Twisted Pair - Übergangstechnik? Evergreen? Speziell.

CAT 8: Mit Kupfer in die Zukunft?

| Autor / Redakteur: Jan Behrend* / Ulrike Ostler

Bei 40 Gbit/s muss nicht Schluss sein: In der Kupferader schlummert noch Potential für deutlich höhere Bandbreiten.
Bei 40 Gbit/s muss nicht Schluss sein: In der Kupferader schlummert noch Potential für deutlich höhere Bandbreiten. (Bild: Gemeinfrei: NeuPaddy/Pixabay)

Gehört das Twisted-Pair-Kabel zum alten Eisen? Mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 G Base-T möchte der CAT-8-Standard dem Lichtwellenleiter nicht alleine das Feld überlassen.

Übertragungsstandards mit einer besonders hohen Bandbreite wie 25 G Base-T, 40 G Base-T und 100 G Base-T spielen bei der Verkabelung im Tertiärbereich gewöhnlich keine große Rolle. Das primäre Einsatzgebiet liegt vielmehr in Rechenzentren: Hier kann der CAT-8-Standard in einigen Anwendungsfällen durchaus mit den immer mehr an Bedeutung gewinnenden Lichtwellenleitern mithalten.

Einsatzbereiche und Besonderheiten

Der CAT-8-CLASS 1 Standard ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s), die sich allerdings lediglich auf einer Kabelstrecke von maximal 30 Metern auch wirklich nutzen lassen. Da für viele Anwendungsbereiche eine Übertragungsgeschwindigkeit von 25 Gbit/s bereits ausreichend ist, lässt sich bei dieser Datenrate die maximale Kabellänge auf bis zu 50 Meter ausdehnen (Draft).

Dennoch ist durch diesen Umstand die Verwendung von CAT-8-Kabeln eingeschränkt, Einsatzmöglichkeiten im tertiären Bereich scheiden faktisch aus. Für den primären Einsatz im Rechenzentrum sind die möglichen Kabellängen in den meisten Fällen aber ausreichend.

Es wird schnell ersichtlich, dass es sich beim CAT-8-Standard nicht um ein Produkt für die breite Masse, sondern um ein hochspezialisiertes Kabel für wenige Anwendungsgebiete handelt. So kann dem Standard durchaus eine Schlüsselrolle auf dem Migrationspfad zu mehr Leistung zukommen.

Der Spezialistenstandard

Gerade bei gewachsenen IT-Strukturen in kleinen bis mittelgroßen Rechenzentren, in denen in der Fläche noch keine LWL-Verkabelung verlegt wurde, ist der Einsatz von CAT 8 eine sinnvolle Alternative. Um beispielsweise ein neues Server-Rack mit 25 Gbit/s der 40 Gbit/s in die vorhandene IT-Umgebung zu integrieren, kann einfach die bereits vorhandene Kupferinfrastruktur weiter genutzt werden - eine kostspielige Umstellung auf Glasfaser entfällt.

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Auch bei der Verkabelung im Rack-Interconnect-Bereich oder von einzelnen Netzwerkkomponenten wie Switches und Routern kann CAT 8 durchaus seine Muskeln spielen lassen. Ebenfalls möglich ist eine Verwendung des Standards im Backbone-Bereich oder bei der Verbindung von Etagenverteilern.

In Spezialfällen kann die Cat-8-Technik die Muskeln spielen lassen.
In Spezialfällen kann die Cat-8-Technik die Muskeln spielen lassen. (Bild: gemeinfrei: likaszdylka/ Pixabay)

Ein eher theoretischer Vorteil von CAT 8 ist dagegen die Unterstützung von Power over Ethernet (PoE) und somit die Stromversorgung kompatibler Geräte direkt über das Netzwerkkabel. Der genannte Vorteil kommt im Rechenzentrum allerdings in Ermangelung PoE-fähiger Geräte quasi nicht zum Tragen.

Bei 40 Gbit/s muss aber noch nicht Schluss sein: In der Kupferader schlummert durchaus noch Potential für deutlich höhere Bandbreiten. Es wird bereits daran geforscht, Geschwindigkeiten von 50 Gbit/s und sogar 100 Gbit/s zu realisieren. Um diese Leistung zu erreichen, wird voraussichtlich ein vierpaariges symmetrisches und geschirmtes Kupferkabel benötigt.

CAT-8-Spezifikation

Bei einem CAT-8-Kabel handelt es sich um ein typisches S/FTP (Screened Foiled Twisted Pair) Kabel mit vier verdrillten Aderpaaren, die jeweils über eine eigene Folienabschirmung verfügen. Um einen optimalen Schutz vor elektromagnetischer Strahlung zu gewährleisten, umschließt zusätzlich eine Geflechtschirmung aus Draht alle Aderpaare.

Es findet außerhalb der USA grundsätzlich eine Unterteilung in CAT 8.1 (Link-Klasse-1) und CAT 8.2 (Link-Klasse-2) statt, wobei beide Varianten über eine maximale Übertragungsfrequenz von 2,0 GHz verfügen. Der nach IEC 61156-9 normierte CAT-8.1-Standard basiert dabei auf der CAT-6A-Klasse (500 Megahertz, MHz), deren Komponenten für Frequenzen von bis zu 2 GHz optimiert wurden.

Wie der Autor Jan Behrend von EFB ausführt, lässt sich der CAT-8-Standard nutzen, um sich bei gewachsenen IT-Strukturen in kleinen bis mittelgroßen Rechenzentren eine LWL-Verkabelung zu sparen - jedenfalls vorläufig.
Wie der Autor Jan Behrend von EFB ausführt, lässt sich der CAT-8-Standard nutzen, um sich bei gewachsenen IT-Strukturen in kleinen bis mittelgroßen Rechenzentren eine LWL-Verkabelung zu sparen - jedenfalls vorläufig. (Bild: EBF Elektronik)

Eine entsprechende Rückwärtskompatibilität zu allen Klassen unterhalb von CAT 7A ist problemlos möglich. Kabel der Kategorie 8.2 entsprechen dagegen der Norm IEC 61156-10 und sind ebenfalls keine echte Neuentwicklung. Als Basis dient der CAT-7A-Standard (1.000 Megahertz), dessen Komponenten ebenfalls für einen Frequenzbereich von 2 GHz optimiert wurden. Auch in diesem Fall ist die Rückwärtskompatibilität zu allen darunterliegenden Standards gegeben.

Der große Unterschied zwischen CAT 8.1 und CAT 8.2 liegt dann letztlich auch nicht im Kabel, sondern in den verwendeten Steckern: Während bei CAT 8.1 die gewohnten RJ45-Stecker zum Einsatz kommen, sind für CAT-8.2-Kabel diverse Stecker wie etwa ARJ45 oder GG45 vorgesehen.

* Jan Behrend ist Produktmanager / Category Management bei EFB.

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„Auch ich stelle die Frage, ob es denn je RZ IT-Hardware mit Cat. 8.1 Transceiver-Interfaces geben...  lesen
posted am 22.03.2019 um 14:01 von Unregistriert

Und ich dachte immer, bereits Cat 7 benoetigt andere Stecker als RJ45?  lesen
posted am 15.03.2019 um 10:45 von Unregistriert

Hallo Herr Behrend, gibt es denn bereits Aktivkomponeten ( Switche ) die über ein entsprechendes...  lesen
posted am 15.03.2019 um 10:10 von Unregistriert


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