Die Alternative zu Cloud und eigener Hardware Virtual Locations für hohe Compliance-Anforderungen

Ein Gastbeitrag von Henrik Hasenkamp*

Virtual Locations haben gegenüber den typischen virtuellen Cloud-Servern einige Vorteile, die sie für Unternehmen mit speziellen Anforderungen an Datenhoheit und Compliance attraktiv machen. Doch was sind die konkreten Chancen, die sich aus der Nutzung von virtuellen Locations ergeben und für wen sind sie letztlich sinnvoll?

Firmen zum Thema

Virtual Locations bieten eine Reihe von Vorteilen für Cloud-Nutzer.
Virtual Locations bieten eine Reihe von Vorteilen für Cloud-Nutzer.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay )

Während insbesondere im vergangenen Jahr mehr und mehr Unternehmen auf die Cloud umgestiegen sind, stehen Branchen wie der Finanz- oder Gesundheitssektor weiter vor der Herausforderung, alle Vorgaben im Hinblick auf Sicherheit und Regularien zu erfüllen. Die Compliance-Verstöße zählen noch immer zu den Hauptgründen, warum Unternehmen der Nutzung von Cloud-Services skeptisch gegenüber stehen.

Das zeigt nicht zuletzt eine kürzlich erschienene Studie von PwC Deutschland und ISACA Germany Chapter e.V., dem Berufsverband der IT-Revisoren, Informationssicherheitsmanager und IT-Governance-Experten. Ein Problem, das Virtual Locations lösen.

Störende Nachbarn vermeiden

Ein weiteres Problem stellt für ebendiese Branchen der so genannte Noisy-Neighbor-Effekt dar. Wer sich auf virtualisierte Ressourcen verlässt und somit die Basis für sein Projekt mit anderen teilt, kann kurzzeitig in seiner Leistung eingeschränkt sein. Man stelle sich ein Krankenhaus oder eine Bank vor, deren Ressourcen von den aktuellen Anforderungen ihrer Nachbarn abhängt. Feiert dieser eine exorbitante Party, fällt auf den Krankenstationen der Strom aus.

Was in der physischen Variante absurd klingen mag, darf auch virtuell keine Option darstellen. Gleiches gilt im Finanzsektor und einer ganzen Reihe anderer Sektoren. Auch zeitkritische Aufgaben müssen schnell und ohne Verzögerungen zu erledigen sein. Patientendaten beispielsweise können nicht erst bearbeitet werden, wenn genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Hier müssen festgelegte Ressourcen zur Verfügung stehen, um reibungslose Abläufe zu gewährleisten.

Die Methode, die hier häufig in den Vordergrund tritt, ist ein eigener Server in der Cloud, der dem Unternehmen Tag und Nacht zur Verfügung steht. Diese 'dedicated Server' beinhalten ihre eigenen Ressourcen und sind nur im eigenen Unternehmen und für die eigenen Workloads verfügbar.

Das ist etwa im Gesundheitswesen, in der Versicherungs- und der Finanzwirtschaft noch Gang und Gebe. Das Nachbarschaftsproblem wird hier zwar überwunden, ruft allerdings ein neues Risiko auf den Plan: Serverausfälle.

Zwar garantieren Hochverfügbarkeitsrechenzentren eine Verfügbarkeit von 99,9999 Prozent, was einer Verfügbarkeitsklasse 6 und etwa 31,6 Sekunden Ausfallzeit pro Jahr entspricht. Was wenig klingen mag, kann in der Praxis schnell in ernst zu nehmenden Störungen widerspiegeln.

Dedizierte Server als private Cloud-Ressource

Die Lösung ist gewissermaßen der Schrebergarten der Public Cloud: dedizierte Server als Teil der Cloud, auch Virtual Locations genannt. Das hybride Prinzip beschreibt einen virtuellen Cloud-Server, der wie üblich gebucht und genutzt wird.

Ein wichtiger Unterschied ist, dass die Softwareschicht tatsächlich aus einer einzelnen Maschine besteht, die mit genau definierten Parametern arbeitet. Mit anderen Worten: Virtual Locations ist ein Konzept, das Elemente der virtuellen Infrastruktur mit einer dedizierten Hardware kombiniert.

Dem virtuellen Gerät wird dabei ein angemessen großes physikalisches Gerät zugeordnet und stellt so eine direkte Verbindung zwischen dem gebuchten Server und den dazugehörigen Ressourcen her. Was umständlich klingen mag, ist für den Betreiber jedoch kein Mehraufwand, denn er reserviert gewissermaßen einfach einen seiner Server im Rechenzentrum speziell für einen einzelnen Kunden.

Standortbestimmung

Das Ganze hat dadurch einen bestimmten 'Standort' im Rechenzentrum des Cloud-Anbieters. Es ist eine Maschine, die von niemandem sonst geteilt wird und rund um die Uhr in Betrieb ist - auch wenn keine Rechenlast zu verarbeiten ist. So hat der User zu jeder Zeit das Gefühl, seine eigene Hardware im eigenen Serverraum zu betreiben.

Virtual Locations können parallel zu den herkömmlichen virtuellen Servern gebucht werden und arbeitet nahtlos mit diesen zusammen. Das Ergebnis sind die für die Cloud übliche Flexibilität in Kombination mit den Vorzügen von eigener Hardware.

Henrik Hasenkamp: „Virtual Locations kein Ersatz für virtuelle Server, aber eine wertvolle Ergänzung.“
Henrik Hasenkamp: „Virtual Locations kein Ersatz für virtuelle Server, aber eine wertvolle Ergänzung.“
(Bild: Gridscale)

Der einzige Unterschied: Beim Start eines neuen dedizierten Servers kommt es zu einer geringen Wartezeit, da die betreffenden Ressourcen zunächst freigegeben werden müssen, um für den Benutzer überhaupt reserviert werden zu können. Im Übrigen verhält sich der Server aber wie gehabt.

Vorteile der Virtual Locations

Jeder Nutzer von externen Cloud-Ressourcen muss schließlich für sein Unternehmen, seine Anforderungen und seine Workloads individuell entscheiden, welche die richtige Wahl ist. Virtual Locations bieten allerdings eine ganze Reihe von Vorteilen.

  • 1. Keine der Ressourcen, zum Beispiel CPUs, RAM und Speicher, sind einem anderen als einem bestimmten Kunden zugewiesen. Anstelle hochgefahren und zugewiesen werden zu müssen, sind sie stets abrufbereit. So können Compliance-Anforderungen effektiv erfüllt werden.
  • 2. Dedizierte Ressourcen können unter Umständen Funktionen übernehmen, zu denen ein virtueller Server nicht in der Lage ist, wie Number Crunching und die dafür erforderliche sehr hohe Rechenleistung. Der Einsatz von Virtual Locations auf spezialisierten Hochleistungsservern ermöglicht eine stark beschleunigte Verarbeitung von besonders rechenintensiven Tasks.
  • 3. Beim Cloud Computing können selbst die aktuellen Hypervisoren der Anbieter den Noisy-Neighbour-Effekt nicht vollständig ausgleichen. Im Gegensatz dazu ist ein Virtual-Locations-System frei davon, da die gesamte Rechenleistung genutzt und nicht durch eine hohe Auslastung der gemeinsamen Ressourcen gestört wird.
  • 4. In diesem Szenario arbeiten Virtual Locations und virtuelle Server problemlos in einer Infrastruktur zusammen; durch die Erweiterung der Virtual Location auf mehrere physische Server wird zudem Ausfallsicherheit gewährleistet.

Virtual Locations oder nicht - das ist hier die Frage

Im klassischen Arbeitsalltag sind Virtual Locations kein Ersatz für virtuelle Server, die einfach und unkompliziert bereitgestellt werden können. Wenn es aber um geschäftskritische Workloads geht, sind sie ein wertvolles Add-on.

Gerade Firmen in streng regulierten Industrien haben dadurch die Möglichkeit, trotz einer flexiblen Cloud-Infrastruktur alle Compliance-Anforderungen zu meistern. Dabei sollte trotzdem bedacht werden, dass eine möglicherweise veränderte Abrechnungssystematik und längere Vorlaufzeiten beim Starten einer neuen Virtual Location nicht nur die Einzelkosten, sondern auch die Total Costs of Ownership (TCO) beeinflussen können.

* Henrik Hasenkamp ist der CEO von Gridscale

(ID:47846049)