All for One Steeb gründet Bau Allianz, Siemens spendet BIM-Daten

Vereinheitlichung soll IT in der Baubranche vorantreiben

| Autor: Ludger Schmitz

Die Baubranche hat in Sachen Digitalisierung noch eine Nachholbedürfnis.
Die Baubranche hat in Sachen Digitalisierung noch eine Nachholbedürfnis. (Bild: Siemens)

Der Schnee ist geschmolzen, es regnet ohne Ende, der Winter ist also vorbei, und die Baubranche steht voller Hoffnungen vor einer neue Saison. Hoffnungen machen sich da auch die IT-Anbieter.

Februar, März, das ist die Zeit, bevor es auf dem Bau wieder richtig losgeht. Letzte Wochen der Winterpause, um sich über Neuheiten auf dem Markt zu informieren. Eine Chance insbesondere für IT-Anbieter, die für Firmen dieser Branche etwas zu bieten haben. Die Vorentscheidungen müssen jetzt laufen, denn im Sommer ist keine Zeit, und realisiert werden solche Projekte dann im nächsten Winter.

IT-Nachholbedarf am Bau

Nachholbedarf in Sachen IT hat die Branche. In den Unternehmen gibt es IT-Lösungen – Kalkulationssysteme, Personalplanung und -abrechnung, Projektmanagement, ERP, CAD zum Beispiel –, aber es handelt sich eher um Insellösungen. Während die Datenvolumina wachsen, sind die Datenformate divers, die Datenstrukturen historisch geprägt.

Die Grenzen der Einzellösungen wirken hemmend. Der Informationsfluss zwischen Architekten, Bauplanern, Bauunternehmen und Gebäudeverwaltungen wird so ausgebremst, dass von einer Wertschöpfungskette kaum die Rede sein kann. Von Industrie 4.0 ist die Baubranche weit entfernt. „Kaum eine andere Branche steht in puncto Digitalisierung vor größeren Herausforderungen“, konstatiert die All for One Steeb AG.

All for One Steeb gründet Bau Allianz

All for One Steeb sieht hier eine Chance. Das SAP-Beratungshaus gehört mit mehr als 1200 Mitarbeitern zu den Großen in Mittelstandsgeschäft. Seine rund 2000 Kunden kommen vor allem aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobilindustrie, der Konsumgüterindustrie, dem technischen Großhandel und dem projektorientierten Dienstleistungsumfeld. Die Baubranche wäre also ein noch recht unbeackertes Feld.

Das geht der IT-Anbieter nun mit Partnern in einer „Bau Allianz“ an. Zu der gehören neben All for One Steeb die Bau UP Unternehmens- und Projektberatung GmbH, Oldenburg, die Kammachi Consulting GmbH, Bühl, die quindata GmbH, Kassel und die VRG Unternehmensberatung GmbH, Oldenburg.

Im Kern geht es um SAP-Lösungen

Die wesentliche technische Lösung und Grundlage der Bau Allianz sind die SAP-Branchenlösung „Baustein“ samt Zwischenlösungen und „Baulohn“. Weitere Grundlagen sind SAP S/4HANA und die SAP Cloud Solutions. Application Management oder Managed Cloud Services auch für Microsoft Exchange, Sharepoint oder Skype for Business.

Um wirkungsvoller zu steuern, arbeitet die Bau Allianz zudem an möglichst nahtlosen Szenarien zum besseren »Sharing« der Datenbasis mit Architekten und Bauplanern (BIM, Building Information Modeling), mit Projektierungsdienstleistern (Multiprojektmanagement) und mit dem Bauhaupt-, Baunebengewerbe und dem Baustoffhandel (Internet of Things). Auf diesem Wege sollen sich neue Geschäftsfelder, etwa industrialisiertes Bauen oder VerwaItung von Immobilien, besser integrieren lassen.

Siemens fördert BIM-Standards

Die Intention, Sparten in der Baubranche zu integrieren, verfolgt auch Siemens. Hier fußt der Ansatz auf Building Information Modeling (BIM), und es geht um eine Vereinheitlichung der Daten beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Siemens setzt dazu den Preishebel an – die Daten sind kostenlos.

Dazu stellt Siemens BIM-Daten von Building Technologies für derzeit über 1200 Produkte aus den Bereichen Feldgeräte, Automation, KNX und Brandschutz zur Verfügung. Das Datenmaterial wird künftig sukzessive erweitert. Mitte des Jahres soll der BIM-Daten-Pool bereits mehr als 2000 Produkte umfassen.

Verschiedene Formate und kostenlos

Derzeit stehen die BIM-Daten im REVIT-Format von Autodesk zur Verfügung, sie können aber auch ins offene IFC-Format (Industry Foundation Classes), VDI oder in das in Großbritannien gebräuchliche CIBSE-Format (Chartered Institution of Building Services Engineers) konvertiert werden. Die Datensätze entsprechen den Kriterien von ISO16757 (ehemals VDI3805). Ergänzende Informationen zu den einzelnen Produkten können über den im jeweiligen BIM-Datensatz integrierten Link jederzeit aus dem Siemens-Download-Center heruntergeladen werden.

Siemens bietet die BIM-Daten Planern und anderen interessierten Kreisen kostenlos zur Nutzung an. Sie können über die URL www.siemens.com/bt/de/bim-daten heruntergeladen werden. Nach dem Download werden die Daten automatisch auf dem neuesten Stand gehalten.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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total spannend... wie kann ich den Kontakt zur wichtigen Allianz herstellen?  lesen
posted am 22.02.2017 um 17:07 von Unregistriert


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