Wie praxisorientiertes Onboarding neue ITSM-Consultants schneller produktiv macht Warum klassische ITSM-Schulungen nicht mehr ausreichen

Ein Gastbeitrag von Benedikt Breitsameter* 5 min Lesedauer

Die Einführung neuer Mitarbeiter im IT-Service-Management (ITSM) zählt zu den kritischsten Phasen im Consulting-Geschäft. Angesichts steigender Systemkomplexität und wachsender Projektanforderungen wird es für Unternehmen immer wichtiger, neue Consultants schnell produktiv zu machen.

Praxisorientierte Onboarding-Konzepte sollen neue ITSM-Consultants schneller an reale Projektaufgaben heranführen und fachliche sowie methodische Kompetenzen schrittweise ausbaue.(Bild: ©  DigitalMagicVisions - stock.adobe.com)
Praxisorientierte Onboarding-Konzepte sollen neue ITSM-Consultants schneller an reale Projektaufgaben heranführen und fachliche sowie methodische Kompetenzen schrittweise ausbaue.
(Bild: © DigitalMagicVisions - stock.adobe.com)

Klassische Schulungsansätze, häufig in Form standardisierter Trainings bei Softwareherstellern, vermitteln dabei eine wichtige fachliche Grundlage. Aktuell zeigt sich jedoch, dass ergänzende Konzepte zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ein Ansatz sind praxisorientierte Inhouse-Ausbildungsmodelle, die theoretisches Wissen mit konkreter Anwendung verbinden und gezielt auf die Anforderungen der geplanten ersten Projekte zugeschnitten sind.

Im Vergleich zu externen Schulungen ermöglichen sie ein stärker individualisiertes Arbeiten – häufig in kleineren Gruppen –, fördern die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen und tragen dazu bei, Trainingskosten gezielt zu reduzieren.

Ein effektives Inhouse- Ausbildungsmodell kombiniert verschiedene Lernformate: Der Einstieg erfolgt dabei häufig zunächst remote: Neue Mitarbeiter arbeiten sich über strukturierte Dokumentationen und eigenständige Übungen in das System ein und lernen es sowohl aus Entwickler- als auch aus Anwenderperspektive kennen.

Dieser Ansatz ermöglicht es den neuen Kollegen, je nach eigenem Vorwissen individuell im eigenen Tempo zu lernen und frühzeitig ein Verständnis für die Systemlogik zu entwickeln. Voraussetzung für einen erfolgreichen Start ist, dass alle technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen im Vorfeld geprüft und vorbereitet sind. Wichtig ist zudem, dass jederzeit Ansprechpartner zur Verfügung stehen, um Fragen zu klären und den Lernprozess zu begleiten. Eine solche Erreichbarkeit ist entscheidend dafür, dass Unsicherheiten nicht zu Lernblockaden werden.

Auf diese initiale Phase folgt eine gezielte Präsenzphase, in der das Gelernte vertieft wird. In intensiven Vor-Ort-Schulungen werden komplexere Inhalte behandelt und zunehmend anspruchsvollere Aufgaben bearbeitet, bei denen erfahrene Kollegen direkt unterstützen können. In der Praxis kann eine solche Struktur beispielsweise so aussehen, dass neue Mitarbeiter zunächst ein bis zwei Wochen remote arbeiten, bevor sie in eine zweiwöchige Präsenzphase zur Vertiefung wechseln.

Coaching statt Wissensvermittlung & Praxis statt Frontalunterricht

Ein zentrales Prinzip moderner Ausbildungsmodelle ist der bewusste Verzicht auf klassischen Frontalunterricht. Dieser kommt allenfalls punktuell zum Einsatz, etwa zur Einführung neuer Themenbereiche, sollte jedoch nicht den Großteil der Schulung ausmachen. Im Mittelpunkt steht stattdessen das eigenständige Arbeiten.

Aufgaben werden bewusst so gestaltet, dass sie praxisnah sind und unterschiedliche Lösungswege zulassen. Dadurch entsteht ein Lernumfeld, in dem sich neue Consultants aktiv mit Problemstellungen auseinandersetzen und eigene Lösungsansätze entwickeln müssen. Dieses Vorgehen fördert nicht nur ein tieferes Verständnis der Systeme, sondern bereitet gleichzeitig auf reale Projektsituationen vor, in denen es selten nur eine „richtige“ Lösung gibt.

Eine wesentliche Rolle im Inhouse-Ausbildungsprozess kommt den erfahrenen Consultants zu, die als Ausbilder fungieren. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, Lösungen vorzugeben, sondern die Lernenden gezielt durch den Denkprozess zu führen. Dies geschieht häufig durch Gegenfragen, die dazu anregen, Lösungswege selbst zu entwickeln und Zusammenhänge besser zu verstehen.

Ein solcher Coaching-Ansatz führt zu nachhaltigeren Lernergebnissen, da die Teilnehmer nicht nur wissen, wie eine Lösung aussieht, sondern auch nachvollziehen können, warum sie funktioniert. Gleichzeitig stärkt er die Selbstständigkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wichtig ist dabei eine ausgewogene Balance: Die Ausbilder müssen jederzeit ansprechbar sein, sollten jedoch nicht dauerhaft präsent sein, um eigenständiges Arbeiten nicht zu behindern.

Realitätsnahe Aufgaben: Der Schlüssel zur Kompetenzentwicklung

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die konsequente Orientierung an realen Use Cases. Im Verlauf der Schulung werden die Aufgaben zunehmend anspruchsvoller und bilden typische Herausforderungen aus Projekten nach. Auf diese Weise entwickeln die Teilnehmer ein Gespür für reale Problemstellungen und können das Gelernte direkt in praxisnahe Kontexte übertragen.

Ergänzend kann es sinnvoll sein, bewusst ungewöhnliche Aufgabenstellungen einzubauen, die auf den ersten Blick nichts mit dem eigentlichen Toolkontext zu tun haben. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung eines Spiels innerhalb des Systems. Solche Aufgaben fördern das Verständnis für architektonische Zusammenhänge und machen gleichzeitig die Grenzen und Möglichkeiten der eingesetzten Technologie erfahrbar.

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Neben der fachlichen Ausbildung spielt auch die soziale Integration eine zentrale Rolle im Onboarding-Prozess. Gerade in den Präsenzphasen sollte daher bewusst Zeit für den persönlichen Austausch und für Teambuilding eingeplant werden. Ein gutes Teamklima erleichtert nicht nur die Zusammenarbeit im späteren Projektalltag, sondern wirkt sich auch direkt auf den Lernerfolg aus. Wer sich im Team wohlfühlt, ist offener für Feedback, stellt häufiger Fragen und kann sich besser auf die Inhalte konzentrieren.

Kontinuierliche Entwicklung statt einmaliger Schulung

Moderne Ausbildungsansätze verstehen Lernen nicht als abgeschlossene Phase, sondern als kontinuierlichen Prozess. Nach den ersten Schulungsphasen wird der Lernstand daher regelmäßig überprüft, um gezielt weitere Entwicklungsmaßnahmen einleiten zu können. Dazu gehören beispielsweise individuelle Nachschulungen in Bereichen, in denen noch Unsicherheiten bestehen, ebenso wie formale Zertifizierungen – etwa nach ITIL-Standards –, um das erworbene Wissen auch strukturiert zu verankern.

Parallel dazu werden die neuen Mitarbeiter schrittweise in reale Projekte integriert, sodass sie ihre Fähigkeiten unter realen Bedingungen weiterentwickeln können. Auf diese Weise entsteht ein fließender Übergang von der Ausbildung in die produktive Projektarbeit.

Erfolgsfaktoren für modernes ITSM-Onboarding

Aus der Praxis lässt sich ableiten, dass erfolgreiche Onboarding-Modelle im ITSM-Consulting mehrere zentrale Prinzipien vereinen. Entscheidend ist zunächst die konsequente Ausrichtung auf Praxis statt auf reine Theorievermittlung. Lernen erfolgt am effektivsten dort, wo Wissen unmittelbar angewendet werden kann. Gleichzeitig zeigt sich, dass eigenständiges Arbeiten die Entwicklung von Problemlösungskompetenzen deutlich stärker fördert als passiver Wissenserwerb.

Ebenso wichtig ist der Wandel in der Rolle der Ausbilder: Statt Wissen zu vermitteln, begleiten sie den Lernprozess als Coaches und fördern damit nachhaltige Lernerfolge. Ergänzt wird dieser Ansatz durch hybride Lernmodelle, die die Vorteile von Remote- und Präsenzphasen kombinieren und so sowohl Flexibilität als auch intensive Betreuung ermöglichen. Nicht zuletzt spielt auch die soziale Integration eine entscheidende Rolle, da ein funktionierendes Teamumfeld die Lernbereitschaft und den Erfolg maßgeblich beeinflusst.

In einem Markt, der von Fachkräftemangel und steigender Komplexität geprägt ist, wird die Ausbildung neuer ITSM-Consultants zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die auf praxisnahe, flexible und lernpsychologisch fundierte Ausbildungsmodelle setzen, können neue Mitarbeiter nicht nur schneller produktiv machen, sondern auch langfristig stärker an sich binden.

Der Wandel von standardisierten Schulungen hin zu individuellen, anwendungsorientierten Lernkonzepten markiert damit einen zentralen Entwicklungsschritt im ITSM-Consulting – und bietet zugleich die Chance, die Qualität von Projekten nachhaltig zu verbessern.

Über den Autor:
Benedikt Breitsameter ist Solution Expert Servicemanagement bei der handz.on GmbH.

Bildquelle: handz.on

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