Dekarbonisierung, etwa mit IBM oder Atos Bis 2025 wird CO2-Emmission von Hyperscalern die Kaufentscheidungen bestimmen

Von Ulrike Ostler

Bis 2025 werden die Kohlenstoffemissionen von Hyperscale-Services an dritter Stelle bei Cloud-Kaufentscheidungen stehen, so das Research- und Beratungsunternehmen Gartner. So wundert es nicht, dass eine vermehrte ESG-Berichterstattung die Aufmerksamkeit in Unternehmen und somit Nachhaltigkeitsinvestitionen antreibt. IBM und Atos warten nicht ab; sie haben 'Dekarbonierungsfirmen' gekauft.

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Kunden setzen Ökowunsch in Kaufentscheidungen um.
Kunden setzen Ökowunsch in Kaufentscheidungen um.
(Bild: gemeinfre: Gerd Altmann auf Pixabay / Pixabay )

Das Akronym ESG steht für Environment, Social, Governance. Einer der Gründe für Nachhaltigkeitsinitiativen sieht Gartner darin, dass Umwelt-, Sozial- und Governance (ESG) und die Berichterstattung darüber immer mehr Aufmerksamkeit in den Unternehmen erhalten. So haben mehr als 90 Prozent der Unternehmen seit Beginn der Pandemie erhöht ihre Investitionen in Nachhaltigkeitsprogramme – im Vergleich zu 2017.

Ed Anderson, Distinguished Research Vice President bei Gartner, erläutert, wie der Trend die Cloud-Anbieter antreibt: „Hyperscaler investieren aggressiv in den nachhaltigen Betrieb und die Bereitstellung von Cloud-Diensten. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts oder noch früher wollen sie Netto-Null-Emissionen erreichen.“

Unter anderem rechnet der Gartner-Analyst mit mehr Tools, die Unternehmen dabei helfen, ihre CO2-Emissionen durch die effektive Nutzung von Cloud-Services zu berechnen und zu reduzieren – „ähnlich wie Tools, die heute bei der Optimierung von Cloud-Ausgaben helfen“, fügt er hinzu.

Laut Gartner entfallen 70 Prozent aller IT-Ausgaben für Cloud-Infrastrukturen, -Plattformen und -Anwendungen auf die zehn größten Cloud-Anbieter (nach Umsatz). Der Einschätzung des Unternehmens zufolge werden Nachhaltigkeitsinitiativen für die Cloud bei den führenden Cloud-Anbietern beginnen, die zu den weltweit größten Betreibern von Rechenzentren gehören und für die Reduzierung der IT-bedingten Kohlenstoffemissionen von entscheidender Bedeutung sind.

Allerdings gibt es starke Unterschiede bei der Umsetzung: „Obwohl im Grunde alle Cloud-Anbieter über Nachhaltigkeitsinitiativen verfügen, variieren ihre Fortschritte bei der Erreichung von Zielen zur Kohlenstoffreduzierung und Strategien zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen stark", so Anderson. „Nachhaltigkeitsmetriken und -Tools zur Platzierung von Workloads sind noch unausgereift und nicht immer transparent, so dass es für Unternehmen schwierig ist, die tatsächlichen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Cloud-Nutzung vollständig und genau zu bewerten.“

Doch dabei bleibt es nicht. Zunächst würden die Stakeholder die Unternehmen weiterhin dazu drängen, ihre Nachhaltigkeitsposition zu verbessern und die fortschrittlicheren Anbieter ihre Nachhaltigkeitsinformationen veröffentlichen.

Envizi gehört nun IBM

Zu dem Gartner-Trend passt die Nachricht von IBM aus diesem Monat, dass der Konzern Envizi zum 11. Januar übernommen hat, ein Anbieter von Daten- und Analysesoftware für das Umwelt-Performance-Management. Wie IBM mitteilt, passe diese Akquisition zu den Investitionen in KI-gestützte Software, einschließlich „IBM Maximo Asset Management“, „IBM Sterling Supply Chain“ und der „IBM Environmental Intelligence Suite“, die Unternehmen dabei helfen sollen, widerstandsfähigere und nachhaltigere Abläufe und Lieferketten zu schaffen. Finanzielle Details sind nicht bekannt gegeben worden.

Auch hier heißt es in der Begründung für die Übernahme: „Unternehmen stehen unter dem zunehmenden Druck von Regulierungsbehörden, Investoren und Verbrauchern, sich in Richtung einer nachhaltigeren und sozial verantwortlicheren Geschäftstätigkeit zu entwickeln - und diese Maßnahmen auf robuste und überprüfbare Weise nachzuweisen.“

IBM verweist auf einen Forrester-Bericht aus dem Jahr 2021, nachdem soziale Verantwortung und ökologische Nachhaltigkeitsrisiken von großen Unternehmen an dritter Stelle genannt werden. Die verschiedenen Arten von Daten, die Unternehmen benötigen, um Nachhaltigkeitsinitiativen zu verstehen und darüber zu berichten, seien jedoch nach wie vor stark fragmentiert und für alle relevanten Parteien schwer zugänglich.

Die Software von Envizi automatisiert die Erfassung und Konsolidierung von mehr als 500 Datentypen und unterstützt wichtige Rahmenwerke für Nachhaltigkeitsberichte.
Die Software von Envizi automatisiert die Erfassung und Konsolidierung von mehr als 500 Datentypen und unterstützt wichtige Rahmenwerke für Nachhaltigkeitsberichte.
(Bild: IBM/Envizi)

Die Software von Envizi automatisiert die Sammlung und Konsolidierung von rund 500 Datentypen und unterstützt wichtige Rahmenwerke für Nachhaltigkeitsberichte. Die anpassbaren Dashboards ermöglichten es Unternehmen, Umweltziele zu analysieren, zu verwalten und darüber zu berichten, Effizienzmöglichkeiten zu identifizieren und Nachhaltigkeitsrisiken zu bewerten.

Insofern können die Envizi-Tools dazu beitragen, die Verwaltung dieser Aufgaben als Teil umfassenderer Initiativen zur Umwelt-, Sozial- und Governance-Berichterstattung (ESG) zu rationalisieren. Zugleich erhalten Nutzer Einblicke in die Nachhaltigkeit als Grundlage für die Unternehmensstrategie.

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Nach Aussage des Herstellers lassen sich die Dashbords leicht anpassen.
Nach Aussage des Herstellers lassen sich die Dashbords leicht anpassen.
(Bild: Envizi/ IBM)

Zum Beispiel können Unternehmen durch den Einsatz von Envizi in Verbindung mit der KI-gestützten IBM-Software die Rückkopplung zwischen ihren Umweltinitiativen und den operativen Endpunkten im Tagesgeschäft automatisieren. Zum Beispiel wird Envizi integriert mit:

  • IBM Maximo Asset Management hilft Unternehmen dabei, die Lebensdauer ihrer kritischen Anlagen zu verlängern und die Umweltbelastung zu reduzieren, indem sie intelligentes Asset Management, Überwachung, vorausschauende Wartung und Zuverlässigkeit in einer einzigen Plattform bieten.
  • IBM Sterling Supply-Chain erlaubt es Unternehmen, die Transparenz der Lieferkette zu erhöhen, Verschwendung durch die richtige Dimensionierung der Bestände zu reduzieren, den CO2-Fußabdruck von Versand und Logistik zu verringern und eine verantwortungsvolle Beschaffung mit Blockchain-basierter Technologie für die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.
  • IBM Environmental Intelligence Suite (EIS) ermöglicht es Unternehmen, ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, indem sie die Auswirkungen von Umweltbedingungen auf ihre Abläufe, Anlagen und Lieferketten bewertet und plant. EIS nutzt die KI- und Wettertechnologie von IBM, dem weltweit genauesten Anbieter von Prognosen, wie der Report „Forecast Watch, Global and Regional Weather Forecast Accuracy Overview“ aus dem vergangenen Juli festgesetllt hat.
  • „IBM Turbonomic2- und „Red Hat Openshift“-Funktionen unterstützen Unternehmen bei der automatisierten Entscheidungsfindung, wenn es um die Optimierung von Leistung, Kosten und Treibhausgasemissionen bei der Ausführung von Unternehmens-Workloads geht.

Die Tools sind als SaaS-Angebot verfügbar und kann in Multicloud-Umgebungen betrieben werden. Envizi zählt etwa Microsoft, Qantas, CBRE, Uber, Abrdn und Celestica zu seinen Kunden. Die Übernahme soll auch dazu beitragen, die wachsende Nachhaltigkeitspraxis von IBM Consulting zu erweitern.

Atos hat Ecoact gekauft

Dieses Ziel verfolgt auch Atos, das schon im Oktober die im Juli bekanntgegebene Übernahme von Eoact, ein Unternehmens mit digitalen Dekarbonisierungsangeboten abgeschlossen hat. Für diese Frühjahr ist die Eröffnung eines „Decarbonization Excellence Center“ geplant.

Ecoact besetht aus einem Team von 160 Klima-Experten, die nun unter der Marke „Ecoact, an Atos Company" firmieren und von seinen Gründern, Thierry Fornas und Gérald Maradan, geleitet werden. Verfolgt werde ein „umfassender Ansatz zur Dekarbonisierung“. Kunden sollen eine Bewertung bekommen, die zudem aufzeige, wie sie Klimaneutralität erreichen können, plus digitale Angebote zur Dekarbonisierung der IT- und geschäftlichen Prozesse. Für ihre verbleibenden CO2-Emissionen und als Teil des „Contribute to Zero“-Angebots wird ein freiwilliger Kohlenstoffausgleich angeboten.

Björn Stengel, Senior Research Analyst, Business Consulting and Environmental, Social and Governance (ESG) Business Services bei IDC, kommentiert: „Der Klimawandel bleibt ein wichtiger Schwerpunktbereich für Organisationen im Zusammenhang mit ESG, und die Nachfrage nach Angeboten im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung wird weiter steigen. Der Ansatz von Atos, Nachhaltigkeit in seine digitalen Transformationsangebote zu integrieren, wird seinen Kunden dabei helfen, sich auf eine nachhaltige Geschäftsstrategie zuzubewegen, das heißt: Nachhaltigkeit aus der Perspektive von Geschäftsmöglichkeiten und Risiken zu betrachten.“

Das Spektrum

Wie vielfältig die Initiativen sein können, zeigen die Maßnahmen, die Atos selbst bereits ergriffen hat. Darauf weist Udo Littke, Head of Atos in Zentraleuropa, hin. Das Augenfälligste: Atos hat das Corporate Design auf einen schwarzen Hintergrund umgestellt, da Schwarz eine geringere Bildschirmabstrahlung bedeute.

Die eigene Automobilflotte wird elektrisch, das Unternehmen hält ein eigene Patent im Bereich Liquid Cooling, das Einkommen der Führungsriege hat einen Anteil, der sich an der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bemisst, die eigenen Rechenzentren werden mit Grünstrom beliefert und schließlich fördert Atos ein Braunalgenprojekt, weil diese Meeresalgen siebenmal mehr CO2 aus der Luft filtern können als andere.

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