Groß und zentral in Skandinavien, klein und lokal in Kontinentaleuropa

Laut Savills Rechenzentren-Investment-Index steigt Interesse an EU-Datacenter

| Redakteur: Ulrike Ostler

Der jüngste Rechenzentren-Investment-Index von Savills bestätigt: Rechenzentren sind weltweit lohnende Investitionsobjekte.
Der jüngste Rechenzentren-Investment-Index von Savills bestätigt: Rechenzentren sind weltweit lohnende Investitionsobjekte. (Bild: Savills)

Rechenzentren entwickeln sich vom Spezialprodukt zu einer Assetklasse für institutionelle Immobilieninvestoren. Rund 450 Millionen Euro wurden im Jahr 2017 insgesamt in europäische Rechenzentren investiert.

Mit dem Siegeszug der Digitalisierung in Form von Industrie 4.0 und Internet of Things sowie dem damit verknüpften Umzug von Unternehmen unterschiedlichster Wirtschaftszweige in die Cloud bietet der Markt für Rechenzentren attraktive "Investment-Opportunitäten". Mit Hilfe des Rechenzentren-Investment-Index hat das international tätige Immobiliendienstleistungs-Unternehmen Savills die Top-Standorte in Europa identifiziert, auf die Investoren zukünftig ihren Fokus setzen sollten.

Zwischen 2007 und 2017 verantwortete Großbritannien insgesamt 41 Prozent aller Deals in diesem Segment. Da sich Investoren in Kontinentaleuropa allerdings verstärkt mit der Assetklasse vertraut machen, ist auch hier eine Steigerung der Investmentaktivitäten zu erwarten.

Den Großteil der Käufer von Rechenzentren machen laut Savills spezialisierte Real Estate Investment Trusts (kurz: REITs) wie insbesondere die US-amerikanischen Equinix REIT und Digital Reality sowie die asiatische Keppel DC REIT aus. Auch angesichts der Dynamik technischer Entwicklung besitzen sie die notwendige Expertise für das Management dieser Spezialimmobilien. Mit Etablierung der Assetklasse steigt das Interesse an dem Sektor jedoch auch auf Seiten nicht spezialisierter Anleger.

„Mit Etablierung der Assetklasse steigt das Interesse an dem Sektor jedoch auch auf Seiten nicht spezialisierter Anleger“, heißt es in dem Savills-Report.
„Mit Etablierung der Assetklasse steigt das Interesse an dem Sektor jedoch auch auf Seiten nicht spezialisierter Anleger“, heißt es in dem Savills-Report. (Bild: Savills)

Marcus Lemli, CEO Germany und Head of Investment Europe bei Savills, erläutert: „Mit typischen Mietvertragslängen von zehn Jahren und mehr sowie einer steigenden Bereitschaft der Rechenzentren Betreiber an Sale-and-Leasebacks sind Rechenzentren für Investoren durchaus interessant. Sie werden zunehmend auch von institutionellen Immobilieninvestoren wie Axa oder CBRE Global Investors als Assetklasse wahrgenommen.“

Ergänzendes zum Thema
 
Über Savills

Er fügt an: „Mit dem deutlich gestiegenen Transaktionsvolumen sind auch die Anfangsrenditen über die letzten Jahre auf 5 bis 7 Prozent gefallen. Diese Entwicklung wird sich auch in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen.“

Das Ranking der Länder als Datacenter-Markt
Das Ranking der Länder als Datacenter-Markt (Bild: Savills)

Rechenzentren-Investment-Index: Der Norden Europas ist erste Wahl

Die Nachfrage nach Cloud Computing wächst und mit ihr der Bedarf an großen Hyperscale-Rechenzentren. Laut den Berechnungen von Cisco wird sich der Datenverkehr in derartigen Server-Stetten in den kommenden fünf Jahren verfünffachen.

Welche Standorte in Europa zukünftig interessant für Investoren sind, stellt der neue Savills Rechenzentren-Investment-Index dar. Insgesamt werden 20 Länder im Hinblick auf zwölf unterschiedliche Faktoren miteinander verglichen, die entscheidend für die Entwicklung neuer Rechenzentren sind.

Die vorderen fünf Ränge belegen Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark sowie die Niederlande. Hier herrscht ein gemäßigtes, kühles Klima, die Energiekosten sind aufgrund eines hohen Anteils von erneuerbaren Energien in punkto Stromversorgung sowie dem (meist) unmittelbaren Zugang zu Wasser vergleichsweise niedrig. Diese Faktoren bilden optimale Voraussetzungen für den Bau weiterer Datenstädte.

Lydia Brissy, Director Research Savills Europe, dazu: „Die neuen Rechenzentren werden zunehmend in suburbanen oder ländlichen Regionen der Länder gebaut, die ideale Voraussetzungen in der natürlichen Umgebung, der Sicherheitslage sowie der Stromversorgung und Netzanbindung bieten.“ Derweil würden die nordischen Länder würden weiterhin die erste Wahl für große Anlagen mit über 50.000 Quadratmetern bleiben.

Die größten europäischen Rechenzentren.
Die größten europäischen Rechenzentren. (Bild: Savills)

Sie setzt jedoch hinzu: „Gleichzeitig wird der Bedarf an kleineren, dezentralen Rechenzentren vor allem in Deutschland und Kontinentaleuropa zunehmen.“ Die Gründe dafür seien sowohl neue Datenschutzvorschriften, die eine Auslagerung von Daten ins Ausland untersagten, als auch die schnelle Verfügbarkeit von lokal gelagerten Daten dank niedriger Latenzen.

„Länder wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich und die Niederlande werden deshalb zukünftig eine größere Nachfrage nach Möglichkeiten zur Datenspeicherung vor Ort zeigen, welche mit steigender Investorenaktivität einhergeht.“

Was meinen Sie zu diesem Thema?

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45329755 / Design und Umgebung)