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Pilotprojekt: Vogelsbergkreis setzt im Rechenzentrum auf geothermische Kühlung Klimatisierung mit Geothermie senkt Stromkosten

| Redakteur: Ulrich Roderer

Die Kreisverwaltung des hessischen Vogelsbergkreises installiert in ihrem Rechenzentrum eine nachhaltige Klimatisierungslösung: Die Serverschränke im Landratsamt werden künftig energieeffizient mit Hilfe von Geothermie gekühlt – Stromverbrauch und CO2-Ausstoß sollen damit um rund 80 Prozent verringert werden.

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Bohrung für das Geothermieprojekt der Kreisverwaltung des hessischen Vogelsbergkreises.
Bohrung für das Geothermieprojekt der Kreisverwaltung des hessischen Vogelsbergkreises.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das innovative Projekt startet im November und wird gemeinsam mit Spezialisten der Firmen DANES, APC, BM Green Cooling und ScanScource Communications durchgeführt.

In vielen privaten Haushalten hat sich die Geothermie in den letzten Jahren bereits etabliert. Immer mehr Hausbesitzer nutzen die Energie aus der Erde, um ihre Wohnräume im Winter zu beheizen und im Sommer zu kühlen.

Geothermisch klimatisierte Rechenzentren sind aber heute noch die absolute Ausnahme. Dabei steckt in dem Ansatz großes Potential: Nach aktuellen Studien der Analysten von Gartner entfallen heute 35 bis 50 Prozent der Energiekosten eines Rechenzentrums auf die Klimatisierung – durch Geothermie lässt sich dieser Anteil drastisch reduzieren. Als eine der ersten Organisationen in Deutschland stellt jetzt die Kreisverwaltung des hessischen Vogelsbergkreises ihr bestehendes Rechenzentrum komplett auf geothermische Kühlung um.

„Der Auslöser für das Projekt war die Notwendigkeit, mehr Kühlleistung für unsere Server zu besorgen“, erläutert Kai Greinke, IT-Leiter des Vogelsbergkreises die Ausgangssituation. In den vergangenen Jahren hatte die Kreisverwaltung ihre IT-Infrastruktur immer stärker konsolidiert, dezentrale Server abgebaut und in das Rechenzentrum verlagert.

Weitere Server kamen durch neue Verwaltungsaufgaben und durch die Einführung einer Citrix -Umgebung hinzu. „Während die Anzahl der Server also immer weiter anstieg, stieß unsere bisherige Klimaanlage langsam an ihre Grenzen“, sagt Greinke. „Wir mussten uns daher nach einer leistungsfähigeren Lösung umsehen. Beim Sondieren aktueller technischer Möglichkeiten sind wir schließlich auf das Thema Geothermie gestoßen.“

Geschlossener Kühlkreislauf reicht 80 Meter in die Erde

Im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen, die heute in Rechenzentren eingesetzt werden, verzichtet die geothermische Lösung komplett auf eine maschinelle Kälteerzeugung: Die Kühlung erfolgt stattdessen mit Hilfe von Kaltwasser, das über einen geschlossenen Rohrkreislauf bis in eine Bodentiefe von rund 80 Metern geführt wird. Das Erdreich hat in dieser Tiefe eine konstante Temperatur von etwa 14 Grad Celsius, die nicht durch jahreszeitliche Witterungsschwankungen beeinflusst wird.

Für die Anlage des Vogelsbergkreises sind zur Bereitstellung einer Kälteleistung von 16 kW insgesamt vier Bohrungen erforderlich, die jeweils 6 Meter voneinander entfernt sind. Die Bodenbeschaffenheit und die geothermische Ergiebigkeit wurden vor Projektbeginn anhand einer Geothermie-Karte geprüft.

Zwei redundant arbeitende Zirkulationspumpen befördern das Wasser künftig durch das geschlossene Rohrsystem. Die Pumpen kommen abwechselnd zum Einsatz, um ein Festsetzen der Anlage zu vermeiden. Für eine hohe Ausfallsicherheit werden die Pumpen über eine USV abgesichert. Dies wäre mit der bisher im Vogelsbergkreis eingesetzten Kompressions-Klimalösung aufgrund der hohen Anlaufströme nicht möglich gewesen

InRow-Klimatisierung zwischen den Serverschränken

Das Kaltwasser läuft im Rechenzentrum durch ein InRow-Kühlsystem von APC by Schneider Electric, das zwischen den Serverschränken installiert ist. Dabei ist sichergestellt, dass die Server-Racks nicht mit wasserführenden Komponenten in Berührung kommen. So besteht auch im Fall einer Leckage keine Gefahr für die sensible Hardware.

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