Kompakt, temporeich und gestopft voll mit Informationen Der DataCenter-Day 2021 ‚in echt‘ und virtuell

Autor: Ulrike Ostler

Wer am 21. September noch nichts vorhat, den sollte es nach Würzburg ins „Vogel Convention Center“ ziehen; denn dort findet der „DataCenter & Colocation Day 2021“ statt, selbstredend unter allen gebotenen Sicherheitsvorkehrungen. Wer nicht reisen kann oder will, kann aber auch per Bildschirm dabei sein – nur die After-Event-Cocktails müssen sich die virtuellen Zuschauer:innen selber mixen.

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„The Curve“ mit seiner gebogenen 24 Meter langen Videowand ist villeicht der beliebteste unter den Veranstaltungsräumen im VCC Würzburg; hier finden die „Campfire“ statt.
„The Curve“ mit seiner gebogenen 24 Meter langen Videowand ist villeicht der beliebteste unter den Veranstaltungsräumen im VCC Würzburg; hier finden die „Campfire“ statt.
(Bild: Vogel Communications)

Bereits ab 8:00 Uhr ist Einlass und um 9:15 Uhr eröffnet Hartwig Bazzanella, Vorstand des Vereins Innovative Rechenzentren, Virz e.V., den Vortragsreigen. Das Thema seiner Keynote: „Vom Co-Location Datacenter über `Alles-as-a-Service´ mit einer HCI bis zum HPC und Quanten-Computing – wohin geht die Reise und was muss jetzt passieren?“ Die Zuschauer dürfen sich auf einen rasanten Ritt mit unerwarteten Perspektiven durch die aktuellen Entwicklungen freuen, die Einfluss auf die Rechenzentrumsgestaltung nehmen – von der IT bis zu Betriebsmodellen. Unter anderem lautet die These: „Die Zukunft gehört den Quantencomputern“, um diese gleich einmal in Frage zu stellen: „Doch was heißt das für uns?“

Mit drei parallelen Tracks geht es weiter: Besucher können Stefan Rohrmoser von Eaton und seinem Thema „Buildings as a Grid“ folgen, Juan Pablo Ayala von Fujitsu und seinem Vortrag „Wer wartet, wird verlieren! Wie Daten- und Datacenter-Architekturen das Business beflügeln“ oder sich dem Campfire mit Ulrich Terrahe anschließen.

Dieses Format ist eine Diskussionsrunde an keinem echten, aber echt wirkendem Lagerfeuer. Es geht locker zu, wenn der Geschäftsführer DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG. ernste Themen anschneidet, zum Beispiel wie mit dem gesellschaftlichen und politischen Druck umgegangen werden soll, der auf die Rechenzentrumsbranche angesichts des enormen Strombedarfs ausgeübt wird oder auch wie mit der zunehmenden Leistungsdichte im Whitespace zu reagieren ist.

Vielleicht hat ja Sven Spitzley von Huawei die Antwort parat; In seinem Vortrag geht es um die Nutzung von Sonnenenergie für Hybrid Edge-Rechenzentren. Wie „Multicloud richtig geht – nämlich unter Einsatz von „Microsoft Azure“ und der „Oracle Cloud“ will Jessica Steger von Logicalis in ihrem parallel dazu stattfindenden Vortrag verraten.

Die zweite Keynote des Tages hält Axel Köster. Er ist Chief Technologist, European Storage Competence Center bei IBM. Sein Vortragsthema lautet „Die Zukunft der ‚hybrid cloud‘ Datacenter: Das Ende der VM, wie wir sie kennen?“ Es geht um Containerisierung und erhöhte Sicherheit.

Ein den wiederholten Besuchern des DataCenter Day schon bekanntes erfolgreiches Gespann: Corning Optical Communications und Arista Networks, dieses Mal vertreten von Frank Weismüller aus der Ecke passiver Netzwerktechnik und Detlev Knierim. Unter anderem befindet sich 400 G in ihrem Köcher beziehungsweise die Fragen Brauche ich das? Hilft mir das, die Kosten zu senken?

Kosten, beziehungsweise Kostenkontrolle, stehen zeitgleich dazu auch bei Martin Herrmann von Hewlett-Packard Enterprise auf der Agenda: „Cloud Dienste aus dem eigenen Rechenzentrum“ ist mit Sicherheit ein Aspekt, dem sich viele Unternehmen stellen und sein Vortragstitel.

Wer gerne mit Bèla Waldhauser, Chef des Co-Location-Anbieters KDDI Deutschland, und Leiter des Arbeitskreises „Kompetenzgruppe Datacenter & Infrastructure“ beim Branchenverband Eco e.V. in den Diskurs einsteigen möchte, sollte sich dem zweiten Campfire anschließen. Ihn bewegt derzeit die Nutzung des Wärmeüberschusses aus dem Rechenzentren für Wärmenetze, für Büros, Gewächshäuser, …. Wo liegt das Potenzial? Was macht das Ausland anders? Und welches Umfeld braucht die Abwärmenutzung in den kommenden Jahren?

Neu auf dem DataCenter Day sind die „Elevator Pitches“. In 20 Minuten präsentieren:

  • 1. Christopher Jestädt, Schneider Electric GmbH: „Sustainable Modular Data Center powerd by SE/MaxBögl“
  • 2. Roland Haas, Stäubli International A:, „Direct Liquid Cooling - wie Datacenter von HPC - Lösungen profitieren können“
  • 3. Andreas Broos, Apranet: „Co-Location oder Micro Datacenter? Highend oder individuelle, kundenorientierte Lösungen?“
  • 4. Patrick Olma, Olmaticc: „Kostentreiber Lastspitze - Wie können Lastspitzen automatisch über den gezielten Einsatz von regenerativen Energieträgern reduziert werden?“

Zu den Highlights des diesjährigen DataCenter Day dürften die Keynotes von Staffan Revemann und Tor Minde zählen. Revemann referiert zur Frage: „Energiepolitik und digitale Infrastrukturen – droht ein Moratorium?“ Eloquent weist er seit Jahren auf ein offensichtliches und dennoch verdrängtes Dilemma hin: Wachsender Bedarf an Strom, grünem Strom durch mehr, größeren und dichter gepackte Rechenzentren und dem Mangel an fossilfreiem Strom, beziehungsweise fehlenden Speichern. Doch jetzt wird es langsam kritisch:

  • Durch den Green Deal bis 2030 - wo soll der Strom dafür fossilfrei herkommen?
  • Data Gravity und Fliehkräfte
  • Ist Wasserstoff die Lösung?

Tor Minde ist derzeit Direktor von Rise ICE Datacenter, einem Industrieforschungsinstitut mit Sitz in Luleå, Nordschweden - dort wo auch das Facebook-Rechenzentrum angesiedelt ist -, das sich auf Rechenzentren konzentriert. Davor war er Leiter der Forschungsstrategien bei Ericsson Research und verfügt insgesamt über 35 Jahre Erfahrung bei dem Telekommunikationsausrüster. Außerdem hat er eine außerordentliche Professur für Signalverarbeitung an der Technischen Universität Lulea inne. In jüngster Zeit lag sein Hauptaugenmerk auf groß angelegten Cloud-, Edge-, KI- und Big-Data-Infrastrukturen.

Im vergangenen Jahr sorgte er für Furore als er die These aufstellte, dass der Datacenter-Boom noch etwa zehn Jahre andauern könnte, danach aber abflachte, weil andere Hardware Rechenzentren jetziger Bauweisen erübrigten. In diesem Jahr beschäftigt sich sein englischsprachiger Vortrag mit den Auswirkungen von 5G und 6G auf die Recheninfrastruktur, den Anwendungsfällen des Network Edge Computing sowie mit Technologien, die für die Zukunft der verteilten IT-Infrastruktur benötigt werden.

Auf die zeitgleich stattfindenden Vorträge folgen die von Christian Kallenbach, Datacenter One, und Matthias Reidans, Rosenberger OSI: Kallenbach erläutert, wie sich Rechenzentren in Rekordzeit errichten lassen und Reidans setzt sich mit der „Regulierungs-Lawine Kritis V sowie B3S“ auseinander.

Den nachfolgenden Vortrag „Wie flexibel wächst Ihr Rechenzentrum? Das Potenzial modularer Power-Systeme“ hält Avni Emerson von Vertiv. Im 3. Campfire geht es um „mehr Umweltschutz in der digitalen Zukunft“, er wird von Marina Köhn aus dem Umweltbundesamt (UBA) geleitet. Aus der Vergangenheit haben sich lebhafte und spannende Diskussionen entsponnen, wenn die Ideen aus dem UBA auf gelebte Praxis und Ideen aus dem Datacenter-Markt insbesondere von Co-Location-Anbietern trafen. Und das UBA hat einiges mehr als den „Blauen Engel“ für Rechenzentren und Co-Location in petto; geplant ist etwa ein Co-Location-Register.

#endlichwiederlive: Der DataCenter Day 2021 am 21. September findet hybrid statt - im VCC Würzburg und virtuell.
#endlichwiederlive: Der DataCenter Day 2021 am 21. September findet hybrid statt - im VCC Würzburg und virtuell.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Regelmäßige Leser von DataCenter-Insider wissen, dass es seit diesem Frühjahr einen eigenen Quantencomputer-Newsletter gibt, der die vom Portal veröffentlichten News und Fachartikel noch einmal zusammenfasst. Hersteller Atos stellt einen Quantencomputer-Simulator her, mit dem sich Anwendungen für diese neue Art des Rechnens entwickeln lassen, ohne einen Quantencomputer zu nutzen. Jan Wender, Atos Science+Computing, widmet seinen Vortrag der Frage: „Quantencomputing, das hat doch noch 10 Jahre Zeit?“

Joachim Faulhaber ist der Experte von der TÜV Informationstechnik GmbH, wenn es um Zertifizierungen fürs Rechenzentrum geht. Sein Thema im 4. Campfire: „Hand aufs Herz: Ist die EN50600 für Zertifizierungen wirklich geeignet?“ Und seine Frage zu Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit ist quasi ein Praxistest; sie lautet: „Bewegt sich wirklich etwas?“

Das Mega-Rechenzentrum in Hanau

Stromversorgung, Nachhaltigkeit, Mega-Datacenter, Standortfragen, Planung …. Das alles kumuliert in dem Datacenter-Projekt, das in diesem Jahr bisher für die meiste Aufmerksamkeit gesorgt hat: Das 180-Megawatt-Rechenzentrum in Hanau. Sehr cool ist, dass Alexander Hauser, Projektleiter bei TTSP/HWP, einer der Planer, von dem Projekt berichten kann. Sein Vortragspaket lautet „Hyperscale-Dimensionen, Kritik und grüne Pläne.“. Er streift:

  • Nachhaltigkeitsaspekte bei Rechenzentren
  • Grenzen der Nachhaltigkeit im Bereich > 100 MW
  • Die Lösungsansätze in Hanau und generelle Wege

Ebenfalls ein Riesenprojekt, nur in Norwegen: Ein fünfstöckiges Stollensystem mit 75 Kammern bietet 120.000 Quadratmeter Platz für eine Infrastruktur, deren potenzielle Gesamtkapazität 200 Megawatt betragen soll. Der Referent Andreas Herden, Lefdal Mine Datacenter, stellt das Ganze vor: Kühlung, Kammern, Konzept.

Den Abschluss, ab etwa 16:45 Uhr bildet das „Get Together auf der Piazza“: Die Vogel IT-Akademie lädt ein, den Tag gemeinsam auf einer „Piazza“ ausklingen zu lassen - inklusive Cocktails. Wir sehen uns #endlichwiederlive.

Ergänzendes zum Thema
Infos zum DataCenter & Colocation Day 2021

Im vergangenen Jahr gab es für die Präsenzveranstaltung aufgrund der Abstandsregeln nur sehr limitiert Plätze; in diesen Jahr sind noch welche zu erhaschen, obwohl die Zahl der Anmeldung die 200er Marke schon überschritten hat. Wer online dabei sein will, kann sich fast bis zur letzten Minute registrieren.

Hie geht es zur Anmeldung

Egal ob virtuell oder vor Ort - die Kosten für ein Ticket betragen 190,- Euro - es sein denn, der Besucher, die Besucherin konnte ein VIP-Ticket ergattern.

Wer mehr über die einzelnen Sprecher oder ihre Beiträge erfahren möchte, kann sich die Informationen auf der Agenda zu Gemüte führen.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider