme:   DevX Validated Designs  sind zusammensetzbare Workflows, die Unternehmen bei der Rationalisierung von Software-Entwicklung, -implementierung und -betrieb auf „Suse Rancher Prime“ und Cloud-nativen Umgebungen unterstützen. Diese Designs vereinen:    - Standardisierte Entwicklerumgebungen mit Dev Containern für schnelles Onboarding    -  GitOps-gesteuerte Automatisierung für optimierte Build-Pipelines und Implementierungen im großen Maßstab    - Vertrauenswürdige Inhalte, private Registrierungen und Sicherheitskontrollen zum Schutz der Software-Lieferkette    - Integrierte Beobachtbarkeit und Fehlerbehebung für die Anwendungsüberwachung in Echtzeit(Bild:  Vogel It-Medien GmbH)
Thomas De Giacomo stellt die Neuerungen bezüglich der so genannten validated designs vor: Unternehmen stoßen mit Hunderten von Entwicklungsteams, die Tausende von Services in hybriden Umgebungen implementieren, an die Grenzen der Cloud-Native-Innovation, was die Bewältigung von Standardisierungs-, Sicherheits- und Betriebseffizienzkomplexen erforderlich macht. „DevX Validated Designs by Suse“ adressiert die Probleme: DevX Validated Designs sind zusammensetzbare Workflows, die Unternehmen bei der Rationalisierung von Software-Entwicklung, -implementierung und -betrieb auf „Suse Rancher Prime“ und Cloud-nativen Umgebungen unterstützen. Diese Designs vereinen: - Standardisierte Entwicklerumgebungen mit Dev Containern für schnelles Onboarding - GitOps-gesteuerte Automatisierung für optimierte Build-Pipelines und Implementierungen im großen Maßstab - Vertrauenswürdige Inhalte, private Registrierungen und Sicherheitskontrollen zum Schutz der Software-Lieferkette - Integrierte Beobachtbarkeit und Fehlerbehebung für die Anwendungsüberwachung in Echtzeit
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)

Damit wird auch das Erstellen der Karten auf Multicloud-Visibilität mitsamt Dependency Maps zur Visualisierung von Clustern über mehrere Clouds, zumindest die der meistgenannten Hyperscaler, hinweg ausgeweitet. Unternehmen können die Plattform demnach nutzen, um geschäftskritische Workloads in von Rancher verwalteten Kubernetes-Clustern in AWS, Azure und Google Cloud zu überwachen. Probleme lassen sich quasi in Echtzeit erkennen und beheben.

Laut Prins besitzt Rancher Prime dank KI auch Predictive-Analysen; doch würden kaum nachgefragt: „Das ist für die allermeisten Kunden uninteressant.“

Und Rancher selbst steht nun als kostenpflichtiges Software-as-a-Service-Angebot zur Verfügung - auf AWS als „Suse Rancher Hosted“ mit vorgefertigten Anwendungen und Observability-Modulen.

Zu den weiteren Ankündigungen bezüglich Rancher Prime gehören:

Integration von „Suse Security“ und „Microsoft Sentinel“, um die Suse-Security-Ereignisdaten direkt in Sentinel leiten zu können, wo sie analysiert und Empfehlungen zur Bedrohungsabwehr ausgesprochen werden können.

Neues von der „Susecon 2025“: Unter anderem ist nun die Bankenanwendung „Temenos“ für „Suse Rancher Prime“ zertifiziert.(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Neues von der „Susecon 2025“: Unter anderem ist nun die Bankenanwendung „Temenos“ für „Suse Rancher Prime“ zertifiziert.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Temenos Core-Zertifizierung: Die Software ist jetzt mit „Temenos Core“, einer führenden Kernbankplattform, zertifiziert. Temenos Core, auch bekannt als „Temenos Transact“ (T24), ist eine umfassende, Cloud-native Bankensoftware, die für verschiedene Bankdienstleistungen entwickelt wurde, darunter Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden, Vermögensverwaltung und Zahlungsverkehr. Diese Integration ermöglicht es Finanzinstituten, ihre Infrastruktur mithilfe von Kubernetes zu modernisieren und die Sicherheit, Skalierbarkeit und Leistung zu verbessern.

Suse Private Registry gehört zur von Kunden heiß ersehnten unternehmenstauglichen Container-Registry auf Basis von „Harbor“, die sich ideal für die sichere Verwaltung von Images in Air-Gapped-Umgebungen eignet. Harbor ist eine Open Source-Registry. Sie sichert Artefakte mit Richtlinien und rollenbasierter Zugriffskontrolle (RBAC), stellt sicher, dass Images gescannt werden und frei von Schwachstellen sind, und kennzeichnet Images als vertrauenswürdig.

Modernisierung von virtuellen Maschinen: Die neueste Version von „Suse Virtualization“ erweitert die Storage-Flexibilität durch Zertifizierungen von wichtigen Anbietern wie Dell, Netapp, Oracle und Portworx und bietet Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten für ihre bestehende Infrastruktur.

Suse Rancher for SAP Applications: Die neue Plattform ist für die nahtlose Hybrid-Cloud-Integration von SAP-Workloads konzipiert. Sie basiert auf dem von SAP geprüften Suse Rancher Prime und kombiniert Kubernetes, Linux, Virtualisierung, Datenbanken, Sicherheit und Beobachtbarkeit zur Unterstützung wichtiger SAP-Anwendungen. Kunden sollen damit SAP-Workloads effizienter zu implementieren, Kosten zu senken und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu gewährleisten können.

Suse AI

Fast alle Unternehmen befinden sich auf einer Cloud-Native-Reise - zugegebenermaßen sind nicht alle schon gleich weit vorangeschritten. Doch bei Suse geht man davon aus, dass sich keine Organisation entziehen kann. Letzteres trifft auch für den Einsatz von Artificial Intelligence (AI) zu - mit dem Unterschied, dass hier alles noch im Entstehen begriffen ist.

Rick Villars, Group Vice President of Worldwide Research bei IDC, erläutert, wie die AI-Kosten in die Höhe schnellen können. (Bild:  Vogel It-Medien GmbH)
Rick Villars, Group Vice President of Worldwide Research bei IDC, erläutert, wie die AI-Kosten in die Höhe schnellen können.
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)

Laut Rick Villars, Group Vice President of Worldwide Research bei IDC, haben viele Unternehmen bereits Prototypen gebaut, sehen sich aber beim Versuch, diese zu skalieren und auszurollen mit exorbitanten Kosten konfrontiert. Dazu kommen Probleme mit der Implementierung von Compliance- und Security-Regeln. „Suse AI“ soll helfen.

Vor neuen Monaten hatte das Open-Source-Unternehmen das Angebot angekündigt, jetzt steht die integrierte Cloud-native Plattform mit ersten Services bereit. Sie soll als vertrauenswürdige Grundlage zur Implementierung und Ausführung von GenAI-Anwendungen dienen - nicht selber KI-Anwendungen liefern. Sie ermöglicht vielmehr den Einsatz von Large-Language-Modellen (LLMs) und bei der rasanten Entwicklung im Markt, sie gegebenenfalls auszuwechseln und zu kombinieren.

Flexibilität, Sicherheit und Kostenkontrolle

„Choice!“ also auch hier: Unternehmen sollen mithilfe des Angebots, das auf Rancher Prime basiert, die volle Kontrolle über KI-Lösungen behalten können - mit Wahlmöglichkeiten und digital souverän. Denn Sicherheit und Compliance stellen ein erhebliches Hindernis für die Ausschöpfung des KI-Potenzials dar, wenn die Unternehmen nun von der KI-Experimentierphase zur Implementierung übergingen, sagt etwa Abhinav Puri, General Manager Portfolio Solutions & Services bei Suse.

AI-Agenten sind der letzte Schrei und finden sich in vielen Produkten wieder. Im Infrastruktur-Angebot von Suse finden sie sich bis jetzt in der Definition von Workflows und adressieren hauptsächlich Plattform-Teams. (Bild:  Vogel IT-Medien)
AI-Agenten sind der letzte Schrei und finden sich in vielen Produkten wieder. Im Infrastruktur-Angebot von Suse finden sie sich bis jetzt in der Definition von Workflows und adressieren hauptsächlich Plattform-Teams.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Suse AI ist mithilfe des „AI Early Access Program“ entwickelt worden, einer Initiative, die Kunden und Partner mit den GenAI-Experten des Unternehmens zusammenbringt, um die Grundlage für sichere und konforme generative KI im Unternehmen zu schaffen. „KI ist ungeheuer leistungsfähig, aber wenn sie nicht sorgfältig eingesetzt wird, hat sie das Potenzial Schaden anzurichten, die Reputation eines Unternehmens zu schädigen“, so Puri. Während der Nutzen von GenAI - und die Notwendigkeit dafür - immer offensichtlicher werde, zeige sich aber ebenso, dass Kunden mit Compliance-Risiken, Schatten-KI und mangelnder Kontrolle zu kämpfen hätten - „ganz zu schweigen von der Anbieterbindung und den explodierenden Kosten, die mit KI-Lösungen im Frühstadium verbunden sind", sagt Puri.

Noch ist das Angebot von Suse AI recht eingeschränkt, aber es lässt sich absehen, wohin die Reise geht. Die Plattform soll Sicherheit und Zertifizierungen auf der Ebene der Software-Infrastruktur sowie Tools, die Zero-Trust-Sicherheit, Vorlagen und Playbooks für die Einhaltung von Richtlinien bieten. Die Kunden sollen sicherstellen können, dass die Anwendung und Verarbeitung sensibler und privater Daten vertraulich bleibt, wodurch sich das Risiko von Datenschutzverletzungen und unbefugtem Zugriff deutlich reduzieren kann.

Anmerkung: Die Zero-Trust-Containersicherheitsplattform „Neuvector“ existiert noch als Project, ist nun aber Bestandteil von „Suse Security“.

Zertifizierungen

Die Suse-AI-Komponenten werden mit dem Common Criteria-zertifizierten Build-System des Anbieters erstellt, das die Software bereinigt und Schwachstellen-Scans ausführt. Dies gewährleistet die Sicherheit und Integrität dieser Komponenten und kann die Auswirkungen von Sicherheitsverletzungen durch verbesserte Reaktions- und Wiederherstellungsmaßnahmen reduzieren.

Außerdem sollen die Kunden auf ihre KI-Lösungen vertrauen können - auf die Sicherheit der Plattform, auf die Echtheit der generierten Daten und darauf, dass vertrauliche Kunden- und IP-Daten geschützt bleiben. Dafür sorgen vereinfachte Cluster-Operationen und persistenter Storage sowie der einfache Zugriff auf vorkonfigurierte, gemeinsam genutzte Tools und Services. Das erlaube wiederum eine gut gemanagte KI überall dort einzusetzen, wo Unternehmen sie benötigten, von On-Premises über Hybrid bis hin zur Cloud und sogar in Air-Gap Umgebungen.

So könnte eine Suse-geprägte Infrastruktur aussehen.(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
So könnte eine Suse-geprägte Infrastruktur aussehen.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Suse AI bietet nicht nur technische Einblicke in KI-Workloads: Kunden können Informationen zur LLM-Token-Nutzung und GPU-Leistung bekommen sowie erweiterte Funktionen zur Unterstützung der Entwicklung von Agenten-basierten und KI-trainierten Workflows nutzen. Letzteres adressiert laut Puri insbesondere die Plattform-Entwickler in den Unternehmen. SUSE AI bietet nun erste Tools und Blaupausen, um die Entwicklung dieser Workflows voranzutreiben.

Außerdem ist die Plattform vorbereitet für die Implementierung von Guardrails beziehungsweise für die nahtlose Integration mit der Infosys Guardrail-Technologie. Durch die Implementierung erhalten Kunden die Möglichkeit, sowohl ethische KI-Praktiken als auch die Sicherheit, Observability, Datenschutz, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und den Einblick in KI-Workloads zu gewährleisten.

Die schon erwähnte AI Library unterstützt Kunden bei Innovationen, indem sie eine Reihe von kuratierten, validierten Open Source-KI-Komponenten bereitstellt. Sie umfasst derzeit „OpenWebUI“-Pipelines für Agenten-basierte KI-Workflows, benutzerdefinierte RAG- und Throttle-Eingabe-Aufrufe sowie „Pytorch“ zur Unterstützung von Bildklassifizierung und natürlicher Sprachverarbeitung.

Suse Edge

Der für Edge zuständige Suse-Manager ist Keith Basil. Das Suse-Angebot ist ein Cloud-nativer Stack optimiert für Edge-Anwendungen von near bis far. Anders gesagt ist „Suse Edge“ eine hochgradig validierte, leichtgewichtige Edge-Plattform, die Open Source-Technologien - Linux und Kubernetes - kombiniert und Kunden die Verwaltung von Edge-Anwendungen in großem Umfang ermöglicht.

Suse-Edge-Experte Keith Basil auf der „Susecon 2025“-Bühne(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Suse-Edge-Experte Keith Basil auf der „Susecon 2025“-Bühne
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Während der Susecon 2025 hat er „Edge for Telco 3.2“ angekündigt, mit eben den validierten Designs, erweiterten Lebenszyklus-Support und produktionsreife Open Radio Access Network (ORAN)-Angebote für die Telekommunikation.

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