Gut gekühlt, trotzdem leise und individuell gebaut

Der Server-Schrank im Krankenhausbüro

| Autor / Redakteur: Susanne Liewig / Ulrike Ostler

Das System für das Bielefelder Krankenhaus nutzt nun eine "Silence-Rack"-Ausführung, in der Kabel und Kühlmittelschläuche rückwärtig angebracht sind.
Das System für das Bielefelder Krankenhaus nutzt nun eine "Silence-Rack"-Ausführung, in der Kabel und Kühlmittelschläuche rückwärtig angebracht sind. (Bild: IT-Budget)

Racks von der Stange brachten es nicht: Das Bielefelder Krankenhaus Mara beauftragte IT-Budget mit der Fertigung von gekühlten „Silence Rack“- Server-Schränken. Jetzt summt, brummt und rechnet es leise im Mitarbeiterbüro.

Das Krankenhaus Mara im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld gGmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster und Universitätslehrkrankenhaus der Universität Pécs (Ungarn), stand vor einer Herausforderung in der Informationstechnologie, die viele andere Hospitäler auch haben: Im Server-Schrank laufen Spezialanwendungen inklusive Sicherungen, die sinnvollerweise im direkten Zugriff der Mitarbeiter liegen sollten.

Deshalb wurde das Rack in einem Mitarbeiterbüro untergebracht. Entscheidend ist an diesem Standort, dass der Server-Schrank einerseits besonders leise funktioniert und andererseits dennoch gut gekühlt ist. Schließlich sollen die Rechner und Platten nicht durch zu viel Lärm stören, die Schallisolierung darf aber auch nicht zu einer Überhitzung führen.

Das Bielefelder Krankenhaus beauftragte die auf Racks spezialisierte Firma IT-Budget mit der Aufgabe, nachdem klar wurde, dass ein „Fertigschrank“ vom Markt die Anforderungen nicht erfüllen konnte. Als Ausgangsbasis diente ein schallgedämmter Server-Schrank, ein so genanntes „Silence Rack“, der mit einer Klima-Anlage zu einem gekühlten Silence Rack umgestaltet wurde.

Der Drucker ist lauter

Das Ergebnis ist offenbar gelungen, wie Diplomphysiker Markus Mertens vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld bestätigt. Er sagt: „Das klimatisierte Silence Rack von IT-Budget hält tatsächlich, was der Name verspricht: Selbst unter Volllast ist der gekühlte Server-Schrank leiser als unser Drucker.“

Hardware-Experte Christoph Laves, Geschäftsführer der IT-Budget GmbH, setzt hinzu: „Lärm-Server schaden der Gesundheit, führen zu mehr Krankmeldungen und lassen die Produktivität sinken.“ Allein durch den Einsatz eines Lärmschutz für Server lässt sich der Lärmpegel um bis zu 70 Prozent senken. Im Falle des Bielefelder Krankenhauses war es allerdings nicht ganz so einfach, da zusätzlich für eine optimale Kühlung gesorgt werden sollte.

Technisch Anspruchsvolles

IT-Budget hat für das Lehrkrankenhaus ein individuelles System gebaut, um die Anforderungen zu erfüllen. Zum Einsatz kommt ein Silence Rack mit 40 Millimeter Dämmung als Lärmschutz, erweitert um einem 19 Zoll-Kühleinschub für die Temperaturregulierung.

Während der Installation des 19"-Klimagerätes im "Silanece Rack"
Während der Installation des 19"-Klimagerätes im "Silanece Rack" (Bild: IT Budget)

Die Abmessungen sind passend zur Umgebung gewählt: Die minimale Höhe eines klimatisierten Server-Schranks auf Rollen beträgt 18 Höheneinheiten (HE), weil die isolierten Kühlleitungen bei einer kleineren Ausführung den Umluftbetrieb erheblich stören können. Die ideale Breite eines Schranks liegt bei 600 Millimeter, weil damit die Dämmung den Montage-Rahmen im Inneren fast erreicht. Um den Umluftkanal im vorderen Bereich abzudichten, genügt es, schmale Schaumstoffstreifen mit doppelseitigem Klebeband fixiert an den vorderen senkrechten Montageschienen zu befestigen.

Überlegungen vorab

Das Individual-Rack ist bis ins Detail durchdacht, wie sich am Beispiel der Kühlleitungsführung veranschaulichen lässt. Bei einem Server-Schrank auf Rollen sollten die isolierten Kühlleitungen im oberen Bereich herausführen, damit beim Bewegen des Schranks diese Kühlleitungen nicht zufällig überrollt werden. Bei einem fest installierten Silence Rack hingegen sollten die isolierten Kühlleitungen im unteren Bereich herausführen, um den hinteren Bereich des Umluftkanals im klimatisierten Schrank so wenig wie möglich einzuengen.

Seitenansicht aller 19"-Einbauten im "Silence Rack" während der Installation.
Seitenansicht aller 19"-Einbauten im "Silence Rack" während der Installation. (Bild: IT Budget)

Die einzige dauerhafte Öffnung ist einer der möglichen Kabeldurchlässe. Alle anderen Durchbrüche, etwa für Lüfter, sollten nicht herausgebrochen werden. Außerdem sind alle Innenflächen bis auf den Bereich des offenen Kabeldurchlasses durchgängig mit Dämmung zu bekleben.

Wichtig: Der offene Kabeldurchlass muss sowohl mit Schaumstoff als auch mit Kabelbürste abgedeckt werden. Bedingt durch die dicke Isolierung der Kühlleitungen müssen die offenen Stellen des Kabeldurchlasses mit zusätzlichen Schaumstoffteilen abgedichtet werden. Dabei geht es nicht um die Reduzierung der Lautstärke, wie man annehmen könnte, sondern es soll vermieden werden, dass warme Raumluft mit höherer Luftfeuchtigkeit in das klimatisierte Silence Rack eindringt.

Längere Kabel und Schläuche ermöglichen eine komfortable Installation außerhalb der finalen Stellposition.
Längere Kabel und Schläuche ermöglichen eine komfortable Installation außerhalb der finalen Stellposition. (Bild: IT Budget)

Konstante Temperatur und dicke Stränge

Die Kühlleistung wird über einen Taupunktsensor geregelt. Dieser verhindert, dass die Kühltemperatur auf Werte absinkt, bei denen es zur Kondensation von Wasser an den Geräten im Silence Rack kommen kann. Mit dieser Installation wird erreicht, dass die Temperatur innerhalb des gekühlten Racks auch unter Volllast bei 20 Grad mit einer Abweichung von höchstens ±2 Grad liegt.

Die Kabel für Monitor, Tastatur, Netzwerk, USB und mehr wurden auch innerhalb des Server-Schranks mit Kabelwendeln zu dickeren Strängen zusammengefasst, weil dies eine Abdichtung des Kabeldurchlasses mit zusätzlichen Schaumstoffteilen vereinfachte und den hinteren Bereich des Umluftkanals weniger einengt.

„Die Geräuschentwicklung ist tatsächlich sehr gering. Immerhin sitze ich knapp einen halben Meter neben dem klimatisierten Silence Rack“, sagt Mertens vom Evangelischen Krankenhaus Bielefeld.

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