Das Datacenter Amsterdam 1 von der KPN-Tocher

Laufende Energie-Optimierung im Co-Location-Rechenzentrum von NLDC

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Die KPN.Tochter NLDC betreibt sechs Rechenzentren in den Niederlanden. Das Datacenter "Amsterdam 1" hat Autorin Ariane Rüdiger besucht und stellt es nun vor.
Die KPN.Tochter NLDC betreibt sechs Rechenzentren in den Niederlanden. Das Datacenter "Amsterdam 1" hat Autorin Ariane Rüdiger besucht und stellt es nun vor. (Bild: Ariane Rüdiger)

NLDC, Tochterunternehmen des niederländischen Telekom-Incumbent KPN, betreibt insgesamt sechs Rechenzentren. Am Co-Location-Rechenzentrum „Amsterdam 1“ in Oude Meer lässt sich zeigen, was kontinuierliche Optimierung bewirkt.

Der Co-Location-Provider NLDC gehörte bis zum vergangenen Jahr zum Telekom-Incumbent KPN. Dann entschloss sich das Mutterunternehmen zur Ausgliederung, um das Co-Location-Geschäft neutraler aufzustellen. „Die Kunden wollen heute neutrale Kolokateure“, sagt John Huitemer, Consultant bei NLDC.

NLDC erwirtschaftet im Jahr mit allen seinen Rechenzentren einen Umsatz von rund 45 Millionen Euro und wächst nach eigenen Angaben jährlich 4 bis 5 Prozent. In Oude Meer ist der Einfluss der großen Mutterunternehmung trotzdem deutlich: Der lokale WLAN-Hotspot kommt von KPN, viele der im Foyer ausgestellten Zertifikate beziehen sich auf KPN als Gesamtunternehmen.

Das Rechenzentrum Amsterdam 1 von NLDC befindet sich in einem von Fokker ins Leben gerufenen Business Park. Herein kommt hier nur, wessen Nummernschild von der Kamera an der Schranke erkannt wurde.

Nachhaltigkeit und andere Verbesserungen

Die Anlage wurde Anfang des Jahrtausends gebaut und seitdem ständig weiterentwickelt. So wurde der Energie-Einsatz auf den 7.700 Quadratmetern Co-Location-Fläche auf mehreren Stockwerken mehrfach durch technische Veränderungen optimiert. Derzeit liegt die PUE (Power Usage Effectiveness) bei 1,2, was angesichts des Baujahres sehr gut ist.

KPN hat sich ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt: Der Strom aller Rechenzentren wird komplett nachhaltig erzeugt, aus Wind und Bioenergie. Dabei handelt es sich nicht um das so genannte Offsetting, also den Kauf von Kohlendioxid-Zertifikaten statt des Erwerbs von grünem Strom. Vielmehr kauft KPN direkt Strom von den in den Niederlanden reichlich vorhandenen Windparks auf. Bis 2025 soll das Unternehmen komplett als Kreislaufwirtschaft arbeiten.

Das Rechenzentrum ist Tier-III-zertifiziert und geht in einigen Bereichen darüber hinaus. Für Sicherheit sorgt eine mehrschichtige Sicherheitsarchitektur: Wer überhaupt auf das Gelände des Businessparks in unmittelbarer Nähe des Flughafens Schiphol gelangt ist, muss durch den im Rechenzentrum 24 Stunden besetzten Eingangsbereich. Von dort führt eine Ein-Personen-Schleuse, die nur mit Badge und Prüfung durch einen Fingerabdrucksensor passiert werden kann, weiter nach innen.

Sicherheit und noch mehr Sicherheit

Auf den einzelnen Stockwerken gibt es ebenfalls eine drahtlose Kontrolle der Kennkarte, dieses Mal gekoppelt mit einer Personenschleuse mit Gewichtskontrolle. In die Datenräume führen weitere Sicherheitstüren, die Schränke der Kunden sind mit Zahlenschloss gesichert, Cages mit einer zusätzlichen Sicherheitstür.

An diesem Punkt kommt kein Unbefugter vorbei: Die Eingangshalle des Rechenzentrums ist durchgängig besetzt.
An diesem Punkt kommt kein Unbefugter vorbei: Die Eingangshalle des Rechenzentrums ist durchgängig besetzt. (Bild: Ariane Rüdiger)

Das gesamte Gebäude wird mit Hilfe von rund 200 Kameras rund um die Uhr überwacht. Das Überwachungssystem von VDG speichert allerdings nur solche Bilder, bei denen mindestens 15 Prozent Veränderungen im Vergleich zum vorangehenden Bild festzustellen sind.

Um die Zahl der Menschen im Rechnerbereich möglichst gering zu halten, wird die gesamte Datacenter-Anlage mit Hilfe die Siemens-Software „Desigo“ fernüberwacht. Die Belegschaft vor Ort besteht aus einem Support-Team und einigen Management-Kräften, insgesamt etwa zehn Personen. Dazu kommen Kunden, die etwas an ihren Anlagen verändern möchten.

Brandschutz und Zertifikate

Ein weiteres Sicherheitsthema ist der Brandschutz. Er erfolgt mit dem von dem deutschen Spezialisten Wagner entwickelten „Oxyredox“-Verfahren: Durch das Einbringen von Stickstoffdioxid wird der Sauerstoffgehalt der Luft um etwa ein Drittel abgesenkt. Das ist genug, um jedes Feuer zu ersticken, aber zu wenig, um dasselbe mit Menschen zu tun.

Die ´Ruhmestafel` der Zerfifikate im Eingangsbereich des Datacenter "Amsterdam 1".
Die ´Ruhmestafel` der Zerfifikate im Eingangsbereich des Datacenter "Amsterdam 1". (Bild: Ariane Rüdiger)

Zertifikate gibt es in dem NLDC-Rechenzentrum reichlich zu besichtigen, sie sind im Eingangsbereich ausgestellt – teils auf NLDC, teils auf die Muttergesellschaft KPN. NLDC ist beispielsweise nach PCI-DSS 3.2 zertifiziert, weiter gibt es Zertifikate nach ISO 14001:2015 und ISO 9001:2015 sowie die Niederlande-spezifische Zertifizierung NEN 7510:2011.

Zudem ist Muttergesellschaft KPN und damit auch das Tochterunternehmen NLDC SAP-Certified Provider Hosting Services und SAP-Certified Infrastructure Operator. Außerdem gibt es eine direkte Verbindung zur IBM-Cloud „Softlayer“. Dazu kommen einige Prämierungen.

Es gibt noch Platz

Derzeit ist das Rechenzentrum etwa zur Hälfte ausgelastet. Ausgelegt ist es für eine durchschnittliche Stromdichte von 1,5 Kilowattstunde pro Quadratmeter. Die Stromversorgung sichern Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USVs) von Huawei, gekoppelt mit zweihundert Blei-Akkumulatoren.

Beides ist für jeden von elf Rechnerräumen doppelt vorhanden. Die Batterien werden vom Lieferanten viermal jährlich, die USVs einmal im Jahr gewartet. Die zweite Sicherungsstufe der Energieversorgung bilden Dieselgeneratoren im Keller, die den Betrieb weitere 24 Stunden aufrechthalten können und monatlich einmal getestet werden.

Effiziente Rückkühler ersetzen Ventilatoren

Eine wichtige Rolle für die Energie-Effizienz von Rechenzentren spielt die Kühl- und Klimatisierungstechnik. Diese hat sich im Lauf der Zeit dem Oude-Meer-Rechenzentrum weiterentwickelt. So wurde der Doppelboden inzwischen auf eine Höhe von 60 Zentimetern abgesenkt und die Stromleitungen wurden wie die Kommunikationsverbindungen über den Systemen angebracht. So kann unter den Systemen nun die Kaltluft ungehindert strömen und in den eingehausten Kaltgängen an die Systemvorderseiten gelangen.

Die Zulufttemperatur am System liegt bei 22 bis maximal 24 Grad – theoretisch wäre auch mehr möglich, doch ist das energetisch nicht sinnvoll, da eventuelle Einsparungen bei der Kühlung durch schneller laufende Ventilatoren wieder aufgefressen werden. Die bis auf 32 Grad erwärmte Luft, die ständig auf einer Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 Prozent gehalten wird, strömt dann zur CRAC mit ihrem Luft-Wasser-Wärmetauscher.

Das erwärmte Wasser wird zu einem weiteren Wärmetauscher im Untergeschoss geleitet, wo die Wärme des geschlossenen Zwischenkreislaufs über einen weiteren Wärmetauscher an den sekundären Kühlkreislauf abgegeben wird.

Das halbe Jahr wird auf Chiller verzichtet

In diesem dritten, ebenfalls geschlossenen Kreislauf nach draußen zu zwei Rückkühlern von BAC mit integrierter Adiabatik geleitet. Herrschen draußen Temperaturen über 20 Grad, können diese Rückkühler nicht die gesamte Wärmelast übernehmen und ein Chiller, der mit Freongas arbeitet, leistet anschließend den Rest der Kühlarbeit. Rund die Hälfte des Jahres funktioniert die Kühlung Chiller-frei.

Die Freiluft-Rückkühler und die Wasserkreisläufe arbeiten mit reinem Leitungswasser, das nicht aufbereitet werden muss. Das gilt auch für die Adiabatik, die im Jahr rund 22.000 Liter Wasser verschlingt.

Möglich ist der Verzicht auf Wasserzusätze, weil das Wasser in den Niederlanden sehr weich ist. Die Rückkühler haben zudem eine Besonderheit: Sie sind mit Wärmetauschern ausgerüstet, die Dampfentwicklung verhindern. Denn Dampf könnte die Flugbewegungen am unmittelbar benachbarten Airport Schiphol behindern.

Hoher Wasserverbrauch und trotzdem hohe Einsparungen

Dem Wasserverbrauch der Adiabatik stehen erhebliche Einsparungen bei der Energie gegenüber. Bis zum Jahr 2008 übernahmen die Aufgabe der Rückkühlung mit Ventilatoren arbeitende Einheiten. Doch bei diesen konnte der Chiller nur bis zu Außentemperaturen von etwa 7 Grad Celsius ausgeschaltet bleiben. Heute sind es 19 bis 20 Grad Celsius – was viel eingesparte Energie beim Ventilator-Stromverbrauch bedeutet.

Kommunikationstechnisch ist das Rechenzentrum in Oude Meer mit rund 25 Carriern verknüpft. Kunden können Anbindungen mit 1, 10, 40 und 100 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) an deren Netze nutzen. Laut Huitemer gibt es noch keine Nachfrage nach 400-Gbit/s-Anbindungen.

Die externen Verbindungen laufen in einem Meeting Room zusammen, den auch Vertreter von Carriern nur in Begleitung eines Datacenter-Mitarbeitern betreten dürfen.

Das Rechenzentrum "Amsterdam 1" befindet sich im Fokker-Business-Park in Oude Meer, unweit des Amsterdamer Flughafens Schiphol.
Das Rechenzentrum "Amsterdam 1" befindet sich im Fokker-Business-Park in Oude Meer, unweit des Amsterdamer Flughafens Schiphol. (Bild: Ariane Rüdiger)

Im Übrigen wird die gesamte RZ-Verkabelung akribisch überwacht: Jedes Kabel muss angemeldet werden und erhält eine Kennzeichnung. Es sind auch Crossconnects zwischen einzelnen Kunden für Interconnectivity-Zwecke möglich, die dann nicht unbedingt über den Meeting-Raum laufen müssen. Das Kabel-Management übernimmt die Software „Itrax“.

NLDC soll KPN-Wachstum beschleunigen

Nur die Hälfte aller Kunden von NLDC lässt sich ans Netz der Muttergesellschaft KPN anbinden – aus Sicht von KPN sicher suboptimal. Das Mutterunternehmen erwartet von ihrer Datacenter-Tochter deshalb mehr Wachstum als die bisherigen rund fünf Prozent jährlich.

Dazu sollen auch Kooperationen mit anderen KPN-Tochterfirmen beitragen, beispielsweise mit dem Peering-Provider NL-IX. Dieses Unternehmen, das neben rund 117 PoPs (Points of Presence) an knapp 60 Standorten in Nord- und Nordwesteuropa, unter anderem in Frankfurt, London, Amsterdam und Paris, über eigene Verbindungen auf gemieteten Leitungen verfügt, hat sich KPN vor einigen Jahren komplett einverleibt.

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