Aus dem Bestseller „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“, Teil 1:

So setzen Sie das Datacenter richtig ab

| Autor / Redakteur: Bernd Dürr, Dietmar Müller / Ludger Schmitz

Die Kosten für Rechenzentrumsbau und -betrieb sind absetzbar. Nur wie viel?
Die Kosten für Rechenzentrumsbau und -betrieb sind absetzbar. Nur wie viel? (Bild: gemeinfrei, Brun-nO, Pixabay / CC0)

Der Bestseller „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“ von Bernd Dürr ist in einer Neuauflage erschienen. Wir präsentieren ausgewählte Kapitel. Mit einem Gewinnspiel können Leser ein kostenloses Exemplar gewinnen. Sie müssen dazu nur zum heutigen Thema – die steuerlichen Abschreibungen – eine Frage korrekt beantworten.

So genannte Wirtschaftsgüter lassen sich in Deutschland abschreiben und somit steuerlich nutzen. Als Wirtschaftsgut bezeichnen das Handelsrecht und die Betriebswirtschaftslehre alle Güter, die in einem Arbeitsprozess für die Leistungserstellung notwendig sind. Dabei zählen zu den Wirtschaftsgütern in erster Linie Sachgüter, also alles „Anfassbare“ in einem IT-Raum oder Rechenzentrum.

Die Sache mit den Abschreibungen

Die Abschreibungshöhe ist durch den (Investitions-)Preis bestimmt. Viel spannender ist die Abschreibungsdauer. Das Bundesministerium der Finanzen schreibt dazu Folgendes:

„Die Abschreibungsdauer bemisst sich bei beweglichen Wirtschaftsgütern gemäß § 7 Abs. 1 Einkommensteuergesetz grundsätzlich nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Die Nutzungsdauer ist unter Berücksichtigung der besonderen betrieblichen Verhältnisse zu schätzen. Sogenannte AfA-Tabellen sind ein Hilfsmittel, um die Nutzungsdauer von Anlagegütern zu schätzen. Die in ihnen festgehaltenen Werte beruhen auf Erfahrungswissen. Die AfA-Tabellen stellen keine bindende Rechtsnorm dar. Dennoch werden die in den AfA-Tabellen festgelegten Abschreibungssätze sowohl von der Rechtsprechung, der Verwaltung, als auch der Wirtschaft allgemein anerkannt, da sie umfangreiches in der Praxis gewonnenes Fachwissen widerspiegeln.“

In der Abschreibungstabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter (kurz: „AfA-Tabelle AV“) ist die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (§ 7 Abs. 1 Satz 2 Einkommensteuergesetz) für Anlagegüter ausgewiesen, die nicht branchenspezifisch genutzt werden. Die „AfA-Tabelle AV“ gilt für alle Anlagegüter, die nach dem 31. Dezember 2000 angeschafft oder hergestellt werden.

Die AfA-Tabellen sind nach Wirtschaftszweigen geordnet. Insgesamt sind 101 AfA-Tabellen (1 x AfA AV und 100 x branchenspezifisch) beim Bundesministerium der Finanzen aufgeführt und man findet hauptsächlich die produzierenden Branchen. Die AfA-Tabelle für IT-Räume und Rechenzentren sucht man dabei vergebens.

Rückgriff auf die allgemeine AfA-Tabelle

Die letzte Überarbeitung der AfA-Tabellen fand 2001 statt. Viele branchenspezifische Tabellen sind somit nicht mehr im Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung und es muss somit auf die allgemeine AfA-Tabelle zurückgegriffen werden. Hierbei ist dann die Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts anzuwenden, das dem zu beurteilenden Wirtschaftszweig am nächsten kommt.

Dabei sind die folgenden Fragestellungen besonders im Rechenzentrum von Bedeutung:

  • Stehen die Einbauten im Nutzungs- und Funktionszusammenhang mit dem Gebäude? Handelt es sich zum Beispiel bei den Türen um Spezialtüren für das Rechenzentrum (Brandschutz, magnetische Abschirmung etc. – dann tendenziell Betriebsvorrichtungen) oder sind es „normale“ Türen (dann Abschreibung mit dem Gebäude)?
  • Was ist beispielsweise ein Doppelboden?
  • Wie ist die Elektrotechnik oder Kältetechnik im Einzelfall ausgestattet?
  • Hat die Einbruchmeldeanlage oder Brandmeldeanlage einen speziellen Rechenzentrumsbezug? Alarmanlagen sind im BGF-Schreiben vom 08.07.2003, Bundessteuerblatt (BStBl) I, Seite 386, Rz 22 regelmäßig als Gebäudebestandteil genannt und mit demselben einheitlich abzuschreiben.

Die Liste ließe sich beliebig fortschreiben. Die Überarbeitung von AfA-Tabellen ist extrem aufwendig und jedes Bundesland ist für bestimmte Branchen federführend zuständig. Zudem spielt bei jeder Überlegung zur Überarbeitung die Frage mit, ob dadurch in der Praxis tatsächlich eine Verbesserung erfolgt.

Kurzum: Für die Branche IT-Räume und Rechenzentren gibt es keine AfA-Tabelle, und es wird sie wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch nicht geben. Für die Praxis bedeutet dies, dass üblicherweise bezüglich der Nutzungsdauer von Wirtschaftsgütern eine Einigung mit den Finanzbehörden erzielt werden muss. Häufig ist es auch von der Wirtschaft gar nicht gewünscht, feste Nutzungsdauern festzulegen. Das Erzielen einer Einigung ist an dieser Stelle oft der bessere Weg, da Unternehmen hier die Varianz wollen und die Frage, ob einzelne Anlagen im Rechenzentrum innerhalb weniger Jahre oder nach vielen Jahren abgeschrieben werden, auch betriebswirtschaftlichen Zwängen unterliegt.

Und sollte tatsächlich ein Wirtschaftsgut innerhalb der festgesetzten Nutzungsdauer repariert oder ersetzt werden müssen, dann wird der Restbuchwert ausgebucht bzw. das Wirtschaftsgut wird repariert, was dann eine sofort abzugsfähige Betriebsausgabe ist. Insofern brennt auch nichts an, falls man sich doch mal auf eine zu lange Nutzungsdauer geeinigt hat.

Die heutige Gewinnfrage:

Wonach bemisst sich bei beweglichen Wirtschaftsgütern die Abschreibungsdauer?

Einsendeschluss ist der 20. April. Die Redaktion wird unter den Teilnehmern mit der jeweils korrekten Antwort zu den fünf Teilen insgesamt fünf Exemplare des gedruckten Werkes verlosen.

Was erwartet den Handbuch-Leser?

In der Neuauflage des erstmals 2013 erschienenen Buches sind zahlreiche Themen dazugekommen, etwa die Rechenzentrumsnorm DIN EN 50600 oder die „Begrünung“ von Rechenzentren durch noch höhere Energie-Effizienz. Bereits auf Basis der Erstausgabe des Standardwerkes hat DataCenter-Insider verschiedene Artikel generiert, als da wären:

Grundwissen zur Stromversorgung in Rechenzentren, Teil 1, Wissen, was wie ins Datacenter ´reingeht

Grundlagenwissen zur Stromversorgung in Rechenzentren, Teil 2, Probleme mit dem "Stand der Technik"

Grundlagenwissen zur Stromversorgung in Rechenzentren, Teil 3, Die USV – effizient soll sie sein

Grundlagenwissen zur Stromversorgung in Rechenzentren, Teil 4, Batterien für Datacenter sind Sensibelchen

Für alle, die die Verlosung durch DataCenter-Insider nicht abwarten wollen: Das 685-Seiten starke Handbuch „IT-Räume und Rechenzentren planen und betreiben“ von Bernd Dürr ist im Verlag Bau+Technik erschienen und unter der Nummer ISBN 978-3-7640-0626-6 zu bestellen.

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