Umweltfreundlich, neu, innovativ - der Datacenter-Chiller aus Feldkirchen

"Wir kochen Wasser bei 5 Grad Celsius!"

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Nur knapp einen Quadratmeter Standfläche braucht Efficient Energy für 45 Kilowatt Kühlleistung.
Nur knapp einen Quadratmeter Standfläche braucht Efficient Energy für 45 Kilowatt Kühlleistung. (Bild: Efficient Energy)

Ein völlig neuartiges Chiller-System befreit Rechenzentrumsbetreiber vom schlechten Gewissen wegen ozon- oder klimaschädlichen Kältemitteln. Es arbeitet mit Wasser und spart laut Hersteller 50 Prozent Energie. Den RZ-Infrastruktur-Spezialisten Stulz konnte Efficient Energy von einer Partnerschaft überzeugen.

Derzeit arbeiten die meisten Rechenzentren noch mit relativ niedrigen Temperaturen von 22 oder 23 Grad, weil sich die Betreiber dabei sicherer fühlen. Das bedeutet aber einen beträchtlichen Kühlaufwand. Ein neues System, das der Startup Efficient Energyaus Feldkirchen bei München entwickelt hat, arbeitet dagegen mit Leitungswasser.

„Wir kühlen mit der Hälfte des Energieaufwands“, so Dr. Klaus Feix, Geschäftsführer von Efficient Energy.
„Wir kühlen mit der Hälfte des Energieaufwands“, so Dr. Klaus Feix, Geschäftsführer von Efficient Energy. (Bild: Efficient Energy)

Klaus Feix, Geschäftsführer der 2006 gegründeten Firma, die inzwischen auf 52 Mitarbeiter gewachsen ist: „Bisher sind nur einige proprietäre Systeme im universitären Umfeld entstanden, die aber niemals die Serienreife erreichten.“ Dass dies hier möglich war, verdankt sich dem ingenieurtechnischen Genius und der Hartnäckigkeit der beiden Erfinder Holger Sedlak, Diplom-Informatiker, und Oliver Kniffler, Diplom-Elektroingenieur.

Grundlage ist der altbekannte Carnot-Prozess, der Wärmepumpen und Kältemaschinen zugrunde liegt. Er hat vier Stufen: Verdampfen, Verdichten, Kondensieren und Expandieren. In der Regel erzeugt ein solches System heute rund viermal so viel Kälte oder Wärme, wie man hineinsteckt.

Modifizierter Carnot-Prozess und neuer Verdichter

Die Gründer von Efficient Energy, die ursprünglich an eine Wärmepumpe für Häuser dachten, wollten mehr. Ihr Gerät erreicht eine Arbeitszahl von über 8, das heißt, eine Einheit Energie-Input erzeugt achtmal so viel Wärme oder Kälte.

Damit das funktioniert, entwickelten sie ein komplett neues Gerätekonzept, das den Carnot-Prozess in einem geschlossenen System umsetzt. Mit der Außenwelt ist es über zwei Wärmetauscher – einen auf der warmen, einen auf der kalten Seite – verbunden.

Um die Lösung zu realisieren, konzipierten sie einen neuartigen Elektromotor mit extrem hoher Drehzahl (90.000 U/Min) und spezieller Leistungselektronik, der den Anforderungen einer feuchtwarmen Umgebung standhält. Dazu kommt ein komplett neuer Verdichter, der „ct turbo“. Auch dieser ist optimiert für extreme Anforderungen. „Die Rotorblätter des Verdichters mussten, um die hohe Drehzahl von 88.000 U/min zu erreichen, am äußeren Ende extrem dünn und innen sehr robust sein“, erläutert Feix (siehe: Folgeseite).

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Solche Systeme gibt es eigentlich schon lange -- Prof. Joachim Paul sei Dank! Sabroe (DK) und...  lesen
posted am 17.09.2014 um 16:12 von Unregistriert

Sehr interessantes System, ich bin auf die ersten Erfahrungen im Live Betrieb gespannt.  lesen
posted am 15.09.2014 um 21:34 von Unregistriert


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