Cloud Foundry bei VW und der Allianz

Änderung der Cloud-Strategie und im Know-kow-Konsum

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Ulrike Ostler

Schnellere Entwicklung und mehr Flexibilität – das betrachten die mehr als 700 Teilnehmer des im September in Frankfurt abgehaltenen Cloud Foundry Summit Europe als die größten Vorteile der Cloud Foundry Plattform.
Schnellere Entwicklung und mehr Flexibilität – das betrachten die mehr als 700 Teilnehmer des im September in Frankfurt abgehaltenen Cloud Foundry Summit Europe als die größten Vorteile der Cloud Foundry Plattform. (Bild: Cloud Foundry Foundation)

Mit kleinen Applikationen sprechen Unternehmen künftig ihre Kunden im Internet an. „Cloud Foundry“ verschafft ihnen als Plattform as a Service Flexibilität und Agilität. Die Kenntnisse dafür sind jedoch rar.

„Wir möchten als Unternehmen möglichst unabhängig von einem einzelnen Cloud-Anbieter bleiben und jederzeit entscheiden können, ob wir die Daten unserer Kunden in der Cloud ablegen oder doch lieber On Premise“, berichtet Roy Sauer, Leiter IT Technology Portfolio & Projects bei Volkswagen. Wir wollen diese Entscheidung bei jedem Workload neu treffen und eine Applikation bei Bedarf auch an einen anderen Ort portieren. Im Moment bildet diese Forderungen nur ein Technologie-Stack ab, nämlich Cloud Foundry.“

Cloud Foundry ist eine quelloffene Plattform as a Service, die ursprünglich von VMware entwickelt wurde und nun Pivotal Software gehört, einem Joint Venture aus EMC, VMware und General Electric. „Cloud Foundry abstrahiert eine Cloud-fähige Applikation komplett von der darunterliegenden Infrastruktur“, erläutert Abby Kearns, Vice President Industry Strategy bei der Cloud Foundry Foundation. Unternehmen können damit Microservices erstellen und in mehreren Clouds ausrollen, so schnell, wie es das Business benötigt.“

Konfigurator und Car-Connectivity laufen in der Public Cloud

„Kundennahe Applikationen, die Dienstleistungen rund um das Fahrzeug abbilden, die gehen bei Volkswagen aufgrund der Flexibilität und Agilität in die Cloud“, erläutert Sauer. Ein Beispiel ist der im Juni dieses Jahres gestartete „Car-Konfigurator“, mit dem sich Interessenten ihren Neuwagen mit allen Extras zusammenstellen können. Weitere 30 Applikationen sollen folgen. Sie reichen von der Fahrzeug-Connectivity bis hinein in die Produktion.

Bei der Public Cloud ist Volkswagen nicht auf einen Anbieter fixiert, sondern will sich die Option eines Wechsels vorbehalten. Dieser Wechsel soll nicht nur zwischen unterschiedlichen Cloud-Anbietern stattfinden, sondern er umfasst auch das hauseigene Rechenzentrum. „Wir betreiben eine eigene OpenStack-Cloud, wo wie die gleichen Werkzeuge wie Cloud-Anbieter nutzen“, berichtet Sauer. „Wir skalieren zwar nicht so stark wie die Marktriesen, aber wir gehen davon aus, dass wir einfache Applikationen dort zum gleichen Preis oder sogar kostengünstiger betreiben können als Amazon oder Google.“

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Cloud Foundry bei der Allianz Versicherung

Auch die Allianz Versicherung setzt in der Kundenansprache stark auf das Internet, wie CIO Andreas Nolte berichtet: „Unsere Kunden informieren sich im Web und holen sich online Angebote ein, wie sie ein bestimmtes Risiko versichern. Außerdem bieten wir ihnen eine App an, über die sie uns Schaden online melden können.“

Die dritte Kategorie seien maßgeschneiderte Autoversicherungen, deren Tarif sich am Fahrverhalten orientiert, dass die Versicherung über einen Telematik-Chip im Fahrzeug erfasst. Wie Volkswagen will auch die Allianz Versicherung die Freiheit behalten, Daten nach Bedarf zwischen verschiedenen Clouds zu verschieben. Daher kommt auch hier der Cloud-Foundry-Stack zum Einsatz.

In Großunternehmen angekommen ...

Die Plattform Cloud Foundry selbst stellt sich gerade als eine Erfolgsgeschichte in der Software-Entwicklung dar: Vor etwa zweieinhalb Jahren hat das zuvor von VMware abgespaltene Unternehmen Pivotal die Lösung an die gemeinnützige Cloud Foundry Foundation übertragen. Zum Start fanden sich mit Dell/EMC, Hewlett-Packard Enterprise, IBM, Rackspace, SAP und VMware mehrere große Software-Unternehmen ein, welche die Foundation finanziell und personell unterstützten. Es folgte IBM, das Cloud Foundry bei der hauseigenen Plattform „Bluemix“ nutzt.

Auf organisatorischer Seite finden sich inzwischen 65 Mitglieder der Foundation, 195 User Groups sowie 2400 Contributoren und 130 Core Committer. Cloud Foundry unterstützt inzwischen alle marktgängigen Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure, Amazon Webservices, „vSphere“, OpenStack und „IBM Softlayer“.

Ein Beleg dafür, dass die Plattform inzwischen in den Unternehmen angekommen ist: Der „Cloud Foundry Summit“ hat Ende September in Frankfurt mehr als 700 Teilnehmer angezogen, das waren über 200 mehr als noch vor einem Jahr in Berlin (siehe: „Neue Mitglieder, gewachsene Community, weitere Zukunftspläne, Cloud Foundry Summit Europe 2015 Berlin“. Unter den Besuchern und Rednern fanden sich große Unternehmen wie Bosch, Volkswagen, Allianz und Siemens, die Cloud Foundry als Basis für die eigene Entwicklung oder als Cloud-Plattform nutzen. Volkswagen kündigte an, zusätzlich zur Nutzung von OpenStack als Private-Cloud-Umgebung eine Applikationsentwicklungsschicht auf Basis von Pivotals Cloud-Foundry-Implementierung zu schaffen.

„Cloud Foundry abstrahiert eine Cloud-fähige Applikation komplett von der darunterliegenden Infrastruktur“, erläutert Abby Kearns, Vice President Industry Strategy bei der Cloud Foundry Foundation. Unternehmen können damit Microservices erstellen und in mehreren Clouds ausrollen, so schnell, wie es das Business benötigt.“
„Cloud Foundry abstrahiert eine Cloud-fähige Applikation komplett von der darunterliegenden Infrastruktur“, erläutert Abby Kearns, Vice President Industry Strategy bei der Cloud Foundry Foundation. Unternehmen können damit Microservices erstellen und in mehreren Clouds ausrollen, so schnell, wie es das Business benötigt.“ (Bild: Cloud Foundry Foundation)

Geschwindigkeit und Agilität legen deutlich zu

Als größter Vorteil für die Nutzung der Cloud-Foundry Plattform betrachten die Anwender die deutlich beschleunigte Entwicklung: „Wir sind schneller geworden, und genau das braucht das Business“, erläutert VW-Mann Sauer. „So können wir beispielsweise den Car-Konfigurator viel schneller ändern als das bei den bisherigen monolithischen Applikationen möglich war.“

Die Hürde bei der Nutzung von Cloud Foundry sieht VW-Mann Sauer darin, die dafür nötige Kompetenz zu bekommen und aufzubauen. „Wir haben zwar eine Projektpartnerschaft mit Pivotal geschlossen, aber wir können nicht ewig Partner einkaufen, die uns den Umgang mit dieser Technologie zeigen. Wir müssen vielmehr eigene Skills aufbauen und diese auch skalieren.“

Mit Cloud Foundry werde sich die Organisation der Entwicklung grundlegend ändern: „Früher haben wir die Bereiche Entwicklung und Operations getrennt. Beim Car Konfigurator haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, die alten Silos aufzulösen und die ehemals getrennten Bereiche eng zusammen arbeiten zu lassen.“ Um die neue Entwicklungsmethode als Keimzelle in der IT-Organisation zu verankern, hat Volkswagen Testlabore in Kalifornien, München, Berlin und Barcelona aufgesetzt. Allianz geht ähnlich vor und hat ein Testlabor in München mit 100 Entwicklern aufgebaut, und ein weiteres in Stuttgart mit 90 Mitarbeitern.

SAP schult Cloud-Foundry-Entwickler in Walldorf

SAP, welche Cloud Foundry als Plattform für die HANA Cloud nutzt, hat im September ein Schulungszentrum namens Cloud Foundry Dojo eröffnet. Dort laufen Kurse, über die Contributoren künftig schneller den Status als Committer bekommen sollen. Die Teilnehmer werden sechs Wochen lang in Praktiken wie Extreme Programming, Test-Driven Development und Continuous Integration geschult, um danach selbstständig zu Cloud-Foundry-Projekten beitragen zu können.

Das in Walldorf eingerichtete Lab ist das erste seiner Art in Deutschland. Es soll als Entwicklungszentrum für die Cloud-Foundry-Community in Europa dienen.

* Jürgen Frisch ist freier Journalist und lebt in Stuttgart.

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