Exzellenz im Rechenzentrum neu definiert Béla Waldhauser: Auf sicheren Pfaden in die Datacenter-Zukunft

Ein Gastbeitrag von Béla Waldhauser* 6 min Lesedauer

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Exzellenz bedeutet im Jahr 2026 vor allem eines: die Fähigkeit, Unsicherheit zu antizipieren und Systeme so zu gestalten und zu betreiben, dass sie auf technologische und regulatorische Veränderungen vorbereitet sind. Für Planer und Betreiber ergeben sich daraus unterschiedliche, aber eng miteinander verzahnte Anforderungen.

Am 10. und 11. Juni 2026 veranstaltet der ECO den „Data Center Expert Summit“. Am 10. Juni 2026 werden im Rahmen des Events die „Eco Data Center Awards“ für die Innovationsstärke von Rechenzentren verliehen und an zwei Persönlichkeiten der Bnache Auszeichnungen für ihre Leadership-Leistungen. (Bild:  Eco - Verband der Internet-Wirtschaft)
Am 10. und 11. Juni 2026 veranstaltet der ECO den „Data Center Expert Summit“. Am 10. Juni 2026 werden im Rahmen des Events die „Eco Data Center Awards“ für die Innovationsstärke von Rechenzentren verliehen und an zwei Persönlichkeiten der Bnache Auszeichnungen für ihre Leadership-Leistungen.
(Bild: Eco - Verband der Internet-Wirtschaft)

Die Anforderungen an Rechenzentren verändern sich derzeit grundlegend. Getrieben durch KI Workloads, regulatorische Vorgaben wie das Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) und steigende Erwartungen an Nachhaltigkeit verschiebt sich der Maßstab für Exzellenz deutlich. Was gestern als „State of the Art“ galt, etwa ein niedriger PUE-Wert, reicht heute nicht mehr aus.

Exzellenz im Rechenzentrum 2026 – auf einen Blick
  • Planung: Modular, skalierbar, „liquid cooling ready“
  • Energie: Integration in lokale Energiesysteme, Abwärmenutzung als Standard
  • Betrieb: KI-gestützte Steuerung, dynamisches Last-Management
  • Metriken: PUE, WUE und CUE im Zusammenspiel betrachten
  • Regulierung: EnEfG als Treiber für Qualität und Standortattraktivitä

1. Die Planung

Exzellenz heißt „Design for Future“ und das bedeutet: Modularität statt Überdimensionierung. Klassische Rechenzentrumsplanung war lange durch statische Annahmen geprägt. Kapazitäten wurden auf Jahre hinaus dimensioniert, häufig mit erheblichen Reserven. Dieses Paradigma ist nicht mehr zeitgemäß.

Exzellente Planung bedeutet heute, modulare und skalierbare Strukturen zu schaffen. Insbesondere durch die steigende Leistungsdichte von KI-Hardware verändern sich Anforderungen schneller als je zuvor. Racks mit Leistungen von über 50 Kilowatt sind keine Ausnahme mehr. Planer müssen daher Infrastrukturen entwerfen, die sich sowohl hinsichtlich Stromversorgung als auch Kühlung flexibel erweitern und anpassen lassen.

Liquid Cooling als neuer Planungsstandard

Luftkühlung stößt bei hohen Leistungsdichten zunehmend an ihre Grenzen. Dennoch ist der Übergang zu Flüssigkühlung in vielen Projekten noch nicht vollständig vollzogen.

Exzellente Planer denken diesen Wandel bereits heute mit. „Liquid Cooling Ready“ ist kein optionales Feature mehr, sondern ein zentraler Bestandteil zukunftssicherer Designs. Das bedeutet konkret: vorbereitete Rohrtrassen, geeignete Flächenkonzepte und die Integration entsprechender Schnittstellen, selbst wenn initial noch mit Luft gekühlt wird.

Abwärmenutzung wird zur Pflichtaufgabe

Mit dem Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) hat der Gesetzgeber klare Anforderungen an die Nutzung von Abwärme formuliert. Damit verschiebt sich die Perspektive: Was früher als innovatives Zusatz-Feature galt, wird zum integralen Bestandteil der Planung.

Exzellenz zeigt sich hier in der Fähigkeit, Rechenzentren als Teil urbaner Energiesysteme zu denken. Die Anbindung an Fernwärmenetze oder industrielle Abnehmer muss frühzeitig in die Standortwahl und das Design integriert werden. Projekte, bei denen Rechenzentren aktiv zur Wärmeversorgung beitragen, sind keine Ausnahme mehr, sondern entwickeln sich zum neuen Standard.

Digitale Zwillinge über den gesamten Lebenszyklus

Mit Building Information Modeling (BIM) und digitalen Zwillingen entsteht eine neue Qualität der Planung. Exzellente Projekte enden nicht mit der Inbetriebnahme, sondern liefern eine durchgängige Datenbasis für den Betrieb.

Ein digitaler Zwilling ermöglicht es, Szenarien zu simulieren, Wartungsprozesse zu optimieren und Umbauten effizient zu planen. Damit wird Planung zu einem kontinuierlichen Prozess, der den gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums begleitet.

2. Der Betrieb

Operational Excellence steht im Spannungsfeld von Energie, Regulierung und KI und in der Folge werden die Effizienzmetriken differenzierter. So bleibt der Wert für die Power Usage Effectiveness, kurz PUE-Wert, ein wichtiger Indikator, greift jedoch zu kurz. Exzellenz im Betrieb bemisst sich heute zunehmend an zusätzlichen Kennzahlen wie WUE (Water Usage Effectiveness) und CUE (Carbon Usage Effectiveness).

Betreiber stehen vor der Herausforderung, Zielkonflikte zu managen. Eine Verbesserung der Energie-Effizienz darf nicht zu Lasten des Wasserverbrauchs gehen und umgekehrt. Exzellenz bedeutet hier, ein ausgewogenes Gesamtsystem zu optimieren, statt einzelne Kennzahlen isoliert zu betrachten.

KI-gestütztes Datacenter Infrastructure Management (DCIM) als neuer Standard

Die Komplexität moderner Rechenzentren erfordert neue Ansätze im Betrieb. Klassische DCIM Systeme entwickeln sich zunehmend zu intelligenten Steuerungsplattformen.

KI-gestützte Systeme ermöglichen es, Lasten dynamisch zu verteilen, Energiepreise zu berücksichtigen und auf Netzanforderungen zu reagieren. Gerade im Kontext von Smart Grids wird diese Fähigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Exzellente Betreiber nutzen diese Technologien nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern auch zur aktiven Integration in das Energiesystem.

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Compliance als strategischer Hebel

Regulatorische Anforderungen werden häufig als Einschränkung wahrgenommen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sie auch als Differenzierungsmerkmal genutzt werden können.

Das EnEfG setzt klare Rahmenbedingungen für Effizienz und Nachhaltigkeit. Betreiber, die diese Anforderungen proaktiv erfüllen oder übertreffen, positionieren sich als verlässliche Partner, insbesondere für international agierende Kunden mit eigenen ESG-Zielen. Exzellenz bedeutet hier, Compliance nicht nur zu erfüllen, sondern strategisch zu nutzen.

Vielfalt der Ansätze: Wie Anbieter Exzellenz unterschiedlich interpretieren

Im Markt lassen sich bereits heute Unternehmen identifizieren, die unterschiedliche Facetten von Exzellenz verkörpern. Planungs- und Beratungsunternehmen setzen verstärkt auf ganzheitliche Ansätze, bei denen Rechenzentren als Teil urbaner Infrastrukturen gedacht werden. Themen wie die Integration in Stadtentwicklungskonzepte oder die Nutzung von Abwärme gewinnen an Bedeutung.

Auf Betreiberseite zeigen sich ebenfalls klare Trends: Globale Anbieter setzen Maßstäbe bei Nachhaltigkeitszielen und Interconnection, während spezialisierte Unternehmen technologische Innovationen – etwa im Bereich Flüssigkühlung und Abwärmenutzung – vorantreiben. Gleichzeitig positionieren sich deutsche Anbieter zunehmend über Qualität, Effizienz und regulatorische Konformität.

Von der Effizienz zu Systemverantwortung

Es lassen sich drei Hebel für Betreiber identifizieren:

  • 1. Ganzheitliche KPI-Steuerung - PUE allein reicht nicht mehr: Wasser- und CO₂-Bilanz werden entscheidend
  • 2. Energie-Flexibilität - Lastverschiebung in Abhängigkeit von Strompreisen und Netzsituation
  • 3. Sektorenkopplung - Abwärme als Produkt denken: Integration in Fernwärme und Industrieprozesse

Exzellenz wird zur Systemkompetenz

Exzellenz im Rechenzentrum ist heute kein statischer Zustand mehr, sondern eine dynamische Fähigkeit. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von vorausschauender Planung, intelligentem Betrieb und der Integration in übergeordnete Systeme wie Energie- und Wärmenetze.

  • Für Planer bedeutet das: weg von starren Designs, hin zu adaptiven, zukunftsoffenen Konzepten.
  • Für Betreiber heißt es: weg von isolierter Effizienzoptimierung, hin zu ganzheitlicher
  • Systemverantwortung.

Gleichzeitig rücken auch technologische Entwicklungen in den Fokus, deren Auswirkungen heute noch schwer quantifizierbar sind, die aber strategisch antizipiert werden müssen. Dazu

zählen insbesondere Quantum- und neuromorphe Systeme, die perspektivisch eine deutlich höhere Rechenleistung bei gleichzeitig geringerer Wärme-Abgabe versprechen.

Damit entsteht ein potenzieller Zielkonflikt: Während aktuelle Planungs- und Betriebsmodelle stark auf die Nutzung von Abwärme ausgerichtet sind, häufig abgesichert durch langfristige Lieferverträge, könnten zukünftige Effizienzsprünge die Verfügbarkeit dieser Wärme signifikant reduzieren.

Mehr von Béla Waldhauser und den angesprochenen Themen und Techniken können Interessen beim „Datacenter Expert Summit 2026“ am 10. und 11. Juni in der „Area3“, Dreieich, in Erfahrung bringen.

Dr. Béla Waldhauser und Ulrike Ostler, Chefredakteurin DataCenter-Insider, haben sich am 11. Mai im virtuellen Studio für die 66. Folge der DataCenter Diaries getroffen. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Dr. Béla Waldhauser und Ulrike Ostler, Chefredakteurin DataCenter-Insider, haben sich am 11. Mai im virtuellen Studio für die 66. Folge der DataCenter Diaries getroffen.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Und oder sie können in der Folge #66 der DataCenter Diaries „Dr. Béla Waldhauser über die Meilensteine in der Datacenter-Entwicklung, die jetzigen und künftigen Herausforderungen“ von dem Autor erfahren, welche gravierenden Veränderung die Branche erfahren hat und welche Aufgaben noch bevorstehen. Was sagt er zu „Nachhaltigkeit ist heute Pflicht" und „Europa braucht eigene Chips"?

Die Podcast-Folge #66 der DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und Amazon Musik.

Exzellenz zeigt sich hier in der Fähigkeit, solche Entwicklungen frühzeitig mitzudenken und in robuste, flexible Modelle zu überführen. Dazu gehört insbesondere eine Vertragsgestaltung, die technologische Sprünge berücksichtigt und Spielräume erhält, statt Betreiber in eine strukturelle Abhängigkeit zwischen ökologischen Fortschritten und vertraglichen Verpflichtungen zu bringen.

Die zentrale Frage ist daher nicht mehr, wie effizient ein Rechenzentrum heute ist, sondern wie gut es sich an die Anforderungen von morgen anpassen kann. Neben der operativen Exzellenz gehört damit auch die strategische Vorausschau zwingend zur Agenda für die kommende Dekade. Wer diese Fähigkeit entwickelt, wird auch in einem zunehmend regulierten und technologisch dynamischen Umfeld bestehen.

*Der Autor
Dr. Béla Waldhauser ist Rechenzentrumsexperte mit über 25 Jahren Branchenerfahrung. Er ist Senior Advisor bei Telehouse Deutschland und Leiter der ECO Kompetenzgruppe Datacenter. Außerdem ist er im Advisory Board von Adam Ecotech, Etalytics, LCL Data Centers und Mainova Webhouse. Mit großem Engagement für einen
starken und wettbewerbsfähigen Rechenzentrumsstandort in Deutschland und Europa war Waldhauser zudem über viele Jahre in Initiativen wie der ECO Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen und dem Climate Neutral Data Centre Pact aktiv.

Bildquelle: ECO - Verband der Internet-Wirtschaft e.V.

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