Die Aussichten für Investitionen in IT und Kommunikation

IDC-Analysten betrachten die ITK-Ausgaben im Sog von Handelskrieg und Digitalisierung

| Redakteur: Ulrike Ostler

Digitalisierung bedeutet ITK-Investitionen, Handelskrieg und Abflachung des Wirtschaftswachstums dämpfen die Erwartungen.
Digitalisierung bedeutet ITK-Investitionen, Handelskrieg und Abflachung des Wirtschaftswachstums dämpfen die Erwartungen. (Bild: gemeinfrei - Stevepb/Pixabay / CC0)

Die Ausgaben der Unternehmen für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) werden in den nächsten fünf Jahren im Kreuzfeuer von Gegenwind und Rückenwind stehen. Eine sich abschwächende Weltwirtschaft setzt die Unternehmen unter - finanziellen - Druck. Zugleich hängt ihr Wachstum und ihre Wettbewerbsfähigkeit verstärkt von digitaler Transformation, künstlicher Intelligenz (KI) und Datenanalysen ab.

Doch insgesamt ist es Jammern auf hohem Niveau: Die jüngste Prognose der International Data Corporation (IDC) geht davon aus, dass die weltweiten IKT-Ausgaben für Hardware, Software, Dienstleistungen und Telekommunikation bis 2022 rund 4,6 Billionen Dollar erreichen werden, was einem durchschnittlichen Wachstum von 4 Prozent pro Jahr entspricht. Kommerzielle Kunden werden bis 2022 rund 63,5 Prozent der Gesamtausgaben dazu beitragen (2,9 Billionen Dollar), während die Verbraucher weiterhin 36,5 Prozent (1,7 Billionen Dollar) beisteuern.

Das Wachstum auf der Consumer-Seite verflacht sich, einfach aufgrund einer zunehmenden Sättigung bei Smartphones und Tablets. Die Folge: Die Ausgaben bleiben hinter denen von Wirtschaft und Staat zurück. Das schnellste Wachstum im Prognosezeitraum wird aus dem Segment Professional Services (7 Prozent) kommen, einschließlich der Ausgaben von und für Cloud- und Digital-Service-Provider, die einen besonders schnell wachsenden Anteil an den gesamten Technologieausgaben haben. Der Grund ist das explosive Wachstum der Cloud-Infrastrukturanbieter.

Zum Vergleich: Andere schnell wachsende Segmente sind Medien (+6 Prozent), Banken (+5 Prozent), Einzelhandel (+5 Prozent) und Industrie (+5 Prozent), während das langsamste Wachstum im Bereich kommerzieller Technologie vom der Öffentlichen Hand, gefolgt von Großhandels- und Bauunternehmen, kommen wird.

Der Handelskrieg

IDC zieht auch den Handelskrieg in seine Überlegungen ein. Stephen Minton, Vice President in der Customer Insights & Analysis Group von IDC, sagt: „Kurzfristig erhöht der Handelskrieg zwischen den USA und China weiterhin die Unsicherheit“, auch in Bezug auf die eigenen Prognosen.

Im Raum Asien/Pazifik ist der Handelskrieg zwischen den USA und China durchaus ein zweischneidiges Schwert, das sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet. Viele Unternehmen sind in zunehmendem Maße von China abhängig, was den Umsatz angeht, und es ist zu erwarten, dass sie ihre Position in den Handelsbeziehungen außerhalb der USA weiter ausbauen werden. Andererseits eröffnet der Konflikt Möglichkeiten, die Exporte auf den US-Markt zu steigern.

Zum Beispiel erwähnt Ashutosh Bisht, Senior Research Manager für Asien/Pazifik in der Customer Insights & Analysis Group von IDC, Indien: „Der Handelskrieg bietet zweifellos Chancen für Indiens Fertigungssektor.“Denn viele Unternehmen in Asien würden vermutlich gezwungen sein, ihre Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu China auszugleichen.

Die Digitalisierung fordert Investitionen

Entgegen den miesen Stimmung in Bezug auf den Handelskrieg, treibt die digitale Transformation eine steigende Nachfrage nach ICT an, sowohl große Investitionen von Großunternehmen, in Branchen wie Einzelhandel, Fertigung, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen sowie insbesondere im Bereich Cloud und KI, auch bei staatlichen Kunden. Das bestimmt auch die Technologiebudgets in Europa.

Der halbjährliche Bericht „IDC Worldwide Semiannual ICT Sepending Guide Industry and Company“ ist eines der IDC-Flaggschiffe. Er umfasst IT-Ausgaben in mehr als 100 Kategorien und wird in 53 Ländern erfasst.
Der halbjährliche Bericht „IDC Worldwide Semiannual ICT Sepending Guide Industry and Company“ ist eines der IDC-Flaggschiffe. Er umfasst IT-Ausgaben in mehr als 100 Kategorien und wird in 53 Ländern erfasst. (Bild: International Data Corporation (IDC))

Andrea Minonne, Research Analyst für Westeuropa in der Customer Insights & Analysis Group von IDC, fasst das so zusammen: „Unternehmen in Westeuropa sind nicht nur bestrebt, neue Technologien wie KI und Robotik zur Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse einzusetzen, sondern auch kundenorientierte Ansätze für IT-Ausgabenentscheidungen zu verfolgen. Dies gilt insbesondere für kundenorientierte Branchen wie Einzelhandel, Banken, Transport und Telekommunikation.“

Dennoch werde das Gesamtwachstum in Westeuropa im Prognosezeitraum den Schwellenländern in Asien/Pazifik leicht hinterherhinken und der US-Markt wird trotz seiner relativen Reife einige der stärksten Wachstumsraten aufweisen. Jessica Goepfert, Vice President in der Customer Insights and Analysis Group von IDC, sagt: „Der Appetit auf Cloud-basierte Bereitstellung, neue Apps und technisch betriebene Dienste zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung.“

Dort sollen laut IDC Die Investitionen in digitale Transformation, Cloud und KI dazu beitragen, insgesamt um 4,5 Prozent. Das entspricht dem ICT-Wachstum in Lateinamerika, insgesamt die zweitstärkste Wachstumsregion; Nur dieIKT-Ausgaben in China liegen höher.

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