Künstliche Welten

80 Prozent Wachstum für Augmented Reality und kein Ende, außerhalb von Deutschland

| Autor / Redakteur: Stefan Heng* / Ulrike Ostler

Virtuelle Realität lässt sich etwa zur Wartung von großen Maschinen einsetzen.
Virtuelle Realität lässt sich etwa zur Wartung von großen Maschinen einsetzen. (Quelle: DAQRI/ Deutsche Bank Rsesearch)

Augmented Reality wird in den Medien allzu oft mit der Datenbrille gleich-gesetzt. Allerdings hat Augmented Reality wesentlich mehr zu bieten. Tatsächlich geht es hier darum, den Menschen in seinen alltäglichen Tätigkeiten zu unterstützen, seine Wahrnehmung zu erweitern und die Kommunikation zu erleichtern.

Der Weltmarkt für Augmented Reality dürfte bis zum Jahr 2020 von derzeit 500 Miollionen Euro auf 7,5 Milliarden Euro steigen. Dabei droht die Lücke zwischen den deutschen Unternehmen und deren internationalen Mitbewerbern immer größer zu werden. Das gilt insbesondere gegenüber denjenigen aus Nordamerika oder Fernost, wo die Bevölkerung solchen Innovationen grundsätzlich offener gegenübersteht als hierzulande.

Erfolge bei der Grundlagenforschung im Bereich Augmented Reality führen in Deutschland bislang selten zu ökonomischen Erfolgen. Als Forschungsstandort ist Deutschland weltweit renommiert, bei der anschließenden ökonomischen Umsetzung der Innovationen jedoch allzu oft nachlässig. Die Politik sollte weiterhin die Grundlagenforschung stärken und die Rahmenbedingungen für innovative Finanzierungsformen verbessern, zum Beispiel durch Private Equityv, um die Produktentwicklung bis zur Marktreife stärker zu stimulieren.

Es besteht enormes Potenzial für deutsche Unternehmen bei spezialisierten Anwendungen. Anwendungen für den konsumnahen Massenmarkt werden wahrscheinlich vor allem von ausländischen Unternehmen angeboten. Deutsche Unternehmen dürften eher in Marktnischen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen für gewerbliche Anwendungen punkten, die die großen IT-Giganten so nicht besetzen.

Augmented Reality beschreibt einen weit gefassten Strauß

Augmented Reality wird fälschlicherweise allzu oft allein mit der Datenbrille „Google Glass“ gleichgesetzt, die auch wegen ihrer Gesichtserkennungsfunktionalität heftige Ängste um Eingriffe in die Privatsphäre schürt. Demnach münden Diskussionen um Chancen und Risiken von Augmented Reality leider sehr häufig in Schreckenszenarien einer Überwachungs-Dystopie.

Tatsächlich ist Augmented Reality weit mehr als nur die viel diskutierte Datenbrille. So geht es bei Augmented Reality vornehmlich darum, den Menschen in seinen alltäglichen Tätigkeiten zu unterstützen, seine Wahrnehmung zu erweitern und die Kommunikation zu erleichtern. Deswegen ist es wichtig, die Technologie nicht aufgrund einer einzelnen Anwendung aus einer Vielzahl von Möglichkeiten als Ganzes zu verteufeln, sondern die Risiken zu begrenzen, um die Chancen nutzen zu können.

Ergänzendes zum Thema
 
In Kürze zusammengefasst
 
Die Idee fasziniert schon lange

Begriffsverständnis stark kontextabhängig

Die Computerwissenschaft stellt Augmented Reality zumeist in den Zusammenhang mit der Virtual Reality und verortet diese im „Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum“ als Mixed Reality oder Enhanced Reality.2 Im Gegensatz zu Virtual Reality, bei welcher der Nutzer komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, wird bei Augmented Reality die reale Welt um zusätzliche Informationen beziehungs-weise technische Hilfen erweitert.

Teilweise wird Augmented Reality in diesem Kontext lediglich als elaboriertes Sichtgerät verkannt. Tatsächlich bezeichnet Augmented Reality allerdings eine wesentlich umfassendere Entwicklung von Anwendungen, bei denen es darum geht, die reale Welt mit virtuellen Informationen anzureichern und den Nutzer in Echtzeit interagieren zu lassen.

Somit kann Augmented Reality über die intuitiv visuellen Hilfen die Komplexität der Aufgaben wesentlich reduzieren. Wie bei anderen innovativen Bereichen, bleibt auch der Begriff Augmented Reality in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlichen Bedeutungen oft unscharf abgegrenzt – dies womöglich teilweise auch gewollt. Durch diese Unschärfe werden oft überzogene Erwartungen geschürt, die dann zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Dies bringt die grundsätzlich ebenso sinnvolle wie faszinierende Idee in der öffentlichen Meinung allzu oft in Misskredit.

Augmented Reality heißt nicht: Datenbrille

Entgegen der Wahrnehmung ist es eben nicht die Datenbrille, sondern es sind die sowieso weitverbreiteten Smartphones und Tablets, die den Anwendern als Endgerät für Augmented Reality dienen.

Tatsächlich setzen Unternehmen und Privatpersonen diese Technologie bereits heute in etlichen Feldern ein; freilich ohne dabei den Begriff Augmented Reality auch immer explizit zu nennen.
Tatsächlich setzen Unternehmen und Privatpersonen diese Technologie bereits heute in etlichen Feldern ein; freilich ohne dabei den Begriff Augmented Reality auch immer explizit zu nennen. (Quelle: Deutsche Bank Reserach)

Dennoch steht die Datenbrille sicherlich nicht am Ende jedweder Entwicklung im Augmented-Reality-Segment. So deutet sich bereits heute an, dass auch andere Wearables, also mit Sensoren und Aktoren ausgestattete Kleidungsstücke und Accessoires, hier bedeutend werden.

Ein Beispiel ist die bei der CES (Global Consumer Electronics and Consumer Technology Tradeshow) in Las Vegas besonders prominent präsentierte intelligente Uhr. Diese zeigt selbstverständlich nicht nur die Zeit an, sondern bietet weit darüber hinaus gehende Zusatz-anwendungen, von der Kommunikation (Anrufe, Textnachrichten) über die Kalenderverwaltung bis hin zur Steuerung von Geräten, Licht und Klimatechnik im Smart Home.

Endgeräte lediglich Plattform für Entwicklung der Anwendungen

Für das Verständnis der Chancen und Risiken von Augmented Reality ist es essenziell, eben nicht allein vom Endgerät her zu argumentieren. Smartphone, Datenbrillen oder auch Wearables bieten zugegebenermaßen viele nützliche Funktionen. Doch genauso wie ein Smartphone ohne Apps nur sehr wenig „smarte“ Funktionalität bietet, können auch andere Endgeräte erst durch entsprechende Software ihren vollen Nutzen im Bereich Augmented Reality entfalten.

Ausgewählte Unternehmen des Augmented-Reality-Marktes
Ausgewählte Unternehmen des Augmented-Reality-Marktes (Quelle: Deutsche Bank Research)

So braucht es insbesondere bei spezialisierten Einsatzfeldern maßgeschneiderte Software und Endgeräte, die nicht von der Stange erhältlich sein werden. Hier ist zu erwarten, dass sich parallel zur weiteren Ausweitung im Massenmarkt die Entwicklerszene für Augmented Reality weiter verbreitert – insbesondere auch im Bereich Open Innovation. Diese Programmierungen könnten Smartphone, Datenbrille und Wearables als Steigbügel für weitreichende Innovationen nutzen.

Keine Fiktion

Insgesamt sollten wir unser Verständnis von Augmented Reality keinesfalls von futuristisch oder teilweise auch überzogen spaßig anmutenden Angeboten leiten lassen. Denn tatsächlich setzen Unternehmen und Privatpersonen diese innovative Technologie bereits heute in etlichen Feldern ein; freilich ohne dabei den Begriff Augmented Reality auch immer explizit zu nennen. Die Spannweite dieser Einsatzfelder reicht dabei von der Konsumentenelektronik, Multimedia und Games, über Lifestyle, Gesundheit und Bildung bis hin zur Prozessoptimierung, insbesondere auch im Kontext mit dem Mega-Thema Industrie 4.0.5

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