Software, Hardware oder ein komplettes Datacenter?

Was ist ein Cloudlet?

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Ein Cloudlet kann ein ein Mini-, Mikro- oder Edge-Datacenter sein oder manchmal gar eine Software.
Ein Cloudlet kann ein ein Mini-, Mikro- oder Edge-Datacenter sein oder manchmal gar eine Software. (Bild: © djama - stock.adob.com)

Cloudlet ist einer der vielen Begriffe, die mit dem Cloud-Computing erfunden wurden. Es handelt sich um eine der begrifflichen Varianten, mit denen man Mini-/Mikro-/Edge- und ähnliche Formen peripherer Rechenzentren bezeichnen kann, die eine Zwischenstufe zwischen Endgerät und Cloud bilden.

Allerdings scheint der Begriff Cloudlet, betrachtet man seine Geschichte, eher der Ursprung der übrigen Begriffsvarianten zu sein. Denn er wurde bereits 2009 an der Carnegie Mellon Universität im Rahmen eines Forschungsprojekt kreiert. Dort entstand ein Prototyp einer derartigen Infrastruktur, den Begriff erfanden die Wissenschaftler Mahadev Satyanarayanan, Victor Bahl, Ramón Cáceres und Nigel Davies.

Sucht man die entsprechende Referenz im Internet auf, ist zu entdecken, dass das Carnegie Mellon Software Engineering Institute den Begriff Cloudlet explizit in den Kontext des Cloud-Computing in Verbindung mit mobilen Anwendungen setzte. Dort heißt es (Übersetzung durch die Autorin): „Ein Cloudlet ist ein neues Architekturelement, das aus der Konvergenz von mobilem Computing/IoT und Cloud Computing entsteht. Es entspricht der mittleren Schicht innerhalb einer dreischichtigen Hierarchie: Mobiles/IoT-Device - Cloudlet – Cloud. Ein Cloudlet lässt sich als „Datacenter in a Box“ beschreiben, das die Cloud näher (ans Endgerät, Hinzufügung durch die Autorin) bringen soll.“

Nach dem Konzept von Carnegie Mellon ist ein Cloudlet also ein verarbeitungsfähiger Datenpuffer sowohl für Cloud-Daten als auch für solche von den mobilen/IoT-Systemen und verwaltet sich nach der Installation komplett selbst. Das Cloudlet besitzt definitionsgemäß ausreichende Rechenleistung für die am Edge zu lösenden Aufgaben, exzellente Cloud-Verbindungen, vorzugsweise kabelbasiert, und möglichst eine leitungsgebundene Energieressource, um strombedingten Engpässen vorzubeugen.

Sicherheitsaspekte

Umfassende Maßnahmen sorgen dafür, dass die Sicherheit weder durch physische noch durch virtuelle Zugriffe gefährdet werden kann. Die angeschlossenen Endgeräte müssen das Cloudlet schnellstens erreichen können, entweder durch physische Nähe oder durch entsprechend schnelle Verbindungen.

Ein Cloudlet nutzt konventionelle Cloud-Technologie , etwa OpenStack, und kapselt beispielsweise von mobilen Systemen heruntergeladene Daten in virtuellen Maschinen. Jedes Cloudlet besitzt zudem aufgabenspezifische Funktionen. Cloudlets sind laut Carnegie Mellon die Basis dafür, tragbare Assistenzsysteme in der Realität zu implementieren, die etwa Augmented Reality nutzen.

Die ersten Anwendungen

Als Anwendung hat die Universität die Video-Überwachung eines Grundstücks durch eine mit Kameras ausgerüstete Drohne realisiert, die ständig mit einem Cloudlet verbunden ist. Zusammen mit „Inwinstack“ präsentierten die Wissenschaftler auf der Computex 2018 eine Lösung, bei der ein Montage-Arbeiter mit Hilfe einer Augmented-Reality-Brille in der Montage eines Festplattenträgers geschult wurde. IKEA zeigte 2017 eine Anwendung, bei der ein tragbarer Assistent, der mit einem Cloudlet in Verbindung steht, durch entsprechende Anweisungen und Informationen den Zusammenbau von Stühlen erleichtert.

Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, wenn reine Software-Applikationen als Cloudlets bezeichnet werden, was beispielsweise Akamai bei seiner „Applikation Edge Redirector“ macht. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass es sich gerade in den Frühphasen einer Technologie unbedingt lohnt, genau hinzusehen, was gemeint ist, wenn ein Hersteller eine neue Technologie oder ein neues Produkt bewirbt – sei dies nun ein Cloudlet, ein Mini-, Mikro- oder Edge-Datacenter.

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