Ein manifester Trend in der IT: externe IT-Ressourcen und Know-how

Was ist Outsourcing?

| Autor / Redakteur: Janine El-Saghir* / Ulrike Ostler

Outsourcing ist aus dem IT-Betrieb nicht wegzudenken, heute etwa als Managed Services, Managed Cloud.
Outsourcing ist aus dem IT-Betrieb nicht wegzudenken, heute etwa als Managed Services, Managed Cloud. (Bild: © djarma/ Fotolia.com)

In der IT gewinnen Outsourcing und Managed Services seit den 1990er Jahren immer stärkere Bedeutung. Die Auslagerung der IT-Infrastruktur ist ein wichtiger Effizienztreiber, bei dem es oft um die Zukunftsfähigkeit der Kundenunternehmen geht.

Outsourcing ist ein Trend, der in vielen Branchen manifest ist. Dabei werden einzelne Businessprozesse oder komplette Firmenbereiche an einen externen Dienstleister ausgelagert, der dafür materielle und personelle Ressourcen zur Verfügung stellt. Auf den ersten Blick wollen die Unternehmen damit vor allem Kosten sparen - sowohl im Hinblick auf Anfangsinvestitionen als auch für den laufenden Betrieb. Vor allem im IT-Bereich erhalten Firmen durch Outsourcing und Managed Services jedoch Zugang zu Kosten und Know-how, die sich durch eine In-House-Lösung nicht im gleichen Umfang realisieren lassen.

Outsourcing - Voraussetzung für Cloud-Computing und Big Data

Für die Auslagerung von Rechenzentren treffen beide Punkte in besonders hohem Maße zu. Die Einrichtung eines eigenen Rechenzentrums erfordert Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe, hinzu kommen die Kosten sowie der technische Aufwand für den laufenden Betrieb. Externe Rechenzentren bieten ihren Kunden eine Infrastrukturumgebung an, in denen sich die Kosten für das einzelne Unternehmen in akzeptablen Grenzen halten.

Gleichzeitig bietet ein solches Datacenter seinen Kunden nicht nur flexible nutzbare Rechenkapazitäten, sichert eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und Klimatisierung auf Basis aktuellster technologischer Standards ab und sorgt für eine leistungsstarke Netzanbindung. Bei der Nutzung von Managed Services kommen zu diesen Basisangeboten gegebenenfalls weitere kundenspezifische Dienstleistungen hinzu.

Outsourcing und Managed Services sind in all diesen Dimensionen ein wesentlicher Optimierungsfaktor. In einer KPMG-Studie aus dem Jahr 2014 gaben 51 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sich ihre IT-Infrastruktur durch diesen Schritt erheblich verbessern würde. Neben der Ressourcenfrage und der Notwendigkeit redundanter Strukturen wirkt gerade in Rechenzentren ein permanenter Modernisierungsdruck, dem sich ihre Betreiber stellen müssen.

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Mittelständler, aber auch Großbetriebe, stoßen hier schnell an ihre Grenzen oder müssten für die Entwicklung ihrer Datenverarbeitungskapazitäten wichtige Investitionen in ihren zentralen Geschäftsbereichen kürzen. Zudem schaffen IT-Dienstleister durch die durch die ermöglichte Ressourcenbündelung erst die Voraussetzungen für aktuelle Megatrends wie Cloud-Computing und Big Data.

Am Anfang stand das Bodyshopping

Die Anfänge des (globalisierten) Outsourcing in der IT liegen in den 1990er Jahren und dem wachsenden Bedarf an Fachkräften und Rechenleistung. Einer der initialen Gründe dafür war das „Millenium Bug“: Die Vorbereitung der Computersysteme auf die Jahrtausendwende erforderte kurz- und mittelfristig beträchtliche personelle und technische Ressourcen, um einen globalen Datenkollaps zu verhindern.

Als Konsequenz daraus praktizierten IT-Consulting-Firmen das so genannte Bodyshopping. Sie profilierten sich als Outsourcing-Agenten, indem sie ihren Kunden IT-Dienstleistungen in Schwellenländern vermittelten, die zu derart günstigen Konditionen und mit Kapazitäten vermittelten, die in den klassischen Industrieländern zu diesen Konditionen nicht zu haben waren. Der Aufschwung der indischen IT-Branche hat maßgeblich in dieser Praxis seine Wurzeln. Ausgelagert wurden (und werden) in diesem Kontext vor allem operative Routinetätigkeiten und -Prozesse.

Managed Services - ein alternatives Outsourcing-Konzept für Firmenkunden

Ebenfalls in den 1990er Jahren entwickelten sich allerdings auch andere Outsourcing-Konzepte, bei denen es darum ging, Unternehmen eine bedarfsgerechte und erweiterungsfähige Infrastruktur für ihre IT zu bieten. Im Kern handelt es sich um die teilweise oder komplette Auslagerung von Rechenzentren sowie die Inanspruchnahme von Managed Services als standardisiertes oder individuell maßgeschneidertes Angebot für Firmenkunden. Die Entwicklung der Managed Services ging seitdem in verschiedenen Ausbau- und Entwicklungsstufen vor sich. Aktuell und in absehbarer Zukunft liegt der Fokus hier auf externen Data Centern und Cloud-Computing.

Komplexe Erwartungen in Outsourcing und Managed Services

Eine Studie des Marktforschungsinstitutes HfS Research und der Unternehmensberatung KPMG aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die überwiegende Zahl der befragten Unternehmen im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2014 ihre Investitionen in Shared/Managed Services und Outsourcing moderat bis signifikant erhöhen wollten, auf eine Ausweitung der internen IT- und Datenverarbeitungsressourcen setzte dagegen nur eine Minderheit der Firmen.

Von der Inanspruchnahme von Managed Services oder einer anderen Outsourcing-Lösung versprachen sich die Unternehmen:

  • Signifikante Kostensenkungen
  • Bessere Standardisierung, Automatisierung und Transformierung von Prozessen
  • Höhere Flexibilität, um die IT-Kapazitäten dem tatsächlichen Bedarf des Unternehmens anzupassen
  • Die Einhaltung von Compliance-Regelungen
  • Zugang zu neuen Technologien
  • Zugang zu "strategischen Talenten" - also hochspezialisiertem Personal, dessen Recruiting und Beschäftigung für einzelne Unternehmen entweder nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbarist
  • Bessere Datenanalyse für Prozessoptimierungen und Umsatzsteigerungen
  • Besserer Cloud-basierter Service

Das Potential von Managed Services bezieht sich damit sowohl auf die aktuelle digitale Performance von Unternehmen als auch ihre künftige Entwicklung/ihre Zukunftsfähigkeit.

Managed Services sind In-House-Lösungen grundsätzlich überlegen

Die Studie zeigt außerdem, dass die In-House IT-Abteilungen der Unternehmen diese Anforderungen nur in beschränktem Maß erfüllen. Bei der Implementierung von Prozessoptimierungen und Innovationen, Analyseaufgaben sowie der Verfügbarkeit von Talenten/Spezialisten erwiesen sich die Managed Services den In-House-Lösungen als grundsätzlich überlegen.

Der Bedarf des Unternehmens bestimmt das Auslagerungsszenario

Generell gilt, dass die Unternehmen wissen, dass sie professionelle externe Partner brauchen, um ihre digitalen Ziele in vollem Maße zu erreichen. Welche Form sie für solche Partnerschaften wählen, ergibt sich selbstverständlich aus dem jeweils spezifischen Kontext eines Unternehmens.

Das Spektrum reicht vom Anwendungssoftware, die nicht mehr eingekauft oder individuell entwickelt, sondern von einem Application Service Provider (ASP) auf Mietbasis bezogen wird, über die Auslagerung von Teilprozessen bis zum Outsourcing der kompletten IT-Infrastruktur der Firma in ein Rechenzentrum. Managed Services sind in jedem Fall ein Bestandteil des jeweiligen Leistungsangebotes, das sich nach dem Bedarf des Kunden richtet und in einem Service Level Agreement auf individueller Basis definiert wird.

Managed Service und Outsourcing - eine strategische Entscheidung

Mit der Entscheidung für die Kooperation mit ASP oder - in nochmals deutlich höherem Maße - mit einem externen Rechenzentrum treffen Unternehmen eine strategische Entscheidung, die über rein finanzielle oder technische Anforderungen weit hinausgeht. Durch Outsourcing an ein (Carrier-neutrales) Data Center erzielen Unternehmen nicht nur einen signifikanten Einspareffekt, sondern profitieren von einem umfassenden wirtschaftlichen und digitalen Ökosystem mit redundanten Systemressourcen, optimaler Netzanbindung, hohen und skalierbaren Datenübertragungsraten sowie hohen Sicherheitsstandards.

Carrier-Neutralität bewirkt Synergie-Effekte

Die Carrier-Neutralität des Anbieters garantiert, dass sich ein Kundenunternehmen immer diejenigen Partner/Netzanbieter aussucht (und aussuchen kann), bei denen es für seine spezifischen Anforderungen im Hinblick auf Kosten, Leistung sowie die Konditionen des Vertrages die besten Konditionen erhalten kann. Zudem bilden die Teilnehmer innerhalb eines Rechenzentrums Cross Connects, aus denen - beispielsweise durch optimierten Datenaustausch - wichtige Synergieeffekte für die Wertschöpfungskette innerhalb der Einzelunternehmen resultieren.

Innerhalb des Ökosystems eines solchen Rechenzentrums können Unternehmen ihre Kapazitäten bei voller Kostentransparenz schnell, flexibel und ohne zeitlichen Verzug ausweiten oder reduzieren. Durch Cloud-Computing ergeben sich für das Outsourcing der IT-Infrastruktur in großem Maßstab nochmals neue Möglichkeiten - laut einer Studie des IT-Marktforschers Research in Action (RIA) sind die Gewinner hier derzeit die Hybridcloud sowie Co-Locations.

Offshore oder Nearshore: Welcher Outsourcing-Variante gehört die Zukunft?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. "Traditionell" bezeichnete Offshore-Outsourcing die Auslagerung von Produktionsprozessen und Unternehmensdienstleistungen in Länder mit günstigeren Lohnstrukturen, in denen außerdem entsprechend qualifiziertes Personal vorhanden war. In der IT gewinnen neben Offshore-Projekten außerhalb Europas jedoch auch Nearshore-Lösungen innerhalb der EU sowie in anderen europäischen Ländern wachsende Bedeutung.

Als Treiber für die Richtung von Outsourcing-Prozessen könnten sich künftig auch die jeweiligen Strompreise sowie - unter dem Vorzeichen von "Green IT" - der jeweils vorhandene Energiemix erweisen. Die Energiekosten stellen den Löwenanteil der Ausgaben für den Betrieb von Rechenzentren - „Green IT“ bedeutet in diesem Kontext somit auch, mittels entsprechender Technologien Strom so effizient wie möglich einzusetzen. Eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsinstitutes Gartner kommt zum Ergebnis, dass auch der Strompreis sowie die Emissionsbilanz des jeweiligen Strommixes und ihre Kostenrelevanz künftig zu Entscheidungsfaktoren für Nearshoring- oder Offshoring-Entscheidungen werden dürften.

Nearshore-Outsourcing von Rechenzentren - häufig an einen deutschen Standort

Beim Outsourcing von größeren Teilen oder der kompletten Infrastruktur an einen externen IT-Dienstleister sehen die Anforderungen der Unternehmen bei allem Kostenbewusstsein jedoch häufig etwas anders aus. Den Ausschlag gibt hier nicht allein der Preis, den ein IT-Dienstleister fordert, sondern das Vertrauen, das die Kundenunternehmen in seine Leistung haben.

Nearshoring heißt in diesem Kontext häufig, dass die Rechenzentren von Cloud-Providern oder einer Co-Location sich aus Kundensicht zwingend in Deutschland befinden müssen. Ausschlaggebend sind dafür Faktoren wie die Nähe zu einem Internet-Austauschknoten, vor allem aber der inländische Datenschutz sowie Sicherheit und Compliance-Fragen.

Für Co-Locations weist die RIA-Studie aus, dass 16 Prozent der Unternehmen, die sich für eine solche Lösung interessieren, ausschließlich einen deutschen Standort akzeptieren. Die Standortfrage rangiert damit noch vor Ausfallsicherung und Carrier-Verfügbarkeit, die für elf respektive neun Prozent der befragten Firmen den Ausschlag für eine konkrete Outsourcing-Entscheidung geben würden.

* Janine El-Saghir arbeitet für Content.de.

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