Rund 122 Millionen Euro Zunächst erhalten 11 Projekte GaiaX-Förderung

Redakteur: Ulrike Ostler

In der vergangenen Woche hat die Bundesnetzagentur die Gewinnerkonsortien für den vom Bundeswirtschaftsministerium ausgerichteten GAIA-X Förderwettbewerb bekannt gegeben. Die Vorhaben sollen die wirtschaftliche Umsetzbarkeit und Nutzbarkeit digitaler Technologien und Anwendungen von GAIA-X demonstrieren.

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Die förderungsfähigen GaiaX-Projekte sollen heutige Praxis zumindest in Ausschnitten auf den Kopf stellen.
Die förderungsfähigen GaiaX-Projekte sollen heutige Praxis zumindest in Ausschnitten auf den Kopf stellen.
(Bild: Jukka Niittymaa auf Pixabay)

Für eine erste Bewilligungstranche werden vom Bundeswirtschaftsministerium voraussichtlich Fördermittel in Höhe von circa 122 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dies reicht für eine Förderung von elf der 16 Gewinnerskizzen aus.

Die entsprechenden Konsortien müssen nun bis Ende Juli 2021 förmliche Förderanträge auf Zuwendung bei der Bundesnetzagentur stellen. Inhalt ist eine Vorhabenbeschreibung sowie eine Arbeits-, Finanzierungs- und Verwertungsplanung. Fünf weitere Vorhaben werden - vorbehaltlich der Verfügbarkeit ausreichender Haushaltsmittel - im Rahmen einer zweiten Bewilligungstranche im Jahr 2022 einen Antrag stellen können.

Die ausgewählten Ideen decken die Anwendungsbereiche Gesundheit, Recht, Bildung, Finanzen, Mobilität, Geoinformationen, Energie, Luft- und Raumfahrt, Agrar, Bauwirtschaft sowie den öffentlichen Sektor ab. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, sagt dazu: „Alle ausgewählten Vorhabenskizzen sind qualitativ überzeugend und innovativ. […] Es gibt viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die den Willen und das Potenzial haben, das Projekt GaiaX schnell und flächendeckend in die Anwendung zu bringen.“

Zwei Beispiel der förderfähigen Projekte

Wesentliche Auswahlkriterien waren neben Innovations- und Anwendungspotential sowie technischer Machbarkeit auch die Zusammensetzung des Konsortiums hinsichtlich der Abdeckung der Wertschöpfungskette. Dazu zwei Beispiele:

  • 1. Mit „Possible“ will ein Konsortium aus Univention, dem August-Wilhelm Scheer Institut, Dataport, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung, IMC Information Multimedia Communication, Univention, 1&1 Ionos und der Konsortialführung durch Bechtle, den digitalen Open-Source-Arbeitsplatz für den Öffentlichen Sektor Gaia-X kompatibel machen. Das Ziel ist nach Angaben der Macher: „Der digital souveräne und selbstbestimmte Umgang mit Daten und Prozessen in Gaia-X“.
    Es soll es möglich sein, die einzelnen Module von Possible für Personal Information Manager (PIM), Kommunikation, Storage, Office und Identitäts-Management zu adaptieren. Daten und Dienste können voneinander unabhängig über Gaia-X kollaborativ, einfach und sicher betrieben und genutzt werden.
    Basis von Possible ist das von Dataport initiierte und beauftragte und unter dem technischen Lead von Univention laufende Projekt „Phoenix“. In ihm wird zurzeit eine Open-Source-Alternative zu „Microsoft Office“-Lösungen für die Öffentliche Hand entwickelt. Diese soll somit Tools für die Kommunikation per Video, Chat und Mail sowie Filesharing, kollaboratives Bearbeiten von Dokumenten und ein einheitliches Benutzer-Management integrieren.
    Organisationen können den Phoenix-Stack in einem oder mehreren Rechenzentren ihrer Wahl betreiben. Durch die Anbindung von Gaia-X ist eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen möglich, ohne dass die Daten dazu das gewählte Rechenzentrum verlassen oder individuelle Benutzer-Accounts angelegt werden müssen.
  • 2. Das Projekt „Tellus“ wird ein Overlay über Kaskaden von Cloud-Anbietern, Vernetzungsdienstleistern und Cloud-Anwendern entwickeln, um unter Berücksichtigung kritischer Anforderungen eine Ende-zu-Ende Vernetzung mit Garantien für Hybrid-Cloud-Szenarien zu ermöglichen. Dem GaiaX-Gedanken folgend, sollen durch Integration auf Basis von Schnittstellen und Systemen, Domänengrenzen überbrückt, Interoperabilität und Portabilität sichergestellt und somit dynamische Netzwerke mit variablen Bandbreiten, geringeren Latenzen, erhöhter Sicherheit und Kontrolle über den Datenfluss im Netzwerk geschaffen werden.
    Das vorläufige Konsortium besteht aus Cloud & Heat Technologies GmbH, Kaemi GmbH, Mimetik UG, Plus Investment GmbH, Ruhr-Universität Bochum, Spacenet AG, Stadtwerke Wolfsburg AG, Trumph Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG, 1&1 Ionos SE und die Konsortialführung hat die DE-CIX Management GmbH übernommen.

Alle Forschungsergebnisse und hervorgebrachten Anwendungsbeispiele der Vorhaben werden veröffentlicht, um Impulse für eine deutschlandweite und internationale Nachfrage nach GaiaX-basierten datengetriebenen Anwendungen und Datenräumen zu generieren und dem Ziel einer souveränen europäischen Dateninfrastruktur näher zu kommen.

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