Die umweltfreundliche OpenStack-Cloud aus Frankfurt

Cloud&Heat übernimmt ehemaliges Rechenzentrum der EZB in Frankfurt

| Redakteur: Ulrike Ostler

Das ehemalige EZB-Rechenzentrum im Eurotheum, Frankfurt a. M., hat mit Cloud&Heat einen neuen Hauherren.
Das ehemalige EZB-Rechenzentrum im Eurotheum, Frankfurt a. M., hat mit Cloud&Heat einen neuen Hauherren. (Bild: gemeinfrei: Donald24/ https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6706008 / CC0)

In Dresden betreibt Cloud&Heat das derzeit vielleicht Energie-effizienteste Rechenzentrum überhaupt. Die zugrundeliegende, mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis mehrfach ausgezeichnete und patentierte Technik wird ab Herbst 2017 auch im Gebäudekomplex Eurotheum eingesetzt und ans Netz gehen.

Auf den freigewordenen Rechenzentrumsflächen von insgesamt 640 Quadratmetern der Europäischen Zentralbank (EZB) installiert Cloud&Heat eigene Server, um so den wachsenden Bedarf nach Cloud-Server-Kapazitäten zu decken.

Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom setzten 2016 bereits zwei von drei deutschen Firmen ab 20 Mitarbeitern auf Cloud Computing. In der Finanzmetropole Frankfurt wird besonders viel Rechenkapazität benötigt, entsprechend gilt die Mainmetropole mit mehreren Dutzend Rechenzentren als die Datacenter-Hauptstadt Deutschlands.

Allerdings verbraucht jedes von ihnen nach Berechnungen des Energieversorgers Mainova durchschnittlich so viel Strom wie eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern, alle zusammen mehr als der Frankfurter Flughafen, rund 23 Prozent des Energiebedarfs. Stromfresser ist dabei vor allem das Energie-intensive Herunterkühlen der Rechner.

Das Energie-effiziente Abwärmekonzept

Die Cloud&Heat Technologies GmbH hat eine Technik entwickelt, bei der bis zu 90 Prozent der Server-Abwärme für den Heißwasserkreislauf von Gebäuden nutzbar gemacht wird. Dies ermöglicht deutliche Kosteneinsparungen und eine Verbesserung der CO2-Bilanz. Die Technik wird ab Herbst 2017 auch im Gebäudekomplex Eurotheum eingesetzt und ans Netz gehen, denn das Dresdner Start-up übernimmt das ehemalige Rechenzentrum der EZB in Frankfurt.

Die Räumlichkeiten in der ehemaligen EZB bieten auf zwei Etagen Platz für insgesamt 84 Server-Schränke, die mit leistungsfähigen Computer- und Storage-Einheiten bestückt sind. Bei vollem Ausbau produzieren die Server auf jeder Etage bis zu 300 Kilowatt Abwärme, die dank hocheffizientem Direktkühlsystem verlustarm von den Wärmehotspots aufgenommen und abtransportiert wird.

Ergänzendes zum Thema
 
Über das Energiereferat und den Masterplan der Stadt Frankfurt

Dr. Jens Struckmeier, CTO und Gründer von Cloud&Heat, zeigt einen Teil der Technik, die hinter der Abwärmenutzung steckt.
Dr. Jens Struckmeier, CTO und Gründer von Cloud&Heat, zeigt einen Teil der Technik, die hinter der Abwärmenutzung steckt. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Die Abwärme wird direkt vor Ort zum Beheizen der ansässigen Büro- und Konferenzräume, Hotellerie und Gastronomie genutzt. Durch Einspeisung der Abwärme in den Wärmekreislauf des Gebäudes kann das Eurotheum pro Jahr bis zu 40.000 Euro an Heizenergie sparen – das entspricht einer Heizleistung für umgerechnet 150 Niedrigenergiehäuser.

Zusätzlich werden etwa 30.000 Euro pro Jahr an Kühlkosten durch das direkte, verlustarme Kühlen der Server eingespart. Perspektivisch soll die Abwärmenutzung durch die Installation weiterer Server-Racks im Untergeschoss gesteigert werden.

Der „Masterplan 100% Klimaschutz“ der Stadt Frankfurt am Main

Das Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main begrüßt das Energie- und IT-Konzept für die Revitalisierung des Eurotheums: Denn im Rahmen des „Masterplan 100% Klimaschutz“ hat sich die Stadt Frankfurt am Main dem Ziel verschrieben, bis zum Jahr 2050 den Energiebedarf um die Hälfte zu reduzieren. Gleichzeitig sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um mindestens 95 Prozent reduziert werden. Referatsleiterin Wiebke Fiebig kommentiert: „Energie-effiziente Konzepte wie das von Cloud&Heat unterstützen die Stadt Frankfurt am Main dabei.“

Derzeit arbeitet das Energiereferat an dem Entwurf eines Abwärmekatasters: Es soll abbilden, wo in der Stadt industrielle Abwärme anfällt. Auf der Grundlage des Katasters sollen lokale Nutzungskonzepte der Abwärme ermöglicht werden. Insbesondere Rechenzentren mit ihrem hohen Stromverbrauch stehen dabei im besonderen Interesse der Stadt.

Über Cloud&Heat

Cloud&Heat bietet maßgeschneiderte Private- und Public-Cloud-Lösungen basierend auf wassergekühlter Hardware und „powered by OpenStack“. So will das Unternehmen höchsten Anforderungen an Ausfall-, Daten- und Prozesssicherheit gerecht werden.

Die Rohre zum Kühlen der IT und die Rohre, die zur Warmwasserheizung werden, sind gut erkennbar.
Die Rohre zum Kühlen der IT und die Rohre, die zur Warmwasserheizung werden, sind gut erkennbar. (Bild: Ulrike Ostler/ Vogel IT-Medien GmbH)

Dank eines innovativen Heißwasserkühlsystems macht Cloud&Heat die entstehende Server-Abwärme zum Beheizen der Büro und Geschäftsräume seiner Kunden nutzbar. Dies führt zu einzigartig niedrigen Energiewerten und zur Reduzierung der operativen Kosten um bis zu 50 Prozent. Mit einem Power Usage Effectiveness-Wert (PUE) von 1,014 hält Cloud&Heat weltweit eigenen Angaben zufolge einen Rekord.

PUE beschreibt das Verhältnis zwischen Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums zu der aufgenommenen elektrischen Energie der IT-Hardware. Je näher der Wert bei Eins liegt, desto geringer ist der Energie-Mehrverbrauch.

Innovationen im RZ-Bau und beim Cloud-Providing

Das Know-how im Betrieb von Rechenzentren und OpenStack gibt Cloud&Heat an seine Kunden weiter: vom Bau schlüsselfertiger, skalierbarer Rechenzentren über den Betrieb und die Wartung der Soft- und Hardware bis hin zu Schulungen und Consulting zu individuellen OpenStack-Projekten.

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Der Cloud-Anbieter voller Energie

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11.05.16 - Eine Cloud mit Rechen- und Heizleistung hat das junge Dresdner Unternehmen Cloud & Heat entwickelt. Patentierte Technik nutzt effektiv die Abwärme des Datacenter. Damit erzielen die Sachsen nicht nur einen einmaligen PUE-Wert sondern sparen auch Kosten. lesen

Erst vor kurzem wurde die Zusammenarbeit mit dem Internetanbieter Innogy Telnet an drei Standorten in Rheinland-Pfalz bekanntgegeben. In einer Finanzierungsrunde erhielt Cloud&Heat im Mai 2017 Kapital in signifikanter Höhe von INVEN CAPITAL, einer Beteiligungsgesellschaft des tschechischen Energieversorgers ČEZ und der VNG Innovation, einer 100-prozentigen Tochter der Leipziger VNG – Verbundnetz Gas AG.

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