Alles sollte großartig werden - auf der „Huawei Connect 2023“. Rund 150 Journalisten aus aller Welt waren damals geladen, GenAI der Hype. Huawei konnte bereits mit mehr als 50 Foundation-Modellen aufwarten und man munkelte von einer passenden, neuen, wassergekühlten Servergeneration unter einem neuen Vorstandsvorsitz. Das war vorher. Und dann kam ein Verbot, Nvidia-Chips an Huawei zu liefern und die Entscheidung deutscher Politiker, Huawei-Technik zumindest aus den Core-Netzen der Telcos auszuschließen. Aus war's mit dem Glanz. Und jetzt?
Zu Besuch bei Huawei
(Bild: uo( Vogel IT-Medien GmbH)
Gegründet wurde Huawei 1987 von Ren Zhengfei. Seine Tochter Meng Wanzhou hatte im April 2023 den rotierenden Konzernvorsitz - es gibt drei für fünf Jahre von 17-köpfigen Vorstand gewählte Vorsitzende - übernommen. Somit war die Konferenz „Huawei Connect“ in dem Jahr die erste der internationalen ICT-Konferenz, die sie eröffnen konnte - eigentlich perfekt für einen Einstand.
Die Veranstaltung „Huawei Connect“ fand im Jahr 2023 von 02. bis 22. September statt. Die Aufregung über GenAI war groß. Meng Wanzhou, die Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei, eröffnete die Konferenz.
(Bild: uo/ Vogel IT-Medien GmbH)
Doch die Nachrichten, Huawei sei der Zugang zu den von der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited (TSMC) produzierten Hochleistungschips - betroffen sind etwa Intel- und seit vergangenen Jahr auch Nvidia-Chips - verwehrt, sowie die Restriktionen in Deutschland und anderswo die Mobilfunknetze, etwa für 5G und nachfolgende Generationen, nicht ausstatten zu dürfen, verhagelten die Stimmung. Zunächst waren die Journalisten ausgeladen, dann doch zu den Keynotes zugelassen, aber weiterhin von der Ausstellung ausgeschlossen. Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung das erste Mal auch in Paris statt, am 14. und 15. November.
Wie reagiert Huawei auf den Ausschluss vom Angebot der Halbleiter amerikanischer Firmen? 1. Man wahrt das Gesicht. 2. Man macht sich auf die Suche nach Alternativen. Das ist man bei Huawei gewohnt, ist die Firmengeschichte schon mehrmals nicht so gradlinig verlaufen, wie der Erfolg vermuten lässt. Carsten Senz, Vice President Corporate Communications bei Huawei Deutschland, der sich unter anderem in der dortigen Landessprache unterhalten kann, erläutert das Firmenmotto „Nach Steinen tastend den Fluss überqueren“. Einer chinesischen Weisheit entlehnt, bedeute es: „ausprobieren, wie weit man kommt - Flexibilität und Antizipation verbunden mit einer starken Nutzerorientierung. “
Heute beschäftigt Huawei rund 207.000 Mitarbeiter in 170 Ländern. Davon arbeiten rund 55 Prozent in der Fertigung und Entwicklung. Der Konzern gehört zu den umsatzstärksten weltweit - Nr. 103 der „Global Top“ - mit etwa einem Wachstum von 30 Prozent. Für die Unternehmensgründung standen dem Bauingenieur 2.500 Dollar zur Verfügung. Damit startete 'Mr. Ren' ein Telco-Handelsunternehmen, in Hongkong eingekauftes Equipment wurde in China verkauft. Nach drei Jahren aber war schon wieder Schluss. Der chinesische Staat verbot den Handel.
Ren begann mit eigener Fertigung und Entwicklung. Heute gehen 23,4 Prozent des Umsatzes in die Forschung. Die zweite Unternehmenskrise erlebte Huawei in den 90er Jahren. Die chinesischen Banken gewährten Huawei keinen Kredit mehr. Dem Unternehmen fehlte der Cash-Flow.
Aus dieser Situation befreite sich Huawei durch ein Aktiensystem, das die Mitarbeiter zu den Huawei-Eigentümern macht. Die Aktien werden nicht öffentlich gehandelt. Die Mitarbeiter haben damals mit ihrem eigenen Geld den Neustart finanziert. Mr. Ren hat mittlerweile seine Anteile an die Mitarbeiter verkauft und besitzt nun weniger als 1 Prozent.
Die dritte und die jüngste Krise
Die dritte Krise traf Huawei, weil das Unternehmen auf den falschen Mobilfunkstandard gesetzt hatte, 3G, den es in China nicht gab, der aber in Europa eingeführt wurde. Aus dem ehemaligen Telco- Unternehmen wurde so nebenbei eine High-Tech-Company, die Datacenter, Mobilität und Energie als seine Kernbereiche sieht.
Seit mehr als drei Jahren nun dürfen keine amerikanischen Unternehmen mehr Produkte an Huawei verkaufen und auch alle Firmen wie TSMC und Oracle nicht, die Technik an amerikanische Unternehmen liefern. Unter anderem hat das dazu geführt, dass Huawei binnen zwei Jahren ein eigenes ERP-System entwickelt hat.
Unter anderem traf es die Produktion der Smartphones. Auf den Huawei-Handys lief ein Android-Derivat, also Open Source. Das war nicht das Problem. Google durfte aber seinen Marktplatz für Apps, die auf Huawei-Geräten liefen, nicht mehr zur Verfügung stellen, geschweige denn andere Hersteller ihre Apps.
Inzwischen setzt Huawei mit „HarmonyOS Next“ auf ein eigenes Betriebssystem. Beim Besuch einer Produktionsstätte für Smartphones, ließ sich eine Fertigungsstraße bewundern, an der einst 83 Personen pro Linie mehr oder minder Fließbandarbeit verrichtet haben, heute aber dank einer Automatisierung von 85 Prozent nur noch 14 Mitarbeiter die Produktion mehr oder minder beaufsichtigen. So ist es möglich, alle 26 Sekunden ein Smartphone funktionsfähig herzustellen. 12 Produktionslinien befinden sich derzeit vor Ort.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Über lange Jahre Huawei beraten, wie man flexible Prozesse aufsetze, habe, laut Senz, IBM und in puncto Qualitätssicherung die Fraunhofer Gesellschaft. Bis 2011 habe Huawei zudem ausschließlich Netzwerkbetreiber beliefert. Erst dann gehen die IP-Produkte auch an Endkunden.
Der Bereich Digital Power
Seit vier bis fünf Jahren gibt es den Geschäftsbereich 'Digital Power'. Entwickelt hat sich dieser aus der Forschung hinsichtlich des Energieverbrauchs von Basisstationen.
Eine der vielen Showtafeln in den Showrooms von Huawei; hier geht es um eine Strategie in Sachen Energie.
(Bild: uo/ Vogel IT-Medien GmbH)
So war Huawei laut diversen Marktuntersuchungen auch 2024 im Bereich der Solar-Wechselrichter der Marktführer, das achte Mal in Folge.
Aktivitäten in Sachen Microgrid
Auf der Veranstaltung „Intersolar Europe“ des vergangenen Jahres hat Huawei etwa ein Generatorsystem für erneuerbare Energien vorgestellt, welches PV-, ESS-, Last-, Netz- und Management-Systeme umfasst, um die Solarstromerzeugung von der Netzfolge bis zur Netzbildung zu steuern. Es hilft, Spannung, Frequenz und Leistungswinkel neu zu definieren, höhere Erträge, vollständige Integration und stabile Steuerung zu erreichen.
Nach Anbieterangaben hat Huawei dieses sowohl in starken als auch in schwachen Netzen eingehend getestet und dessen Anpassungsfähigkeit ist in allen Stromnetzumgebungen nachgewiesen. Im Vorzeige-Projekt, das Saudi Arabien im Roten Meer mithilfe von Huawei-Technik aufgesetzt hat, läuft das derzeit weltweit größte Microgrid seit mehr als einem Jahr stabil. Es versorgt eine neue Stadt zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie auf der Grundlage einer Synergie von PV+ESS und setzt einen Maßstab für Mikronetze auf GW-Ebene.
Was für die Versorgung für eine ganze Stadt taugt, könnte auch Rechenzentren versorgen. Huawei hat sich dabei für eine „Cell-to-Grid Smart String & Grid Forming ESS Plattform“ entschieden. Mehr oder weniger alles wird steuerbar.
Das Akronym OASIS bezeichnet das Komplettsystem:
„O“ steht für One-Stop: Alles aus einer Hand
„A“ ist eine Variante der Zahl 4, vier Kernprodukte: Wechselrichter, Optimierer, Energiespeicher und EV-Ladegeräte.
Das erste „S“ steht für Solar und ESS.
„I“ steht für intelligent, etwa intelligentes Energie-Management und intelligente Steuerung.
Das zweite „S“ steht für Sicherheit,
Im Rechenzentrum finden die Bereiche Digital Power und IT zusammen (siehe: Kasten). Eines der Huawei-Produkte aus diesem Umfeld ist das USV-System „Fusion Power 9000“. Das zur „Huawei Connect 2024“ vorgestellte Produkt basiert auf einer vollständig entkoppelten Architektur, die es erlaubt, ein Energiesystem (und die Kühlung) in einem einzigen Container aufzubauen.
Digital Power und Rechenzentren: 10 Prinzipen
Derzeit gelten laut Huawei zehn Prinzipien für Rechenzentren.
1. Isolierte Energiespeicherung: Für Lithiumbatterien in Rechenzentren schlägt Huawei den isolierten Einsatz von Energiespeichersystemen vor. Ein Energiespeichersystem kann in einem abgelegenen Außenbereich eingesetzt werden, so dass die elektrochemische Energiespeicherung von den IT-Diensten isoliert ist und die Sicherheit des Rechenzentrums maximiert wird. Wenn ein Energiespeichersystem innerhalb eines Rechenzentrumsgebäudes eingesetzt wird, muss der Einsatz die entsprechenden Anforderungen erfüllen, wobei Feuerbeständigkeit, Löschwasser und Notbelüftung umfassend berücksichtigt werden müssen.
2. Verteilte Architektur: Elektromechanische Geräte sollten in einem verteilten Modus eingesetzt werden, um Fehlerbereiche zu minimieren. Ein Stromversorgungs- oder Kühlsystem kann in einem einzigen Container installiert sein, um die Ausbreitung von Fehlern zu verhindern und die Auswirkungen auf die Dienste zu eliminieren.
3. Kontinuierliche Kühlung: Zur Kühlung von Geräten mit hoher Dichte sollten Rechenzentren über eine kontinuierliche Kühlung verfügen, um eine Unterbrechung der Dienste im Falle von Störungen zu verhindern.
4. Zuverlässige Produkte: Die Produktqualität ist ein wichtiger Faktor für den Aufbau eines verfügbaren Rechenzentrums und sollte in den Bereichen Design, eingehende Materialien, Produktion, Tests, Netzwerke und Prozesse umfassend verwaltet werden, um qualitativ hochwertige Produkte zu liefern und eine durchgängige Sicherheit zu gewährleisten.
5. Professionelle Dienstleistungen: Professionelle und proaktive Dienstleistungen von der Bereitstellung bis zur Wartung können Risiken beseitigen und dafür sorgen, dass die Systeme langfristig zuverlässig laufen.
6. Management mithilfe Künstlicher Intelligenz:KI-Technologien können in Rechenzentren eingesetzt werden, um Störungen wie Stromausfall, Feuer und Überhitzung zu verhindern. KI wird zu einer unverzichtbaren Technologie für intelligentes O&M.
7. Entkopplung von Teilsystemen: Um den unsicheren Anforderungen im Zeitalter der intelligenten Datenverarbeitung gerecht zu werden, kann die Entkopplung von Teilsystemen eingesetzt werden, um die grundlegenden Anforderungen für eine flexible Entwicklung von Rechenzentren zu erfüllen. So können wichtige Subsysteme entkoppelt werden, um eine bedarfsorientierte Konstruktion zu implementieren.
8. Flexible Architektur: Standardisierung von Rechenzentren, modulares Design und vorgefertigte Module erhöhen die Flexibilität der Architektur und spielen daher eine Schlüsselrolle bei der flexiblen Entwicklung, der reibungslosen Kapazitätserweiterung und der schnellen Bereitstellung intelligenter Rechenzentren.
9. Hohe Dichte und Effizienz: Eine hohe Dichte und ein hocheffizientes Design sparen Platz und Energie für elektromechanische Geräte in intelligenten Rechenzentren. Hohe Dichte und Effizienz werden wichtige Merkmale von umweltfreundlichen und kohlenstoffarmen Produkten für intelligente Rechenzentren sein.
10. Luft-Flüssigkeit-Konvergenz: Die Flüssigkeitskühlung ist der Schlüssel zur Lösung des Wärme-Ableitungsproblems von intelligenten Rechenzentren mit hoher Leistungsdichte. Die Luft-Flüssigkeits-Konvergenz und ein einstellbares Luft-Flüssigkeits-Verhältnis können den Gesamtbedarf an Kühlkapazität reduzieren, die Bereitstellung vereinfachen und die energiesparende Leistung der Systeme verbessern. Die Luft-Flüssigkeits-Konvergenz und ein einstellbares Luft-Flüssigkeits-Verhältnis werden für die Kühlung von intelligenten Rechenzentren mit hoher Leistungsdichte unverzichtbar sein.
Das Produkt kann im Freien eingesetzt werden, ohne dass ein Geräteraum benötigt wird. Einsatzbereit kann das System binnen 18 Wochen sein. Es unterstützt außerdem den schrittweisen Aufbau und die bedarfsgerechte Kapazitätserweiterung.
Die USV-Anlage „Fusion Power 6000“ , in der Version seit 2023 auf dem Markt, integriert Verbindungen mit voller Leistung vom Mittelspannungs-Transformator zum Verbraucherabzweig und bietet damit eine integrierte Megawatt-Stromversorgung und Stromverteilung für große Rechenzentren.
(Bild: Huawei)
Seit 2019/2020 gibt es den Bereich 'Intelligent Automotive Solutions'. Senz erläutert: „Wir liefern Komponenten - etwa Lidar-Sensoren, Millimeterwellenradar und Kameras sowie TMS-Energie-Management- und TMS-Wärme-Management-Komponenten, die Hauptrecheneinheit und den Elektromotor sowie die IT: „Wir designen und automatisieren die Fabriken der Automobilhersteller und haben gemeinsame Sales- und Marketing- Aktivitäten.“ So lassen sich in den Huawei-Flagship-Stores auch Autos besichtigen, probefahren und kaufen. Partner sind der staatliche chinesische Fahrzeughersteller Chery beziehungsweise Aito sowie die Beijing Automotive Group (BAIC).
Xisheng Jiang ist der Vorstandssprecher von Huawei.
(Bild: uo/ Vogel IT-Medien GmbH)
„Wir bauen keine Autos und haben auch kein Bestreben das zu tun“, wird bei Huawei bei jeder Gelegenheit versichert, so auch von Xisheng Jiang, Chef Secretary of the Board of Directors. Doch das hatte Huawei auch einst versichert, als das Unternehmen mithilfe seiner OpenStack-Implementierung für viele Telekommunikationsunternehmen deren Cloud-Angebot umsetzte, darunter etwa Vodafone, Telefonica und die Deutsche Telekom. Heute ist das Cloud-Angebot von Huawei nach eigenen Angaben das fünftgrößte dieser Welt. Und gefragt nach den einstigen Aussagen, die Konkurrenz zu den Cloud-Anbietern ausschlossen, sagt er heute: „Wir konnten damals Cloud noch nicht.“
Die Energie-Abteilung des Konzerns liefert übrigens die Infrastruktur für die Elektroautos gleich mit. Derzeit werden Ladesäulen errichtet, die mit bis zu 600 Kilowatt laden können. Die jüngsten Automodelle können das bereits aufnehmen. Die Devise lautet: „One Kilometer in One Second fully Charged in a Cup of Coffee“, will heißen, der Ladevorgang soll in der Zeit, die es benötigt eine Tasse Kaffee zu trinken, beendet werden können. 'Voll getankt' heißt 80 bis 90 Prozent.
Eine so hohe Kilowatt-Zahl bedeutet, dass es in der Ladesäule (siehe: Abbildung 22 und 23) und im Schlauch heiß werden könnte. Hier kommen Forschungserkenntnisse aus anderen Abteilungen von Huawei zum Einsatz. Die Wasserkühlung kennen Datacenter-Experten aus der aktuellen Diskussion um die Serverkühlung (siehe Abbildung 24ff) und die 5G-Antennen von Huawei können dank eines Gehäuses mit speziell beschichteten Oberflächen und Kapillaren passiv gekühlt werden. So sind die E-Ladestationen leise, haben keine Ventilatoren und auch keinen Wassertank nebenan stehen.
IT für Rechenzentren
Doch wie reagiert Huawei nun auf die diversen Verbote aus der westlichen Welt, Hightech an das Unternehmen zu liefern? Wie gesagt: In der Regel gibt man sich keine Blöße, zeigt ein lächelndes Gesicht und antwortet ausweichend. Doch schon im Herbst 2023 kam bei der Kongressmesse „Huawei Connect“ ein wenig Trotz auf die Bühne. Man werde schon Wege finden, um die Zukunft zu gestalten. Ein Versprechen, eine Drohung? Die Firmengeschichte lässt vermuten, dass 'selber machen' - in diesem Fall GPUs, CPUs und DPUs - durchaus eine Option darstellt.
So konnten die Besucher in dem noch geheimen Bereich der Besucherzentren Chips entdecken, die nicht auf Silizium basieren. Beim Storage-Roundtable war zudem zu vernehmen, dass man auf der Suche nach europäischen Technologie-Partnern sei.
Allerdings braucht sich die Storage-Division ohnehin nicht zu verstecken. Zur Huawei Connect 2019 schon hatte der Konzern General Purpose- und KI-Chipsets „Kunpeng“ und „Ascend“ vorgestellt. Zum Beispiel Ascend wird längst in die Storage-Devices von Huawei verbaut (siehe: Kasten).
Diego Xiao (li) und Michael Fan von der Storage-Devision. Die beiden verweisen auf rund 8000 R&D-Ingenieure, 3200 Patente, die Mitgliedschaft in mehr als 30 Industrie-Organisationen und 12 R&D-Zentren weltweit. In den vergangenen Jahren konnte die Abteilung jeweils ein Umsatzplus von 21 Prozent verzeichnen. Unter anderem war Huawei damit im vierten Quantal des vergangenen Jahres die weltweite Nummer eins im Bereich All-Flash-Storage.
(Bild: uo / Vogel IT-Medien GmbH)
Derzeit ist „Kunpeng 920“ einer der führenden Arm-basierten Server-CPUs der Branche. Die CPU nutzt einen 7-nm-Prozess und wurde von Huawei unabhängig auf der Grundlage der Arm-Architekturlizenz entwickelt. Die Leistung des Prozessors hat der Anbieter durch Optimierung der Verzweigungsvorhersage-Algorithmen, durch Erhöhung der Anzahl von Ausführungseinheiten und Verbesserung der Speicher-Subsystem-Architektur steigern können.
Bei typischen Frequenzen erreicht die Kunpeng-920-CPU mehr als die geschätzten 930 Punkte bei SPECint_rate_base2006, während die Energie-Effizienz um 30 Prozent besser sein soll als die der Konkurrenzprodukte. (siehe: Abbildung 25, 26, 31).
„Taishan" gibt es seit 2023. Dahinter verbirgt sich ein von Huawei entwickelter Server, der ebenfalls auf den Kunpeng-Chips basiert. Die Einsatzszenarien variieren von Cloud bis HPC, von Big Data bis Edge.
Das Spektrum bisheriger „Taishan“-Server.
(Bild: Huawei)
Das Hochleistungsmodell „2480“ ist ein 2-HE-4-Sockel-Server, der mit dem Prozessor „Kunpeng 920“ - 64 Kerne und 2,6 GHz - betrieben wird. Der Server bietet bis zu 256 Kerne und 24 NVMe-SSDs. Das Rechnermodell zeichnet sich laut Huawei durch eine hohe Rechendichte, hohe Speicherleistung und schnelle Netzwerkgeschwindigkeit aus. Es sei ideal für Szenarien wie Hochleistungsrechnen, Datenbanken und Cloud-Computing.
Nach Angaben ist der „Taishan 200 Server“, der auf 2 Höheneinheiten und vier „Kunpeng 920“ -Prozessoren sowie 32 x DDR4-3200 DIMM-Steckplätze basiert, kompatibel mit gängiger Software und Hardware von Herstellern, die mit Huawei zusammenarbeiten. Er nutzt eine Multi-Core-Architektur sowie einen Superkondensator zum Schutz gegen Stromausfall.
(Bild: Huawei)
Auf den Taishan-Rechnern läuft das Betriebssystem „EulerOS“, eine kommerzielle Linux-Distribution für den Unternehmensmarkt, die von Huawei entwickelt wird. Es basiert auf „CentOS“ und wurde 2020 nach der Eskalation des Streites mit den USA erstmals als „Open Euler“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Quelltext steht per „Gitee“ zur Verfügung.
Die „Taishan“-Server- laufen unter dem Betriebssystem „EulerOS“.
(Bild: Huawei)
Der KI-Prozessor Ascend steckt etwa in den „Atlas“-Produkten von Huawei, wenn man so will, den Trainings- und Inferenz-Servern'.
Ob es jemals hierzulande einen nennenswerten Auftritt für die Compute-Devices von Huawei geben wird? Ob Huawei die Telcos in Europa zurückgewinnen kann? Ob es neue Kooperationen für die Herstellung und den Bezug von Halbleitern mit europäischen Firmen geben wird? Wer weiß das schon. Jiang, der weiß, was sich im Vorstand tut, redet sich heraus: Wenn es um derartige Fragen gebe, müsse Huawei die Antwort schuldig bleiben. „Gewisse Kreise hören mit.“
Definitiv aber will Huawei sein as-a-Service-Angebot, wie es die großen amerikanischen Hardwarelieferanten bieten, ausbauen: Hewlett-Packard Enterprise (HPE) hat „Greenlake“, Dell Technologies offeriert „Amex“, Lenovo vermarktet „Truescale“ und Huawei kredenzt „Ever".
Bis jetzt gibt es „Flash Ever“ für Storage-Geräte. Das Programm wurde laut Anbieter entwickelt, um Kunden dabei zu helfen, höhere Kapitalrendite (ROI) zu erreichen. Es eigne sich insbesondere für Kunden mit kleinem Budget.
Jüngste Produkte im Bereich Storage
Huawei habe sich zu langfristigen Investitionen in Produkte und Lösungen für alle Szenarien verpflichtet und werde mit europäischen Kunden und Partnern zusammenarbeiten, um eine KI-fähige Dateninfrastruktur aufzubauen und kontinuierliche Innovationen und Durchbrüche bei der Datenspeicherung voranzutreiben, hieß es auf der ICT-Konferenz „Huawei Connect“, die im vergangenen Herbst erstmalig nicht nur in Shanghai, sondern auch in Paris stattfand.
Dort hat Huawei unter anderem eine neue Generation des All-Flash-Speichers „Oceanstor Dorado“ vorgestellt. Das Produkt ist 'AI-ready' und punktet mit eingebauter KI sowie Data Processing Units (DPUs). Die „Flashlink 3.0“-Algorithmen für die Zusammenarbeit zwischen Festplatten-Controller und DPU arbeiten mit einer dedizierten, DPU-basierten SmartNIC, die eine Trennung zwischen Daten- und Kontrollströmen ermöglicht. Dadurch werden die Engpässe der CPU-Rechenleistung überwunden und Hunderte Millionen IOPS sowie eine extrem niedrige Latenz von 0,03 Millisekunden erreicht.
Außerdem werden Funktionsmodule verwendet, um Funktionen wie Deduplizierung und Komprimierung sowie Ransomware-Erkennung auszulagern. Dies gewährleistet eine kompromisslose Leistung, wenn Mehrwertfunktionen aktiviert sind.
Das Speichersystem bietet eine native parallele Architektur für Blocks, Dateien und Objekte. Integrierte große KI-Modelle sorgen für proaktive Betriebs- und Wartungsprozesse.
Außerdem minimiert die immanente Verwaltung den Stromverbrauch und stellt gleichzeitig eine stabile Leistung sicher mit 30 Prozent höherer IOPS pro Watt und TB/W als der nächstbeste Mitbewerber in der Branche.
99,99999 Prozent Verlässlichkeit
Eine „Smartmatrix 4.0 Full-Mesh“-Technologie kann den Ausfall eines einzelnen Controller-Gehäuses, Festplattengehäuses oder Schranks verkraften. Damit erreicht ein einziges System 99,99999 Prozent Zuverlässigkeit.
Laut Huawei ist es die branchenweit einzige aktiv-aktive Lösung für SAN, NAS und „S3“. Sie ermöglicht einen Service-Lastausgleich und Failover. Die jährliche Ausfallzeit reduziert sich auf 0,3 Sekunden.
Es gibt zudem eine Integrierte Ransomware-Erkennung für SAN und NAS, mit einer Erkennungsrate von 99,99 Prozent. Snapshot-Synthese und -Wiederherstellung, basierend auf intelligenter Multi-Snapshot-Korrelationsanalyse, minimieren die RPO nach einem Ransomware-Angriff. Die integrierte CDP-Technologie (CDP = Continuous Data Protection) auf I/O-Ebene ermöglicht die Wiederherstellung von Daten zu jedem beliebigen Zeitpunkt.
Sicherheit sicher gestellt
Das All-Flash-Produkt Huawei Oceanstor Dorado hat nun die Common Criteria (CC) Evaluation Assurance Level (EAL) 4+ Sicherheitszertifizierung erhalten, die höchste Stufe der Sicherheitszertifizierung für Speicherprodukte. Die Zertifizierung wurde von SGS Brightsight mit Sitz in Delft in den Niederlanden genehmigt und von TrustCB ausgestellt.
Eine CC EAL-Zertifizierung belegt Sicherheit, Zuverlässigkeit und den Schutz der Privatsphäre eines IT-Produkts oder einer Lösung. Sie ist weltweit als maßgebliche IT-Produktsicherheitszertifizierung anerkannt. Es werden Zertifizierungen von EAL1 bis EAL7 angeboten, wobei höhere Stufen eine ausführlichere Dokumentation und strengere Tests erfordern. Jede höhere Stufe bietet eine höhere Sicherheitsgarantie.
EAL4+ bietet eine deutlich höhere Sicherheitsgarantie als EAL3+, welches Huawei im Jahr 2021 erhalten hat. EAL4+ bedeutet höhere Sicherheitsstandards für Sicherheitsfunktionen, Sicherheitsdesign, Konfigurations-Management und Sicherheitstests sowie einen detaillierten Überprüfungsmechanismus für den Quellcode.
Flashever 2.0 für ein langes Geräteleben
Die Huawei-Technik ermöglicht, dass Controller aus verschiedenen Generationen im gleichen Gehäuse, Pool und Cluster ohne Service-Unterbrechung gemeinsam verwendet und erweitert werden. Im vollen Software-Abonnement-Modus werden Funktionen kontinuierlich erweitert. Nach dem Upgrade eines Geräts wird die Lizenz automatisch auf das neue Gerät übertragen. Die Lizenz muss nicht erneut erworben werden.
Container Storage
Nach Einschätzung von Huawei werden 95 Prozent neuer Anwendungen in Containern entwickelt. Das hat jedoch besondere Herausforderungen für die Datenspeicherung. Die Container selbst verwenden eine leichtgewichtige OS-Virtualisierungstechnologie, so dass containerisierte Anwendungen und abhängige Komponenten in einem Ressourcen-isolierten Prozess laufen.
Diese Anwendungen lassen sich für eine Wiederverwendung in Images packen. Das erlaubt, dass containerisierte Anwendungen konsistent laufen, unabhängig davon, wo sie bereitgestellt werden. Trotzdem gibt es gewichtige Problemstellungen:
Zustandsbehaftete Container sind auf eine persistente Speicherung angewiesen, aber die herkömmliche Speicher-Bereitstellung ist nicht flexibel genug für Container-Umgebungen.
Verglichen mit Virtualisierungs-Plattformen gibt es bei Container-Plattformen keine nativen Hochverfügbarkeits-Fähigkeiten, die einen unterbrechungsfreien Betrieb und eine Notfallwiederherstellung für wichtige Geschäftsprozesse sicherstellen könnten.
Die Speicherressourcen werden von Entwicklungsteams gemeinsam und frei genutzt. Containerspeicher müssen somit ein global einheitliches Dashboard zur Ressourcenverwaltung bieten, um Ressourcenmissbrauch zu verhindern und gleichzeitig ausreichende Ressourcen für geschäftskritische Dienste zu gewährleisten.
So sieht ein passendes Szenario für ein hybrides Container-Storage aus.
(Bild: Huawei)
Huawei arbeitet derzeit im Bereich Storage mit vielen bekannten Container-Management-Plattformen zusammen, darunter „Kubernetes“, „OpenShift“, „VMware Tanzu“, „Suse Rancher“, „Cloud Container Engine“ (CCE), Agile Edition, „Fusioncompute“, „Fusionstage“, „Daocloud“ und „Alauda“.
Berechtigt sind Kunden, die „Oceanstor Dorado V3“ gekauft haben. Sie müssen die Deduplizierung und Komprimierung während der Produktbereitstellung aktivieren, um in den Genuss der 2:1-Datenreduzierungsgarantie von Huawei zu kommen, ohne dass eine Bewertung erforderlich ist.
Kunden, die über spezifische Anwendungsszenarien verfügen oder das Datenreduzierungs-Evaluierungs-Tool von Huawei verwenden, kann Huawei eine Datenreduzierungsgarantie von bis zu 3:1 für Datenbanken, VDI und Servervirtualisierung bieten.
Mit dem Flash-Ever-Geschäftsmodell schützen Kunden unter Umständen gar ihre Investitionen. So können Besitzer von Oceanstor Dorado die Controller gegen Technik der neuesten Generation austauschen und ihren Kunden wiederum immer neue Umgebungen bieten. Der Service macht eine Datenmigration über drei Produktgenerationen innerhalb der folgenden zehn Jahren unnötig. Diego Xiao und Michael Fan von der Storage-Devision kündigen an, man wolle den Service noch erweitern und sogar neue Services hinzufügen.