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Vorurteile und Erfahrungswerte Fakten und Fiktionen rund um den Mainframe

| Redakteur: Wilfried Platten

Im Dunstkreis der Portierung und des Rehostings von Mainframe-Applikationen florieren nach wie vor zahlreiche Vorurteile. Micro Focus hat acht gängige Meinungen unter die Lupe genommen – und sie mit eigenen Erfahrungen abgeglichen.

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Natürlicher Lebensraum für Micro Focus: System z von IBM.
Natürlicher Lebensraum für Micro Focus: System z von IBM.
(Bild: IBM)

Die Konsolidierung und Optimierung des Mainframe-basierten Anwendungsportfolios ist für viele Unternehmen heute eine zentrale Herausforderung. Dabei wird neben dem Einsatz von Standard-Lösungen oder einem kompletten Neuschreiben von Applikationen auch eine Modernisierung, die auch die Nutzung von Plattformen wie Linux, UNIX und Windows (LUW) beinhalten kann, ins Auge gefasst. Sie können zum Beispiel auch nur für eine Teilverlagerung des Mainframe Workload genutzt werden, um den MIPS-Verbrauch und die Kosten zu reduzieren.

Vorurteil 1: Die Mehrzahl der Mainframe-Anwender hat Rehosting-Projekte für z/OS-Applikationen gestartet.

Nach Schätzungen von Micro Focus sind weltweit rund 5.000 Mainframes im Einsatz. Das Unternehmen wird in diesem Jahr voraussichtlich rund 50 Rehosting-Projekte begleiten. In Bezug auf die Marktposition in diesem Bereich entspricht das einem Anteil von weniger als zwei Prozent der Mainframe-Anwender, die eine Verlagerung von z/OS-Applikationen auf andere Plattformen in Angriff nehmen werden.

Vorurteil 2: Viele Unternehmen haben einen Produktions-Workload von über 5.000 MIPS verlagert.

Das entspricht laut Micro Focus nicht der Realität. Bis heute haben danach nur sehr wenige Unternehmen umfangreiche Workloads auf andere Plattformen übertragen. Bei 90 Prozent aller Rehosting-Projekte mit einer Teilverlagerung von Applikationen oder einem kompletten Abschalten des Mainframe ging es dabei nach der Erfahrung von Micro Focus um Workloads kleiner 500 MIPS. Es hat sich gezeigt, dass bei Portierungsprojekten generell nicht die MIPS der kritische Faktor sind, sondern die Komplexität des Applikationsportfolios und der genutzten Technologien.

Vorurteil 3: Die Verlagerung von Workloads von über 8.000 MIPS ist nicht möglich.

Die gängige Einschätzung, dass die Server führender Hersteller für einen hohen Mainframe-Workload unterdimensioniert sind, ist heute nicht mehr zutreffend, wenn man bedenkt, dass aktuelle Server-Generationen über 80 Prozessorkerne verfügen. Auch bei konservativer Schätzung kann ein einziger Applikationsserver weit mehr als 8.000 MIPS hosten.

Vorurteil 4: Nur eine komplette Workload-Verlagerung ist sinnvoll.

Das Gegenteil ist richtig: Viele Unternehmen haben sich gerade in der jüngsten Vergangenheit nur für eine Teilverlagerung von Mainframe-Applikationen entschieden. Beispiele hierfür sind BI-Systeme oder einzelne Anwendungen bei Finanzinstituten wie Online-Banking-Lösungen.

Vorurteil 5: Bei der Verlagerung von Mainframe-Anwendungen ist UNIX/Linux die primäre Zielplattform.

Vor zehn Jahren noch war bei Plattformwechseln UNIX/Linux die erste Wahl. Mittlerweile gibt es hier große regionale Unterschiede. So wird in Deutschland nach wie vor UNIX/Linux bevorzugt. Weltweit gesehen war allerdings bei 52 Prozent aller Redeployment-Projekte im IBM-Umfeld, die Micro Focus durchgeführt hat, die Zielplattform Windows. Generell ist im UNIX/Linux-Umfeld vor allem eine steigende Bedeutung der auf x86-Systemen basierenden Linux-Lösungen zu registrieren.

Vorurteil 6: Die Applikationsperformance ist auf z/OS immer besser als auf Linux, UNIX und Windows.

Generell sind hier allgemeingültige Aussagen nur schwer zu treffen, da die Applikationsperformance von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Es hat sich gezeigt, dass einige Anwendungen auf LUW-Systemen sogar eine höhere Performance aufweisen. Häufig trifft dies zum Beispiel auf Batch-Prozesse zu. Insgesamt hat sich die Performance von Applikationen in LUW-Umgebungen in letzter Zeit spürbar verbessert. Zurückzuführen ist dies auf neue Prozessorgenerationen sowie Systemoptimierungen insbesondere im Bereich der relationalen Datenbankmanagementsysteme.

Vorurteil 7: Die Verlagerung von PL/I-Anwendungen ist weitaus schwieriger als diejenige von COBOL-Applikationen.

Das ist laut Micro Focus richtig. Open PL/I wurde als ANSI PL/I Compiler entwickelt. Nach wie vor sind Änderungen bei einzelnen PL/I-Modulen erforderlich, um den Code portabel zu gestalten. Bei COBOL-Anwendungen ist dies nicht nötig.

Vorurteil 8: Für Mainframe-Datenbanken bietet sich nur DB2-LUW als Zielumgebung an.

Dies war in der Vergangenheit häufig der Grund, warum DB2-LUW als Ziel-Datenbank gewählt wurde. Die Host Compatibility Option for SQL Server (HCOSS) hat dies allerdings verändert. Mit diesem Toolset können DB2-Datenbanken und -Anwendungen auch auf SQL-Server-Plattformen einfach verlagert werden.

Das Fazit von Wolfgang Drespling Director of Application Modernisation CEN bei Micro Focus: "Insgesamt zeigt sich, dass man bei Mainframe-Modernisierungsprojekten durchaus auch die Nutzung kostengünstiger Plattformen wie Windows, UNIX und Linux in Betracht ziehen sollte. Das kann auch auf einzelne Anwendungen und Prozesse begrenzt sein, es ermöglicht aber trotzdem eine Optimierung der MIPS-Nutzung und Reduzierung des Entwicklungs- und Testaufwandes."

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