Anwendungen migriert und mit allen Daten das Rechenzentrum gewechselt

Umzug in eine komplett neue IT-Umgebung

| Autor: Ludger Schmitz

Der Logistik-Dienstleister SVG Nordrhein musste selbst umziehen, mitsamt seiner IT.
Der Logistik-Dienstleister SVG Nordrhein musste selbst umziehen, mitsamt seiner IT. (Bild: SVG)

Die SVG Nordrhein, ein Dienstleister für Logistikunternehmen, bezog ein neues Betriebsareal und erneuerte dabei seine IT-Umgebung fast komplett. Nach vier Monaten Vorbereitung gelang die Inbetriebnahme.

LKW- und andere Vielfahrer kennen sie, die SVG-Tankkarten. Die vor 77 Jahren gegründete SVG Nordrhein ist eine Straßenverkehrsgenossenschaft der in der Region Köln-Düsseldorf ansässigen Logistik- und Transportunternehmen. Zu den Dienstleistungen der SVG sowie seiner Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften gehört weit mehr als die Tankkarte: Autohöfe, ein europaweites Netz von Tankstellen und Servicestationen, Mautabrechnung, Frachtvermittlung, Aus- und Weiterbildung, Versicherungen für Fahrzeuge und Unternehmen, LKW-Zubehör etc.

Unix- und Linux-Tradition

Die IT-Infrastruktur der SVG war Server-seitig früh auf Unix-Basis entstanden. Zu ihr kamen später Windows-Clients, viele am Terminal-Server angebunden, hinzu. Seit Beginn des neuen Jahrtausends wechselte die SVG schrittweise von Unix auf Linux. Und zwar mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL), das dann auch die Grundlage für die spätere weitgehende Virtualisierung der Infrastruktur wurde.

Vier Mitarbeiter betreuen diese IT, von denen aber zwei die Hälfte ihrer Arbeitszeit noch für andere Aufgaben im Betrieb aufbringen müssen. Dieses Team bedient im Support rund 100 Arbeitsplätze. Im Hauptgebäude gibt es mehr als 70 Arbeitsplätze, hinzu kommen weitere Arbeitsplätze in externen Betriebsstätten, die vor allem per Terminal-Server angeschlossen sind.

Neue Hauptverwaltung, neue IT

Für den Herbst 2016 stand der Umzug der SVG und zweier Tochtergesellschaften in ein neues Gebäude auf einem anderen Betriebsareal an. Gleichzeitig war schon beschlossen, die schon deutlich in die Jahre gekommene IT im Backend von Grund auf zu erneuern. Dieser Neuaufbau der IT von der Neubeschaffung der Hardware bis zum Umzug der Anwendungen und Daten in eine anders gestaltete Struktur, konnte das firmeninterne IT-Team nicht schaffen. Kai Gollan, in Doppelfunktion Leiter Rechnungswesen und IT bei der SVG, beauftragte Ende April 2016 den Arnsberger IT-Dienstleister Gonicus, mit dem zuvor schon „einige Projekte sehr gut gelaufen“ waren.

Zuerst ging es darum, die Kapazitäten der bestehenden IT nach physischen und virtuellen Maschinen sowie die Ursachen bisheriger Engpässe festzustellen. Auf den ermittelten Bedarf an CPUs, RAM, I/O, Massenspeicher etc. wurde eine Zukunftskalkulation aufgeschlagen. Außerdem entstand auf Basis dieser Kapazitätsplanung eine Backup-Planung für den erwartbaren Datensicherungsbedarf.

Up to date mit Zukunftsreserven

Das Ergebnis der Planungen waren drei Rechenzentren am neuen Standort: Das primäre Rechenzentrum arbeitet mit zwei Hypervisoren mit jeweils 20 CPU-Kernen und 192 GB RAM sowie mit einer Storage-Kapazität von brutto fast 60 TB, wovon netto etwas mehr als die Hälfte verfügbar sind. Zweitens gibt es räumlich getrennt ein per Glasfaser angebundenes Backup-Rechenzentrum. Dieses läuft mit dediziertem Windows-Server und Acronis Advanced Backup. Die Kapazität im Datastore beträgt 6,4 TB.

Drittens ist ein sekundäres Rechenzentrum mit dem primären per Glasfaser verbunden. Daten und virtuelle Maschinen werden permanent per SAN-Spiegelung auf Basis des RHEV-Failovers synchronisiert. Allerdings ist dieses Data Center nicht so großzügig ausgestattet. Hier läuft ein Hypervisor, erklärt Gollan: „Wir wären nicht in der Lage, alle normalerweise aktiven virtuellen Maschinen im sekundären Rechenzentrum hochzufahren. Aber wir könnten, wenn auch in abgespeckter Form, unsere Arbeiten komplett ausführen.“

Ein Dienstleister bereitet die IT vor

Die neue Hardware wurde im Frühsommer direkt an Gonicus nach Arnsberg geliefert. Dort erfolgte die Grundeinrichtung, diesmal mit Red Hat Enterprise Virtualization (RHEV) für Server sowie ein Backup-System. Anfang August wurden die vorbereiteten Systeme nach Düsseldorf verfrachtet und im neuen Rechenzentrum aufgebaut. Daneben konfigurierte Gonicus die Netzwerkinfrastruktur mit insgesamt zehn Etagen-Switches für die vier Etagen des zweiflügeligen Hauptgebäudes und Kellerräume. Von diesen zu den Rechenzentren geht es über Glasfaser, zu den einzelnen Büros und Fluren per Kupferkabel. In dieses Netzwerk sind auch Schließsysteme und die Videoüberwachung integriert.

Gleichzeitig arbeiteten die SVG-IT und Gonicus an der Migration von Software, die von RHEL auf RHEV umzustellen war. Hierbei war vor allem erschwerend, dass die SVG ausgesprochen viele Script-basierende Anwendungen selbst entwickelt hat, die außerdem von einer sehr alten auf eine aktuelle MySQL-Datenbank umzustellen waren. Gollan: „Das war eine der schwierigsten Aufgaben, die wir überhaupt hatten.“ Einige ältere Maschinen, zum Beispiel File-Server, mussten komplett neu aufgesetzt werden. Während dieser Zeit waren das alte und die neuen Rechenzentren per VPN miteinander gekoppelt, um virtuelle Maschinen und Daten kopieren und unter realen Bedingungen testen zu können.

Umzug an einem langen Wochenende

Der endgültige Umzug fand Ende September statt. Nicht nur das gesamte Büroinventar wurde an einem langen Wochenende zum neuen Standort im Düsseldorfer Süden bewegt, sondern auch virtuelle Maschinen und vor allem Daten. Und es klappte. Als die Angestellten wieder zur Arbeit erschienen, brauchten sie nur ihre Arbeitsplatz-PCs zu booten, und sie konnten arbeiten wie zuvor. Es gab Probleme mit den IP-Adressen einiger Drucker, erinnert sich Gollan. „Aber die zentrale IT funktionierte vollständig.“

Nach dem Umzug veranstaltete Gonicus noch Schulungs-Workshops mit den IT-Mitarbeitern, um sie mit Funktionen von RHEV im primären und sekundären Rechenzentrum sowie mit der Backup-Umgebung bekannt zu machen. „Wir können alle Grundfunktionen ausführen“, erklärt Gollan. „Für den Fall ernsthafterer Probleme haben wir einen Supportvertrag mit Gonicus sowie einen weiteren Dienstleister an der Hand.“

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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