ITRenew , Vapor IO und Blockheating sind in Sachen IoT, Nachhaltigkeit und Kostenreduktion unterwegs Near-premises ist das neue on-premises

Autor Ulrike Ostler

ITRenew bietet „Circular Cloud“ und Rechenzentrumsinfrastruktur an, die nachhaltig sein soll. Vapor IO hat eine Plattform mit der Bezeichnung „Kinetic Grid“ entwickelt. Die Firmen haben sich zusammengetan, um IT-Equipment vor Ort durch ein near-premises-Äquivalent zu ersetzen, das als Service bereitgestellt wird und dann gibt es noch die Gewächshausheizung.

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ITRenew etabliert Geschäftsmodelle, die auf aufgefrischtem IT-Equipment basieren, das Hyperscaler ausgemustert haben.
ITRenew etabliert Geschäftsmodelle, die auf aufgefrischtem IT-Equipment basieren, das Hyperscaler ausgemustert haben.
(Bild: ITRenew)

Das Angebot vereint die integrierte Rechen- und Speichertechnik von „Sesame by ITRenew“ mit den Edge-to-Edge Co-Location-, Netzwerk- und Interconnection-Services von Vapor IO. Nach Darstellung der Partner bieten die Rack-Scale-Systeme von ITRenew auf der Kinetic Grid-Plattform von Vapor IO eine Leistung, die mit lokalen Rechenzentren konkurrieren kann.

ITRenew und Vapor IO sind Pioniere einer neuen Kategorie von IT-Services, die als „near-premises" bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um eine Strategie, bei der IT-Geräte in einer Entfernung von bis zu 15, 16 Kilometern von einer Unternehmenseinrichtung platziert und betrieben werden, während gleichzeitig eine Leistung erzielt wird, die mit der von Rechenzentren vor Ort konkurriert.

Diese Art der Bereitstellung intelligenter Infrastrukturen ermögliche es, viele vertikale Unternehmensbereiche zu bedienen, darunter Krankenhäuser, Hersteller und Einzelhändler, werben die Unternehmen. Zugleich würden die Eintrittsbarrieren gesenkt und die Time-to-Value für Unternehmen, die 5G- und Industrie-4.0-Funktionen einführen, beschleunigt.

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Rack-scale - neu interpetiert

5 Millionen dekommissionierte Server bedueten 3 Millionen Tonnen weniger CO2e, was einem jährlichen Ausstoß von 640.000 PKWs entspricht.
5 Millionen dekommissionierte Server bedueten 3 Millionen Tonnen weniger CO2e, was einem jährlichen Ausstoß von 640.000 PKWs entspricht.
( Bild: ITReniew )

„Energie ist nicht die einzige erneuerbare Ressource“, so steht es auf der Website vin ITRenew. Das Unternehmen mustert Technik von Cloud-Unternehmen aus und wandelt diese in in hochwertige, stark nachgefragte Komponenten-, Rechen- und Speicherlsysteme um. Damit vermeiset das Unternehmen so genanntes eWast und die entsprechende CO2-Emmission. „TRenew ist entschlossen, eine nachhaltige, kohlenstofffreie Infrastruktur zum weltweiten Standard für Rechenzentren zu machen“, besagt die Website.

Zugleich bedeuten die geschlossenen Lieferketten, dass Technik, die bisher für Enterprises unerreichbar und unbezahlbar waren, einem breiteren Markt zugänglich wird. Der Vorteil für die Kunden, so argumentiert der Anbieter, sei also ein doppelter: ein wirtschaftlicher und nachhaltiger.

Das Produkt selber trägt die Bezeichnung „Sesame“. Der Hersteller verspricht: keine langen, teuren Bestellzyklen, kein Racking und Stacking und keine Umgestaltung des Rechenzentrums. Es ist quasi ein Bausteinsystem, das auf die Kundenbedürfnisse angepasst und vorab konfiguriert ausgeliefert wird - in weniger als drei Wochen, verspricht der Anbieter.

Zum Beispiel Kubernetes

Einer Konfigurationen, die den Kunden zur Auswahl steht, ist die für Kubernetes. „Sesame bietet eine der kostengünstigsten Kubernetes-Cluster-Plattformen auf dem Markt", wirbt ITReniew. Sie ist abgestimmt auf eine Vielzahl von Container- und VM-Techniken und darauf ausgelegt, Cloud-native Anwendungen aller Art zu ermöglichen und zu optimieren.

So sollen Skalierung und die Möglichkeit, Cluster mit einer flexiblen Software-Infrastruktur zu erstellen, besonders einfach sein. Es gibt etwa flexible Konfigurationen mit Single- oder Dual-Socket-Rechen-, Infrastruktur- und Netzwerkknoten - von klein (sechs Knoten in einem einzigen Rack) bis zu sehr großen (600 Knoten in 20 Racks). Das Ganze wird garniert mit offenen Konfigurations- und Verwaltungs-Tools, qualifiziert und optimiert für Linux.

Außerdem adressiert der Anbieter Künstliche Intelligenz und Machine Learning, Konvergenz und Edge.

Das nun beworbene Angebot biete Kunden die hyperskalige IT, die sie benötigten, um Anwendungen der nächsten Generation zu betreiben, ohne in ihre eigene Infrastruktur investieren zu müssen. Außerdem erleichtere sie Unternehmen die Einführung von Cloud-Robotik, 5G Private Wireless, IoT und anderen Innovationen der Industrie 4.0. Das Angebot von ITRenew und Vapor IO wird zunächst in US-Städten wie Atlanta, Dallas, Las Vegas, Phoenix und Pittsburgh verfügbar sein. Doch Expansion ist geplant.

Die Partner

Vapor IO ist dabei, die größte und effizienteste intelligente Edge-to-Edge-Infrastruktur und das Netzwerk in den USA aufzubauen, während ITRenew seit zwei Jahrzehnten ein zweites Leben für die Rechenzentrumstechnik ermöglicht und ausgemusterte IT-Hardware von potenziellem Abfall in hochwertige Anlagen umwandelt. Diese betreiben bereits Cloud, native und virtualisierte Anwendungen von Unternehmen, Telekommunikationsanbietern und Dienstleistern auf der ganzen Welt.

Das Angebot, sei zudem dazu angetan, die Kosten und Umweltauswirkungen der IT-Infrastruktur deutlich zu reduzieren. Und komme zu einer Zeit, in der Unternehmen sich danach sehnten, Teile ihres Geschäfts zu automatisieren, aber 5G- und Industrie 4.0-Initiativen als zu komplex, riskant oder finanziell unerschwinglich empfänden. Ali Fenn, Präsident von ITRenew, behauptet, Unternehmen auf der ganzen Welt seien hungrig nach 5G- und Industrie 4.0-Anwendungen, die ihnen helfen könnten, zu automatisieren und mit weniger mehr zu erreichen.

Er setzt hinzu: „Die Zusammenarbeit von ITRenew und Vapor IO bedeutet, dass Unternehmen jetzt Zugang zu einem unvergleichlichen und nachhaltigen Service haben, der ihnen einen schnelleren Return on Investment bringt als alles andere auf dem Markt.“

Die Vorteile

„Die Kombination der intelligenten Edge-Services von Vapor IO mit den Compute- und Storage-Lösungen von ITRenew ermöglicht nicht nur die von Unternehmen gewünschte Einfachheit und Effizienz, sondern auch beispiellose TCO-, TTV- und Nachhaltigkeitsvorteile. Der kosteneffiziente Einsatz von 5G und Industrie 4.0 wird die treibende Kraft sein, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Wachstums-, digitalen Transformations- und Dekarbonisierungsziele in absehbarer Zukunft zu erreichen."

Cole Crawford, Gründer und CEO von Vapor IO , ergänzt: 5G und Industrie 4.0 würden Billionen von Dollar an Wirtschaftswachstum freisetzen. Die Kooperation mache es den Unternehmen leicht, diese neuen Plattformen zu übernehmen, weil Kosten und die Komplexität der Bereitstellung reduziert würden. „Mit ITRenew machen wir es möglich, Rechenzentren vor Ort durch vollständig verwaltete, standortnahe Dienste zu ersetzen. Im Grunde genommen bieten wir einen 'einfachen Knopf' für die Einführung von 5G- und Industrie 4.0-Anwendungen in Unternehmen.“

Den Status Quo in Frage stellen - eine Anwendergeschichte aus den Niederlanden

Doch der grüne Gedanke gehört seit jeher zur DNA des Unternehmens. Das schließt ebenso von jeher ein sektorübergreifendes Denken mit ein, wie die Zusammenarbeit mit Blockheating aus den Niederlanden zeigt:

Als kleiner Junge fragte sich Jeroen Burks, warum so viel Wärme aus dem Kamin in seinem Haus durch den Schornstein zu entweichen schien. Tatsächlich sind herkömmliche holzbefeuerte Kamine erstaunlich ineffizient. Nur etwa 20 Prozent der von ihnen erzeugten Wärme gelangt in die Häuser.

Als Burks 2018 das Unternehmen Blockheating gründete, wandte er diesen Gedanken auf die Serverinfrastruktur an. Rechenzentren, die Cloud-Plattformen betreiben,erzeugen nun einmal enorme Wärmemengen, die abgeleitet werden müssen, um die Geräte kühl zu halten, in der Regel in Form von Klima-Anlagen, die bis zu einem Drittel der Energierechnung ausmachen können.

Rechenzentren mit Grüneffekten

Seine Überlegungen: In den Niederlanden gibt es rund 3.700 Hektar Gewächshäuser, die das ganze Jahr über beheizt werden müssen. Ein Wärmerückgewinnungsprozess würde es Blockheating ermöglichen, den ökologischen Fußabdruck seiner Rechenzentren zu minimieren und gleichzeitig praktische Vorteile für Branchen außerhalb der IT zu bieten.

Burks sagt: „Für mich bedeutet Nachhaltigkeit nicht einfach nur Recycling. Es bedeutet, die gesamte Kette zu betrachten, etwas, das über den üblichen Bezugsrahmen hinausgeht. Wir schauen also nicht nur darauf, wie wir die Wärme recyceln können. Wir überlegen auch, wie wir Server effizient kühlen können. Und zu unserem Glück lassen sich diese beiden Aspekte sehr gut miteinander verbinden.“

Blockheating bietet Cloud und Rechenzentrumsservives an und betreibt Gewächshäuser.
Blockheating bietet Cloud und Rechenzentrumsservives an und betreibt Gewächshäuser.
(Bild: ITReniew)

Im Jahr 2019 startete Blockheating seinen ersten Piloten. Die anfängliche Einrichtung bestand aus einem Container-Rechenzentrum, einem herkömmlichen Klimasystem und zwei Server-Racks mit einer Wasserkühlung. Die Kühlkörper der Server-CPUs wurden so modifiziert, dass das erwärmte Wasser in die großen Gewächshäuser neben dem Rechenzentrum umgeleitet werden konnte.

Diese neue Methode der Kühlung hatte einen dreifachen Vorteil.

  • 1. Fließendes Wasser ist bei der Wärmeabfuhr effektiver als Luft. „Man braucht ein kleineres Wasservolumen, um die gleiche Wärmemenge abzuführen“, erläutert Burks.
  • 2. bietet die Wasserkühlung dem Gewächshaus eine praktikable Methode der Umgebungsheizung, die effizienter und kostengünstiger ist als herkömmliches Erdgas.
  • 3. Der Gewächshausbetreiber weist auch auf einen weiteren potenziellen Nachteil der einfachen Luftströmung hin: „Wenn man einfach heiße Luft hineinpumpt, werden die Tomaten auf der einen Seite des Gewächshauses verbrennen und auf der anderen Seite erfrieren. Mit Wasser“, sagt er, „können wir die vorhandenen Rohre nutzen, um die Wärme gleichmäßiger in der Anlage zu verteilen.“

Jeroen Burks, CEO von Blockheating: „Durch unseren Ansatz sparen wir 20 bis 30 Prozent der Klimakosten ein. Auch die Bauzeiten sind deutlich kürzer. Diese Vorteile ermöglichen es uns, nachhaltig und zugleich wettbewerbsfähig zu sein.“
Jeroen Burks, CEO von Blockheating: „Durch unseren Ansatz sparen wir 20 bis 30 Prozent der Klimakosten ein. Auch die Bauzeiten sind deutlich kürzer. Diese Vorteile ermöglichen es uns, nachhaltig und zugleich wettbewerbsfähig zu sein.“
(Bild: ITRenew)

Tatsächlich war die Kühlung durch Blockheating so erfolgreich, dass eine zweite Klima-Anlage gar nicht benötigt wurde. Nach diesem erfolgreichen Proof of Concept ging es nicht mehr um die Frage, ob es einfach möglich ist, die Abwärme des Rechenzentrums zu recyceln. Es ging darum, wie dieses innovative Modell des nachhaltigen, dezentralen Rechenzentrums in großem Maßstab und innerhalb des Budgets umgesetzt werden konnte.

Der Wunschpartner

Für Burks war fast von Anfang an klar, dass herkömmliche Systeme der großen Hersteller seine Anforderungen nicht erfüllen würden. Er sagt: „Ich begann unsere Reise mit konventionellen Rechenzentrumsservern, nur um zu sehen, ob sie funktionieren würden. Solange man nicht versucht, irgendetwas zu verändern, ist diese Hardware in Ordnung.“ der Gewächshausbetreiber fügt hinzu: „Aber wenn man neue Wege geht, schnell vorankommen will und sich Gedanken über die Auswirkungen auf den Planeten macht, muss man sich mit Open-Source-Standards und flexibleren Lösungen befassen und wissen, wer in der Rechenzentrumsbranche den Wandel vorantreibt.“

Zögern und Zaudern sind Tabus

Kompendium: „Nachhaltigkeit im Rechenzentrum"

Nachhaltigkeit im Rechenzentrum
Nachhaltigkeit im Rechenzentrum

Datacenter müssen effizienter werden, nachhaltiger wirtschaften, in eine sektorübergreifende Kreislaufwirtschaft eingebunden werden. Für kann oder könnte, soll oder sollte, darf oder dürfte ist kein Platz im Sprachgebrauch, wenn es darum geht, die Umwelt zu entlasten.

Zögern, Zaudern, Zaghaftigkeit sind Tabus.

Es muss sein, jetzt, und es wird wehtun.
(PDF | ET 21.09.2021)

Lesen Sie im Kompendium unter anderem:

  • ... wie die Europäische DC-Branche die Vorreiter-Rolle anstrebt.
  • ... wie wir von anderen Branchen lernen können.
  • ... wie Rechenzentren nachhaltig und klimaneutral werden können.


    >>> Kompendium: „Nachhaltigkeit im Rechenzentrum“ zum Download
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