Biometrie-Lösungen Teil 1 – Biomiddle von Secunet Abseits einseitiger Mainstreams

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Stephan Augsten

Mittlerweile liegt die Ultima Ratio biometrischer Lösungsansätze nicht mehr in der Fortsetzung einer jahrelang geführten Grundsatzdebatte. Vielmehr betrachten Anwender die Lösungen heute unter dem Blickwinkel integrierter Produkte, die sich sinnvoll in ein IT-Gesamtkonzept einbetten lassen. So bietet die Secunet Security Networks AG mit „Secunet Biomiddle“ eine Middleware, die den modularen Einsatz biometrischer Systemkomponenten unter Verwendung standardisierter Schnittstellen ermöglicht.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Weder die abstrakt geführte Sicherheitsdiskussion noch der inflationäre Gebrauch rund um das Wort Biometrie – oder die damit verbundenen Befürchtungen um einen Überwachungsstaat – haben die sachliche Diskussion wirklich nach vorne gebracht. Als Folge ist nicht überall, wo „Biometrie“ drauf steht, auch tatsächlich eine derartige Lösung enthalten – wie etwa nach den hoheitlichen Vorgaben bzw. technischen Spezifikationen internationaler Organisationen wie der ICAO.

So wurde auf der diesjährigen CeBIT kein einziges wirklich neuartiges Verfahren vorgestellt. Ein spannendes Zukunftsfeld dürfte vielleicht gerade deshalb der Einsatz multibiometrischer Systeme sein, bei denen verschiedene biometrische Verfahren kombiniert werden.

„Die Studien vom BSI und Secunet haben gezeigt, dass damit signifikante Verbesserungen der Erkennungsleistung möglich sind“, bilanziert Frank Steffens von Secunet. Biomiddle soll die Grundlage für den einfachen Austausch von Teilkomponenten legen und damit das Spektrum an Kombinations- und Konfigurationsmöglichkeiten im Bereich biometrischer Technologien deutlich erhöhen.

Breites Einsatzgebiet

Potenzielle Kunden für die neue Multiapplikationsplattform Secunet Biomiddle sind vor allem Regierungsstellen und die Öffentliche Hand, aber auch Unternehmen hat der Dienstleister im Viser. „Biomiddle befindet sich bereits in verschiedenen Pilotprojekten im Einsatz“, sagt Projektleiter Steffens. Das nächste Release soll ab Mai unter Windows- und Linux-Systemen produktiv eingesetzt werden. Grundsätzlich ist die Lösung plattformunabhängig und somit sowohl für Unix-, Windows- als auch Linux-Systeme gedacht.

Der Fokus denkbarer Anwendungen ist relativ weit gefächert. Biomiddle sei nicht für ein spezielles Kunden- oder Marktsegment ausgerichtet, erläutert Steffens: „Der Einsatz dieser Middleware ist immer dann sinnvoll, wenn eine flexible und modulare Lösung gefordert wird, die zukünftig den einfachen Austausch von Teilkomponenten wie zum Beispiel einen neuen Sensor oder einen biometrischen Vergleichalgorithmus erlaubt.“

Globale und lokale Zugangskontrollen

Aufgrund der enthaltenen Funktionen zur Prüfung hoheitlicher Dokumente wie Pässe, Visa oder Ausweise eignet sich Secunet Biomiddle insbesondere für Anwendungen im hoheitlichen Bereich. Dabei könnte es sich beispielsweise um biometrische Identitätsprüfungen und Enrolmentsysteme handeln, es eignet sich aber auch für Anwendungen in der Privatwirtschaft. Hier sind beispielhaft die Zutrittskontrolle oder die Absicherung von IT-Systemen zu nennen. „Interessant ist auch der Bereich der Biometrie-gestützten Kundenprogramme von Flughäfen und Fluggesellschaften“, gibt Steffens zu bedenken.

Gegenwärtig wird der Markt für biometrische Lösungen noch vorrangig durch proprietäre bzw. monolithische Gesamtlösungen bedient. Hier bietet Biomiddle nach Auffassung des Anbieters den Vorteil, dass Biometrie-relevante internationale Standards zur Anbindung von Teilkomponenten benutzt werden. „Dies schafft Transparenz, Austauschbarkeit und Investitionssicherheit“, hofft Steffens.

Die flexible Lösung soll nicht nur die jeweils bei den Kunden spezifisch implementierten Lösungen auf dem Stand der Technik halten, indem geeignete Komponenten zum Einsatz kommen. Dies erlaube auch eine Migration zu Lösungen auf der Basis neuer biometrischer Verfahren, bekräftigt der Experte.

Neben der Orientierung an den Standards erlaubt die Middleware zudem eine einfache und zügige Integration in bestehende Anwendungen durch die Verwendung einer SOAP-Schnittstelle. Damit verbinden sich auch weitere Vorteile wie die Skalierbarkeit und Unabhängigkeit von der Anwendungstechnologie.

Außer der Plattformunabhängigkeit stellt sich die Frage, wie sich die anvisierten Vorteile im Vergleich zu gängigen Konzepten im Unternehmen einordnen und mit Blick auf Effizienz- bzw. Produktivitätsgewinn bewerten lassen. „Entsprechende Aussagen lassen sich unabhängig von einem konkreten Szenario schwer treffen“, räumt Steffens ein. „In jedem Fall sehen wir den Bedarf an biometrischen Technologien auch im Linux-Umfeld oder in mobilen Systemen. Unser Ansatz der Austauschbarkeit der Technologien soll vor dem Betriebssystem nicht halt machen“.

Gegenwart und Zukunft

Auch erste konkrete Vorhaben sind bereits anvisiert, beispielsweise das für 2007 geplante EU-Projekt BIODEV II. Dessen Zielsetzung liegt in der Erprobung von biometrischen Verfahren und deren Interoperabilität im Kontext der Visa-Erteilungsverfahren. Secunet Biomiddle kommt etwa durch die deutschen Behörden beim Enrolment der biometrischen Daten beim Visumantrag sowie der biometrie gestützten Visumprüfung bei der Einreise zum Einsatz.

Der öffentliche Bereich ist zwar nach wie vor der Vorreiter bei der Anwendung biometrischer Systeme, die allmähliche Entwicklung in Richtung biometrischer Identifizierung bzw. Authentifizierung wird aber auch von der Industrie und dem Endanwender verfolgt. Unternehmen wie die Essener Secunet setzen deshalb auf die Signalwirkung nach der Einführung des neuen elektronischen Reisepasses.

Die Anbieter hoffen, dass sich nach der Einführung biometrischer Personaldokumente auch die vorhandenen Bedenken rund um die staatliche Rundum-Überwachung in Luft auflösen. „Es ist davon auszugehen, dass zukünftig das Marktpotential im privatwirtschaftlichen Bereich mindestens gleichwertig sein wird“, glaubt jedenfalls Steffens.

Secunet gibt für Biomiddle folgende Vorteile an:

  • Investitionssicherheit durch standardorientierten Ansatz
  • Modulare und skalierbare Architektur um verschiedenste Anforderungen zu erfüllen – von lokalen Piloten bis zu nationalen Lösungen
  • Unabhängig von Herstellern, biometrischen Geräten oder Algorithmen
  • Keine Anwendungsentwicklung erforderlich, um neue Geräte oder Algorithmen zu integrieren
  • Unterstützt Multi-Biometrie auf Basis gleicher oder unterschiedlicher biometrischer Merkmale (Fingerabdruck, Gesicht, Iris etc.)
  • SOAP- und .NET-Schnittstelle zur Anbindung der Client-Anwendungen
  • Flexible Integration selbst in verteilten Umgebungen durch Modularität der Middleware
  • Unterstützt verschiedene Hintergrundsysteme, Protokolle (SMTP, ODBC, http, SOAP) und Datenbanken (Oracle, mySQL, PostgreSQL, MS-SQL)
  • Anerkannt durch BSI
  • SSL für vertrauliche Datenübertragung
  • Schnelle und schlanke Implementierung mit minimalem Overhead

Secunet-Lösung unterstützt vielfältige Geräte und Module:

  • Biometrische Sensoren für Finger, Gesicht etc.: Jede Technologie, für die ein BSP existiert (zum Beispiel von Cross Match, Sagem, Dermalog, Canon)
  • Biometrische Vergleichsalgorithmen für Finger, Gesicht etc.: Jede Technologie, für die ein BSP existiert (zum Beispiel von Dermalog, L1 Identity Solutions, NIST)
  • Verschiedene Algorithmen zur Qualitätsbewertung biometrischer Daten
  • RFID-Terminals
  • Alle führenden Passleser

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