Mit und ohne Rittal: Blockchain als Geschäftsmodell

Cloud-Provider Innovo realisiert Blockchain-Systeme

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Mit Blockchain-Implementierungen Geld verdienen will Innovo Cloud
Mit Blockchain-Implementierungen Geld verdienen will Innovo Cloud (Bild: Friedhelm Loh Group/Innovo Cloud)

Blockchain gehört aktuell zu den Hype-Technologien. Der Frankfurter Cloud-Provider Innovo Cloud sieht in der Technologie neue Chancen. Das Schwesterunternehmen von Rittal konzipiert und realisiert für seine Kunden inzwischen anwendungsspezifische Lösungen mit unterschiedlichen (Block-)Chains.

Für die meisten ist Blockchain gedanklich mit Bitcoin verbunden, der bekanntesten Kryptowährung. Der zugrunde liegende Algorithmus ist dafür bekannt, Unmengen von Energie für die nötigen Berechnungen zur Bestätigung von Transaktionen zu verschwenden, die Kryptowährung selbst für ihre extremen Wertschwankungen.

Doch beides muss nicht sein, vielmehr eignet sich die Technologie auch für solide geschäftliche Zwecke. Blockchain hat die Fähigkeit, Transaktionen durch Dezentralisierung, Verkettung und kryptografische Mechanismen fälschungssicherer zu machen, so dass diese auch vollautomatisiert ablaufen können. Manipulationen lassen sich fast komplett vermeiden, kontrollierende Instanzen abbauen und schlankere Prozesse erstellen. Bestätigte Blockchain-Transaktionen erzeugen technologisch Vertrauen.

Blockchain als Geschäftszweig

Der Frankfurter Cloud-Provider Innovo Cloud glaubt daran, dass Services und Lösungen rund um die Blockchain das eigene Geschäft sinnvoll ergänzen können. Das Unternehmen gehört inzwischen zur Friedhelm Loh Group und arbeitet eng mit dem auf Schaltschränke und IT-Lösungen spezialisierten Schwesterunternehmen Rittal zusammen.

„Wir verwenden für die Implementierungen unserer Kunden,Ethereum, Hyperledger Fabric, IOTA oder auch andere Chains – je nachdem, was der Kunde wünscht“, erklärt Supriyo Bhattacharya, Business Development Lead bei Innovo Cloud.

Vielfältige Umsetzungsmöglichkeiten

Mögliche Business-Cases sind vielfältig. Factoring zum Beispiel, also die Vorfinanzierung von Rechnungsbeträgen, sichere und lückenlos dokumentierte Datenzugriffe im Gesundheitswesen oder auch automatisierte Transaktionen über mehrere Schritte hinweg in der Lieferkette.

Das größte Interesse komme aber derzeit aus dem Bereich Industrie 4.0 und Industrial Internet of Things (IIoT), sagt Bhattacharya. „Viele Unternehmen denken hier an Private Clouds auf dem eigenen Gelände und DLT (Distributed Ledger Technology)-Lösungen. Kombiniert mit Komponenten aus einer Public Cloud, beispielsweise von Innovo, sollen sie die Datenmenge aus den vielen Edge-Devices in der Fertigung, beispielsweise den Produktionsmaschinen (M2M), verarbeiten.

"Blockchain bringt schon in diesem jahr einen Ergebnisbeitrag", sagt Supriyo Bhattacharya, Business Development Lead bei Innovo Cloud
"Blockchain bringt schon in diesem jahr einen Ergebnisbeitrag", sagt Supriyo Bhattacharya, Business Development Lead bei Innovo Cloud (Bild: Friedhelm Loh Group/Innovo Cloud)

Für Kunden aus diesem Bereich sei Innovo als deutscher Partner interessant, da die Daten zwar redundant verteilt, aber gemäß der hiesigen zertifizierten Sicherheits- und Datenschutznormen gespeichert sind und skalierbare Technologien verwendet werden. Zudem setzt der Cloud Provider Sicherheitsarchitekturen ein, die den IT-Sicherheitsanforderungen des Bundesinstituts für Finanzdienstleistungen (BaFin) genügen. „Für einen Hidden Champion, der Silikon herstellt, bauen wir gerade eine Private Cloud an eine Fertigungsstraße“, sagt Bhattacharya. Sie steckt allerdings nicht in einem Container, sondern ist ein Rack.

Anwendungsbeispiel Industrial Edge

Die erst kürzlich gegründete Rittal Schwester „German Edge Cloud“ (GEC) und Innovo haben Ihre Kräfte gebündelt. Sie bieten der Limburger Firma Limtronik GmbH eine innovative Industrial Edge Cloud-Lösung an. Diese realisiert eine lückenlose Verfolgung eines Produktionsauftrags – von der Bestellung bis zur Anlieferung der Ware im Kunden-Werk.

Das alles ermöglicht eine Industrial-Analytics-Edge-Anwendung. Sie wurde auf einer eigenen IIOT-Plattform und Manufacturing-Edge-Infrastruktur als gesamtheitliches Produkt von GEC entwickelt und wird von Innovo Cloud betrieben. Die digitale Supply-Chain-Lösung wird mittlerweile auch für den gezielten Datenaustausch mit OEM-Partnern erweitert.

Lösung für das Qualitäts-Management

Zusammen mit der Iotos GmbH entwickelt GEC für Limtronik eine Lösung für Predictive Quality Management. Dabei werden Bauteile automatisiert optisch geprüft und die Fehlerwahrscheinlichkeit jedes Bauteils prognostiziert. Das reduziert im ersten Kontrollschritt manuelle Arbeit.

Ein weiterer Kunde, diesmal das innovative Chemieunternehmen Smartchem, plant, seine IoT-lastige Manufaktur eventuell mit Hilfe des IOTA-Chains, der speziell für das Thema IoT entworfen wurde, stärker zu automatisieren. Iota in seiner ursprünglichen Form löst das Problem der Bestätigung von Transaktionen weniger aufwändig als beispielsweise die Bitcoin-Blockchain.

Interessante Möglichkeiten für Fintecs

Bei dem Finanzstartup Finbc.io liefert Innovo die Infrastruktur für eine Blockchain-Lösung, die auf IBMs Hyperledger Fabric aufgebaut ist. Derzeit handelt es sich um eine Minimalkonfiguration aus drei Nodes, die bei Innovo Cloud in Frankfurt laufen. „Wir können aber jederzeit hoch skalieren“, sagt Bhattacharya.

Häufig würden Kunden auch daran denken, an mehreren Standorten Private Clouds zu errichten, in denen ihr DLT-Netzwerk läuft. Diese können sie dann mit zentralen Komponenten aus dem Frankfurter „Cloudpark“ von Innovo kombinieren.

Auch andere Chains sind interessant

„Wir können auch Lösungen auf Basis der Stellar-Chain oder irgendeiner anderen Chain realisieren, sobald das ein Kunde gern möchte“, sagt Benjamin Müller, Software-Architekt bei Innovo mit mehrjähriger Erfahrung in der Umsetzung von DLT/Blockchain-Lösungen. Außer ihm hat der Provider einen weiteren Spezialisten für dieses Fachgebiet angeheuert, viele weitere Mitarbeiter können bei Bedarf unterstützen.

Eine wichtige Implementierungsmöglichkeit für derartige Lösungen ist auch die gemanagte Private Cloud, bei der der Kunde das Management der Cloud-Infrastruktur ebenfalls Innovo oder dessen Partnern aus der Friedhelm Loh Group, insbesondere GEC überlässt. „Dabei kann eine Managed Private Cloud am Edge sehr unterschiedliche Größenordnungen haben. Die Lösungen reichen vom einzelnen IT-Rack bis zu mehreren zusammengefassten Containern“, sagt Bhattacharya.

Blockchain passt nicht immer

Ganz grundsätzlich, betont er, sind die aktuell verbreiteten Blockchain-Technologien derzeit noch immer vergleichsweise langsam und teuer. Geht es aber um das Vertrauen in Prozesse, verspreche die Blockchain hohen Mehrwert. Deshalb müsse man es sich gut überlegen, wo die Technologie eingesetzt wird.

„Applikationen, bei denen es nur darum geht, zwei Partner zu verknüpfen, sind für die Blockchain nicht unbedingt interessant“, sagt Blockchain-Spezialist Müller. Jede einzelne Anwendung müsse genau analysiert werden, um festzustellen, ob Blockchain die beste Lösung ist.

Drei Kostenfaktoren für die Anwender

Die Kosten für Blockchain-Implementierungen setzen sich bei Innovo grundsätzlich aus drei Komponenten zusammen: erstens den Mietkosten für die Hardware-Nodes, zweitens den Kosten für den Betrieb und die Fehlerbehebung an Knoten oder gesamter Betriebsumgebung, wenn der Kunde dies wünscht.

Der wichtigste Faktor auf der Einnahmeseite sei für Innovo Cloud bei Blockchain-Lösungen allerdings die Entwicklung geeigneter Lösungen im Kundenauftrag. Dabei arbeitet Innovo auch an stärker parametrisierten Managed Services, beispielsweise für bestimmte Branchen. Sie können aus weiterentwickelten PoCs entstehen, von denen oben bereits einige erwähnt wurden. Insgesamt gibt es aktuell rund zehn.

Wirtschaftlich hat sich das Engagement für die noch immer recht neue Technologie für Innovo bereits gelohnt: „Blockchain bringt schon in diesem Jahr einen Ergebnisbeitrag, im kommenden wird es ein signifikanter sein“, sagt Bhattacharya.

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