Wachstumschancen im Rechenzentrumsmarkt

Gold- und Totengräber in der Datacenter-Branche

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska* / Ulrike Ostler

Ein Administrator von Mailchimp.com bei der Arbeit in einem Co-Location-Datacenter.
Ein Administrator von Mailchimp.com bei der Arbeit in einem Co-Location-Datacenter. (Bild: Mailchimp)

Big Data, Online-Handel und -Unterhaltung, das IoT und nicht zuletzt Unified Communications fordern mehr Datacenter-Kapazitäten. Rechenzentren rund um Metropolen wie Frankfurt und München schießen daher wie Pilze aus dem Boden. Co-Location boomt sogar inmitten einer Konsolidierungswelle, während sich Telcos existenzielle Fragen stellen müssen: ein Bericht über die heranrollenden Trends.

Das Datencenter-Geschäft verzeichnet seit Jahren ein solides Wachstum und die Branche hat jeden Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Der Markt befindet sich dennoch inmitten eines technologischen Wandels, der sowohl für frischen Wind als auch für starke Turbulenzen sorgen dürfte.

Der Co-Location-Markt boomt

Bis Ende 2017 soll der weltweite Colocation-Markt Analysten zu Folge von 25,70 Milliarden Dollar Ende 2015 auf 36 Milliarden Dollar heranwachsen und eine Gesamtfläche von nahezu 14 Millionen Quadratmetern erreichen. Bis 2020 erwarten die Analysten etwa von Markets and Markets ein weltweites Marktvolumen für Co-Location-Dienste in Höhe von satten 54,13 Milliarden Dollar.

Auf dem europäischen Markt schreitet inzwischen die Konsolidierung unerbittlich voran. Kaum hatte die Telecity Group die (inzwischen geplatzte) Fusion mit der niederländischen Interxion angekündigt, fiel sie selbst einer Akquisition durch Equinix zum Opfer.

Equinix, seither der weltweit größte Anbieter des Co-Location-„Einzelhandels“, sah sich offenbar in Zugszwang, nachdem die japanische NTT Communications Corp. den Frankfurter Co-Location-Spezialisten E-Shelter für satte 742 Millionen Euro akquirierte, um sich als Deutschlands neuer Marktführer für Co-Location-Dienste zu etablieren. Kaum hat sich der Staub gelegt, möchten jetzt unter anderem Keppel aus Singapur, die nordamerikanischen Firmen Digital Realty und Digital Ocean um die Wette in den Frankfurter Co-Location-Markt einsteigen.

Rechtliche Rahmenbedingungen im Fluss

Einen Teil des Aufschwungs lässt sich auf die europäischen Datenschutzrichtlinien als die größte treibende Kraft für die Nachfrage nach Datenbank- und Storage-Diensten im EU-Raum zurückführen. Europäische Großunternehmen weisen eine wesentlich höhere Bereitschaft als ihre US-amerikanischen Mitbewerber auf, für Co-Location-Dienste einen höheren Preis in Kauf zu nehmen, um die rechtliche Unsicherheit zu minimieren, sagen die Analysten von 451 Research.

Voraussichtlich ab 2018 soll eine neue Datenschutzrichtlinie in Kraft treten und den Umgang mit personenbezogenen Daten europaweit vereinheitlichen. Das Statistische Bundesamt beziffert die Kosten der Umstellung für die deutsche Wirtschaft auf eine Summe zwischen 523 Millionen und 1,23 Milliarden Euro, während die jährlichen Mehrkosten bei 1,1 oder 2,73 Milliarden Euro liegen dürften.

Europäische Unternehmen müssen sich daher künftig auf einen im Hinblick auf den Datenschutz vereinheitlichten EU-Binnenmarkt mit wesentlich verschärften Auflagen einstellen. Als Nebeneffekt der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen in Europa und nicht zuletzt auf Grund der hohen Kapitalanforderungen dürfte der bisher stark segmentierte Markt für Co-Location-Dienste weiterhin verstärkt konsolidieren.

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