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Studie von Cushman-Wakefield Die besten Datacenter-Standorte weltweit

| Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Wo befinden sich die besten Lokationen für Datacenter-Neubauten oder -Erweiterungen weltweit? Das ermittelte eine aktuelle Studie des US-amerikanischen Gewerbe-Immobilien-Beratungsunternehmens Cushman-Wakefield.

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Die günstigsten Rechenzentrumsstandorte befinden sich weiterhin in den USA
Die günstigsten Rechenzentrumsstandorte befinden sich weiterhin in den USA
(Bild: Cushman&Wakefield)

In den vergangenen zehn Jahren wurden laut des US-Immobilienberatungsunternehmens Cushman-Wakefield weltweit 100 Milliarden Dollar in Rechenzentren investiert. Und die Investitionen in Cloud Computing wachsen ungebremst weiter. Sie ziehen Investitionen in neue Rechenzentren nach sich. Dabei sind die einzelnen Co-Location- oder Public-Cloud-Rechenzentren heute oft sehr viel größer als in den Nuller-Jahren: Ausbaustufen von 30 Megawatt (MW) sind keine Seltenheit.

Das Wachstum bei Rechenzentren wird durch den wachsenden Cloud-Markt in Gang gehalten
Das Wachstum bei Rechenzentren wird durch den wachsenden Cloud-Markt in Gang gehalten
(Bild: Gartner/Cushman&Wakefield)

Am Edge entsteht eine neue Datacenter-Infrastruktur

Zudem wird am Netzwerkrand („Edge“) in den kommenden Jahren eine komplett neue Datacenter-Infrastruktur entstehen. Denn die strengen Latenzanforderungen von Anwendungen wie dem autonomen Fahren, Smart Grid und anderem mehr lassen einfach keine andere Möglichkeit.

Doch wo versprechen Investitionen in Co-Location- und Dienstleistungsrechenzentren den größten Gewinn?

  • Das wird von vielen Faktoren beeinflusst:
  • Wer bietet die günstigsten Steuerbedingungen?
  • Wo sind Strom und Grund preiswert zu haben? Ist auch erneuerbare Energie verfügbar?
  • Gibt es Rechtssicherheit?

US-Standorte sind überrepräsentiert

Mit der Bewertung von 38 Rechenzentrums-Standorten aus aller Welt befasst sich die Cushman-Wakefield-Studie. Entstanden ist ein Ranking, in das diese und eine Reihe mehr an Faktoren einbezogen wurden. Das Ranking sei, so das Unternehmen, bislang einmalig.

In die Bewertung sind Daten über 1.126 Rechenzentren weltweit aus 30 wissenschaftlichen Quellen eingeflossen. Welche es waren, erfahren die Leser nicht.

Die Studie bezieht insgesamt 19 Standorte aus USA und Kanada ein, aber nur neun aus Asien. Das entspricht nicht der zukünftigen Bedeutung dieser bevölkerungsreichen und aufstrebenden Region.

Afrika (mit seinem rasantem Bevölkerungswachstum) ist nur mit einem Standort (Johannesburg) vertreten, ebenso Südamerika. Immerhin befinden sich neun Rechenzentrumsstandorte in der EU, die es in Studienauswahl schafften, darunter Frankfurt, München und Zürich aus dem deutschsprachigen Raum.

Bewertungsfaktoren und ihre Gewichtung

Eingeteilt sind die Bewertungen in drei Bereiche: physische Gegebenheiten sowie Grund und Boden, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Politik und Regulierung. Innerhalb dieser Kriterien gab es unterschiedlich gewichtete (hoch, mittel, gering) Unterkriterien.

Das erste Kriterienbündel (in Klammern jeweils die Gewichtung des Teilbereichs) umfasste Teilbereiche wie die Datacenter-Entwicklungspipeline (mittel), Umweltrisiken (gering), Bodenpreis (gering) und Leerstandsrate (mittel).

Die bewerteten deutschen Standorte haben eine Leerstandsrate von 20 Prozent
Die bewerteten deutschen Standorte haben eine Leerstandsrate von 20 Prozent
(Bild: Cushman&Wakefield)

Unter dem Oberbegriff wirtschaftliche Rahmenbedingungen wurden die Kriterien Hyperscaler-Anbindung (hoch), ausreichende Glasfaser-Connectivity (hoch), Marktvolumen (hoch) und die Verfügbarkeit Kohlendioxid-freier Energiequellen (mittel) zusammengefasst. Der Oberbegriff politisches und regulatorisches Umfeld bündelte die Teilthemen finanzielle Anreize (mittel), politische Stabilität (mittel), Stromkosten (niedrig), Steuern (mittel).

Klimawandel-Risiken nur teilweise berücksichtigt

Es fällt auf, dass mit dem Klimawandel assoziierte Risiken nur in Form eines potentiellen Anstiegs des Meeresspiegels erwähnt werden. Dabei erwies sich vor einigen Jahren, als der Süden der USA von einer Jahrhundertdürre heimgesucht wurde, vor allem der hohe Wasserverbrauch der Rechenzentren für die Kühlung als Pferdefuß.

Auch ein erheblicher Anstieg der Außentemperaturen wird offensichtlich von den Autoren der Studie nicht als Risiko betrachtet. Doch findet dieser gerade in den wärmeren Regionen der USA bereits statt und könnte, gepaart mit Wassermangel, sehr wohl zum durch Überhitzung verursachten Rechenzentrumsausfall führen.

Im Ranking liegen US-Regionen ganz vorn

Wer geht nun als Gesamtsieger aus dem Standortwettbewerb hervor? Von den zehn erstplatzierten Standorten befinden sich sieben in den USA. Dazu kommen Singapur (Platz 6), Amsterdam (Platz 7) und London (Platz 10). Auf einer Liste von hoffnungsvollen Datacenter-Standorten, die es nicht nach ganz vorn geschafft haben, taucht als einzige europäische Lokation Dublin auf.

Das liegt natürlich auch daran, wie die einzelnen Kriterien gewichtet wurden. Darüber ließe sich trefflich streiten.

Wo Europa seine Stärken hat ...

Hier soll es bei einem Blick in einzelne der Teilkriterien bleiben, die zeigen, dass europäische Rechenzenrmsmärkte durchaus ihre Stärken haben. Ein Beispiel sind Umweltrisiken wie Fluten, Erdbeben und Stürme. Weil sie davon meist verschont bleiben, stehen Dublin, Madrid und Paris bei diesen Kriterien ganz vorn.

Bei der Verfügbarkeit von Anbindungen an die großen Cloud-Provider liegen Los Angeles, São Paulo und Amsterdam vorn, aber auch Frankfurt/Main, München, London und Paris haben einiges zu bieten. Weil der Rechtsstaat in der Regel funktioniert und es für Datenschutz und Datensicherheit gute Regulierungen gibt – oder jedenfalls bessere als anderswo – werden die „alten“ Demokratien Kanada und EU gelobt, aber auch die Diktatur Singapur und Australien.

… und was sich in Europa ändern müsste

Leider offenbart die Untersuchung auch wieder einmal, wo die größten Probleme des europäischen Datacenter-Markts liegen: Der Platz reicht kaum aus, woran sich kaum etwas ändern dürfte. Das bedeutet, dass Rechenzentren in die Höhe wachsen müssen. Das wiederum erhöht die Baukomplexität und damit die Kosten.

Bei den Stromkosten gehören deutsche Standorte zu den teuersten
Bei den Stromkosten gehören deutsche Standorte zu den teuersten
(Bild: Cushman&Wakefield)

Dazu kommen die vergleichsweise sehr hohen Strompreise (siehe: Abbildung). Hier würde es zumindest an den deutschen Standorten schon helfen, RZ wie große Fabrikationsanlagen unter die Großverbraucher mit Befreiung von einem Teil der Steuern und Abgaben einzuordnen.

Schließlich zeigen sich viele US-Staaten hinsichtlich der Anreizpakete und Steuererleichterungen deutlich großzügiger als die meisten europäischen Standorte. Ausdrücklich erwähnt wird als Ausnahme Paris, wo seit 2019 eine halbierte Stromsteuer bei Großprojekten gilt, zu denen auch Rechenzentren gerechnet werden.

Veranstaltungshinweis: Am 19. März 2020 findet in Offenbach am Main der diesjährige „Heuer Dialog Datencenter“ statt, denn „Datencenter sind die Asset-Klasse für die digitale Zukunft“, heißt es in er Ankündigung des Veranstalters. Heuer Dialog ist seit über 40 Jahren spezialisiert auf Netzwerke in Form von Veranstaltungen und Business Matching für die Immobilienwirtschaft.

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Über den Autor

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

lic.rer.publ. Ariane Rüdiger

Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger