Stargate-Campus in New Mexico: Wie stabil ist der KI-Boom, wenn die Gasleitung stockt? Das Geld fließt schneller als der Strom – Oracle sichert sich die Reißleine

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Erst wird im Silicon Valley über eine Pause bei der KI-Entwicklung diskutiert, nun gerät die Infrastruktur ins Stocken. Oracle sichert sich die Option, Mietzahlungen für ein 18-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum aufzuschieben. Die Warnsignale häufen sich.

Erste Risse im KI-Ausbau: Oracle sichert sich gegen Verzögerung bei 18-Milliarden-Campus ab.(Bild:  ORACLE /Peter Kaminski / CC BY 2.0)
Erste Risse im KI-Ausbau: Oracle sichert sich gegen Verzögerung bei 18-Milliarden-Campus ab.
(Bild: ORACLE /Peter Kaminski / CC BY 2.0)

Oracle gerät mit einem der größten KI-Rechenzentren der USA unter Druck. Für das „Project Jupiter“ in New Mexico hat der Konzern beim Entwickler eine Force-Majeure-Klausel geltend gemacht. Damit will sich Oracle vor Mietzahlungen schützen, falls das Rechenzentrum nicht wie geplant 2028 in Betrieb geht.

Von einem Ausstieg ist noch nicht die Rede. Oracle bleibt Hauptmieter des Projekts. Auch Blue Owl Capital, Eigentümerin des Entwicklers Stack Infrastructure, betont, dass sich an den finanziellen Verpflichtungen der Beteiligten nichts geändert habe. Die Force-Majeure-Mitteilung zielt darauf ab, dass Oracles vertragliche Position für den Fall einer Verzögerung gesichert ist. Oracle selbst erklärt, das Projekt liege weiter im Zeitplan.

Das Project Jupiter ist ein Campus, der im Dona-Ana-County auf rund 570 Hektar (1.400 Acres) entstehen soll. Das Rechenzentrum soll bei Inbetriebnahme eine Leistung von bis zu 2,45 Gigawatt (GW) bereitstellen. Das Projekt ist Teil der Stargate-Initiative.

Das Geld fließt schneller als der Strom

Ursprünglich waren Gaskraftwerke geplant. Diesen Plan haben die Projektpartner verworfen: Nun setzen die Projektpartner auf Brennstoffzellen von Bloom Energy. Doch hierfür wird Erdgas benötigt und dafür braucht es eine Pipeline-Infrastruktur.

Genau hier liegt laut Berichten das Problem: Die Landkommissarin von New Mexico hat im März Wegerechte und einen Gewerbepachtvertrag für einen rund einen Kilometer langen Abschnitt der etwa 27 Kilometer langen Energy-Transfer-Pipeline über Staatsland abgelehnt. Im Juli wies sie auch den Antrag auf Neuprüfung zurück. Energy Transfer kann die Entscheidung im Verwaltungsverfahren anfechten.

Für die geplanten Gigawatt-Rechenzentren braucht es Strom, Netze, Leitungen, Genehmigungen und geeignete Standorte. Verzögert sich nur ein Teil dieser Kette, verschiebt sich der gesamte wirtschaftliche Start eines Projekts.

Es geht um 18 Milliarden Dollar

Für das Project Jupiter wurden Kredite über rund 18 Milliarden Dollar aufgenommen. Laut Financial Times wurden die Kredite zuletzt mit Kursen von 89 bis 91 Cent je Dollar quotiert. Nach Ausführungen der Financial Times hatten Banken Schwierigkeiten, die Schulden an weitere Investoren weiterzureichen. Banken, darunter Santander und Jefferies, hatten demnach Schwierigkeiten, die Schulden an weitere Investoren weiterzureichen, und saßen auf mehr davon als geplant.

Hier kommt die Mietfrage ins Spiel: Der Entwickler braucht die Einnahmen aus dem Vertrag mit Oracle für die Finanzierung des Campus. Geht das Rechenzentrum später als geplant ans Netz, verschiebt sich auch der Zeitpunkt, zu dem die Einnahmen tatsächlich fließen.

Was hier passiert ist kein Austritt Oracles, sondern die Absicherung für den Ernstfall:

Die Force-Majeure-Mitteilung bedeutet nicht, dass Oracle von seinen Verpflichtungen befreit ist. Sondern die Möglichkeit im Notfall die Reißleine zu ziehen. Denn ob und in welchem Umfang die Klausel greift, hängt von den vertraglichen Bedingungen und den konkreten Umständen der Verzögerung ab.

Dazu kommt Oracles eigene Finanzlage. Der Konzern hat für den KI-Ausbau hohe Schulden aufgenommen. S&P stufte Oracle im Juli auf BBB herab. Das ist die niedrigste Stufe im Investment-Grade-Bereich.

Der Abschlag auf die Jupiter-Kredite spiegelt daher laut Financial Times die Sorge um Oracles steigende Verschuldung wider.

Ein Projekt, ein Muster?

Der KI-Ausbau basiert auf der Erwartung, dass immer mehr Rechenleistung benötigt wird. Weltweit wird um die Wette gebaut und es werden enorme Summen in Hardware, Stromversorgung und Standorte investiert.

Nach dem initialen Hype kommt nun ein Finanzierungsstau: Bei Project Jupiter treffen hohe Investitionen, verzögerte Infrastruktur und die nun steigende Skepsis der Kreditgeber aufeinander.

Bekommt man im Silicon Valley kalte Füße?

Im Silicon Valley warnen einzelne Tech-Größen, die KI-Entwicklung gehe zu schnell und könne die Menschheit gefährden. Donald Trump hat mit Xi Jinping über KI gesprochen. Eine Pause gibt es nicht: Die USA wollen ihre KI-Anstrengungen nicht bremsen.

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Soweit zur Theorie. In New Mexico treffen wir auf die Praxis: Wie schnell kann die Infrastruktur tatsächlich gebaut und finanziert werden?

Project Jupiter liefert darauf bislang keine Antwort. Das Projekt ist weder abgesagt noch steht die KI-Nachfrage plötzlich vor dem Ende. Aber ein 18-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum, dessen Stromversorgung stockt und dessen Finanzierung bereits mit Abschlägen gehandelt wird, zeigt, wo die Grenzen des KI-Booms sichtbar werden können.

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