Zink-Bromid-Großspeicher für Rechenzentren Wie Zink-Bromid knappe Netz­ka­pa­zi­tä­ten entlastet

Ein Gastbeitrag von Benjamin Henecka* 6 min Lesedauer

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Batteriespeicher wandern aus der reinen Reservefunktion in den laufenden Betrieb. Zink-Bromid-Systeme sollen dabei Lastmanagement, Netzengpassüberbrückung und Notstrom miteinander verbinden.

Eine Visualisierung des Triwo Technoparks in Bruchsal. (Bild:  Capac Energy)
Eine Visualisierung des Triwo Technoparks in Bruchsal.
(Bild: Capac Energy)

Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Wirtschaft, zugleich steigt ihr Energiebedarf durch KI-Anwendungen rasant. Mit wachsender Rechenleistung nehmen auch Lastspitzen, Anforderungen an die Verfügbarkeit und der Druck auf lokale Stromnetze zu.

Damit wird die Frage zentral, wie sich Energie sicher, planbar und über längere Zeiträume bereitstellen lässt. Batteriespeicher übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben, die von der sekundenschnellen unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) über die Glättung kurzfristiger Lasten bis zur mehrstündigen Energieversorgung des gesamten Standorts reichen.

Wie wichtig gerade die mehrstündige Bereitstellung wird, zeigt sich in etablierten Rechenzentrumsregionen wie Frankfurt. Dort sind freie Netzkapazitäten knapp, während neue Anschlüsse häufig erst nach mehreren Jahren zur Verfügung stehen. Betreiber müssen deshalb vorhandene Anschlussleistungen besser ausnutzen, Spitzen begrenzen und die Zeit bis zu einer möglichen Netzerweiterung technisch wie wirtschaftlich überbrücken. Damit rückt der Batteriespeicher aus der Reservefunktion in den laufenden Betrieb.

Aus dieser veränderten Rolle folgt, dass sich Batteriespeicher vom Zusatzsystem zum strategischen Bestandteil der Energieversorgung entwickelt haben. Entscheidend ist jedoch, welche Technologie welche Aufgabe erfüllt. Lithium-Ionen-Systeme sind wegen ihrer hohen Energiedichte besonders in mobilen Anwendungen etabliert.

Zink-Bromid-Großspeicher können ihre Vorteile jedoch vor allem in stationären Kontexten, wo Energie regelmäßig über mehrere Stunden sicher und planbar bereitgestellt werden muss, ausspielen.

Mehrstündige Batteriespeicher entlasten Netzanschlüsse

Diese mehrstündige Bereitstellung schafft die Voraussetzung dafür, Strombezug und Verbrauch zeitlich voneinander zu entkoppeln. Zink-Bromid-Großbatteriespeicher nehmen Energie in schwächeren Lastphasen auf und geben sie während längerer Verbrauchsspitzen wieder ab.

Dadurch sinkt die maximale Bezugsleistung, während der vorhandene Netzanschluss gleichmäßiger und über einen größeren Teil des Tages ausgelastet wird.

Weil die Entlastung nicht auf kurze Spitzen begrenzt bleibt, geht dieser Effekt über klassisches Peak Shaving hinaus. Mit Entladezeiten von vier bis 16 Stunden können Zink-Bromid-Systeme auch länger anhaltende Belastungsphasen abdecken.

Damit eignen sie sich als Brücke, wenn zusätzliche Netzkapazität noch nicht verfügbar ist, ohne einen dauerhaft zu klein dimensioniertem Anschluss grundsätzlich ersetzen zu können. Der Batteriespeicher vergrößert so den betrieblichen Spielraum, bis eine Netzerweiterung umgesetzt ist oder der langfristige Kapazitätsbedarf anderweitig gedeckt werden kann.

Hohe Zyklenfestigkeit ermöglicht aktives Lastmanagement

Der dadurch gewonnene Spielraum wird besonders wertvoll, wenn die Lasten nicht nur hoch sind, sondern sich im Tagesverlauf wiederholt verändern. Genau das ist bei Rechenzentren häufig der Fall. Ihre Lastprofile sind teilweise stark schwankend und je nach Workload unterschiedlich gut planbar.

Sehr kurzfristige Laständerungen können durch entsprechend ausgelegter USV-Systeme oder dezentrale Batteriespeicher direkt an den Server-Racks ausgeglichen werden. Halten Lastanstiege dagegen länger an, wirken sie auf den gesamten Standort und belasten damit sowohl den Netzanschluss als auch die zentrale Energieversorgung.

Damit solche Belastungen regelmäßig ausgeglichen werden können, muss der Batteriespeicher für eine intensive Nutzung ausgelegt sein. Hier spielen Zink-Bromid-Großspeicher ihre Zyklenfestigkeit aus. Sie sind für mehrere vollständige und partielle Ladezyklen pro Tag ausgelegt und können dadurch wiederkehrende Lastwechsel flexibel aufnehmen.

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Der Batteriespeicher bleibt folglich keine Reserve für seltene Störungen, sondern übernimmt dauerhaft Aufgaben im Peak Shaving, in der Lastverschiebung und im Energiemanagement.

Nicht brennbare Zellchemie erleichtert die sichere Integration

Mit der häufigeren Nutzung und der dichten Bebauung auf dem Betriebsgelände steigen zugleich die Anforderungen an Sicherheit und thermische Stabilität. In hochverdichteten Rechenzentren kann ein Batteriestörfall erhebliche Folgen haben, weil Energieversorgung und IT-Betrieb eng miteinander verknüpft sind.

Deshalb müssen Zellchemie, Kühlung, Brandlast und Überwachung bereits bei der Standortplanung berücksichtigt werden. Erst wenn diese Faktoren in das Gesamtkonzept integriert sind, kann ein Speicher dauerhaft in das betriebliche Lastmanagement eingebunden werden.

Welche zusätzlichen Anforderungen daraus entstehen, zeigt der Blick auf Lithium-Eisenphosphat. Die Zellchemie gilt innerhalb der Lithium-Ionen-Technologien als vergleichsweise stabil. Dennoch bleibt das Risiko eines Thermal Runaway bestehen, weshalb Kühlung, Zellüberwachung und zusätzliche Schutzsysteme erforderlich sind.

Diese Komponenten erhöhen den technischen Aufwand, benötigen zusätzlichen Platz und können den Eigenverbrauch sowie die baulichen Anforderungen an den Speicherstandort steigern.

Zink-Bromid-Systeme setzen an genau dieser betrieblichen Abwägung mit einem vorteilhaften Sicherheitsprofil an. Aufgrund ihrer nicht brennbaren Zellchemie sind komplexe Lösch- und Kühlsysteme nicht erforderlich.

Dadurch sinken sowohl das Brandrisiko als auch die internen Energieverluste. Die geringere technische Komplexität reduziert den Betriebsaufwand über die Lebensdauer des Systems und erleichtert wiederum die Einbindung in kritische Infrastrukturen, indem sie ohne Abstandsregelung übereinandergestapelt oder auch neben sensiblen Anlagen platziert werden können.

Der Verzicht auf aufwendige Kühltechnik wirkt sich dabei unmittelbar auf den Hilfsenergieverbrauch aus. Damit unterstützt das Sicherheitskonzept zugleich das Ziel, eine bereits knappe Anschlussleistung möglichst effizient zu verwenden.

Lange Entladedauer reduziert den Einsatz von Dieselgeneratoren

Aus der Verbindung von langer Entladedauer, geringem Hilfsenergiebedarf und hoher Sicherheit ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für die Notstromarchitektur. Während Lithium-Ionen-Systeme häufig auf die kurzfristige Überbrückung ausgelegt sind, können Zink-Bromid-Großspeicher Energie über viele Stunden bereitstellen.

Abhängig von Dimensionierung, Ladezustand und Redundanzkonzept lassen sich Netzausfälle länger überbrücken. Dadurch können Dieselgeneratoren später zugeschaltet, kürzer betrieben oder bei kürzeren Ausfällen vollständig entlastet werden.

Der reduzierte Dieseleinsatz verbessert jedoch nicht allein die Notstromversorgung, sondern erweitert zugleich die Nutzungsmöglichkeiten des Speichers im Normalbetrieb. Solar- oder Windstrom kann aufgenommen werden, wenn er verfügbar ist, und zu einem späteren Zeitpunkt den Strombedarf des Rechenzentrums decken.

Auf diese Weise verbindet derselbe Batteriespeicher Versorgungssicherheit mit einer stärkeren Nutzung erneuerbarer Energie und senkt zugleich Emissionen sowie die Abhängigkeit von fossiler Notstromtechnik.

Planbare Lebenszykluskosten stärken die Wirtschaftlichkeit

Gerade weil ein Batteriespeicher mehrere betriebliche Aufgaben übernehmen kann, zeigt sich seine Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Vermiedene Leistungsspitzen, eine bessere Nutzung bestehender Netzkapazitäten, der geringe Hilfsenergiebedarf sowie der reduzierte Aufwand für Wartung und Kühlung senken die laufenden Betriebskosten.

Hinzu kommen die langfristig verfügbare Kapazität und die hohe Planbarkeit von Betrieb und Systemleistung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die langfristige Kapazitätsstabilität besondere Bedeutung. Zink-Bromid-Systeme sind auf eine geringe Alterung von lediglich 3,6 Prozent über 25 Jahre ausgelegt und benötigen keine regelmäßige Augmentation im Abstand.

Hinzu kommen der Verzicht auf Kühltechnik sowie ein wartungsarmer Betrieb ohne Elektrolyttausch oder regelmäßiges Nachfüllen. Dadurch bleiben sowohl die nutzbare Kapazität als auch wesentliche Betriebskosten über einen langen Zeitraum kalkulierbar und lassen sich verlässlich in Lebenszyklus- und LCOS-Modelle einbeziehen.

Diese langfristige Planbarkeit entfaltet ihren wirtschaftlichen Wert vor allem dann, wenn der Speicher nicht auf eine einzelne Anwendung beschränkt bleibt. Derselbe Speicher kann Lastspitzen reduzieren, Energie zeitlich verschieben, knappe Netzkapazitäten überbrücken, erneuerbare Erzeugung integrieren und die Notstromversorgung ergänzen.

Je stärker diese Anwendungen miteinander verbunden werden, desto höher ist die Auslastung des Systems und desto mehr betriebliche Vorteile tragen gemeinsam die Investition.

Über den Autor:
Benjamin Henecka skaliert als Gründer und Chief Executive Officer von CAPAC Energy zinkbasierte Groß-Batteriespeichersysteme in der DACH-Region.


Sein Fazit lautet: „Zink-Bromid-Großspeicher gewinnen für Rechenzentren deshalb an Bedeutung, weil sie eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre adressieren:
den steigenden Energiebedarf mit begrenzten Netzkapazitäten, hohen Sicherheitsanforderungen und einer verlässlichen Versorgung in Einklang zu bringen.

Ihre Stärke liegt dabei nicht in einer einzelnen Funktion, sondern in der Fähigkeit, Energie über viele Stunden planbar bereitzustellen und den Betrieb dadurch widerstandsfähiger und flexibler zu machen.
Je stärker Rechenzentren wachsen und je knapper die verfügbare Infrastruktur wird, desto wichtiger werden Speicherlösungen, die diesen Wandel dauerhaft mittragen.“

Bildquelle: CAPAC Energy AG

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