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Eine unerwartete Reise GitHub, Edge & Co. für die Öffentliche Hand

| Autor: Susanne Ehneß

Ulrich Homann, Corporate Vice President bei Microsoft, spricht sich für quelloffene Systeme in Instituten und Behörden aus.

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Für Microsoft geht es in Richtung Open Source
Für Microsoft geht es in Richtung Open Source
(© sonjanovak - kaif - stock.adobe.com [M] Büchner)

Öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen, die sich in der Vergangenheit für quelloffene Software statt für Microsoft-Produkte entschieden haben, taten dies aus finanziellen Gründen, um individuelle Lösungen zu kreiieren oder, um sich nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig zu machen. Das weiß natürlich auch Ulrich Homann, Corporate Vice President bei Microsoft. Er ist überzeugt, dass Open-Source-Lösungen „ohne Frage einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation der Öffentlichen Hand leisten“. Und auch Microsoft engagiert sich zunehmend in der Community.

Aber: Für Microsoft sei Open Source eher eine kulturelle Frage als eine strategische Entscheidung. „Open Source bei Microsoft ist vielmehr eine Reflexion der Software-Innovation und der Möglichkeiten, wie man über eine Community zusammen Werte schafft“, meint Homann.

Wertschöpfung für den Public Sector

„Open-Source-Software erlaubt es uns und der Öffentlichen Hand, Additionen zu einer betrieblichen Software zu machen“, erläutert Homann. „Die Öffentliche Hand kann natürlich über das BSI und andere auch Wertschöpfung hinzugeben.“ Damit könnten individuelle Lösungen geschaffen werden. „Wir verlängern so die Wertschöpfungsketten weit über die Erstellung der Software hinaus“, betont er.

Gleichzeitig lebe Open Source von offener Zusammenarbeit über Ländergrenzen und stetiger Weiterentwicklung. „Beides unterstützen wir bei Microsoft“, so Homann. Microsoft sei der weltgrößte Contributor für Open-Source-Technologie. „Etwa 50 Prozent der aus Microsofts Rechenzentren gelieferten Services basieren zudem auf Open Source. Als Eigentümer von GitHub entwickelt Microsoft gemeinsam mit der Open-Source-Community wertvolle Synergien und fördert die Bedeutung von Open Source zusätzlich durch Initiativen wie die Open Manufacturing Platform“, führt Homann aus.

Microsoft hat Github, einen netzbasierten Dienst zur Versionsverwaltung für Software-Entwicklungsprojekte, vor zwei Jahren übernommen. Auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz seien ohne Open Source kaum denkbar. „Wir brauchen alle Brains dieser Welt“, fordert Homann. „Wenn man sich heute AI anschaut, basiert das alles auf Open Source Technologies.“

Die Reise geht weiter

Microsoft kann und konnte sich dem Open-Source-Trend nicht verschließen. Homann: „Im Endeffekt geht es um die Themen: Wie helfen wir unseren Kunden, unseren Partnern, besser Softwarelösungen bereitzustellen oder Softwareservices anzubieten?“ Microsoft habe sich diese Entwicklung angesehen und dann entschlossen, mit Kunden, die beispielsweise Linux einsetzen, besser zusammenzuarbeiten. „Das ist der erste Schritt der Reise – zu erkennen, dass unsere Kunden anfangen, Dinge von uns zu fordern, die nicht unbedingt auf unserer Agenda standen“, so Homann.

Seit zehn Jahren nun liefert ­Microsoft Software für den Linux-Kernel; seit fünf Jahren ist Microsoft mehrheitlich Open-Source-orientiert – „im Bereich Data Science, Databases, Betriebssysteme, Compiler, Languages und so weiter“, betont Homann. Mehr als die Hälfte der Virtual Machines, die auf Azure laufen, sind Linux-basiert; vor zwei Jahren der Kauf von Github; der Edge-Browser basiert auf Chromium, einem Open-Source-Projekt, und heißt jetzt „Edge Chromium“. „Wir sind nicht am ­Ende der Reise, die Reise wird ­weitergehen“, weiß Homann. „Aber wir sind schon eine relativ reife Open-Source-Community.“

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