Schneider-Werk in Rennes geplant Schneider Electric und Eclairion kooperieren bei Stromversorgung für KI-Fabriken

Von Sébastien Grandmontagne* 6 min Lesedauer

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Eclairion und Schneider Electric unterzeichnen eine Grundsatzvereinbarung für Entwicklung, Fertigung und Auslieferung elektrischer Ausrüstung für KI-Rechenzentren. Auch andere Betreiber könnten von einem neuen Schneider-Werk profitieren.

Die beiden Unternehmen unterzeichneten am 31. Juli 2026 eine Absichtserklärung für eine Kooperation bei der Entwicklung vom Strominfrastruktur für KI-Rechenzentren.(Bild:  DCmag / Schneider Electric / Eclairion)
Die beiden Unternehmen unterzeichneten am 31. Juli 2026 eine Absichtserklärung für eine Kooperation bei der Entwicklung vom Strominfrastruktur für KI-Rechenzentren.
(Bild: DCmag / Schneider Electric / Eclairion)

Das Rennen um künstliche Intelligenz wird längst nicht mehr allein mit Grafikprozessoren entschieden. Es spielt sich zunehmend in Schaltschränken, Verteilsystemen, Kühlanlagen und Anschlusskapazitäten ab. Genau in diesem Feld ist die angekündigte Partnerschaft zwischen Eclairion, einem französischen Betreiber von Hochleistungsrechenzentren, und Schneider Electric, dem weltweit tätigen Spezialisten für Energiemanagement, angesiedelt.

Die Vereinbarung umfasst zwei Bausteine. Der erste ist technologischer Natur: Eclairion hat Schneider Electric zu seinem strategischen Partner für Konzeption und Aufbau der kritischen Infrastruktur ernannt – von der Elektroarchitektur über die Stromverteilung bis hin zu Überwachungssystemen. Der zweite Baustein ist industrieller Art: Beide Unternehmen wollen die Konstruktion und Montage sogenannter „Skids“ vorantreiben – vorgefertigter Module, die die Stromversorgung von Rechenzentren absichern und verteilen sollen.

Der strategische Skid

In einem klassischen Rechenzentrum ist die Stromverteilung meist auf eher moderate Leistungsdichten ausgelegt. KI-Infrastrukturen verändern diese Dimension grundlegend. Beschleunigte Servercluster bündeln Dutzende, teils Hunderte Kilowatt in einem einzigen Rack – bei gleichzeitig hohen Anforderungen an Ausfallsicherheit, Leistungsselektivität und Wartungsfreundlichkeit.

Im bretonischen Chartres-de-Bretagne bei Rennes wird Schneider Electric künftig Verteilanlagen speziell für Eclairion-Standorte fertigen. Diese Module sollen Supercomputer mit einem Verbrauch von 200 bis 250 Kilowatt versorgen. Der Industriestandort, der bislang auf stromsparende Schaltschränke spezialisiert war, soll sich bis 2027 in seiner Größe verdoppeln und rund 60 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Entscheidung für den Skid ist vor allem dem Zeitdruck geschuldet. Werden elektrische Anlagen bereits im Werk vormontiert, verkürzt das die Installationszeit vor Ort, vereinheitlicht Prüfprozesse und reduziert Arbeiten in einem Umfeld, in dem jede Lieferverzögerung den Start kostspieliger IT-Kapazitäten hinauszögern kann.

„Sehr schnell skalieren“ – genau das ist das erklärte Ziel von Arnaud Lépinois, Präsident von Eclairion. Für einen Betreiber, der mehrere Standorte und beträchtliche Gesamtleistungen plant, wird die Fähigkeit, eine bewährte Architektur zu replizieren, ebenso wichtig wie die Leistungsfähigkeit der einzelnen Anlage selbst.

Diese Industrialisierung hebt jedoch lokale Zwänge nicht auf. Jeder Standort hat mit eigenen Spannungsebenen, Anschlussbedingungen, städtebaulichen Vorgaben, Flächenreserven und Kühlanforderungen zu kämpfen. Die Standardisierung bleibt daher zwangsläufig unvollständig: Sie betrifft Komponenten, Integrationsmethoden und Abläufe – muss aber mit den Besonderheiten jedes Standorts kompatibel bleiben.

Bruyères-le-Châtel als Modell im Maßstab 1:1

Der Standort Bruyères-le-Châtel im Département Essonne bildet den Grundpfeiler dieser Strategie. Auf einer Fläche von vier Hektar, nahe dem Teratec-Campus und dem Höchstleistungsrechenzentrum der CEA gelegen, ist er laut Eclairion seit 2025 in Betrieb. Eine erste Ausbaustufe mit 60 Megawatt ist für hochdichte Cluster vorgesehen, der vollständige Ausbau mit angekündigten 120 Megawatt soll im vierten Quartal 2027 abgeschlossen sein.

Eclairion wirbt mit Racks von über 100 Kilowatt Leistung und einem Design, das auf direkter Flüssigkühlung basiert. Dieser Ansatz folgt der Entwicklung der KI-Beschleuniger: Mit steigender Wärmedichte reicht Luftkühlung allein nicht mehr aus, um die Abwärme effizient abzuführen, ohne enorme Luftmengen, Ventilatoren und Kühlgeräte einzusetzen.

Schneider Electric verfügt über ein Portfolio, das genau auf diesen Wandel zugeschnitten ist. Der Konzern bietet hochdichte Rack-Architekturen an, die Stromverteilung, vorgefertigte Systeme und Flüssigkühlung kombinieren. Einige seiner Referenzdesigns für KI-Anwendungen zielen auf Racks mit einer Kapazität von bis zu 132 Kilowatt.

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Die eigentliche Herausforderung besteht also nicht mehr allein darin, Strom zu liefern, sondern ihn mit der richtigen Spannung und der passenden Redundanz an ein Rack zu bringen, dessen Wärmebedarf je nach Auslastung stark schwanken kann. Überwachungssysteme müssen künftig elektrische, thermische und IT-bezogene Daten miteinander verknüpfen, um Hotspots, Überlastungen und Leistungseinbußen zu vermeiden.

Ein Werk in Rennes, um industrielle Risiken zu senken

Zentrales Element der Vereinbarung ist die mögliche Errichtung eines eigenen Montagewerks für Skids in der Region Rennes. Schneider Electric plant, in diese Anlage zu investieren und sie selbst zu betreiben – parallel zur Beschleunigung der Eclairion-Ausbaupläne.

Dabei geht es um mehr als eine reine Lieferantenbeziehung. Die Partnerschaft zielt darauf ab, eine französische Industriekette aufzubauen, die zumindest einen Teil der kritischen Ausrüstung für KI-Infrastrukturen in Frankreich fertigen kann. Für Eclairion verspricht das kürzere Lieferzeiten, mehr Versorgungssicherheit und eine einfachere Wartung. Für Schneider Electric bietet sich die Chance, von der rasant wachsenden Nachfrage rund um die Elektrifizierung von Rechenzentren und beschleunigte Rechenlasten zu profitieren.

Doch die Investition birgt auch ein Konzentrationsrisiko. Indem Eclairion Schneider Electric zum strategischen Partner für seine Elektroarchitektur macht, gewinnt das Unternehmen an industrieller Kohärenz, verringert jedoch möglicherweise die Vielfalt seiner Zulieferer. Wie widerstandsfähig das Modell tatsächlich ist, hängt von der Tiefe der Lieferkette ab: Leistungsschalter, Transformatoren, Steuerungssysteme, Leistungskomponenten und Kühlanlagen werden nicht alle in derselben Region produziert.

Auch die Hochlaufgeschwindigkeit der Fertigung könnte durch Lieferzeiten bei vorgelagerten Komponenten gebremst werden. Bei Rechenzentrumsprojekten zählen Transformatoren, Mittelspannungsschaltanlagen, Generatoren und unterbrechungsfreie Stromversorgungen häufig zu den kritischen Engpassfaktoren. Skids schneller zu produzieren, löst für sich genommen noch keine möglichen Engpässe bei Netzanschlüssen oder Hochleistungs-Elektrokomponenten.

Souveränität muss sich noch beweisen

Die Partnerschaft fügt sich in das französische und europäische Ziel ein, eigenständige Rechenkapazitäten aufzubauen. Eclairion präsentiert seine Infrastruktur als Plattform für KI-Cluster, HPC-Anwendungen, numerische Simulation und strategische Einsatzfelder. Der Standort Bruyères-le-Châtel profitiert dabei von einem günstigen wissenschaftlich-industriellen Umfeld, nicht zuletzt durch die Nähe zur CEA und zu Teratec.

Diese räumliche Nähe kann die Zusammenarbeit erleichtern, garantiert für sich genommen aber noch keine Souveränität. Diese hängt ebenso von der Herkunft der Komponenten ab, von den eingesetzten Beschleunigern, der Steuerungssoftware, den Energieverträgen und der Kontrolle über die Daten. Eine in Frankreich gebaute und betriebene Infrastruktur kann weiterhin von ausländischen Technologieketten abhängig bleiben – insbesondere bei Grafikprozessoren und bestimmten Netzwerkkomponenten.

Die Grundsatzvereinbarung zwischen Eclairion und Schneider Electric sendet dennoch ein bedeutendes industrielles Signal. Sie zeigt, dass sich der Wettbewerb um künstliche Intelligenz zunehmend auf die physische Infrastruktur verlagert: Stromkapazität, Flüssigkühlung, Vorfertigung, Wartung und Zugang zu Flächen. Ob das Modell aufgeht, wird künftig weniger davon abhängen, welche Leistungswerte theoretisch angekündigt werden, als davon, ob es gelingt, Netzanschlüsse zu sichern, Anlagen termingerecht zu liefern und sie mit einer Verfügbarkeit zu betreiben, die den hohen Kosten der Cluster gerecht wird.

*DataCenter-Insider und DCmag sind Medienpartner!

Eine Meldung von Sébastien Grandmontagne im Rahmen der Medienpartnerschaft von DataCenter-Insider mit DCmag. Hier geht es zur französischen Fassung.

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