Die Entwicklung von europäischen RISC-Chips Mit OCP und 2CRII zur digitalen Souveränität

Redakteur: Ulrike Ostler

Teil des Forschungsprogramms „Horizon 2020“ ist die European Processor Initiative (EPI) mit dem Ziel, die Kompetenz für das High-End-Chip-Design in Europa zu erhalten. Die erste Generation eines General Purpose Prozessors (GPP) auf ARM-Basis soll bereits 2021 bereitstehen.

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Nahaufnahme eines Netzwerkchips
Nahaufnahme eines Netzwerkchips
(Bild: Boston Server & Storage Solutions GmbH)

„Horizon 2020“ gehört mit einer Finanzierung von 80 Milliarden Euro zu den größten Forschungs- und Innovationsprogramm der EU. Zu den Zielen gehört die Entwicklung von Chips für Supercomputer im Bereich des Exascale-Computing sowie ein Proof-of-Concept (PoC) für eine Automotive-CPU.

Eine weitere Einheit für Vektor- und KI-Berechnungen (Accelerator oder Beschleuniger) soll den freien Befehlssatz RISC-V verwenden. Der Prototyp knüpft an bereits initiierte Projekte wie „MEEP“, „POP2 COE“, „Euroexa“ und „Exanest“ an.

Zu den Mitgliedern des von der Europäischen Kommission ausgewählten Konsortiums gehört die französische Firma 2CSRI. 2019 erwarb der Spezialist für High-Performance Computing (HPC) und maßgeschneiderte IT-Systeme 70 Prozent Anteile an der englischen Boston-Gruppe, zu der auch die deutsche Boston Server & Storage Solutions GmbH gehört. 2CRSi wird souveräne Pilotsysteme auf der Basis von RISC-V-Beschleunigern entwerfen und herstellen.

Kombination von Open Source und proprietärer Technik

Alain Wilmouth, Vorsitzender und Mitbegründer von 2CRSi, sagt: „Wir sind sehr stolz darauf, der Serverhersteller einer 100 Prozent europäischen Lösung zu sein.“ Die digitale Souveränität sei für viele Sicherheits- und Wirtschaftsfragen von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise würden KI- und ML-basierte Technologie bis 2030 schätzungsweise mehr als 13 Billionen Euro zur Weltwirtschaft beitragen.„EPI wird es Europa ermöglichen, einen großen Beitrag zum Aufbau einer dafür dringend benötigten souveränen High Performance Computing-Infrastruktur zu leisten.“

Covid-19 habe viele der bestehenden Sicherheitslücken in Europa aufgedeckt und verschärft. Europa habe die Notwendigkeit erkannt, wie wichtig es ist, seine – vor allem digitale – Souveränität zu verteidigen. Der Pilot mit unabhängiger regionaler und offener Technologie ist die erste Demonstration einer in Europa entwickelten und hergestellten Technologie in den Bereichen HPC und High Performance Data Analytics (HDPA).

Detailaufnahme eines Motherboards mit einer auf der RISC-Architektur basierenden CPU
Detailaufnahme eines Motherboards mit einer auf der RISC-Architektur basierenden CPU
(Bild: Boston Server & Storage Solutions GmbH)

Für das Projekt werden Open-Source-Software sowie offene und proprietäre Hardware kombiniert. 2CSRI entwickelt auf der Grundlage der RISC-V- Architektur einen Beschleuniger für den ersten vollständig europäischen Allzweckprozessor (General Purpose Processing Unit, GPPU). Solche Beschleuniger werden vor allem für Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) benötigt.

Die Aufgabenverteilung

An dem Piloten arbeiten 20 öffentliche und private Mitarbeiter an jeweils einem bestimmten Teil des Projekts. 2CRSi übernimmt die Position des Hardwareherstellers und wird im Rahmen der „Octopus“-Plattform Lösungen für Host-Systeme und Open-Compute-Beschleuniger bereitstellen.

Octopus ist eine neue Generation von Servern, die von 2CRSi basierend auf dem Open Compute Project (OCP) entwickelt wurden. 2CRSi wird auch an der Integration der Lösung in immersionsgekühlten Systemen wie denen von Submer und Asperitas arbeiten.

Die Wahl von 2CRSi als Teil des Konsortiums ist eine klare Anerkennung als führender europäischer Technologiekonzern. Zur Strategie der Gruppe gehört es nicht nur, Server mit niedrigem Energieverbrauch zu entwickeln, sondern diese auch vor Ort herzustellen. Dieses Engagement ist ein starker Differenzierungsfaktor für 2CRSi und seine verbundenen Unternehmen wie die Boston-Gruppe. Die Arbeit im Konsortium wird in den nächsten drei Jahren mit einem Zuschuss von 2,4 Millionen Euro gefördert.

„Das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation hilft, Hindernisse abzubauen und eine unabhängige Basis für Wissen, Forschung und Innovation zu schaffen. Wir sind sehr stolz, an einem so wichtigen Meilenstein beteiligt zu sein. Unser Wissen und die Entwicklungsarbeit der letzten Jahre in unseren eigenen Laboren ist ein großer Vorteil.“ Georg Klauser, Geschäftsführer der Boston Server & Storage Solutions GmbH ist „sehr zuversichtlich, mit der Entwicklung eines europäischen Allzweckprozessors einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT) inkl. Zukunftskonzepten wie dem autonomen Fahren zu leisten.“

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