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Nützliche, außergewöhnliche und verrückte Gadgets zu Weihnachten 2018 erfolgt der Angriff von Killer-Glühbirnen

Autor / Redakteur: Heidemarie Schuster / Ulrike Ostler

Schon haben wir den 1. Advent und wer noch nach einem geeigneten Weihnachtsgeschenk sucht, findet vielleicht das passende in der bunten Welt der Gadgets. Viele davon reihen sich in die Rubrik "Internet of Things" und "connected world" ein. Damit kommt der Mörder ins Haus; ein nicht immer ernster Artikel.

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Auch der Weihnachtsman und Rudolph kommen an der Technik-Welt nicht vorbei.
Auch der Weihnachtsman und Rudolph kommen an der Technik-Welt nicht vorbei.
(Bild: © nicoletaionescu - Fotolia.com)

Bereits im kommenden Jahr sollen rund 4,9 Milliarden vernetzte „Dinge“ weltweit im Einsatz sein, sagt Vice-President und Distinguished Analyst Jim Tully. Dieser Zuwachs würde einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr entsprechen. Bis 2020 soll das Internet der Dinge sogar auf 25 Milliarden vernetzte Geräte wachsen, wie die Marktforscher prognostizieren.

Das Internet der Dinge nicht nur zu Weihnachten
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Der rapide Zuwachs in diesem Bereich wird auch Folgen für die Wirtschaft haben. Verbraucher, Unternehmen und Organisationen finden zunehmend neue Wege, um sich die technischen Möglichkeiten zunutze zu machen. Jim Tully, Vice President und Analyst von Gartner, sieht darin sogar eine Gefahr für bestehende Unternehmen, falls diese sich nicht auf das Internet der Dinge einstellen.

Insbesondere in den Bereichen Herstellung, Energieversorgung und Transport erwartet Gartner eine hohe Verbreitung vernetzter „Dinge“. Bis 2020 sollen in allen drei Segmenten insgesamt 1,7 Milliarden solcher Geräte im Einsatz sein. Zudem stellt das Internet der Dinge die enge Verbindung von Datensicherheit, IT-Security und physischen Schutzmaßnahmen in den Vordergrund.

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Die Verantwortlichen müssten bereits jetzt die Entscheidung treffen, wie die Sicherheitsmaßnahmen in ihren Unternehmen aussehen, sowie wer sie leitet, verwaltet und durchführt. Bis Ende 2017 werden laut Gartner 20 Prozent der Organisationen ihre Geschäftsvorgänge mit digitalen Sicherheits-Services schützen, die auf IoT-fähigen Geräten und Diensten basieren.

Die Schattenseiten des hypervernetzten Welt

Indem jedes Ding nicht nur eine IP-Adresse hat, sondern in zwar bescheidenem aber dennoch vorhandenen Rahmen programmierbar ist, lässt sich das Verhalten auch von Unbefugten beeinflussen. Frank Buytendijk, ebenfalls Gartner-Analyst, sagte neulich in seiner Keynote während des Gartner-Symposion in Barcelona: „Ich erwarte den ersten Cyber-Mord noch vor dem Jahr 2018 -- und das ist mehr als konservativ geschätzt.“

Nicht nur bei Autoren von Kriminalromanen dürfte nun die Phantasie in Schwung kommen, der Fahrstuhl, der durch Manipulation über die Deckenventilatoren in die Tiefe saust, das lahmgelegte Shoppingcenter, in dem nicht nur das Licht ausgeht und sich die Tresore öffnen, sondern auch die IP-Kameras die Seifenspender Stromstöße abgeben lassen, das vernetzte Auto, das über eine rote Ampel fährt, der Lastwagen, dessen Reifen melden müssten, dass sie ausgetauscht gehörten, der Stromausfall des Herzschrittmachers ....

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Zurück auf den Boden der Tatsachen mit einer Smartwatch, eine Art Kommentar

Nein, es ist kein Witz und auch keine Erfindung: Ich habe eine Samsung Smartwatch gefunden, in Las Vegas – Was will ich auch da? –, vor einem Casino – da gehöre ich erst recht nicht hin – auf dem Strip: Gewusel, Gewimmel, buntes Völkergemisch.

Da lag sie und keiner bückte sich, barg sie oder sah sich suchend nach einer herrenlosen-E-Mail-empfangenen einsamen Uhr um. Ich hob sie auf, stand eine Weile dumm herum, um sie dann mitzunehmen in dem guten Glauben: Es kommen E-Mails rein, der Besitzer dürfte nicht weit weg sein und gegebenenfalls kann ich einen E-Mail-Kontakt anfunken.

So sieht das Fundstück Samsung Gear Live aus.
So sieht das Fundstück Samsung Gear Live aus.
( Bild: Ostler )

Seither bin ich Besitzerin einer Uhr, die nicht funktioniert. Natürlich hatte ich nicht sofort Zeit, mich um die Gefundene zu kümmern, sie quittierte das mit Stromausfall; die Batterie war leer – übrigens ein häufiges Problem bei solchen Uhren, wie ich inzwischen aus diversen Foren weiß. Immerhin teilte mir mein Fundstück noch mit, um welches Fabrikat und Modell es sich handelt: „Samsung Gear Live“.

Im Gegensatz zum neuen iPhone, das einen Apple-Eigenbau in Sachen Mini-USB-Anschluss aufweist, so dass nun alle Vorgängeranschlüsse nicht mehr passen, darf man bei Samsung darauf vertrauen, dass die Mini-Anschlüsse von einem Modell zu einem anderen eventuell noch passen. Also: Warum nicht auch bei einer intelligenten Uhr?

Leider hat diese Uhr gar keine Buchse. Dafür braucht es Adapter. In den Hotelläden mit überteuertem Schnickschnack kann man auch Unerdenkliches erstehen, nicht aber einen Adapter für diese Smartwatch. Sie verließ das Land mit mir und besuchte unter anderem einen Media-Markt.

Das ist die Rückseite ohne ID und mit den Kontakten.
Das ist die Rückseite ohne ID und mit den Kontakten.
( Bild: Ostler )

Nachdem der freundliche Mitarbeiter genügend Zeit aufbrachte, um in kompentester Weise mit „Boah! Eij! Geil! Wo haben Sie die denn her?“ die Uhr zu klassifizieren, was in kürzester Weise einen Menschenauflauf rund um mich beziehungsweise um eine Uhr verursachte, auf der absolut nichts zu sehen war, war für ihn klar: Das Modell gibt es in Deutschland noch gar nicht und die Adapter der anderen Samsung-Modelle passen erst recht nicht.

Versuche, über Samsung den ursprünglichen Besitzer ausfindig zu machen oder einen Adapter zu bestellen oder in Erfahrung zu bringen, ab wann das denn möglich sein könnte, scheiterten. Die Aussage des Support war klar und verständlich: Das Modell gibt es hier nicht, deshalb auch keinen Support.

Nein, alle Stationen der Suche nach einer Lademöglichkeit für die Uhr, will ich nicht aufzeichnen, wenngleich das Uhrenmodell schon seit Juli dieses Jahres bei der Telekom im Angebot ist und per Google-Store verkauft wird. Anmerkung: Nutzen Sie kein Android-Tablet, um eine Android-Smartwatch beim Android-Protagonisten Google zu kaufen: Der Shop verweigert das Anzeigen von Bildern und das Informieren des Support.

Und nein, ich habe noch immer keinen Adapter, dafür aber jede Menge Kenntnisse über die Probleme, die mich erwarten, sollte die Smarte jemals aktiv werden, sowie die Gewissheit, noch ein wenig vom Cybermord verschont zu werden, solange mein smartes Fundstück gewissenhaft den Dienst versagt.

Wann also werden wir Schlagzeilen wie „Angriff der Killer-Glühbirnen“ lesen? Gut, das ist (noch) Spinnerei. Doch andere Problemszenarien sind schon greifbarer. So beginnt laut Gartner-Analyst Tully eine Diskussion darüber, wen eigentlich die Daten, die bisher mehr oder weniger brach lagen oder nicht erhoben wurden, gehören.

Wem gehören die Daten?

Dazu ein Beispiel. In den Rädern von Trucks aber auch in vielen Privatwagen werden heute schon Unmengen von Daten erhoben. Werden sie sinnvoll verwendet, lassen sich aus dem Fahrverhalten Analysen erstellen, die zu besseren, sicheren Autos und LKW sowie zu besseren Fahrern gehören.

Das Internet der Dinge nicht nur zu Weihnachten
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Ein derzeit oft zitiertes Business-Modell einer britischen Versicherung, bietet auf Basis solcher Daten neue Tarife an; der Versicherte kann wählen, ob er rücksichtsvoll und regelkonform fahren und Versicherungskosten sparen, oder ob er auf diese Art der Überwachung verzichten und einen Pauschaltarif will. In jedem Fall ist es für die Versicherungen ein Geschäft, doch sie erheben die Daten nicht.

Gehören sie dem Automobilkonzern, jeder oder einer Versicherung, dem Fahrer, den Komponentenherstellern, den Städten, die den Verkehr steuern? Und wer ist für die Sicherung zuständig?

Hohe Verbreitung im Consumer-Segment

Auch das Consumer-Segment treibt laut den Marktforschern die Entwicklung vernetzter „Dinge“ voran. Gartner schätzt, dass in diesem Bereich bis 2015 rund 69,5 Milliarden Dollar und bis 2020 263 Milliarden Dollar ausgegeben werden. Während Enterprise-Lösungen den höchsten Umsatz stellen, sorgt der Consumer-Bereich für die Verbreitung entsprechender „Dinge“. Bis 2020 sollen rund 13 Milliarden IoT-fähige Geräte im Umlauf sein. Die höchste Wachstumsrate stellt der Automotive-Sektor mit 96 Prozent im Jahr 2015 (siehe: tabellarische Übersicht in der Bildergalerie).

„Die Zahl der vernetzten, intelligenten Geräte wird weiter exponentiell wachsen“, betont Steve Prentice, Vice President von Gartner. „CIOs müssen für dieses Szenario neue Dienste, Anwendungsszenarien und Geschäftsstrategien finden“, ergänzt er.

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