Cloud-Fachkräftemangel, Sicherheit und Budgetüberschreitungen führen zu Enttäuschungen Umfrage von Hashicorp zum Status des Multicloud-Computing

Redakteur: Ulrike Ostler

76 Prozent der Unternehmen haben bereits eine Multicloud-Strategie eingeführt, so der erste „Cloud Strategy Report“ von Hashicorp, Anbieter von Software zur Automatisierung von Multicloud-Infrastrukturen. Doch nicht immer zündet das Konzept.

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74 Prozent aller in einer von Hashicorp initiierten Umfrage sagen, dass sie eine Multicloud-Strategie haben. Doch viele können davon offenbar nicht profitieren.
74 Prozent aller in einer von Hashicorp initiierten Umfrage sagen, dass sie eine Multicloud-Strategie haben. Doch viele können davon offenbar nicht profitieren.
(Bild: ELG21 auf Pixabay)

Armon Dadgar, Mitbegründer und CTO von Hashicorp, fasst die Ergebnisse zusammen: „Die Ära der Multicloud ist da und wird durch die digitale Transformation, Kostenbedenken und den Wunsch der Unternehmen angetrieben, einen Vendor Lock-in zu vermeiden. Nicht zu glauben, dass mehr als die Hälfte der Befragten bereits einen geschäftlichen Nutzen aus einer Multicloud-Strategie gezogen haben“, soweit die Übereinstimmungen mit anderen ähnlichen Umfragen.

„Allerdings“, fügt er an „waren nicht alle Unternehmen in der Lage, Multicloud zu operationalisieren. Dies ist auf einen Mangel an Fachkräften, inkonsistente Arbeitsabläufe in verschiedenen Cloud-Umgebungen und auf in Silos arbeitende Teams zurückzuführen.“

Für die Studie „State of the Cloud Strategy“ wurden weltweit mehr als 3.000 IT-Experten zum Stand der Cloud-Einführung, zu den Herausforderungen und Hürden, den Auswirkungen von COVID-19 auf die Cloud-Einführung sowie zu weiteren Themen befragt. Die Umfrage ergab, dass Multicloud für IT-Organisationen jeder Größe, in allen Regionen und branchenübergreifend der De-Facto-Standard ist.

Der Prozentsatz steigt noch

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass diese Zahl in zwei Jahren auf 86 Prozent ansteigen wird. 53 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass eine Multicloud-Strategie dazu beigetragen hat, die Geschäftsziele des Unternehmens zu erreichen, wobei große Unternehmen derzeit den größten Nutzen aus Multi-Cloud ziehen.

Die digitale Transformation wird zu 34 Prozent von den Befragten als wichtigster Treiber für die Einführung von Multicloud-Lösungen genannt. An zweiter Stelle steht mit 30 Prozent die Vermeidung der Bindung an einen einzigen Anbieter [Vendor Lock-in], gefolgt von Kostensenkungen (28 Prozent). Die digitale Transformation stand vor allem bei großen Unternehmen, in Lateinamerika, im asiatisch-pazifischen Raum und in der Finanzdienstleistungsbranche an erster Stelle.

Von den drei großen öffentlichen Clouds wird AWS von den Befragten am meisten genutzt; der anteil liegt bei 88 Prozent. Die Anwender erwarten, dass die Nutzung von AWS in den nächsten zwei Jahren auf dem gleichen Niveau bleibt. Was die aktuelle sowie geplante Nutzung betrifft, steht Microsoft Azure mit 74 Prozent an zweiter Stelle, während Google Cloud mit 64 Prozent an dritter Stelle rangiert.

Cloud-Kosten und Budgetüberschreitungen

Cloud-Budgets variieren je nach Unternehmensgröße, Branche und geografischer Region. 40 Prozent der Befragten in den Unternehmen geben an, jährliche Cloud-Ausgaben von 100.000 bis 2 Millionen Dollar zu haben, während 27 Prozent der Unternehmen weniger als 100.000 Dollar jährlich ausgeben. 18 Prozent der Unternehmen geben zwischen 2 und 10 Millionen Dollar aus, und 15 Prozent jährlich mehr als 10 Millionen Dollar.

39 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Unternehmen die geplanten Cloud-Budgets überschritten hat. Am häufigsten geschah dies aufgrund von Prioritätsverschiebungen (29 Prozent) oder aufgrund unerwarteter Anforderungen im Zusammenhang mit COVID-19 (21 Prozent).

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Unternehmen mit größeren Cloud-Budgets verfügen häufiger über ein Cloud Center of Excellence (CCoE): 66 Prozent der Unternehmen mit einem jährlichen Cloud-Budget von 5 bis 50 Millionen Dollar haben ein solches CCoE - im Vergleich zu 40 Prozent aller befragten Unternehmen.

Bei Investitionen von mehr als 10 Millionen Dollar zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Branchen ab: Im Bereich Consumer Goods und Retail planen 14,11 Prozent der Unternehmen mit Ausgaben von 10 Millionen Dollar und mehr, gefolgt von Entertainment und Media (13,64 Prozent), Financial Services (8,89 Prozent) und Healthcare (8,2 Prozent). 7,09 Prozent der Unternehmen aus dem Software- und Dienstleistungssektor rechnen mit einem solchen Budget, das Schlusslicht stellt der Öffentliche Bereich mit 5,6 Prozent dar.

Kosten und Fachkräfte bereiten Sorgen

Die Umfrage zeigt zum einen, dass die Cloud – und insbesondere Multicloud – für die Erreichung von Geschäftszielen von entscheidender Bedeutung ist, zum anderen, dass es mehrere Bereiche gibt, die den Unternehmen Sorgen bereiten. Dabei variieren die Cloud-Hindernisse und -Herausforderungen je nach Region, Branche und Unternehmensgröße sowie je nach Komponenten des Technologie-Stacks.

Die Befragten gaben an, dass die größten Hindernisse für Multicloud-Programme zu 51 Prozent Kostenüberlegungen, zu 47 Prozent Sicherheitsbedenken und zu 41 Prozent ein Mangel an firmeneigenem Know-how sind. Ebenso haben die Unternehmen Schwierigkeiten, Multicloud zu operationalisieren. Zu den Hauptgründen gehören Fachkräftemangel (57 Prozent) und Budgetbeschränkungen, die sich auf die Mitarbeiterzahl auswirken (27 Prozent), inkonsistente Arbeitsabläufe in verschiedenen Cloud-Umgebungen (33 Prozent), Organisationen und Teams, die in Silos arbeiten sowie schlechte Zusammenarbeit oder zu komplexe Prozesse (29 Prozent).

Sicherheit: Zugleich Treiber und Hürde für die Cloud-Adaption

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Cloud-Sicherheit sowohl eine treibende als auch eine hemmende Kraft in Bezug auf die Einführung von Multi-Cloud ist. Die Befragten stimmten darin überein, dass die wichtigsten Cloud-Sicherheitsprobleme der Schutz von Daten und Privatsphäre (40 Prozent), Datendiebstahl (33 Prozent) und die Einhaltung von Vorschriften (31 Prozent) sind. Dabei führten Personal- und Fachkräftemangel (26 Prozent) die Liste an. Es folgten unzureichende Tools sowie fehlende Echtzeit-Transparenz und -Einblicke (jeweils 12 Prozent).

Cloud ist nicht allein eine Antwort auf die COVID-19 Pandemie

Es zeigten sich einige überraschende Ergebnisse in Bezug auf die Auswirkungen von COVID-19 auf die Cloud-Einführung in Unternehmen. 46 Prozent der Befragten gaben an, dass die Pandemie die Cloud-Einführung nicht beschleunigt hat, während 54 Prozent der Befragten angaben, dass COVID-19 eine gewisse Auswirkung auf den Zeitplan ihrer Cloud-Einführung hatte.

19 Prozent der Befragten gaben an, dass die Pandemie einen geringen Einfluss hatte und die Bemühungen um sechs bis zwölf Monate beschleunigte. 26 Prozent sagten, dass sie einen moderaten Einfluss hatte und die Bemühungen um ein bis zwei Jahre beschleunigte. 9 Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Pandemie ihre Bemühungen um mehr als zwei Jahre beschleunigt hat.

Die wichtigsten Infrastruktur-Initiativen, die infolge von COVID-19 beschleunigt wurden, waren Infrastructure as Code (49 Prozent), Container-Orchestrierung (41 Prozent), Compliance und Governance sowie die Automatisierung der Netzwerkinfrastruktur (jeweils 33 Prozent). Bemerkenswert ist jedoch, so die Studie, dass COVID-19 die Nutzung von Open-Source-Software bei 39 Prozent der Befragten erhöht hat.

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