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Die Zukunft digitaler Banken Neuer Schub für Open Banking

| Autor / Redakteur: Thomas Muth / Ulrike Ostler

Die digitale Transformation schreitet zwar voran, der Wandel verläuft in vielen Branchen und Bereichen allerdings noch recht langsam. Auch für Banken ist es essenziell, ein digitales Dienstleistungsangebot anzubieten und den heutigen Kundenanforderungen gerecht zu werden.

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Für so manchen gilt die Zeit der Konto - und Kreditkarten bereits als angezählt. Micropayment per Handy ist hierzulande noch der letzte Schrei, in China geschieht erste Authentifizierung bereits mit biometrischhen Merkmalen. Doch machen die Kensysteme in den Banken das mit?
Für so manchen gilt die Zeit der Konto - und Kreditkarten bereits als angezählt. Micropayment per Handy ist hierzulande noch der letzte Schrei, in China geschieht erste Authentifizierung bereits mit biometrischhen Merkmalen. Doch machen die Kensysteme in den Banken das mit?
(Bild: TheDigitalWay auf Pixabay )

Viele etablierte Banken stehen im Zuge der digitalen Transformation jedoch vor einer Herausforderung hinsichtlich ihres Kernbankensystems. Die Software-Infrastrukturen sind häufig veraltet, wenig flexibel und wartungsintensiv. Die so genannten Legacy-Systeme wurden über Jahre hinweg immer wieder um individuelle Lösungen erweitert und angepasst, um den sich ändernden Anforderungen – sei es durch Kunden oder regulatorische Vorgaben – gerecht zu werden.

Jede Änderung und Erweiterung erhöht die technische Komplexität. Dadurch wird das gesamte System komplizierter, interne Abhängigkeiten und damit die Risiken für zukünftig zwingende Änderungen steigen, und das System ist insgesamt schwieriger zu verwalten. So besteht in vielen Fällen akuter Handlungsbedarf. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in einer Reihe von Banksystemausfällen, bei denen Endkunden zeitweise direkt betroffen waren.

Dennoch werden Investitionen in das Kernbanksystem häufig aufgeschoben oder finden nicht statt. Der Grund: Es handelt sich um hoch komplexe und aufwendige Projekte, die etliche Jahre dauern und dazu noch am ‘Allerheiligsten’ der Bank durchgeführt werden. Denn der Tausch des Kernbankensystems einer Bank gleicht einer Operation am offenen Herzen. Oftmals schreckt auch das Management vor einer solch gewaltigen Investition zurück, unter anderem weil deren Früchte meist erst viele Jahre später geerntet werden können.

Risiko Großbaustelle

Statt eine solche Großbaustelle zu eröffnen, setzen viele Banken notgedrungen auf eine Vielzahl von Zwischenschichten – zusätzliche Applikationslogik zwischen veralteten Systemen und neuen Anwendungen. Das funktioniert zwar, erhöht aber wiederum massiv die Komplexität und damit die technischen Schulden der Infrastruktur. Langfristig entstehen dadurch neue Probleme in Sachen Stabilität, Sicherheit und Wartungseffizienz – mit weiteren Folgen für die Konkurrenzfähigkeit.

Neue Produkte, Dienstleistungen und Anwendungen für den Kunden sind teurer und erheblich zeitintensiver in der Umsetzung. Im Vergleich zum Wettbewerb hinkt damit oftmals nicht nur die Angebotspalette deutlich hinterher, sondern auch die Schnittstelle zum Kunden lässt einiges an Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit zu wünschen übrig.

Die Zukunft liegt in der Cloud

Trotz der angesprochenen Probleme und Schmerzen mit Legacy-Systemen und deren technischen Schulden können Banken ihre Altsysteme nicht einfach austauschen. Doch es gibt an dieser Stelle tatsächlich ein Heilmittel mit erheblichem Potenzial zur Schmerzlinderung: Das Cloud-basierte Kernbankensystem als digitale transformative Lösung der Zukunft.

Cloud-basierte Dienste und Anwendungen sind eines der großen Themen der Digitalisierung, und das hat viele gute Gründe: Lösungen, die zentral in der Cloud angesiedelt sind, lassen sich kostengünstiger betreiben, einfacher skalieren und warten, schneller weiterentwickeln und deutlich einfacher überwachen.

Daher dient die Cloud auch für Banken als Zukunftsmodell, und dies gerade bei Kernbankensystemen. Verlegen Banken das Herzstück ihrer IT-Infrastruktur in die Cloud, profitieren sie von den Vorteilen. Gerade in den Compliance- und Rechtsabteilungen der Banken – bisher die größten Bedenkenträger – ist ein Umdenken zu beobachten. Und spätestens mit Veröffentlichung des Cloud-Leitfadens der schweizerischen Bankiervereinigung kann man dies nun zumindest bei einem Branchenverband unseres europäischen Nachbarn beobachten.

Wichtig wie nie: die Application Programming Interfaces

Neben der Daten- und Betriebssicherheit sind auch Skalierbarkeit und Ausfallstabilität in der Cloud deutlich besser und kostengünstiger zu gewährleisten. Lastspitzen können einfacher auch kurzfristig zur Verfügung gestellt werden, wobei nur bei Nutzung gezahlt wird. Cloud-native Datenbanken sind ebenfalls direkt auf Nutzungsbasis abrechenbar, ohne den Leistungsoverhead des unter der Datenbank liegenden Betriebssystems.

Auch neue Funktionalitäten lassen sich vergleichsweise einfach anschließen, sofern ein zugrundeliegendes API Framework Bestandteil der Architektur ist. Bei existierenden Legacy-Systemen sind es gerade diese neuen Funktionen und Lösungen innovativer externer Dienstleister wie Fintechs, die in der Bank Begehrlichkeiten wecken.

Allerdings sind sie technisch oftmals nur unter großen Schmerzen abbildbar, da der Großteil der Legacy Systeme derzeit keine eigenen offenen API Architekturen unterstützt. Folglich sind viele Banken entweder gar nicht oder nur mit sehr großem Aufwand in der Lage, innovative digitale Lösungen von außen in ihr Angebot einzubinden.

Thomas Muth ist als Senior Sales Manager bei Five Degrees für die gesamten Geschäftstätigkeiten des niederländischen Banking-Technologieunternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig.
Thomas Muth ist als Senior Sales Manager bei Five Degrees für die gesamten Geschäftstätigkeiten des niederländischen Banking-Technologieunternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig.
(Bild: Five Degrees )

In der heutigen Zeit, in denen sich Fintechs und andere neue Wettbewerber auf der einen Seite lukrative Sahnestücke aus der Wertschöpfungskette der Banken herauspicken, und auf der anderen Seite mit innovativen neuen Ideen die Kundennachfrage befeuern, überwiegt die Notwendigkeit, im Stile von “Plug and Play” auch externe Lösungen in das eigenen Angebot einzubringen und dem Konsumenten so ein umfangreiches Produkt- und Serviceportfolio zu bieten. Das bestärkt die existierende Kundebindung, und erschließt zugleich neue Ertragsfelder.

Besonders die Einführung von PSD2 bietet allen Marktteilnehmern eine große Chance, Anwendungen und Dienstleistungen aus dem Fintech-Bereich in das eigene Angebot zu integrieren. Je einfacher und gleichzeitig umfangreicher der Zugang zu diesen Angeboten ermöglicht wird, desto mehr profitieren die Bankkunden davon – sowohl im Retail Banking als auch im Geschäftskundenbereich.

Agil und kundenorientiert mit Open Banking

Während Digitalisierung in der Finanzbranche bislang vor allem bedeutete, bestehende Produkte über digitale Kanäle zu vermarkten, geht es in der neuen Ära des Open Banking dank PSD2 vor allem darum, dass sich sinnvoll ergänzende Dienstleistungen in ein und demselben Finanz-Ökosystem bereitgestellt werden. Banken, Fintech-Unternehmen und andere Dienstleister wie Buchhalter und Anwälte werden in einem Ökosystem über vernetzte APIs arbeiten. Die Vision vom Open Banking wird Realität, ermöglicht die Integration neuer Technologien in bestehende Angebote sozusagen auf Knopfdruck und sorgt so dafür, dass dem Kunden ein größeres Spektrum an Dienstleistungen angeboten werden kann.

Open Banking im Zuge von PSD2 verändert daher auch den Umgang mit Assets wie Kundenzugängen, Daten und Vertriebsschnittstellen radikal. Wer in diesem neuen, offenen Umfeld langfristig erfolgreich sein will, muss sich agil aufstellen und vor allem kundenzentriert handeln. Nur wer den Kunden mit seinem Angebot zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Kanal erreicht und überzeugt, wird sich auf Dauer durchsetzen.

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