Marktdaten auf der ISC High Performance 2022 HPC und KI als Teil der weltweiten Datacenter-Landschaft

Von M.A. Jürgen Höfling

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Das auf Höchstleistungsrechnen und Künstliche Intelligenz spezialisierte kalifornische Marktforschungsunternehmen Intersect 360 Research präsentierte auf der Hamburger Veranstaltung „ISC High Performance 2022“ seine Prognosen bis 2026. Hier die Zusammenfassung:

Auch im Höchstleistungsrechnen ist die Cloud die Zukunft.
Auch im Höchstleistungsrechnen ist die Cloud die Zukunft.
(Bild: gemeinfrei: ELG21 / Pixabay )

Wie schwierig Prognosen sind, besonders wenn sie in der Zukunft liegen, machten Allison Snell und Dan Olds vom Marktforschungsunternehmen Intersect 360 Research auf der „ISC High Performance“ in Hamburg sichtbar. Denn zum Schluss ihrer Ausführungen stellten sie fest: „Die Voraussagen enthalten erhebliche Unsicherheiten. Sie setzen voraus, dass sich die weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten bis Anfang 2023 wieder „normal“ entwickeln („normal“ ist auch in der Folie der Analysten in Anführungszeichen gesetzt, d.A.) und dass sich das geopolitische Umfeld (wie Sanktionen, Exportbeschränkungen, Zölle und Kriege) nicht weiter verschlechtert“.

Das im Folgenden referierte Szenarium steht deshalb unter dieser umfassenden „Marktforschungs-Generalklausel“. Und die Zeiten sind bekanntlich so, dass man dieses „Kleingedruckte“ ganz besonders beachten sollte.

HPC / KI werden oft zusammen budgetiert

Intersect 360 Research definiert den HPC-Markt nicht mehr „klassisch“, sondern bezieht die KI und da vor allem die Trainingsläufe auf dem Rechner, also vor allem das Maschinelle Lernen (ML), mit ein. Das ist an sich sinnvoll, weil HPC /KI oft in den Unternehmen zusammen budgetiert werden, es führt aber auch zu neuen Abgrenzungs-Problemen.

Die Marktforscher von Intersect 360 Research sind sich der Problematik durchaus bewusst. So gibt es nach Snell und Olds zum einen eine erkleckliche Anzahl von KI-Anwendungen, die völlig unabhängig von den HPC-Budgets betrieben werden und zum anderen verzerren ihrer Einschätzung nach die KI-Aktivitäten der Hyperscaler aufgrund ihres schieren Volumens das Gesamtbild.

Das  weltweite Wachstum Wachstum im HPC und KI-Markt.
Das weltweite Wachstum Wachstum im HPC und KI-Markt.
(Bild: Intersect 360 Research )

CEO Allison Snell und Dan Olds, Chief Research Officer bei Intersect 360 Research, wandten jedenfalls viel Zeit dafür auf, das analytische „Besteck“ zu erklären, mit dem sie arbeiten und auf dem die Prognosen beruhen, die in dem Bericht „Worldwide HPC and AI Training 2021 Total Market Size and 2022-2026 Forecast: Products and Services“ zusammengefasst sind.

Jedenfalls biete man den Kunden jetzt mehrere Ansichten, nicht zuletzt eine, die die vollständige Wechselbeziehung zwischen HPC-, KI-, Cloud- und Hyperscaler-Märkten darstelle, erläuterte Snell. Dieses 'Grand Unification' genannte Modell der Ausgaben für Rechenzentren zeige einmal mehr, wie dominant Hyperscale-Unternehmen in der IT-Landschaft geworden seien.

Nur um die Dimensionen zu beschreiben, einige kurze Hinweise: Auf die Hyperscaler entfällt fast die Hälfte des weltweiten Datacenter-Gesamtmarkts von 235,1 Milliarden Dollar. Zum HPC/KI-Teilmarkt werden weiter unten Detailzahlen genannt, alle in US-Dollar, der mittlerweile ja nicht mehr weit unter dem Euro notiert.

On-Prem noch führend, doch die Cloud holt rasant auf

Nach diesen methodischen Überlegungen endlich ein paar Zahlen: Der HPC/KI-Markt verzeichnete nach den Erhebungen des Intersect-360-Teams im letzten Jahr zwar wieder ein einstelliges Wachstum (5,2 Prozent), aber „unsere Hoffnungen auf einen großen Marktaufschwung im Jahr 2021 wurden enttäuscht, da die Pandemie den Markt auch 2021 in mehreren vertikalen Märkten mit wirtschaftlicher Unsicherheit und Unterbrechungen der Lieferketten beeinflusst hat."

Cloud Computing war dabei ein rasant wachsendes Segment, das das zweite Jahr in Folge ein hohes zweistelliges Wachstum verzeichnete (75 Prozent). „Das Cloud-Wachstum setzte sich in einem halsbrecherischen Tempo fort", so Snell. Die Cloud sei Balsam gegen die Unsicherheit. „Wenn man eine Beschaffung aufschieben muss, kann die Cloud das Problem ausgleichen. Wenn man etwas sofort braucht, kann man eine Cloud-Instanz schneller eröffnen, als man vor Ort Knoten hinzufügen kann“, so Snell im Originalton.

Allison Snell, CEO von Intersect 360 Research
Allison Snell, CEO von Intersect 360 Research
(Bild: Intersect 360 research )

Der HPC/KI-Gesamtmarkt belief sich laut Intersect 360 Research auf 46,4 Milliarden Dollar, wenn man sowohl HPC- als auch KI-Ausgaben berücksichtigt, wobei die von Hyperscale-Unternehmen gekaufte KI-Infrastruktur nicht berücksichtigt ist.

Von den zusätzlichen 5,4 Milliarden Dollar für „Pure-AI“, also Aufwendungen, die nicht mit HPC-Budgets verbunden sind, entfällt nur etwa ein Viertel auf lokale Infrastruktur („on-prem“), die restlichen drei Viertel auf die Cloud.

„The supply chain is a big killer“

Intersect360 Research prognostiziert, dass HPC und KI-Training in den nächsten fünf Jahren wieder ein stabiles Wachstumsniveau erreichen werden. Die HPC-Budgets würden bis 2026 auf 59,2 Milliarden Dollar ansteigen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 7,7 Prozent entspricht. Ohne Berücksichtigung der Hyperscaler würden HPC und KI zusammen auf 70 Milliaden Dollar anwachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,6 Prozent entspricht.

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Letztendlich seien HPC und KI Wachstumsmärkte, bemühten Snell und Olds das Prinzip Hoffnung, auch wenn die Branche durch die Pandemie "zwei Jahre Wachstum verloren habe“ und jetzt durch die weltweiten Lieferketten-Probleme enorm gebeutelt werde („the supply chain is a big killer“, sagte Dan Olds). Gleichwohl wissen auch Snell und Olds, dass das Prinzip Hoffnung sich nicht erfüllen muss. Siehe oben!

Dan Olds, Chief Research Officer von Intersect 360 Research
Dan Olds, Chief Research Officer von Intersect 360 Research
(Bild: von Intersect 360 Research )

Dass beispielsweise bestimmte chinesische Höchstleistungsrechner („Exascale oder Nicht-Exascale“??) in den Statistiken der kalifornischen Marktforscher erklärtermaßen nicht auftauchen, mag man als Randerscheinung abtun oder auch als Zeichen kommender geopolitischer Verwerfungen.

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