IT-Investitionen in Deutschland und der Welt Gartner: So entwickeln sich die IT-Ausgaben 2022

Von Ulrike Ostler

Laut einer aktuellen Prognose des Research- und Beratungsunternehmens Gartner werden die weltweiten IT-Ausgaben im Jahr 2022 rund 4,4 Billionen Dollar erreichen. Dies bedeutet einen Anstieg von 4 Prozent gegenüber 2021. Auch in Deutschland wird viel für die IT ausgegeben.

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Pfennigfuchserei war einmal; die IT-Aufgaben steigen kräftig.
Pfennigfuchserei war einmal; die IT-Aufgaben steigen kräftig.
(Bild: gemeinfrei: Gerd Altmann / Pixabay )

John-David Lovelock, Distinguished Research Vice President bei Gartner, fasst die weltweite Entwicklung zusammen: „Dieses Jahr stellt für CIOs eines der bislang unruhigsten Jahre dar." Die Gründe seien vielfältig: Geopolitische Spannungen, Inflation, Währungsschwankungen und Herausforderungen in der Lieferkette zählten zu den vielen Faktoren, die sowohl Aufmerksamkeit als auch Zeit erforderten.

Steigende Inflationsraten, geopolitische Spannungen und Fachkräftemangel werden IT-Investitionen voraussichtlich nicht bremsen.
Steigende Inflationsraten, geopolitische Spannungen und Fachkräftemangel werden IT-Investitionen voraussichtlich nicht bremsen.
(Bild: © 2022 Gartner Inc. and/or its affiliates)

Doch Lovelock konstatiert auch: „Doch im Gegensatz zu dem, was wir Anfang 2020 beobachtet haben, beschleunigen CIOs ihre IT-Investitionen, da sie erkannt haben, dass gerade in Zeiten von Disruption Flexibilität und Agilität wichtig sind. Investitionen und Beschaffungen konzentrieren sich infolgedessen besonders auf die Bereiche Analytics, Cloud Computing, nahtlose Kundenerlebnisse und Sicherheit.“

Zum einen ließen laut Gartner die Auswirkungen der Inflation auf IT-Hardware, zum Beispiel mobile Geräte und PCs, aus den vergangenen zwei Jahren nach und begännen, auf Software und Dienstleistungen überzugreifen.

Prognose der weltweiten IT-Ausgaben (Angaben in Millionen Dollar)
   
   

Ausgaben 2021

Wachstum 2021

Ausgaben 2022

Wachstum 2022

Ausgaben 2023

Wachstum 2023
Rechenzentrumssysteme 207.306 6,7 Prozent 218.634 5,5 Prozent 230.385 5.4 Prozent
Software 614,494 15,9 Prozent 674.889 9,8 Prozent 754.808 11,8 Prozent
Devices 809.452 16,1 Prozent 824.600 1,9 Prozent 837.844 1,6 Prozent
IT Services 1.185.103 10,6 Prozent 1.265.127 6,8 Prozent 1.372.892 8,5 Prozent
Communications Services 1.443.419 3,4 Prozent 1.448.396 0,3 Prozent 1.477.798 2,0 Prozent
insgesamt 4.259.773 9,5 Prozent 4.431.646 4,0 Prozent 4.673.728 5,5 Prozent

Zum anderen habe der derzeitige Mangel an IT-Fachkräften zu wettbewerbsfähigeren Gehältern .geführt. In der Folge erhöhten die Anbieter von Technologiedienstleistungen ihre Preise. Das schlägt sich in einem höheren Ausgabenwachstum in diesen Segmenten bis 2022 und 2023 nieder.

Insgesamt wird erwartet, dass die Ausgaben für Software 2022 um 9,8 Prozent auf 674,9 Milliarden Dollar und die für IT-Dienstleistungen um 6,8 Prozent auf 1,3 Billionen Dollar steigen werden (siehe: Tabelle 1). Der Anstieg der Anwendungssoftware für Unternehmen, der Infrastruktursoftware und der Managed Services in naher und ferner Zukunft zeige, dass der Trend zur digitalen Transformation kein ein- oder zweijähriger Trend sei, sondern ein systemischer und langfristiger, heißt es bei Gartner.

Infrastruktur-as-a-Service (IaaS) liege beispielsweise jedem größeren verbraucherorientierten Online-Angebot und jeder mobilen Anwendung zugrunde und mache somit einen erheblichen Teil des fast 10-prozentigen Wachstums der Software-Ausgaben im Jahr 2022 aus. Gartner geht zudem davon aus, dass digitale Geschäftsinitiativen wie das Erlebnis für den Endverbraucher und die Optimierung der Lieferkette die Ausgaben für Unternehmensanwendungen und Infrastruktursoftware im Jahr 2023 in den zweistelligen Bereich treiben werden.

Der Krieg in der Ukraine

Die russische Invasion in der Ukraine wird voraussichtlich keine direkten Auswirkungen auf die weltweiten IT-Ausgaben haben. Die Preis- und Lohninflation in Verbindung mit dem Mangel an Fachkräften und anderen Lieferunsicherheiten wird die Pläne der CIOs im Jahr 2022 voraussichtlich stärker beeinträchtigen, aber dennoch die Technologieinvestitionen nicht bremsen.

„CIOs gehen davon aus, dass sie in diesem und im nächsten Jahr finanziell und organisatorisch in der Lage sind, in Schlüsseltechnologien zu investieren“, so Lovelock. Ein Teil der IT-Ausgaben sei Anfang 2022 aufgrund der Omicron-Variante und der darauf folgenden Wellen auf Eis gelegt worden, aber es wird erwartet, dass sich diese Situation in naher Zukunft entspannt.

Lovelock fügt hinzu: „CIOs, die sich auf die wichtigsten Marktsignale konzentrieren, wie die Verlagerung von analogem zu digitalem Geschäft und den Kauf von IT zu deren Aufbau, und die mit ihren Lieferantenpartnern verhandeln, um laufende Risiken zu übernehmen, werden langfristig besser abschneiden.“ Zum jetzigen Zeitpunkt würden nur die anfälligsten Unternehmen gezwungen sein, sich 2022 und darüber hinaus auf einen Kostensenkungsansatz umzustellen.

Die Vorhersagen für Deutschland

Auch hier zeigen die Segmente Software und IT-Services das größte Wachstum:

IT-Ausgaben nach Segmenten - in Deutschland (Angaben in Millionen Dollar)
Ausgaben 2021 Ausgaben 2022 Wachstum, (in Prozent) Ausgaben 2023 Wachstum (in Prozent)
Communication Services 41,386 39,559
0,65
40,310
0,37
Datacenter Systeme 8,690 8,766 6,22 9,064 1,85
Devices 22,732 22,243 3,03 22,071 -2,26
IT Services 56,275 57,393
8,41 62,959 7,0
Software 27,580 28,809 9,99 32,250 10,27
insgesamt:
156,664 157,315 5,74 166,654 4,35
Source: Gartner (April 2022)

Die Finanzierung von Technikanschaffungen

Die Gartner-Analysten haben sich auch dafür interessiert, wie die Anschaffungen finanziert werden beziehungsweise wer im Unternehmen die Geldgeber sind. Es zeigt sich, dass IT-Abteilungen nur 26 Prozent der Technologieinvestitionen auch zahlen. 74 Prozent der Anschaffungen werden, zumindest teilweise, von Geschäftsbereichen außerhalb der IT finanziert.

Im November und Dezember 2021 hatte Gartner rund 1.120 Führungskräfte oder Personen in höheren Positionen im Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 1 Million Dollar in Nordamerika, Westeuropa und Asien/Pazifik dazu befragt. Das Ziel der Umfrage war es, herauszufinden, wie Unternehmen bei der Beschaffung von Unternehmenstechnologie vorgehen.

Derry N. Finkeldey, Research Vice President bei Gartner, kommentiert das Ergebnis: „Technologie wird für Unternehmen immer wichtiger und wird dort immer fester verankert. Das wirkt sich auch auf den Einkauf aus. In der Vergangenheit war es relativ leicht vorauszusagen, wer die Auftraggeber sind, aber das hat sich geändert.“

Die Umfrage von Gartner hat herausgefunden, das 41 Prozent der Mitarbeiter Business-Technologen sind, die Technologie- oder Analysefunktionen für interne oder externe Geschäftszwecke nutzen und außerhalb der IT-Abteilung Bericht erstatten. „In einer Welt, in der die meisten Technologen außerhalb der IT-Abteilung des Unternehmnes arbeiten, könnte buchstäblich jeder ein Einkäufer für Technologie für sein Unternehmen sein“, so Finkeldey.

(ID:48204785)