Lizenzierung von Oracle-Datenbanken auf VMware

Schotten dicht durch ein Minenfeld

| Autor / Redakteur: Marco Vogel, Bernhard Halbetel / Ludger Schmitz

Lizenzen sind ein Minenfeld, hier aber sind Fehler richtig teuer.
Lizenzen sind ein Minenfeld, hier aber sind Fehler richtig teuer. (Bild: / Ludger Schmitz / CC BY 3.0)

Oracle-Datenbanken und VMware vertragen sich technisch bestens, doch die Lizenzierungspolitik von Oracle schafft Irritationen. Logisch abgetrennte Netzwerke und zielgerichtete Reports ermöglichen einen lizenzkonformen Betrieb – ohne in unnötige Lizenzen zu investieren.

Rund 85 Prozent der Unternehmen virtualisieren mit VMware ihre Server-Landschaft – die Software des Herstellers ist demnach in diesem Bereich der De-Facto-Industriestandard. Im Datenbank-Umfeld setzt Oracle den Maßstab. Die Kombination beider Lösungen findet sich daher in nahezu jedem Unternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern. Warum auch nicht? Technisch läuft eine Oracle-Datenbank auf VMware einwandfrei. In Bezug auf Performance, Hochverfügbarkeit, Backup und Restore lässt vSphere keine Wünsche offen.

Oracle zeigt keine Neigung zu Kompromissen

Kompliziert wird die Kombination hingegen auf dem Compliance-Feld. Die Lizenzierung von Oracle-Datenbanken auf einer VMware-Plattform stellt für viele eine deutliche Hürde dar. Die lizenzrechtliche Situation ist nicht erst seit der Version 5.1 von vSphere ein Dauerthema für Oracle-Nutzer. Denn laut Oracle sollen Unternehmen alle Prozessoren lizenzieren, mit denen sich die Datenbanken theoretisch betreiben lassen. Grundlage ist der „Soft Partitioning Letter“, in dem Oracle VMware als eine Para-Virtualisierung einstuft.

Diese Lesart bedeutet: Ein Unternehmen muss nicht nur sämtliche Server-Cluster innerhalb einer vCenter-Instanz, sondern die gesamte vCenter-Infrastruktur in die Lizenzierung einbeziehen. Da sich virtuelle Maschinen (VMs) seit der Version 5.5 von vSphere über vCenter-Grenzen hinweg verschieben lassen, vergrößert sich der Lizenzierungsaufwand mit dem Einsatz dieser (oder einer höheren) vSphere-Version theoretisch nochmals immens.

Die Oracle-Lizenzierung basiert immer auf den zur Verfügung stehenden Host-Rechnern. In einer agilen VMware-Infrastruktur, in der High Availibility (HA) und Distributed Resource Scheduler (DRS) genutzt werden, kann eine Oracle-VM auf jedem Host ausgeführt werden. Damit wird laut Oracle auch jeder Host, der innerhalb dieser Struktur zur Verfügung steht, lizenzpflichtig. Microsoft und IBM haben durchaus ähnliche Herangehensweisen an virtuelle Umgebungen.

Knackpunkt „Soft Partitioning“

Oracle bezieht sich für seine Lizenzierung auf das „Soft Partitioning“. Bei dieser Methode begrenzt das Betriebssystem die Anzahl der Prozessoren, auf denen die Oracle-Datenbank läuft. Es weist dem Prozessor Ressourcen verschiedener Applikationen zu.

Daraus resultiert eine flexible Ressourcenverteilung, denn die Kapazität des Prozessors lässt sich leicht dorthin verschieben, wo die Datenverarbeitung zusätzliche Ressourcen verlangt. Dieses „Soft Partitioning“ lehnt Oracle jedoch ab, um die notwendigen Softwarelizenzen zu begrenzen. Als Basis für ein entsprechendes Vorgehen bleibt, die physischen Prozessoren zu lizenzieren: Hier wird der physische Server als Ganzes lizenzpflichtig.

Da es sich beim „Soft Partitioning Letter“ um ein nicht vertragsrelevantes Dokument handelt, lässt sich die rechtliche Verbindlichkeit für die DACH-Region ausschließen. Im Endeffekt stehen Unternehmen mehrere Wege offen, zu einer sauberen Lizenzierung zu gelangen.

Zurück zur Physik oder …?

Natürlich können Unternehmen dem Lizenzierungskonflikt aus dem Weg gehen, indem sie ihre Oracle-Datenbanken auf physischen Servern belassen. Sie verzichten allerdings auf die Vorteile von Virtualisierungslösungen und nehmen höhere Kosten für Hardware, Energie sowie Kühlung in Kauf.

Als zweite Möglichkeit kommt in Frage, sich ein Oracle-Silo auf VMware-Basis aufzubauen und dieses Set-up von Oracle abnehmen zu lassen. Die „abgeschottete“ Umgebung braucht eine eigenständige VMware-Virtualisierung und eine eigene Speicherinfrastruktur (eigene Logical Unit Numbers etc.). Ob das sinnvoll ist, muss jedes Unternehmen für sich selbst beantworten.

Das Oracle-Okay blockiert Änderungen

Eine so „gehärtete“ Umgebung muss allerdings mit einigen Einschränkungen auskommen. So lassen sich an einer von Oracle abgenommenen Umgebung nicht einfach so Änderungen vornehmen. Jede noch so kleine Anpassung an der virtuellen Hardware müsste erneut dem Hersteller vorgelegt werden. Oder es wird alternativ eine separierte Umgebung mit einem weiteren Hypervisor aufgebaut, zum Beispiel Oracle VM.

Bleibt noch der vierte Weg, bei dem Unternehmen darauf pochen, dass sie Verträge mit VMware und Oracle haben. Diese Anwendergruppe will ihre Oracle-Datenbanken in einem sinnvollen Umfang in einer VMware-Umgebung produktiv nutzen. Ihre Vertreter sind jedoch nicht bereit, nochmals signifikante Oracle-Lizenzkosten für die Virtualisierung der Oracle-Datenbanken zu bezahlen. Sie haben den Eindruck, dann doppelt zur Kasse gebeten zu werden. Die Aussicht von Oracle aufgefordert zu werden, eine nichtkonforme Lizenzsituation zu beheben, schreckt sie nicht ab.

Wir sehen uns vor Gericht - oder nie wieder

Wer nicht extra bezahlen will, sollte dies selbstbewusst vertreten sowie Zeit und Aufwand in die Verwaltung der Assets investieren – auch schadet eine gesunde Streitkultur nicht. Selbst wenn eventuelle Anwaltskosten in eine Kosten-Nutzen-Abwägung einkalkuliert werden, lohnt sich das Ergebnis. Warum? Ein gerichtsfestes Urteil zur strittigen Lizenzierung gibt es noch nicht. Ob das überhaupt im Interesse von Oracle liegt, ist zumindest fraglich.

Die gerichtliche Auseinandersetzung dürfte auch aus einem anderen Grund vorerst kein Thema werden: Aktuell steht Oracle in der Kritik durch die französische Kundenvereinigung Cigref und ihr europäisches Pendant EuroCIO. Die Verbände beschweren sich, dass der Hersteller ihre Anfrage zur Lizenzierung von Oracle-Produkten unbeantwortet lässt. Laut der Studie „Supplier Satisfaction Survey“ von Ende 2016 ist die Lage ernst: 50 Prozent der befragten europäischen Großfirmen denken über eine Exit-Strategie für ihre Beziehung zu Oracle nach, obwohl dies mit erheblichen Kosten verbunden wäre.

Technische Lösungen für eine saubere Lizenzierung

Unternehmen, die auf eine pragmatische Virtualisierungslösung setzen wollen, müssen sich an ihren Vertrag mit Oracle halten. Dieser kennt, wie beschrieben, keine „Soft-Partitionierung“. Die Konsequenz: Host-Rechner, auf denen eine Oracle-Datenbank betrieben wird, müssen entsprechend lizenziert werden. Innerhalb einer VMware-Umgebung sollte die Oracle-Datenbank also nur auf Prozessoren laufen, die dem Vertragswerk entsprechen. Allerdings erfordert es einen erhöhten Aufwand, die notwendigen Prozesse zu definieren und die Reports zu erstellen.

Ein erster Ansatz ist, die virtuellen Oracle-Rechner in einem Cluster zusammenzufassen und so die Umgebung zu beschränken. Zusätzlich kann hier noch ein gesondertes vCenter betrieben werden oder auch eine Trennung der virtuellen Netzwerke erfolgen. Die virtuelle Umgebung verfügt mit einem abgegrenzten Virtual Local Area Network (VLAN) über eine Hürde, welche sich heute mit vSphere-Lösungen nicht technologisch überwinden lässt. Aus der VLAN-Abtrennung entsteht ein zu lizenzierender Bereich, den Oracle akzeptiert und abnimmt. Jedoch sieht die Zukunft im Software Defined Datacenter anders aus.

Insbesondere für eine VLAN-Abtrennung ergibt sich die dringende Notwendigkeit, das „Laufverhalten“ der Oracle-VMs aufzuzeichnen. Das kann über Auto Affinity Rules für lizenzierte ESX Hosts oder vor allem auch über Log Files erfolgen. Es empfiehlt sich, Compliance-Reports vorzubereiten – und dafür die VMware-vRealize- oder LogInsight-Konsole zu nutzen.

Einschränkungen, Support und Cloud-Ausblick

Die meisten Unternehmen benötigen nicht erst beim Anpassen, sondern bereits beim Herstellen einer abgeschotteten Umgebung die Unterstützung von IT-Spezialisten. Diese müssen über das Compliance-Wissen für Oracle-Datenbanken und VMware-Umgebungen verfügen. Nur wer darüber hinaus seine Erfahrung anhand von Use Cases belegt, kann zum besten Setup beraten, das den optimalen Betrieb gewährleistet. Die angestrebte technische Lösung darf nicht zu kostenintensiv und überlizenziert sein.

Wem die Lizenzierung im eigenen Rechenzentrum zu gewagt ist, dem bleibt der Weg in die Cloud. VMware hat sich mit Amazon Web Service (AWS) verbündet und Oracle stuft AWS und auch Microsoft als „Trusted Vendors“ ein. Bei AWS oder Azure Cloud können sowohl Oracle-Installationen mit den bereits vorhandenen Lizenzen oder auch mit angemieteten Lizenzen ausgestattet werden. Des Weiteren gibt es natürlich auch das Angebot der Oracle Cloud.

Lohnende Anstrengung

Der Aufwand ist hoch für Unternehmen – doch eine Oracle-konforme Umgebung lohnt sich. Über das logische Abtrennen von Netzwerken sparen Unternehmen erfahrungsgemäß mindestens einen fünfstelligen Euro-Betrag ein, den sie sonst für Oracle-Lizenzen verbuchen würden. Außerdem sinken durch die Virtualisierung die Betriebs- und Hardwarekosten und die Flexibilität steigt.

* Marco Vogel ist Global Director für Strategic Alliances, und Bernhard Halbetel ist Business Consultant bei Comparex.

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