Planung, Energieeffizienz und Förderung Rechenzentren und ihre oft ungenutzten Förderpotenziale

Ein Gastbeitrag von Mirko Twards und Alexander Schmidt* 6 min Lesedauer

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Rechenzentren müssen immer höhere Anforderungen an Effizienz, Energieversorgung und Wärmenutzung erfüllen. Wer die technische Planung und die Förderstrategie miteinander verbindet, kann Investitionskosten senken und den Energieverbrauch reduzieren.

Zwischen gesetzlichen Vorgaben, technischen Anforderungen und verfügbaren Netzanschlüssen stellt sich auch die Frage: Ist mein Rechenzentrum förderfähig?(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Zwischen gesetzlichen Vorgaben, technischen Anforderungen und verfügbaren Netzanschlüssen stellt sich auch die Frage: Ist mein Rechenzentrum förderfähig?
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Im Jahr 2025 benötigten Rechenzentren in Deutschland schätzungsweise 21,3 Milliarden Kilowattstunden Strom. Rund zwei Drittel davon entfielen auf Server, Speicher und Netzwerktechnik. Das übrige Drittel lässt sich vor allem auf Kühlung, Stromverteilung und die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) zurückführen. In aktuellen Prognosen lässt sich erahnen, dass der Strombedarf für Rechenzentren weiter ansteigen wird.

Regulierung erhöht den Planungsdruck und das Mitdenken

Die europäische Digitalstrategie verfolgt das Ziel, Rechenzentren bis spätestens zum Jahr 2030 klimaneutral, energieeffizient und nachhaltig zu betreiben. Ganz Deutschland soll nach dem Klimaschutzgesetz bis zum Jahr 2045 die Netto-Treibhausgasneutralität erreichen. Konkrete Anforderungen an Rechenzentren ergeben sich unter anderem aus dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG).

Laut EnEfG muss jedes neu gebaute Rechenzentrum, das nach dem 01.07 2026 in Betrieb geht, einen PUE (Power Usage Effectiveness) von gleich oder kleiner als 1,2 erreichen. Zudem besteht die Pflicht mindestens 10 Prozent der Energie beziehungsweise Abwärme wiederzuverwenden und 50 Prozent des Stromverbrauchs bilanziell aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Die Bundesregierung hat hierzu vor Kurzem eine EnEfG-Novelle beschlossen, die sich aktuell im Gesetzgebungsverfahren befindet (Stand 18.08 2026). Es ist davon auszugehen, dass die aktuell einzuhaltenden Pflichten bei den PUE-Vorgaben etwas aufgelockert werden.

Dies lässt zum einen die Erbauer und Betreiber der Rechenzentren aufatmen und bietet zum anderen einen neuen Spielraum für die Inanspruchnahme von Fördermitteln. Dennoch bleibt das Staffelverfahren, was die Anforderungen an Rechenzentren von Jahr zu Jahr erhöht, voraussichtlich weiter bestehen. Aus diesem Grund ist nun ein Mitdenken gefragt.

Ein Rechenzentrum, viele Investitions- und Förderbausteine

Ein Rechenzentrum besteht aus vielen unterschiedlichen Komponenten (Gebäude, Stromverteilung und USV, Kälteerzeugung und Rückkühlung, Pumpen und Ventilatoren, Regelungstechnik sowie Anlagen zur Wärmeauskopplung), die diverse Einspar- und Förderpotentiale bieten. Je nach Programm steht die betriebliche Gesamtinvestition oder nur der Teil im Mittelpunkt, der nachweisbar Energie und Treibhausgase einspart. Hierbei ist es wichtig diese frühzeitig und bereits während der Planungsphase mit einzubeziehen und aufeinander abzustimmen.

Die Antragstellung für eine Förderung muss in der Regel vor dem eigentlichen Projektbeginn erfolgen. In einigen Fällen darf erst mit dem Projekt begonnen werden, wenn ein Zuwendungsbescheid vorliegt, da sich dies sonst negativ auf die Förderung auswirkt.

Warum der PUE-Wert allein nicht für die Förderung ausreicht

Ein Förderansatz ist es, besonders energieeffiziente Anlagen, die eine CO2-Einsparung im Vergleich zu einem marktüblichen Referenzsystem darstellen, in eine Förderung für Energieeffizienz mit aufzunehmen. Einen ersten ausschlaggebenden Indikator dafür stellt der PUE dar.

Dieser gibt eine grobe Orientierung über die Energieeffizienz eines Rechenzentrums, da er den gesamten Energiebedarf eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energiebedarf der IT setzt.

Der PUE-Wert ist die gesetzliche Vorgabe. Sobald der PUE einen kleineren Wert als die gesetzliche Vorgabe aufweist (etwa 1,19) und somit eine Energie- und CO2-Einsparung zur Folge hat, ist das RZ prinzipiell förderfähig. Dies ist in der Regel oft gegeben, wenn das Rechenzentrum mit Wasser (Direct Liquid Cooling – DLC), statt mit Luft gekühlt wird. Auch die Umrüstung oder Erstinvestition in ein Direct-to-Chip-System oder ein hybrides Verfahren ist für die Förderung relevant.

Im nächsten Schritt gilt es zu prüfen, wie viel CO2 das energieeffiziente Rechenzentrum im Vergleich zu einem ähnlich großen Rechenzentrum mit identischer Leistung und einem PUE von 1,2 einspart. Auch die außerbetriebliche Abwärmenutzung, die über die geforderten Grenzwerte des EnEfG hinausgeht, entscheidet über die Förderhöhe eines Projekts und birgt einen großen Hebel.

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Das Gesamtkonzept und die Förderstrategie sind entscheidend

Je nach Umfang, voraussichtlichem Einsparpotenzial und der angestrebten Finanzierungsstruktur des Projekts stehen unterschiedliche Förderprogramme zur Verfügung. Diese erstrecken sich über einfachen zinsgünstige Kredite, Krediten mit Tilgungszuschuss (beispielsweise KfW – Kredit Nr. 295) oder nicht rückzahlbare Zuschüsse (wie BAFA – Energie- & Ressourceneffizienz in der Wirtschaft – Modul 4).

Projekte mit einem besonders hohem Einsparpotenzial haben sogar die Möglichkeit ihre Zuschusshöhe frei zu wählen. In einem Wettbewerb (Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft – Wettbewerb), bei dem man sich unter anderen Wettbewerbsteilnehmern durchsetzen muss, ist eine Förderhöhe von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten möglich. Hierbei entscheidet insbesondere das Verhältnis zwischen potenzieller CO2-Einsparung und der beantragten Fördersumme.

Augen auf bei der Standortwahl

Bei Rechenzentren ist insbesondere die Standortwahl ein zentraler Faktor für die Wirtschaftlichkeit. Neben einem ausreichend großen Grundstück sind vor allem Netzanschlussleistung, Glasfaseranbindung und langfristige Stromkosten ausschlaggebend.

Aus Fördergesichtspunkten sollte zudem geprüft werden, ob sich geeignete Wärmeabnehmer wie Wärmenetze oder Industrieunternehmen in der Nähe befinden. Eine außerbetriebliche Abwärmenutzung kann zusätzliche Energie- und CO2-Einsparungen ermöglichen und damit die Förderfähigkeit von Effizienzmaßnahmen verbessern.

Auch die regionale Lage des Grundstücks kann die Förderstrategie beeinflussen. Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) unterstützt betriebliche Investitionen in ausgewiesenen strukturschwachen Regionen.

Entscheidend ist dabei die konkrete Lage innerhalb der GRW-Fördergebietskarte. So liegen beispielsweise viele Regionen in Ostdeutschland wie Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern in höher geförderten C-Fördergebieten mit möglichen Förderhöchstsätzen von bis zu rund 30–40 Prozent.

In westdeutschen Strukturwandelregionen wie Teilen des Ruhrgebiets, des Saarlands oder in ausgewählten Gebieten in Niedersachsen und Bayern bewegen sich die Förderquoten häufig eher etwas niedriger im Bereich von etwa 10–25 Prozent. Auch innerhalb eines Bundeslandes können sich Förderquoten unterscheiden. Entscheidend dafür ist unter anderem die Unternehmensgröße.

Das Wichtigste zusammengefasst

Über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus ist Energieeffizienz bei Rechenzentren heute in vielen Bereichen noch eine freiwillige Entscheidung. Die aktuell geltenden Vorgaben lassen sich mit marktüblicher Technik grundsätzlich erfüllen. Wer jedoch bewusst effizienter plant, dadurch zusätzliche Energie- und CO2-Einsparungen erreicht und die wirtschaftlichen Einsparungen bereits jetzt für sich nutzt, schafft einen möglichen Ansatzpunkt für eine Förderung.

Genau dieser Spielraum dürfte sich in den kommenden Jahren stark verschlanken. Mit den bestehenden Klimaschutzzielen steigen ebenfalls die Anforderungen an Energieeffizienz, niedrige PUE und umfangreiche Abwärmenutzung. Der heutige Stand der Technik ist demnach die Ineffizienz von morgen. Damit wird es zunehmend schwieriger Zuschüsse für energieeffiziente Lösungen seitens des Bundes und der Länder in Anspruch zu nehmen.

Aus diesem Grund ist bereits heute ein Mitdenken gefragt. Wer in den kommenden Jahren Investitionen in Kühlung, Energieversorgung oder Abwärmenutzung plant, sollte prüfen, ob eine frühere Umsetzung sinnvoll sein kann. Die Gesamtstrategie ist dabei entscheidend.

Investitionen, die später ohnehin notwendig werden, können heute möglicherweise noch mit einer Förderung kombiniert werden und somit wirtschaftlich einen attraktiveren Case darstellen. Erbauer von Rechenzentren sollten demnach frühzeitig prüfen, ob und in welchem Umfang eine Förderung für ihr Projekt infrage kommt.

Über die Autoren:
Das Autorenduo besteht aus Mirko Twardy (Geschäftsführer der Fördercafé GmbH) und Alexander Schmidt (Funding & Energy Consultant).

Ihr Kerngeschäft befasst sich mit der Identifizierung und Ausgestaltung von Förderpotenzialen bei Rechenzentren, energieintensiven Unternehmen und KMUs.

Ihr Fazit lautet: „Ein wirtschaftlich und energieeffizient geplantes Rechenzentrum entsteht dann, wenn technische Auslegung, Standortwahl und Förderstrategie von Beginn an zusammengedacht werden.

Gerade weil die gesetzlichen Anforderungen an Energieeffizienz und Abwärmenutzung in Zukunft weiter steigen, sollten geplante Investitionen frühzeitig auf ihre Förderfähigkeit geprüft werden. Entscheidend ist daher, vorhandene Förderpotenziale rechtzeitig zu erkennen und in die Gesamtplanung des Rechenzentrums sinnvoll zu integrieren.“

Bildquelle: Fördercafé GmbH und Funding & Energy Consultant

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