Unternehmen lösen Storage zunehmend von Compute und reduzieren Abhängigkeiten von Hyperscalern. Im Interview erläutert Ruben van der Zwan, CEO von Worldstream, warum dafür Architektur, offene Standards und resiliente Infrastrukturen entscheidend sind und welche Anforderungen KI-Workloads an Rechenzentren stellen.
Storage-Schichten, geo-verteilte Datenhaltung und offene Standards sind die Grundlage für resiliente und souveräne Infrastrukturen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
DataCenter-Insider: Vor Kurzem haben Sie eine neue Business Alliance Partnership mit Cubbit und neue Services für Kunden – auch in Deutschland – bekannt gegeben. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf dem umkämpften Cloud-Markt?
Ruben van der Zwan: Der Wettbewerb im Cloud-Markt findet zunehmend auf Architekturebene statt, weniger auf Feature-Ebene. Viele Funktionalitäten sind heute vergleichbar. Der Unterschied liegt darin, wie Infrastruktur betrieben wird und welche Abhängigkeiten daraus entstehen.
Unsere Positionierung basiert darauf, Storage als eigenständige, kontrollierbare Schicht anzubieten. Mit der Integration von Cubbits geo-verteiltem Object Storage in unsere eigene Infrastruktur können wir S3-kompatible Services bereitstellen, ohne auf externe Plattformen angewiesen zu sein. Das erlaubt uns, Themen wie Datenlokation, Zugriffspfade und Kostenstrukturen vollständig selbst zu steuern.
Unsere Chancen sehen wir vor allem dort, wo Unternehmen bestehende Architekturen gezielt entkoppeln wollen – etwa indem sie Storage von Compute trennen oder kritische Daten nicht mehr ausschließlich in hyperscaler-gebundenen Umgebungen halten.
Der Markt bewegt sich Richtung Sovereign Cloud und europäische Alternativen. Welche Prinzipien muss eine wirklich souveräne Infrastruktur erfüllen, die über reine Datenlokation hinausgeht?
Datenlokation ist die sichtbarste, aber nicht die entscheidende Dimension. Aus unserer Sicht basiert Souveränität auf drei technischen Prinzipien:
Erstens Kontrolle über die gesamte Betriebskette – also Hardware, Netzwerk und Software-Stack. Sobald kritische Komponenten außerhalb dieser Kontrolle liegen, entstehen Abhängigkeiten.
Zweitens Standardisierung der Schnittstellen. S3 ist hier ein gutes Beispiel, weil es Portabilität ermöglicht. Proprietäre APIs erschweren dagegen jede Form von Migration oder Multi-Vendor-Strategie.
Drittens Architekturentscheidungen, die Resilienz unabhängig von einzelnen Standorten oder Anbietern machen. Geo-verteilte Ansätze, bei denen Daten fragmentiert und über mehrere Knoten verteilt werden, sind hier deutlich robuster als klassische Replikation innerhalb einer Region.
Ergänzt wird das durch wirtschaftliche Transparenz. Wenn Kosten nicht planbar sind, ist auch die technische Unabhängigkeit nur eingeschränkt gegeben.
Welche Rolle spielt für Sie als niederländisches Unternehmen der deutsche Markt?
Deutschland ist für uns sowohl technologisch als auch regulatorisch ein Leitmarkt. Anforderungen an Verfügbarkeit, Dokumentation und Compliance sind hier oft strenger ausgeprägt als in anderen Regionen.
Das führt dazu, dass viele deutsche Unternehmen sehr bewusst entscheiden, wo und wie Daten gespeichert werden. Gleichzeitig sehen wir eine hohe Bereitschaft, bestehende Architekturen zu hinterfragen – insbesondere dort, wo Kosten, Datenflüsse oder Abhängigkeiten nicht mehr ausreichend transparent sind.
Für uns ist der deutsche Markt deshalb weniger ein Expansionsmarkt im klassischen Sinne, sondern ein Umfeld, in dem sich zeigt, ob Infrastrukturkonzepte unter realen Anforderungen funktionieren.
Ihr Claim lautet „Solid IT. No Surprises.“ – wie übersetzen Sie dieses Versprechen konkret in SLAs, Architekturentscheidungen und Incident Management?
„No Surprises“ bedeutet für uns in erster Linie deterministisches Verhalten; sowohl technisch als auch operativ.
Auf SLA-Ebene setzen wir auf klar definierte Reaktions- und Wiederherstellungszeiten, die auf realistischen Betriebsannahmen basieren. Gleichzeitig vermeiden wir überkomplexe SLA-Konstrukte, die in der Praxis schwer nachvollziehbar sind.
In der Architektur bevorzugen wir bewusst einfache, nachvollziehbare Designs. Das betrifft sowohl die Netzwerkstruktur als auch die Storage-Layer. Komplexität entsteht oft nicht durch einzelne Komponenten, sondern durch deren Zusammenspiel – und genau dort setzen wir an.
Im Incident-Management ist Transparenz entscheidend. Kunden müssen jederzeit nachvollziehen können, ob ein Problem lokal, netzwerkseitig oder systemisch ist. Dafür betreiben wir eine durchgängige Überwachung unserer Infrastruktur und stellen Informationen so bereit, dass sie auch auf Kundenseite operationalisierbar sind.
Inwiefern orientieren sich Ihre neuen Services an Standards wie IDCA AE360 – und welche konkreten Anforderungen setzen Sie dabei bereits um?
AE360 ist für uns weniger ein Checklisten-Standard als ein Strukturrahmen, dessen Besonderheit darin liegt, dass Infrastruktur, Betrieb und Governance als ein einziges, in sich geschlossenes System miteinander verknüpft werden, anstatt als parallele Stränge behandelt zu werden.
Konkret setzen wir Anforderungen in mehreren Bereichen um:
Zum einen klare Trennung von Infrastruktur- und Betriebsebenen, sodass Verantwortlichkeiten eindeutig definiert sind.
Zum anderen Auditierbarkeit und Nachvollziehbarkeit, etwa durch dokumentierte Datenflüsse und kontrollierte Zugriffspfade.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Ein weiterer Punkt ist die Betriebsstabilität, also die Fähigkeit, Services auch unter veränderten Lastbedingungen oder bei Teilausfällen konsistent bereitzustellen. Hier spielen sowohl Monitoring als auch automatisierte Failover-Mechanismen eine Rolle. Vom Standpunkt der Sicherheitsarchitektur aus betrachtet ist Resilienz eine systemische Eigenschaft, die der Infrastruktur nicht nachträglich hinzugefügt werden kann.
Rückverfolgbarkeit von Datenströmen, Kontrolle von Zugriffspfaden und Trennung der Betriebsebenen sind Gestaltungsprinzipien, die wir von Anfang an anwenden und keine Ergebnisse, die wir nur für Audits erstellen. Unsere Überwachung ist Teil eines kontinuierlichen Sicherheitskreislaufs, der dafür sorgt, dass unser tatsächlicher Sicherheitsstatus stets mit unserem dokumentierten Status übereinstimmt.
AE360 2.0 adressiert auch Anforderungen aus dem KI-Umfeld. Welche konkreten Auswirkungen hat das auf die Planung von Infrastruktur – etwa bei Skalierung, Sicherheit oder Datenhaltung?
KI-Workloads verschieben den Fokus stark in Richtung Dateninfrastruktur. Während Compute skalierbar bereitgestellt werden kann, wird Storage zum limitierenden Faktor – insbesondere bei großen, verteilten Datensätzen.
Für uns bedeutet das, dass Storage nicht nur skalierbar, sondern auch parallel zugreifbar und konsistent verfügbar sein muss. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Datenintegrität, weil Trainingsdaten und Modelle reproduzierbar bleiben müssen.
Im Bereich Sicherheit sehen wir zusätzliche Anforderungen an die Segmentierung und Zugriffskontrolle, da Daten häufig unterschiedlichen Schutzklassen unterliegen.
Ein weiterer Aspekt ist die Netzwerkarchitektur. KI-Workloads erzeugen hohe Ost-West-Verkehre, was klassische Datacenter-Topologien schnell an ihre Grenzen bringt. Hier ist eine enge Verzahnung von Storage- und Netzwerkdesign notwendig.
Was AE360 2.0 ebenfalls widerspiegelt – und worauf wir unsere Arbeit bereits ausrichten –, ist die Erkenntnis, dass Integrität, Zugriffssteuerung und Netzwerkarchitektur als ein zusammenhängendes System betrachtet werden müssen und nicht als separate technische Probleme.
Das Risikoprofil ist hier nicht nur umfassender als bei herkömmlichen Workloads, sondern auch dynamischer. Datenpipelines entwickeln sich weiter, Schutzklassifizierungen verschieben sich, und ein Segmentierungsmodell, das einmal definiert und statisch belassen wird, wird mit der Zeit eher zu einer Belastung als zu einer Kontrollmaßnahme.
Die Berücksichtigung dieser Infrastrukturanforderungen durch das Framework ist eine willkommene Entwicklung für die Branche. Für uns bestätigt dies einen Ansatz, den wir bereits seit einiger Zeit aus betrieblicher Notwendigkeit anwenden.
AE360 verknüpft technische Infrastruktur mit Governance, Prozessen und Dokumentation. Wie hilft dieser ganzheitliche Blick Unternehmen, echte digitale Souveränität zu erreichen – also nicht nur Datenlokation, sondern Kontrolle über Risiko, Performance und Abhängigkeiten?
Der Mehrwert liegt darin, dass technische Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden. Infrastruktur allein kann keine Souveränität garantieren, wenn Prozesse und Verantwortlichkeiten nicht klar definiert sind.
Durch die Kombination aus Infrastruktur, Governance und Dokumentation entsteht ein System, das überprüfbar ist. Unternehmen können nachvollziehen, wie Daten verarbeitet werden, welche Abhängigkeiten bestehen und wie sich Änderungen auswirken.
Das ist insbesondere für Risiko- und Performance-Management relevant. Wenn beispielsweise klar dokumentiert ist, wie Daten verteilt sind und welche Failover-Mechanismen greifen, lassen sich Ausfallszenarien realistisch bewerten.
Souveränität bedeutet in diesem Kontext vor allem: Entscheidungen basieren auf nachvollziehbaren Systemzuständen und nicht auf Annahmen.
Hinzu kommt, dass Souveränität ohne Transparenz nur eine Frage der Geografie ist. Zu wissen, wo sich Daten befinden, ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Entscheidend ist, ob man die Abhängigkeiten versteht, das Risiko zu jedem Zeitpunkt einzuschätzen weiß und Risikobewertungen auf der Grundlage von tatsächlich verifizierten Bedingungen treffen kann.
Unternehmen, die Governance und Dokumentation als reine Compliance-Maßnahme betrachten, werden sich in entscheidenden Momenten ungeschützt wiederfinden. Diejenigen, die diese Aspekte in ihre tatsächliche Arbeitsweise integrieren, Abhängigkeitskarten auf dem neuesten Stand halten, Wiederherstellungslogik validieren und bei der Weiterentwicklung von Systemen für klare Verantwortlichkeiten sorgen, sind diejenigen, die glaubhaft behaupten können, die Kontrolle zu haben. Das ist der Standard, an den wir uns halten, und genau das spiegelt AE360 wider.
Welche Trends können Sie aufseiten Ihrer Kunden hinsichtlich der eigenen Cloud-Strategie beobachten? Wo wächst die Nachfrage derzeit am stärksten?
Wir sehen aktuell eine klare Verschiebung hin zu modulareren Architekturen. Viele Kunden lösen sich von stark integrierten Plattformansätzen und beginnen, einzelne Schichten – insbesondere Storage – gezielt herauszulösen.
Das betrifft vor allem Backup- und Recovery-Szenarien, bei denen Kosten über Zeiträume von mehreren Jahren betrachtet werden müssen. Hier werden bestehende Modelle häufig hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf Datenbewegung und Zugriffskosten.
Ein zweiter Bereich ist Active Archiving, also Daten, die langfristig gespeichert, aber nicht vollständig in Cold-Storage-Systeme ausgelagert werden können. Hier sind sowohl Zugriffszeiten als auch Compliance-Anforderungen entscheidend.
Darüber hinaus sehen wir eine steigende Nachfrage nach portablen S3-Workloads, insbesondere in containerisierten Umgebungen. Storage wird hier bewusst als unabhängige Schicht betrieben, um Flexibilität bei der Wahl von Compute-Ressourcen zu behalten.
Auffällig ist auch, dass Resilienz zunehmend anders gedacht wird. Statt klassischer Replikation innerhalb einzelner Regionen interessieren sich Kunden verstärkt für geo-verteilte Ansätze, bei denen Daten fragmentiert über mehrere Standorte hinweg gespeichert werden. Das reduziert Abhängigkeiten und verbessert die Ausfallsicherheit auf Architekturebene.